Mittwoch, 6. Februar 2019

Eaglemoss Nr.102: Klingonische D5-Klasse

Einleitung

Schon im 22. Jahrhundert benutzten das klingonische Imperium eine Klasse von schweren Schlachtkreuzern, die beinahe allen anderen Schiffen anderer Völker dieser Epoche überlegen waren. Die als D5-Klasse bezeichneten Kreuzer sind in der Lage, bis zu Warp sechs zu erreichen und besitzen am Bug ein Photonentorpedokatapult, das auf ein Magazin von 150 Projektilen zugreifen kann. Am Hals und auch an den Flügeln befinden sich Disruptorkanonen vom Typ IV und als wenn das noch nicht reichen würde, hat der Kreuzer auf der Unterseite noch einen doppelläufigen Geschützturm, der sich um 360° drehen lässt und sehr starke Disruptorimpulse abfeuert. Mit dieser Waffe lassen sich auch planetare Bombardements durchführen. Dieses Kriegsschiff kann nicht nur austeilen, sondern auch einstecken. Wie bei klingonischen Schiffen üblich, ist auch die D5-Klasse schwer gepanzert und besitzt zusätzlich noch einen starken Schutzschild. Wie überlegen die klingonische Waffentechnik zu dieser Zeit schon ist, ist eine Erfahrung, die die irdische Sternenflotte macht, als die zwei NX-Klasse Schiffe Enterprise und Columbia von nur einem D5 innerhalb kurzer Zeit kampfunfähig gemacht werden. Die Waffen der beiden Schiffe sind nicht in der Lage, die Schilde des Kreuzers zu knacken und nur durch einen Waffenstillstand überstehen die beiden irdischen Schiffe das Gefecht.
Allerdings unterschätzen die Klingonen in einigen Fällen den Einfallsreichtum ihrer unterlegenen Gegner. So gelingt es der Enterprise zweimal einen D5-Kreuzer zu überrumpeln und kampfunfähig zu machen. So wird die I.K.S. Bortas von der Enterprise in die Ringe eines Gasriesen gelockt und dort durch natürlich vorkommendes, zur Explosion gebrachtes Plasma außer Gefecht gesetzt. Bei einem weiteren Aufeinandertreffen überlistet die Enterprise einen Kreuzer damit, dass sie die Klingonen nahe herankommen lässt, ihre Greifer auf eine Warpgondel abfeuert und dann sofort auf maximale Impulsgeschwindigkeit geht. Durch die dabei entstehenden Kräfte wird die Gondel des Kreuzers fast abgerissen und das Schiff bleibt antriebslos zurück, während die Enterprise entkommt.
Es ist nicht genau bekannt, wie lange die Klingonen die D5-Klasse nutzen, aber spätestens in der zweiten Hälfte des 23. Jahrhunderts wurde sie von der D7-Klasse ersetzt.

Ein klingonischer Kampfverband.
Das Hauptgeschütz im Einsatz.

Die Brücke eines D5.

Die Enterprise überlistet Captain Maghs Schiff. ( Alle Bilder: Memory Alpha)

Das Modell

Was schon als erstes auffällt sind die filigranen Details und die schöne grün-metalische Farbe, in der das Modell lackiert wurde. Die klingonischen Schiffe dieser Epoche sind mit röhrenartigen Strukturen versehen, die sich über den Schiffsrumpf verteilen und die auch am Modell dargestellt werden. An der Unterseite findet man das Geschütz und auch die Warpgondeln sind detailliert wiedergeben. Beim Vorbild leuchten die Gondeln an ihren Enden leicht gelblich, wobei beim Modell dieses Effekt leider nur duch Farbe dargestellt wird und auch der Impulsantrieb ist nur aufgemalt. Waren die federartigen Strukturen bei vorangegangenen Modellen durch erhabene Teile dargestellt, so sind diese beim D5-Modell nur aufgedruckt.

Klarteile sucht man bei diesem Modell vergebens. Es wird alles nur mit Farbe dargestellt.

Die röhrenförmigen Teile werden allesamt dargestellt und sind recht empfindlich.

Das Federmuster wurde leider nur aufgedruckt, aber immerhn wurde es nicht vergessen.

Die Warpgondeln sind sehr detailliert, aber ein Klarteil wäre nicht verkehrt gewesen.

An der Unterseite findet man das gut dargestellte Hauptgeschütz.

Leider ist auch der Impulsantrieb nur aufgemalt.

Die Halterung

Beim Einsetzen des Modells sollte man darauf achten, die röhrenförmige Struktur am Heck nicht versehentlich einzuquetschen.



Begleitheft

Interessantester Artikel ist natürlich jener, der die Entstehung des D5-Kreuzers beschreibt. Angefangen hat natürlich alles mit dem Frachter, der auch aus der Feder des Designers John Eaves stammt. Als die Produzenten einen Schlachtkreuzer forderten, entfernte Eaves einfach die Frachtmodule und entwickelte seinen Frachter zu einem furchteinflößenden Kriegsschiff weiter. Die restlichen sechs Seiten geben einen detaillierten Grundkurs in klingonischer Geschichte.


Spezifikationen

 

Daten zum Modell

 

L x B: ca. 120 mm x 90 mm
Höhe mit Stand: ca 68 mm
Material: Kunststoff und Metall
Hersteller: Eaglemoss Collections 2018

Bewertung und Fazit

Neben Sternenflottenschiffen ist die klingonische Flotte mit am meisten in der Raumschiffsammlung vertreten und der D5 ist eine weitere schöne Ergänzung - leider mit den üblichen Mängeln.




Montag, 4. Februar 2019

Turons Senf zum dritten Short Trek "The Brightest Star"


Spoilerwarnung.

Diese Rezension beschäftigt sich mit dem dritten Short Trek "The Brightest Star" und sollte dementsprechend erst gelesen werden, wenn man die Mini-Episode und die erste Staffel Discovery bereits gesehen hat.





I. Einleitung.
Da wurde ich doch tatsächlich nach der letzten Rezension zu "Calypso" gefragt, was meiner Meinung nach einen guten Short Trek ausmachen würde. Ich musste schlucken und tatsächlich ein wenig nachdenken, bevor ich eine Antwort geben konnte.
Ein guter Short Trek lotet in meinen Augen den Hintergrund eines Charakters aus und ermöglicht ihm sich in einem Raum zu bewegen, für den es im Rahmen einer Fernsehepisode keinen Platz gibt. Er beleuchtet seine Motivation, seine Biografie und seine Werte näher, so dass man seine Handlungen innerhalb der Serie besser versteht. Dabei sollte sich ein solcher Kurzfilm an die Regeln der internen Chronologie der Serie sowie Star Treks halten, eine abgeschlossene Geschichte erzählen und den Zuschauer nach dem Ansehen mit dem wohligen Gefühl zurücklassen, einen besseren Eindruck vom größeren Ganzen erhalten zu haben.
Das ist natürlich eine Menge Holz und nicht unbedingt etwas, was man nach den ersten beiden Short Treks als Zuschauer erleben durfte. Ob der dritte Short Trek im Bunde diesem Anforderungskatalog auch nur im Ansatz gerecht werden konnte?




II. Story.
Friedvoll scheint das Leben auf Kaminar, der Heimatwelt einer primitiven Spezies namens Kelpianer, vor sich herzuplätschern. Das einfache Leben wird von einer Philosophie getragen, die den Daseinsschmerz durch eine Erlösung durch den Übergang in eine andere Welt beendet und somit das natürliche Gleichgewicht bewahrt. Um die friedvollen Gesellschaft und das sorgenfreie Leben ihrer Nächsten zu erhalten, opfern sich früher oder später die Einwohner einer fremden Spezies namens Ba'ul.
Als Mitglied einer privilegierten Familie wächst Saru mit seiner Schwester Siranna bei seinem Vater auf, der als Priester den Übergang der Einheimischen in die Hände der Fremden überwacht. Doch der junge Saru ist ein Querdenker: Immer wieder fällt er dadurch auf, die bestehende Ordnung zu hinterfragen, revolutionäre Ideen zu entwickeln und nach den Sternen zu greifen. Als sein Vater ihn beauftragt, ein Stück Ba'ul-Technologie zu entsorgen, das die Fremden bei einer ihrer Abholaktionen verloren haben, fasst sich der junge Mann ein Herz und handelt entgegen den Wünschen seines Familienoberhauptes. Statt der Aufforderung zu folgen setzt er sich intensiv mit dem fremden Stück Technik auseinander und kann schon bald ergründen, wie es funktioniert...




III. Lobenswerte Aspekte.

Backstory.
Discovery hat keineswegs alles schlecht gemacht. So sehen etwa die Uniformen der Serie wirklich stilvoll aus. Die Serie hat einige großartige Schauspieler in ihren Reihen. Und: Die Idee zur kelpianischen Spezies Sarus ist in der Tat eine der kreativsten, die Star Trek jemals hervorgebracht hat.
Dabei sollte zunächst einmal festgehalten werden, dass sie keineswegs neu ist, sondern Wurzeln in Ideen hat, die als Folgenidee "A Question of Cannibalism" bereits bei der Konzeption der Originalserie zur Diskussion standen. Aber erst mit Doug Jones' Engagement entstand ein leibhaftiger Vertreter dieser Spezies, der die Sternenflotte mit einem Dilemma konfrontiert:
Wie reagiert eine fortgeschrittene Zivilisation darauf, wenn eine andere Macht vernunftbegabte Wesen als Nahrungsquelle nutzt?
Denn immerhin sind die Kelpianer keineswegs mit einer Herde Kühe, Schafe oder Schweine vergleichbar. Es ist eine Zivilisation, die nicht nur eine Sprache, Sesshaftigkeit und ein Religionswesen entwickelt hat. Sie haben darüber hinaus auch Zugang zu Feuer, entwickelten eine Schrift, leben in komplizierten Sozialstrukturen, spielen Glücksspiele und betreiben Agrarwirtschaft genauso wie eine Textilfabrikation. Es ist die clever verpackte Frage, wo man als Fleischfresser die Grenze zieht, ohne dass man gleich von einer veganen Moralkeule über den Kopf geprügelt wird.
"The Brightest Star" versteht es trotz der Kürze der Zeit (und nicht zuletzt, weil das Thema in diversen Discovery-Episoden bereits als Vorlage genutzt wurde) genial, diese Stimmung einfühlsam einzufangen und den Zuschauer damit zu fesseln.
Mehr noch, man erfährt von den Opfern, die Saru gebracht hat, als er seine Heimatwelt verließ. Von der Ausweglosigkeit, die Mitglieder seiner Spezies, wohlwissend dass sie den Ba'ul ausgeliefert werden, täglich erfahren müssen. Und man ahnt, warum Saru so sehr an seinem Captain Philippa Georgiou hing, bevor sie durch Burnhams Machenschaften den Tod fand.




Die Darsteller.
Mein ungebrochener Respekt gilt einem jeden Schauspieler, der mitten in der Nacht aufsteht, mehrere Stunden beim Maskenbildner sitzt und dann seine Performance abliefert, als wäre es das normalste auf der Welt. Wenn seine Kollegen nach Hause gehen, kehrt er zum Maskenbildner zurück, um sich die teuren Prothesen in eienr nicht minder zeitaufwändigen Prozedur wieder entfernen zu lassen. Wenn es ihm dann auch noch gelingt, durch all das Make-Up hindurch Emotionen, Ausdruck und Leben zu transportieren, dass man als Zuschauer davon angesprochen wird, komme ich nicht umhin, diesen Darstellern meine absoluten Wertschätzung und meine tiefe Verehrung zuteil werden zu lassen. Sie sind es vor allem, die Star Trek zu der großartigen Science-Fiction-Show machen, die sie für Fans wie mich ist.
So kann man einen Veteranen wie Doug Jones - der auf Conventions einer der freundlichsten Menschen ist, den ich je auf einer solchen Veranstaltung getroffen habe - ruhigen Gewissens in einem Atemzug mit anderen großen Schauspielern wie Michael Dorn, Armin Shimerman oder John Billingsley nennen, die ihre Rollen einer schweren Maske zum Trotz stets mit einer eigenen Note ausfüllten.
Das Gleiche lässt sich auch für Sarus Familie sagen. Seiner Schwester Siranna (Hannah Spear) nahm ich die ehrfürchtige Kelpianerin ab, als hätte sie ihr Lebtag nichts anderes gespielt. Einen besonderen Narren allerdings habe ich an Sarus Vater Aradar (Robert Verlaque) gefressen, denn der Darsteller spielt das zweifelnde Familienoberhaupt, das einerseits die rebellischen Gedanken seines Sohnes unterdrücken muss, während er sie andererseits verstehen kann. All die Trauer in seinem Blick, als er in seiner Rolle als Priester junge Kelpianer an die Ba'ul opfert, trug entscheidend zur Verdeutlichung der verzweifelten Lage auf Kaminar bei. Denn obwohl Aradar zumindest im Ansatz zu wissen scheint, wass seinen Landsmännern außerhalb ihres Planeten blüht, hält er zum Wohl der Gesellschaft und seines Seelenheils an einer Religion fest, die offensichtlich als Alibi dient, um unschuldigen Seelen das unausweichliche erträglicher zu machen...




Zukunftsausblick.
Star Trek wäre nicht Star Trek, wenn die bestehenden Verhältnisse auf Kaminar für immer so bleiben würden wie sie sind. Natürlich weist Georgiou Saru darauf hin, dass er zu Lebzeiten nicht mehr auf seine Heimatwelt zurückkehren können wird, doch ich wage an dieser Stelle einmal die Prognose, dass die Serie früher oder später daraufhin arbeiten wird, die bestehenden Verhältnisse auf Kaminar radikal auf den Kopf zu stellen. Die Ba'ul sind – besser noch als die Klingonen – durch das moralische Dilemma ihrer streitbaren Ernährungsweise ein idealer Antagonist und es wäre ein völlig unverständliches Versäumnis, wenn man diese Vorlage nicht erzählerisch in einer der nächsten Staffeln ausschlachten würde. Hier nämlich hat sich Discovery einen originellen Inhalt erschaffen, den sie einmal ausgiebig behandeln könnte, ohne extensiv in der Trickschublade anderer Star-Trek-Serien wildern zu müssen.




Kritikwürdige Aspekte.

Logiklöcher.
Discovery kann scheinbar nicht ohne Logiklöcher existieren. Wie der Mond die Erde auf ihrer Umlaufbahn begleitet, so wirkt auch die Summe an Unstimmigkeiten wie ein Trabant, der sich der Gravitation der Serie nicht entziehen kann.
So ist es unglaublich schwer zu glauben, dass ein Mitglied einer Spezies, die scheinbar noch nicht einmal Metalle verarbeitet, eine so fortschrittliche Technologie wie ein Kommunikationsgerät bedienen kann. Man stelle sich einmal vor, ein oller Germane würde im Teuteburger Wald einen Laptop finden. Wie zum Teufel soll er damit irgendetwas anfangen, geschweige denn über Skype telefonieren können?
Hier findet abermals der Discovery-Trend Ausdruck, stets ein paar Schippen mehr aufzutragen, als die Glaubwürdigkeit noch gerade so zulassen würde. Natürlich ist Saru intelligent, aber mit einem Sprach-Interface zurechtkommen zu müssen wäre doch in seinem Fall viel nachvollziehbarer erschienen, als das Gerät durch Auseinander- und Zusammenbauen zu erschließen, obwohl es kein Äquivalent dazu in der kelpianischen Gesellschaft gibt.
Fragwürdig ist ferner, dass die Ba'ul das Signal von einer ihrer Nahrungsproduktionsstätten unter ihrer Kontrolle nicht auffangen, bevor die Föderation dies tun kann. Oder warum niemand von Sarus Familienmitgliedern das fröhlich blinkende und piepsende Gerät unter seinem Bett entdeckt.
Vor allem aber ist die Entführung Sarus als Mitglied einer Prä-Warp-Zivilisation aus dem Hoheitsgebiet einer konkurrierenden interstellaren Macht nicht nur ein eklatanter Bruch der Obersten Direktive, sondern auch noch höchst unglaubwürdigerweise mit Philippa Georgiou verbunden. Ich bin ja spätestens seit "New Eden" durchaus bereit zu akzeptieren, dass die Auslegung dieser Föderationsmaxime in den Pioniertagen der Organisation noch in den Händen der auf sich allein gestellten Captains liegen könnte, aber dass Georgiou als junger Lieutenant für die Befreiung Sarus in einem wie ein Weihnachtsbaum beleuchtetem Sternenflotten-Shuttle sorgt, wirkt dann doch arg an den Haaren herbeigezogen.




Fazit.
Für den dritten Short Trek hat sich Discovery eine ihrer besten Figuren aufgespart, deren Vergangenheit man genauer unter die Lupe nimmt. Das lohnt sich schon deshalb, weil man an ihm exemplarisch wirklich drängende Fragen unserer Zeit stellt – selbst wenn es sich dabei vor allem um Gewissensfragen bei der Ernährung handelt.
In nur dreizehn Minuten gelingt es der Folge ein passgenaues Bild der Heimat, Lebenssituation und Ausweglosigkeit eines jugendlichen Sarus zu zeichnen, deren Glaubwürdigkeit allein durch einige unnötige Logiklöcher geschmälert wird. Der Zuschauer aber wird am Ende einen besseren Eindruck einer der populärsten Charaktere innerhalb der Discovery-Crew belohnt, was diesen Short Trek zum sehenswertesten bis hier her werden lässt.

Bewertung.
Der eine Short Trek an dem sich alle anderen messen lassen müssen.







Schluss
.
Statt nun beschreiben zu müssen, was einen guten Short Trek ausmacht, kann ich nun einfach mit dem Finger auf diese kleine Mini-Episode zeigen, denn sie macht fast alles richtig. Saru, ohnehin das Kronjuwel der gesamten Discovery-Serie, trägt die Story mit der Bürde seiner Spezies von ganz allein. Auch wenn derlei Voraussetzungen schon den Eindruck eines Selbstläufers vermitteln bleibt festzuhalten, dass den Produzenten eine wirklich runde Kleinstfolge gelungen ist, die ihresgleichen sucht und die Messlatte für kommende Beiträge hoch gesetzt hat.




Denkwürdige Zitate.

"Seit ich ein kleiner Junge war, sah ich, wann immer ich aufblickte, Hoffnung. Doch so wurde ich nicht erzogen. Wenn mein Volk zu den Sternen aufblickt, sieht es nur den Tod. Und alle begrüßen ihn; sie stellen ihn nicht in Frage."
Saru

"Wir danken dem großen Gleichgewicht dafür, dass es uns stetig Licht spendet und Wärme und für diese Mahlzeit."
Aradar

"Hätte das große Gleichgewicht gewollt, dass wir fliegen können, hätten wir Flügel."
Aradar

"Sieh ab und an auch mal nach unten. Es gibt auch dort Schönes zu sehen."
Siranna

"Sie haben uns mit einer Technologie kontaktiert, die nicht ihrer Spezies gehört. Sie wurde von den Ba'ul gestohlen, nicht wahr? Und Sie haben einen Signalgeber daraus gebaut! Der erste und einzige Kelpianer, der dazu fähig war eine solch' hoch entwickelte Technologie zu bedienen. Sie sind außergewöhnlich."
Philippa Georgiou

"Ist es mir gestattet, eines Tages zurückzukehren und meinem Volk zu helfen?"
"Es war schwierig genug die Sternenflotte davon zu überzeugen, für Sie eine Ausnahme zu machen. Sie haben ganz schön für Wirbel gesorgt. Wir erhalten nicht jeden Tag ein 'Hallo' von einem Mitglied einer Prä-Warp-Zivilisation. Es gibt viele komplizierte Regeln die mich davon abhalten noch mehr zu tun und ich fürchte das bedeutet, dass sie nie wieder nach Hause zurückkehren können. Sind sie bereit dafür, Mr. Saru?"
"Mein Platz ist nicht länger hier."
Georgiou und Saru

"Ich sah Hoffnung in den Sternen. Sie war stärker als die Angst. Und ich strebte ihr entgegen."
Saru

Weiterführende Leseliste.

Short Treks.

01. Rezension zu "Runaway"
02. Rezension zu "Calypso"
03. Rezension zu "The Brightest Star"
04. Rezension zu "The Escape Artist"

Staffel 1.

01. Rezension zu "Leuchtfeuer" und "Das Urteil"
03. Rezension zu "Lakaien und Könige"
04. Rezension zu "Sprung"
05. Rezension zu "Wähle Deinen Schmerz"
06. Rezension zu "Lethe"
07. Rezension zu "T=Mudd²"
08. Rezension zu "Si Vis Pacem, Para Bellum"
09. Rezension zu "Algorithmus"
10. Rezension zu "Nur wegen Dir"
11. Rezension zu "Der Wolf im Inneren"
12. Rezension zu "Blindes Verlangen"
13. Rezension zu "Auftakt zum Ende"
14. Rezension zu "Flucht nach vorn"
15. Rezension zu "Nimm meine Hand"

Staffel 2.

01. Rezension zu: "Brother"
02. Rezension zu "New Eden"
03. Rezension zu "Lichtpunkte"
04. Rezension zu "Der Charonspfennig"
05. Rezension zu "Die Heiligen der Unvollkommenheit"


Samstag, 2. Februar 2019

Turons Senf zu "Lichtpunkte" (Star Trek Discovery S2Nr03)


Spoilerwarnung
.
Diese Rezension enthält massive Spoiler zu "Lichtpunkte", der dritten Folge der zweiten Staffel von Star Trek Discovery und sollte nur gelesen werden, wenn man auch diese und vorangegangene Episoden gesehen hat.

I. Einleitung.
Discovery für Schreiber von Rezensionen nur sehr schwer zu fassen. Während man bei jeder Folge der Originalserie, dem nächsten Jahrhundert oder Voyager problemlos Einzelfolgen nehmen konnte, um sie danach zu zerpflücken, ist das mit Discovery eine ganz andere Kiste. Hier gleichen Episoden eher einem wirren Haufen Bausteine, die erst am Staffelende zu einem Ganzen zusammengesetzt werden. Es ist ein wenig so, als sollte man ein Hotel bewerten, obwohl es gerade im Bau ist und man nur Einblick in das hat, was ein Laster vor einer halben Stunde auf der Baustelle abgeladen hat.
Also wirklich, da waren die Zeiten früher einfacher! Klar gab es mal Doppelfolgen und Deep Space Nine hat sich redlich Mühe gegeben, weit auszuholen, aber wenn so eine Folge vorbei war, wurde der Zuschauer nicht ohne ein Motiv, eine Moral und eine halbwegs abgeschlossene Entwicklung entlassen. Man hatte etwas, an dem man sich festhalten konnte und wenn es doof war, hatte man immerhin die Hoffnung, dass die nächste Folge nicht genauso doof sein könne.
Discovery hingegen gönnt uns diesen Luxus nicht. Es gibt nur bröckchenweise Hinweise frei und gleicht erzähltechnisch mehr einer Film-Trilogie in Herr-der-Ringe-Länge (Ultra Extended Version), die jemand auf ein Dutzend Dreiviertelstunden heruntergebrochen hat. Für sich allein genommen kann man diesen Ausschnitten viel zu wenig Aussagekraft abgewinnen.
Nach zwei Folgen, die diesem Konzept ein wenig widersprachen, deuteten erste Bilder bereits an, dass die Geschichte nun so richtig an Fahrt aufnehmen würde. Aber bedeutet das auch zwangsweise die Rückkehr zu schwer fassbaren Teilstücken, die sich einer Analyse entziehen?



II. Story.
Es ist was faul im Staate Qo'noS. Die unter der Kanzlerin L'Rell vereinten Häuser sind zwar nach außen hin geeint, doch hinter den Kulissen der Macht brodelt es gewaltig. Unter der Führung des Hauses Kor hat sich eine Opposition gebildet, die sich das vermeintlich schwächste Glied in der Verteidigung der Regentin herausgepickt hat: Den Menschen Ash Tyler, der zuvor als Albino Voq auch nicht unbedingt bessere Karten hatte. Während sich der Günstling im Körper des Feindes von allen Seiten herabgesetzt fühlt, stößt er bei seinen Recherchen auf ein dunkles Geheimnis, das die bestehenden Machtverhältnisse zu erschüttern droht.
Derweil erhält Burnham Besuch von ihrer Mutter. Amanda Grayson, wegen der Einweisung ihres Sohnes Spock in eine Psychiatrie rastlos vor Sorge, bittet sie in ihrer Verzweiflung um Hilfe. Auf der Sternenbasis 5 hat sie die medizinischen Unterlagen ihres Sohnes entwendet und benötigt nun jemanden, der ihr die verschlüsselten Daten zugänglich macht. Als es ihr gelingt müssen beide entdecken, dass Spocks Visionen im Kinderalter mehr als nur Einbildung waren. Doch längst gibt es größere Probleme um den Halbvulkanier, der beschlossen hat, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.
Schließlich beginnt Tilly am Rande des Wahnsinns zu wandeln. Ihre imaginäre tote Jugendfreundin beginnt sie mehr und mehr zu terrorisieren bis hin zum Punkt, an dem sie während des Kommando-Trainings-Programms auf der Brücke und vor versammelter Mannschaft öffentlichkeitswirksam das Handtuch wirft. Erst als sie sich in ihrer Verzweiflung ihrer besten Freundin Michael Burnham anvertraut, geht ihr schließlich ein Licht auf, dass sie vielleicht weniger den Verstand verliert, als viel mehr an einer Pilzinfektion der ganz besonderen Sorte leidet…



III. Lobenswerte Aspekte.

Klingonenbegegnungen.
Da sind sie auch schon wieder: Die komischen Erzbösewichte aus der ersten Staffel, die wohl kaum ein Zuschauer wiedersehen wollte.
Tatsächlich kommen die Klingonen aber generalüberholt aus der Sendepause. Sie haben die E.T-Schädel verloren und auch wieder Haupthaar erhalten (wenn man mal von ein paar Ausnahmen absieht). Es scheint, als hätten sich die Produzenten abermals einen massiven Kritikpunkt der Fans wirklich zu Herzen genommen und wenigstens im Ansatz die Bereitschaft zur Änderung demonstriert.
In der veränderten, aber nicht immer gelungenen Darstellung (so mancher der Krieger wie L'Rells Oheim Ujili sehen auch mit Haarteil aus wie radioaktiv verstrahlte Orks) seitens der Maskenbildner liegt aber nur ein kleiner Teil dessen, was man an dieser Stelle positiv herauskehren muss.
Es ist eher der nahezu rührselige Ansatz der Autoren, die Klingonen so vorbildsgetreu wie möglich umzusetzen. Sicherlich mag so mancher an dieser Stelle zu Recht anmerken, dass sie nur wenig mit ihren Vorbildern aus der Originalserie gemein haben, doch dafür sind sie umso mehr an ihre Ahnen aus den Kinofilmen und TNG angelehnt. Machtspiele im Hohen Rat, wie wir sie hier sehen konnten, sind zuvor lediglich im nächsten Jahrhundert in entsprechender Weise thematisiert worden, wobei ich besonders spannend fand, dass Duras' Ränkespiele keineswegs eine Spezialität seines Hauses zu sein scheinen, sondern eine Begleiterscheinung von Macht, die selbst ehrenhafte Häuser wie das des Kor nicht verschont.
Darüber hinaus werden wir gleich zu Beginn der Folge Zeuge, wie dem umstrittenen klingonischen Schiffsdesign der ersten Staffel mit der Vorstellung der 'neuen' D7-Klasse der Rücken gekehrt wird. In den eher behäbigen Kampfszenen (da hätte man bei TNG ruhig noch etwas genauer hinschauen können) wirkt das Blut in manchen Einstellungen sogar so rosa wie im sechsten Kinofilm. Ja selbst die sporadischen Außenaufnahmen von der Planetenoberfläche Qo'noS' entpuppen sich als echte Hingucker.
So wird auch unter Zuhilfenahme zentraler klingonischer Mythen wie jene um Boreth, Kahless oder Lukara ein schlüssiges Klingonenbild gezeichnet, das Wiedergutmachungsarbeit für die Fehler der vergangenen Staffel leisten zu wollen scheint.




Hintertürchen.
Als unlängst bekannt gegeben wurde, dass es eine weitere Star-Trek-Serie geben wird, die sich um die Sektion 31 drehen wird, waren die Reaktionen eher negativ. Nun, wo sich der inoffizielle Föderationsgeheimdienst mit der Lizenz zur Skrupellosigkeit erstmals offiziell auch offen in Discovery präsentiert hat, kann ich mir schon ausmalen, was passieren wird. Viele Rezensenten, Kommentatoren und Fans werden in dieser Folge einen Spin-Off-Piloten sehen, der ähnlich wie damals "Ein Planet genannt Erde" eigentlich für eine Serie gedacht ist, die ohnehin kaum eine Chance hätte.
Doch das tut der Folge Unrecht.
Nicht nur, dass die Sektion 31 nur ein kleiner Bestandteil eines größeren Handlungsbogens um die Klingonen ist – dieser Klingonen-Bogen ist nur einer von drei Erzählsträngen, die in dieser Folge gleichberechtigt nebeneinander herlaufen.
Darüber hinaus wurde erst im November 2018 bekannt, dass eine Serie um die Sektion 31 geplant sei. Die Folge wurde allerdings spätestens im Mai 2018 gedreht und liegt damit knapp ein halbes Jahr vor der Zeit, in der diese Planspiele spruchreif wurden.
Selbstverständlich kann ich mir beim Ansehen der Episode gut vorstellen, dass den Produzenten eine solche Idee kam, denn auch wenn ich sicherlich in ein Wespennest stoßen werde:
Ich kann das gut verstehen!
Bislang war Sektion 31 stets etwas äußerst schwammiges, das eher im Ausnahmefall thematisiert wurde. Wie die Organisation funktioniert, was sie in der Geschichte der Föderation bereits beeinflusst hat und wie sie überhaupt ihre Aktionen durchführt, war – wie bei jedem vernünftigen Geheimbund - von einem undurchdringlichen Mantel des Schweigens umhüllt. Jetzt erhalten wie einen spannenden Einblick, der irgendwo zwischen Spezialeinheit, Fälscherwerkstatt und Ränkeschmiede liegt und ich muss zugeben, dass es selbst mir als traditionalistischem Skeptiker gefällt.
Warum?
Weil es logisch ist.
Die beständige Naivität, mit der Weltraumabenteurer wie Archer, Kirk oder Picard ihre Raumschiffe durch die von politischen Trennlinien durchzogene Galaxie tapsen, kann bei einer so utopischen Gesellschaftsform wie der Föderation eben nur Bestand haben, wenn wenigstens ein Teil dieser ach so friedvollen Weltraumrepublik bereit ist, zum Selbstschutz das dreckige Spiel der anderen Mächte mitzuspielen. Natürlich haben die verschiedenen Captains in spannenden Abenteuern denkbar knapp gegen Klingonen, Romulaner oder Cardassianer den Tag gerettet, doch am Ende ist es etwas gewagt, das Geschick einer ganzen galaktischen Zivilisation allein in die Hände einiger weniger fähiger Captains zu legen. Was wenn 'das einzige Schiff im Quadranten' mal nicht rechtzeitig eintreffen würde? Was wenn es sein Ziel nur teilweise erreicht? Und was ist, wenn es gar scheitert?
Um die Glaubwürdigkeit einer mehr als zweihundert Jahre funktionierenden Vereinten Föderation der Planeten aufrecht zu erhalten, bedarf es schlichtweg der Sektion 31 und es zählt zu den Verdiensten dieser Folge, diesen Aspekt einmal verdeutlicht zu haben.




Charaktermomente.
Eine ganze Reihe von Figuren kann ich an dieser Stelle deshalb so schnell abhandeln, weil sie kaum wirklich Platz in der mit drei konkurrierenden Erzählsträngen sehr vollgepfropften Folge erhalten haben, um sich frei entfalten zu können.
Zu diesen 'Verlierern der Woche' muss man wohl neben Saru, Paul Stamets und dem vormals so schwungvollen Captain Christopher Pike auch die gesamte restliche Crew der USS Discovery zählen, die nach den Freiheiten der letzten beiden Episoden nun wieder das gleiche Joch erfahren, das sie schon unter Lorca erleiden mussten: Sie kommen kaum oder gar nicht zu Wort. Zudem sucht man noch immer vergeblich nach Jet Reno, Nhan, Doktor Pollard oder gar Spock.
Davon ab gibt es allerdings keinen Totalausfall.
Zweifellos könnte man sich im Fall von L'Rell trefflich darüber streiten, wie gut ihr Auftritt war (vgl. dazu Kritikwürdige Aspekte), aber man kommt einfach nicht umhin, Mary Chieffo für ihre schauspielerische Leistung unter der schweren Maske Tribut zu zollen. Nicht nur, dass sie eine harte Reichskanzlerin (besser) genauso porträtieren kann wie eine zerbrechliche Mutter (schlechter); sie nimmt sich darüber hinaus auch den Luxus heraus, an ihrem klingonischen Akzent festzuhalten. Dafür Hut ab!
Ich haben mich außerdem gefreut, den Klingonen-Hipster Ash Tyler (Shazad Latif) wiederzusehen und fand es auch logisch, dass er als Mensch mit massiven Schwierigkeiten im Klingonischen Reich zu kämpfen hat. Seine Holokommunikationsszene mit Burnham war angenehm zivilisiert, aber abgesehen davon wirkte er zuweilen verloren. Das passte einerseits perfekt in seine Rolle; andererseits wirkte sein Charakter dadurch aber auch permanent überfordert.
Nachdem Sylvia Tilly (Mary Wiseman) in der letzten Episode eher negativ in Erinnerung blieb, gelingt es ihr in "Lichtpunkte" mit einer recht guten Performance zu glänzen. Sie wirkt dem Wahnsinn nahe, wenn sie von May geplagt wird, energisch als es um die Lösung des Pilz-Parasiten geht und am Boden zerstört, als sie sich Burnham anvertraut. Sie darf die ganze Palette schauspielerischer Leistungen abrufen und das gelingt ihr (von ganz wenigen Ausnahmen wie dem Marathonlauf abgesehen) verdammt gut.



Schließlich darf auch Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) in dieser Auflistung nicht fehlen, denn auch sie liefert eine gute Vorstellung ab. Man nimmt ihr die Liebe zu ihrer Ziehmutter genauso ab wie ihre Selbstzweifel zu dem, was auch immer sie Spock angetan haben mag. Auch sie zeigt eine Menge Emotionen und verzichtet doch auf den traurigen Hundeblick, zu dem sie in letzter Zeit recht häufig tendierte.
Die absoluten Gewinner dieser Folge sind jedoch drei andere Personen.
Die erste bleibt Philippa Georgiou (Michelle Yeoh), die mit einer stilvollen Eleganz, einer Prise Witz und einer dezenten Verruchtheit die Rolle des eiskalten Sektion-31-Vollstreckers ausübt. Dabei gelingt es ihr eine Souveränität auszustrahlen, die nicht mehr die einer Imperatorin, aber auch nicht die eines Sternenflottencaptains ist. Yeoh hat ihren Charakter noch einmal selbst erfunden, um ihrer neuen Position innerhalb der Serie gerecht zu werden. Genau das macht eine so gute Schauspielerin aus.
Besonders angetan war ich außerdem von der Darstellung des Klingonen Kol'Sha. Ich musste erst im Internet recherchieren um zu erfahren, warum ich ihn wohl so mochte: Kenneth Mitchell hat bereits Kol gespielt (der mich in ähnlicher Weise überzeugte) um nun als dessen Vater zurückzukehren. Klar ist es immer ein wenig dankbarer, einen Bösewicht zu verkörpern, aber Mitchell schafft es grandios, eine gewisse Erhabenheit (ähnlich der Kanzler Gorkons, Martoks oder Kamarags) in seine Rolle miteinzubringen, die seinen Figuren gut zu Gesicht steht. 
Mein absoluter Star der Folge heißt aber Mia Kirshner, der es mit ihrer Version von Amanda Grayson endgültig gelang, Spocks in der Originalserie eher wie eine schwache Hausfrau angelegte Mutter mit plötzlichem Selbstbewusstsein, stilvollem Tatendrang und ungebrochener Unabhängigkeit zu erfüllen. Sie ist zu einer Mutter geworden, die für ihre Kinder kämpft, die eigene Fehler eingesteht und nicht bereit ist, klein beizugeben.
Meinem persönlicher Lieblingsmoment kommt dabei besondere Bedeutung zu. Während ich mich schon immer fragte, wie sie als Mutter tatenlos zusehen konnte, wie ihr Sohn durch einen Emotionsentzug in seiner Kindheit traumatisiert wurde, setzt sie sich vor ihrer Tochter offen mit diesem Missstand auseinander und räumt ein, dass sie in der Psyche ihres Sohnes Wunden hinterlassen haben könnte.
Auch wenn ich nach Winona Ryder (meinem Jugendschwarm) nicht glaubte, eine passender besetzte Amanda Grayson miterleben zu können, wurde ich tatsächlich eines besseren belehrt.




IV. Kritikwürdige Aspekte.

Lückenfüller.
Da ist man grade mutig dorthin gegangen, wo wirklich nie zuvor jemand gewesen ist, und dann ist plötzlich auch alles schon wieder aus. Mit der Re-Zentrierung des Fokus' auf Burnham, dem Ausflug nach Qo'noS, dem plötzlichen Pilzbefall Tillys und dem Auftauchen der ehemaligen Spiegeluniversums-Imperatorin ist nicht nur der flotte, optimistische Start-Ton verloren gegangen, sondern auch ein Rückfall in alte Zeiten vollzogen worden.
Lauter Aspekte, die schon in der ersten Staffel für Unmut, Unglauben und Unsinn gesorgt haben, sind auf einen Schlag in nur einer Folge zurückgekehrt. Statt wirklich etwas Neues in einem Weltraum zu finden, das wirklich groß genug wäre, um mal die ein oder andere Story abseits des bisher beschrittenen Weges zu erkunden, insistiert man in sturem Beharrungsvermögen darauf, den immer gleichen Trampelpfad auf- und abzustiefeln. Klar könnte man das Ganze im Tonus meines eingangs propagierten Optimismus' auch als Mut auslegen, die Fehler der Vergangenheit ausbügeln zu wollen, aber allein der Glaube daran fehlt mir. So bedarf es eigentlich nur noch Mudds und Lorcas, um statt einer neuen innovativen 'Staffel 2' eine nahtlose 'Staffel 1.2' zu fabrizieren.
Vielleicht ist es aber auch nur so frustrierend, weil man sich zwei schöne Folgen Zeit genommen hat, das Discovery-Gefüge völlig neu zu ordnen, nur, um nun nicht nur in alte Gewohnheiten zurückzuverfallen, sondern wie bereits zuvor mal wieder viel zu viele Fässer gleichzeitig aufzumachen.
Ganz ehrlich, die Handlung erschlägt beim ersten Mal Ansehen und der Umstand, dass wir drei zum Sinken überladenen Handlungssträngen folgen, die entweder fortgeführt oder neu aufgemacht werden, ohne zu Ende erzählt zu werden, spricht dieser Episode (wie so einigen der ersten Staffel auch) das Recht ab, als eigenständiges Kapitel betrachtet zu werden.
Diese negative Stimmung scheint sich auch in den recht düsteren Look der Folge eingeschlichen zu haben und auch wenn der Soundtrack noch immer sehr gut ist, beginnen Wackelkamera und Lensflares, über die sich bislang gut hinwegsehen ließ, mittlerweile wieder zu nerven.




Babyparty!
Die Folge ist voll von ausrechenbaren Dialogen, vorhersehbaren Auftritten und vor allem völlig absurden Entwicklungen. In den einzelnen Erzählebenen werden ein um's andere Mal Kaninchen aus dem Hut gezogen, ohne dass der Zuschauer die Chance erhält aus dem Staunen herauszukommen, was für eine hanebüchene Idee die Schreiber sich jetzt wieder aus den Fingern gesaugt haben.
So ist zum Beispiel nur schwer nachzuvollziehen, dass Spock, nachdem man ihm schon eine nie erwähnte Adoptivschwester angehängt hat, parallel dazu auch noch seit frühester Kinderzeit von einem der roten Engel heimgesucht wurde. Das allein zerrt schon allein durch die Überfrachtung einer in zwei Serien (plus zwei Folgen aus TNG) und acht Kinofilmen aufgebauten Figur arg an der Glaubwürdigkeit.
Traurigerweise ist das noch das geringste Übel.
Der Facepalm-Höhepunkt einer jeden Person, mit der ich das Vergnügen hatte, diese Folge sehen zu dürfen, war der Umstand, dass Ash Tyler plötzlich Papa eines kleinen Mini-Klingonen wurde. Dabei störte zum einen, dass die Schwangerschaft selbst bei großem Wohlwollen kaum in die Chronologie der ersten Staffel passen mochte (deshalb natürlich ein Frühchen!). Zum anderen war auffällig, dass das kleine Wesen bestenfalls eine Requisite war, die irgendwann auftauchte, um irgendwann auch wieder zu verschwinden. Inhaltlicher Mehrwert: Null.
Oder möchte sich allen Ernstes jemand zum Verteidiger jener Szene aufschwingen, in der Ash sich eben von den Berührungen L'Rells vergewaltigt fühlt, nur um im Angesicht des Nachwuchses wieder zum Kuscheln überzugehen?
Ich wage zu behaupten, dass man einen Abschied Tylers von Qo'noS erzählerisch geschickter hinbekommen hätte, wenn man nicht die Baby-Karte gezückt hätte.
Streit? Ein Missverständnis? Eine Hofintrige? Alles wäre stilvoller gewesen als diese uninspirierte Seifenoperidee, die in bester Seifenopermanier ausgeweidet wurde.
Der einzige Zweck zur Einführung eines Babys den ich mir erklären kann, liegt in einer der fürchterlichsten Reden der Star-Trek-Geschichte – dem zweiten Facepalm-würdigen Moment dieser Episode. Als sich die Kanzlerin L'Rell zu "Mutter" (Rammstein, ick hör Dir trapsen!) der klingonischen Nation ausruft, ist das nicht nur die unterste Rhetorik-Schublade, sondern auch unfreiwillig komisch im Deutschen.
Eine Kanzlerin, die eine Mutti für das Volk ist, statt eigene Kinder zu haben?
Hab ich tatsächlich schon einmal irgendwo gehört, ohne dass ich beim ersten Mal in Begeisterungsstürme ausgebrochen wäre. Wer hätte gedacht, dass es beim zweiten Mal ähnlich sein könnte??

L'MerQal

Logiklöcher und Kanonbrüche.
Bevor ich zu schimpfen beginne, will ich an dieser Stelle noch einmal lobend auf meine eingangs getätigten Bemerkungen zu den Klingonen hinweisen (vgl. Lobenswerte Aspekte), aber auch einmal Sonderlob aussprechen.
Als Pike Burnham beauftragt, alles daran zu setzen, dass die Discovery Spock findet, bevor die Sternenflotten-Justiz das tut, hat mich dies daran erinnert, dass Spock sich in "Talos IV - tabu" ebenfalls in ähnlich sturer Manier für das Wohl Pikes eingesetzt hat und dabei genauso etwaige Konsequenzen ignoriert hat. Ein unauffälliger, aber nichtsdestotrotz genialer Querbezug auf die Originalserie.
Ich habe mich außerdem in der gleichen Szene sehr gefreut, dass die Datenscheiben aus der Originalserie einen Auftritt erhielten. Es wirkt meist wie ein völlig veraltetes Stück Technik, doch der Folge ist es gut gelungen, dieses kleine Stück Technologie hinüberzuretten.
Außerdem funktioniert der Großteil der Subraum-Kommunikation zwar noch immer mit Holotechnologie, doch immerhin sah man Pike einen Bildschirm bevorzugen, was ihm prompt den Spott seines Kollegen einbrachte.
Da fangen aber auch schon die Probleme an: Heißt das jetzt, dass Pike und Kirk einfach nur gegen den allgemeinen Zeitgeist schwammen, als sie den Bildschirm nutzen? Und was war dann mit Picard, Sisko oder Janeway? Sind die völlig aus der Zeit gefallen?
Ähnlich problematisch empfand ich dich Verwendung der Holographie, als sie von Georgiou zur Tarnung auf Qo'noS genutzt wird. Schließlich haben sich noch in der Originalserie, bei TNG und bei DS9 zahlreiche Hauptfiguren bemüht, mittels plastischer Chirurgie das Aussehen einer fremden Spezies zu imitieren, um auf deren Welten zu agieren. Dieser Aufwand wäre doch völlig unnötig gewesen, wenn man sich der Holo-Technik bedient hätte. Von einem mobilen holographischen Emitter mag ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen zu reden. Aber Georgiou scheint ohnehin Zugang zu Technologie zu haben, die ihrer Zeit weit voraus ist: Die Waffensysteme, die Kol'Shas klingonischen Handlanger ausschalten, hätten jedenfalls den Tod vieler Redshirts verhindern können, wenn sie ein paar Jahre später einem James T. Kirk zur Verfügung gestanden hätten.
Schließlich mag ich mich der Vorstellung, dass niemand das isolationistische Boreth-Kloster der Klingonen besuchen oder verlassen darf nicht ohne weiteres anschließen, denn in "Der rechtmäßige Erbe" sehen wir eine ganze Reihe Besucher in Meditation versunken. Der bekannteste unter ihnen ist immerhin ein glaubwürdiger Sternenflottenoffizier namens Worf. Zudem verließ mit Koroth auch einer der 'Mönche' dieses Refugium, um an Bord eines nicht weniger glaubwürdigen Schiffes namens Enterprise gebeamt zu werden.
Auch zu einigen Logiklöchern habe ich bereits einiges in den vorangegangenen Unterpunkten angemerkt, aber einige Sachen möchte ich der Vollständigkeit halber dennoch an dieser Stelle erwähnen.
Tillys Halbmarathon mit den anderen Mitgliedern des Kommando-Trainings-Programmes wirkte ohnehin schon so, als würde der Rest der Mitlaufenden extra zwei Stufen gemächlicher joggen, um sie nicht zu weit zurückfallen oder im direkten Vergleich zu schlecht aussehen zu lassen. Dass sie dann auch noch eine so lange Pause einlegt, um mit ihrer May-Illusion zu plappern, nur um dann den Lauf wiederaufzunehmen, war ja noch irgendwie in Ordnung. Aber sie allen Ernstes wiederaufschließen zu lassen, die anderen einzuholen und einen neuen Rekord aufzustellen, war so arg übertrieben, dass mein Verdacht, Tillys Figur sei das Lieblingsspielzeug der Autoren, neuen Auftrieb erfuhr.
Dieser Eindruck setzt sich bei der 'Geburt' von Tillys erstaunlich großem Pilzbaby fort (wo zum Teufel hat sich dieses Riesenteil so lange unentdeckt verstecken können?). Stamets' spontan improvisierte Operation hat mich vor allem deshalb so sehr verwundert, weil kaum abzusehen war, dass ein solcher Eingriff nicht auch gesundheitliche Schäden mit sich bringen könnte (zusätzlich zu der nächsten Supereigenschaft, die den Sporen angedichtet wird). Wäre es denn wirklich zu viel Aufwand gewesen, wenigstens Dr. Pollard in die Traube an Personen zu integrieren, die bei diesem Ereignis zugegen waren? Man hätte ihr noch nicht einmal Text geben müssen…



V. Fazit.
"Lichtpunkt" birgt kaum etwas, was man auf die Haben-Seite einer eigenständigen Episode stellen könnte. Zwar gibt es gute und sehr gute schauspielerische Leistungen zu bewundern und die Autoren gegen sie redlich Mühe, sowohl die Klingonen, als auch Sektion 31 ins rechte Licht zu rücken doch darüber hinaus vermag die Episode nicht zu überzeugen.
Das liegt nicht allein daran, dass sie ohne richtigen Abschluss vor allem die Entwicklung der Serie vorantreibt. Es gibt darüber hinaus auch viel zu viele Momente, in denen man als Zuschauer nur noch hilfloses Kopfschütteln für die nächste völlig absurde Entwicklung übrig hat. Statt den positiven Grundton der beiden Vorgänger aufrechtzuerhalten, verliert sich die Folge in Dunkelheit, zu vielen altbekannten Story-Elementen aus der ersten Staffel und etlichen Logiklöchern.

Bewertung.Kleiner Rückfall in alte Zeiten.







VI. Schluss.
Auch diese Folge hat einmal mehr unterstrichen: Wer Discovery verstehen will, muss sich bis zum Ende der Staffel gedulden. "Lichtpunkte" ist insofern eine klassische Discovery-Episode, dass sie sicherlich nie in einer Bestenliste auftauchen wird, in der etwa "Griff in die Geschichte", "Das zweite Leben" oder "Im fahlen Mondlicht" gepriesen werden. Das verbietet die Anlage der Folge, die für sich allein stehend gar nicht tragfähig ist.
Die Staffel-übergreifende Story kommt nur zentimeterweise voran und bedenkt man Momente, in denen etwa Burnham wiederholt damit hadert auszusprechen, was sie Spock angetan hat, kann man sich auch ausmalen, dass es wohl noch eine Weile dauern könnte, bis wir als Zuschauer Klarheit erhalten.
So wage ich zu prognostizieren, dass noch einige Folgen geben wird, die von den Fans wenig positiv aufgenommen werden, weil man mit ihnen wenig anfangen kann und sich so nur noch mehr auf etwaige Unzulänglichkeiten stürzt, die im übrigen Konstrukt zu finden sind. 
So wird es am Ende in der Hand der Autoren liegen, eine bessere Auflösung als noch in der ersten Staffel zu liefern. Das Potential ist unbestreitbar vorhanden, aber ob Discovery wirklich Profit daraus schlagen kann, wird sich erst in elf Folgen zeigen.




Denkwürdige Zitate.

"Es ist kein Zufall, dass die sieben roten Lichter am Himmel erschienen sind, kurz nachdem sie die Macht übernommen hatte. Sie sind ein Omen! Sieben Tropfen Blut, die darauf warten auf uns herabzuregnen."
Kol'Sha

"Spock spricht in den höchsten Tönen von ihnen, Captain, wie meine Tocher. Deshalb glaube ich, dass ich bei Ihnen richtig bin."
"Das macht es mir umso schwerer Ihnen zu sagen, dass ich die Datei nicht öffnen kann. Das wäre ein schwerer Regelverstoß und das würde meiner Mutter nicht gefallen."
"Es hat einen Präzedenzfall in der Sternenflotte gegeben, auf den sich ein Captain berufen..."
"War sie schon immer so rechthaberisch?"
"Auf Vulkan nennen wir das 'beharrlich' und ja, das war sie. Diese Eigenschaft hat sie von mir."
Amanda Grayson, Christopher Pike und Michael Burnham

"Ah, Chris! Du und meine Urgroßmutter seid die einzigen im Quadranten, die noch über Bildschirme mit mir kommunizieren."
"Dann scheint sie eine kluge Frau zu sein. Du musst mich ihr vorstellen."
Diego Vela und Pike

"Das ist nicht wahr. Mein Sohn ist sanftmütig und gütig. Er würde das nie tun."
"Das sehe ich auch so... Captain."
"Dann sind wir schon zu dritt."
Grayson, Burnham und Pike

"Ich mag den Bart!"
Michael Burnham

"Aber ich werde nicht aufgeben und ich werde ihn finden."
"Nein. Ich finde ihn."
Burnham und Grayson

"Saru hat überall nach Dir suchen lassen. Geht's Dir gut?"
"Was ist denn? Hast Du geweint?"
"Ich hab' zuerst gefragt!"
Burham und Sylvia Tilly

"Nenn' mir ein Mädchen das noch nie geweint hat. Kannst Du nicht. Ich weiß das, ich bin Xeno-Anthropologin."
Burnham

"Ich bin nach meiner Unterschrift ohne Wert für Dich. Also töte uns beide, Kol'Sha, denn wer auch immer von uns überlebt, den siehst Du eines Tages wieder."
L'Rell

"Kinder sind Parasiten. Undankbar und lästig."
Philippa Georgiou

"Auch ich habe etwas geopfert. Ich werde nie wieder ein Kind gebären. Fortan werdet Ihr meine Kinder sein und ich führe diese Familie zu neuer Größe! Sprecht nicht von mir als Eurer Kanzlerin - ich verdiene einen leidenschaftlicheren Titel. Von diesem Augenblick an nennt mich ein jeder von Euch... Mutter."
L'Rell

"Mit Freaks hat man mehr Spaß."
Georgiou

Weiterführende Leseliste.

Staffel 2.

01. Rezension zu: "Brother"
02. Rezension zu "New Eden"
03. Rezension zu "Lichtpunkte"
04. Rezension zu "Der Charonspfennig"
05. Rezension zu "Die Heiligen der Unvollkommenheit"

Staffel 1.

01. Rezension zu "Leuchtfeuer" und "Das Urteil"
03. Rezension zu "Lakaien und Könige"
04. Rezension zu "Sprung"
05. Rezension zu "Wähle Deinen Schmerz"
06. Rezension zu "Lethe"
07. Rezension zu "T=Mudd²"
08. Rezension zu "Si Vis Pacem, Para Bellum"
09. Rezension zu "Algorithmus"
10. Rezension zu "Nur wegen Dir"
11. Rezension zu "Der Wolf im Inneren"
12. Rezension zu "Blindes Verlangen"
13. Rezension zu "Auftakt zum Ende"
14. Rezension zu "Flucht nach vorn"
15. Rezension zu "Nimm meine Hand"

Short Treks.

01. Rezension zu "Runaway"
02. Rezension zu "Calypso"
03. Rezension zu "The Brightest Star"
04. Rezension zu "The Escape Artist"