Samstag, 29. Februar 2020

Turons Senf zu PIC S1Nr06 "Die geheimnisvolle Box"



Spoilerwarnung.
Dieser Artikel enthält massive Spoiler auf "Die geheimnisvolle Box", die sechste Folge der ersten Staffel von "Star Trek: Picard" und sollte erst gelesen werden, wenn man diese und weitere Folgen bereits gesehen hat.




Einleitung.
In dieser Woche erschien ein weiteres Interview mit Patrick Stewart. Das allein rechtfertigt sicherlich noch keine sonderlich große Schlagzeile, aber sein Videoauftritt für das WiRED-Magazin in der Rubrik "…Answers the Web Most Searched Questions" ("… beantwortet die am meisten im Netzt gesuchten Fragen") gibt äußerst private Einblicke in sein Leben. So erzählt er beispielsweise, wie er Ian McKellen kennenlernte, dass er kein Veganer ist und dass er weder mit Martha noch mit Kristen Stewart verwandt sei.
Vor allem aber nutzt er die Gelegenheit, sich als Person ein Stück weit vom Picard-Image zu lösen (vielleicht ja nicht zuletzt, weil eine der Frage lautete, ob er tatsächlich mit einem bat'leth zum Ritter geschlagen wurde).
So betonte er ausdrücklich nicht nur seine britische, sondern explizit auch englische Herkunft, gab Einblicke in seinen ursprünglichen West-Riding-Dialekt und verriet, dass er nur selten Earl Grey, sondern viel lieber Yorkshire Gold trinken würde.
Nach diesem Einblick kann man sich nicht ganz zu Unrecht fragen, wieviel Patrick Stewart eigentlich in "Star Trek: Picard" steckt?



Story.
Die La Sirena hat Kurs auf das Artefakt genommen, wo laut den letzten Informationen von Bruce Maddox Dahjs Zwillingsschwester Soji Asha untergekommen sein soll, um die gemeinsame Kollaboration von Romulanern und Föderation zu erforschen.
Doch auf dem geschäftigen Borgkubus hat der Tal-Shiar-Agent Narek längst seinen finalen Plan zur Enttarnung der Produktionsstätte der Maddox-Androiden in die Tat umgesetzt. Just als sich der Sternenflottenadmiral im Ruhestand für eine Audienz mit dem Leiter der Einrichtung auf den Kubus herabbeamt, überredet er Soji dazu, sich einer romulanischen Meditiationstechnik zu unterziehen, die dazu dienen soll, ihre Träume und ihre kürzlich gewachsenen Identitätszweifel genauer zu ergründen.
Tatsächlich gelingt es dem findigen Romulaner, die gewünschten Informationen aus seiner Geliebten herauszukitzeln. Doch just als er sein Ziel erreicht und Picard zusammen mit Hugh das leere Quartier der gesuchten Wissenschaftlerin betritt, setzt der Romulaner ein strahlungsintensive Substanz frei, um die kurze Existenz der perfekten Androidin endgültig zu beenden…



Lobenswerte Aspekte.

Besetzung.
Von wenigen Ausfällen abgesehen bleibt abermals die Hauptdarstellerriege der beste Grund für Lobeshymnen in höchster Tonart.
Abermals obliegt Sir Patrick Stewart die Ehre, das Feld mit einer außergewöhnlich guten Performance anzuführen. Denn der Brite hat nichts verlernt; in mehreren Momenten, die die Zuschauer förmlich mitleiden lassen, werden sie Zeugen des für Jean-Luc Picard noch immer präsenten inneren Kampfes gegen seine frühere Assimilation durch die Borg. Stewart mag alt sein, aber Picard sieht noch älter aus, wenn er mit den Borg konfrontiert wird. Er zeigt deutliche Anzeichen einer postraumatischen Belastungsstörung (PTSD) und spielt diesen Part mit einer Überzeugungskraft, die über jeden Zweifel erhaben ist. Er erweckt im Alleingang Erinnerungen an "Familienangelegenheiten", "Ich bin Hugh" oder vor allem "Star Trek: Der erste Kontakt" und schafft es, mit seiner glaubwürdigen Darstellung eines noch immer zutiefst verletzten Menschen der Folge damit zusätzliche Tiefe zu verleihen. Dennoch verdeutlicht er zeitgleich auch, wie zerbrechlich die Schultern sind, auf denen diese Serie ruht.
Ihm muss in dieser Auflistung Santiago Cabreras folgen, der als Kind davon träumte Profifussballer zu werden – ein Umstand, der sich in der Serie niederschlägt, als man ihn mit dem 'runden Leder' jonglieren sieht.
Und in etwa so, wie Jonathan Archer Wasserball verfolgt, Benjamin Sisko Baseball spielt oder Jean-Luc Picard fechtet, findet nun eine weitere Sportart scheinbar ihren Weg in den offiziellen Kanon. Das passt durchaus zu einem südamerikanischen oder spanischen Charakter wie Cristóbal Rios und lässt höchstens die Frage offen, welchen Verein er am meisten mag (nah, es ist der Club Universidad Católica aus der chilenischen Heimat des Schauspielers).
Rios entpuppt sich nicht nur als Empath und Frauenversteher, sondern mehr und mehr auch als Crewmitglied, das nach Picard das meiste Sternenflottenblut in sich trägt. Abgesehen von einigen formellen Verhaltensmustern (vor allem in den zurückliegenden Folgen), zeigt sich das vor allem in der Art und Weise, wie fürsorglich er sich um seine 'Besatzung' kümmert. Es verdeutlicht die offensichtlichen Qualitäten eines ersten Offiziers; einer Rolle, die der Charakter auch nach dem Desaster auf der Ibn Majid aufrechterhält. Der einzige dunkle Punkt auf dieser weißen Dienstweste entsteht allerdings, als er mit einem seiner Crewmitglieder schläft, auch wenn das ein offensichtlicher Zug ist, um im Geist der Serienmodernität zusätzliches Drama in die Handlung der Serie zu streuen.
Seine romantischen Anwandlungen gelten nämlich ausgerechnet jener Dr. Agnes Jurati, die in der letzten Folge vor allem deshalb auffiel, weil sie so abrupt das Leben ihres früheren Mentors und Liebhabers Bruce Maddox beendete. Allison Pills Charakter schlägt seither bedeutend ernsthaftere Töne an und vermittelt recht gut das innerliche Leid, das ihr Mord in ihr ausgelöst hat, auch wenn sie sich redliche Mühe gibt, ihre Tat und ihre Absichten nicht zu offenbaren.



Die dialogtechnische Lücke des Erklärbären und Sprücheklopfers füllt nun Evan Evagora aus, dessen Part des romulanischen Ninja-Kriegers Elnor dafür aufgrund seiner jugendlichen Naivität und seines Hangs zu unbedingter Offenheit weitaus glaubwürdiger wirkt. Allerdings erscheint er gerade deswegen auch ein wenig deplatziert auf dem Schiff und kann eigentlich erst Akzente setzen, als er sich erwartungsgemäß dem Wunsch Picards widersetzt, um in einem Anflug von Heldenmut (der in einem Cliffhanger endet) den Tag zu retten.
Raffi Musiker hingegen gibt zweifelsohne Grund zur Sorge. Ich persönlich finde den Rückfall der gebrochenen Frau zu Alkohol und Drogen nicht nur absolut nachvollziehbar, sondern auch von Michelle Hurd grandios umgesetzt. Sie zeigt, dass sie trotz aller Beeinträchtigungen noch immer zielgenau ihren Job verrichten kann und ihre Fähigkeiten dürften in den kommenden Episoden sicherlich noch von größerer Bedeutung sein.
Auf dem Borgkubus kommt sich Soji Asha dank Narek selbst auf die Spur und Isa Briones schafft es, ihr Entsetzen und ihre Verzweiflung gut zu vermitteln. Abermals brilliert sie durch Data-hafte Gesten und durch eine Befreiungsszene, die an ähnliche Momente in "Kill Bill vol. 2" erinnert.
Dennoch bleibt die größte schauspielerische Leistung dieser Episode nach Patrick Stewart seinem Landsmann Harry Treadaway vorbehalten. Narek - beziehungsweise Hrai Yan – erzielt nicht nur auf gerissene Weise den Erfolg, der seiner Schwester vorenthalten blieb, sondern wirkt dabei von Dienstpflicht und persönlichen Gefühlen zerrissen. Auch er kommt sich bei der Selbstfindungshilfe selbst auf die Schliche und es sollte doch mit Fek'Ihr zu tun haben, wenn wir im weiteren Verlauf von "Star Trek: Picard" von ihm nichts mehr sehen sollten, denn er zählt spätesten jetzt zu den tieferen Charakteren der Serie.
Sein romulanischer Rubik's Cube war dabei ein großartig eingesetztes Stilmittel, das allerdings ruhig ein paar Episoden früher hätte etabliert werden können.
Besonders im Gegensatz zu ihm wirkt seine Schwester Narissa Rizzo irgendwo zwischen erstaunlich inkompetent bis schlichtweg dumm. Nicht, dass Peyton List ihre Sache aus schauspielerischer Sicht schlecht machen würde, aber ihre Rolle, die zuerst schießt, bevor sie Fragen stellt, bleibt auch bei ihrem vierten Auftritt unfassbar flach und konstant unoriginell.
Jonathan Del Arcos zweiter Gastauftritt als Hugh wurde feinfühlig umgesetzt, aber selbst wenn kurzzeitig so etwas wie eine Agenda für die XBs anklingt (vgl. Denkwürdige Zitate), bleibt die Rolle doch unter ihren Möglichkeiten und kann – ähnlich wie Elnor – erst in den Schlussminuten tatsächlich für etwas Bewegung im allgemeinen Geschehen sorgen.
Eine Erwähnung ehrenhalber verdiente sich in dieser Episode schließlich auch noch Sojis Löwenkuscheltier, das mit 'Squoodgy' endlich einen Namen erhielt. Mal schauen, wann die Star-Trek-Merchandiseabteilung das Potential dieses possierlichen Tierchens erkennt und verschiedene Versionen davon als Fanartikel zu verkaufen beginnt. Ich wäre jedenfalls langsam geneigt, eines davon zu erwerben…



Strickmuster.
Maja Vrvilo hat als Regisseurin bereits mit dem Short Trek "Runaway" (zwei Sterne von uns) und der Discovery-Episode "Der Zeitsturm" (vier Sterne von uns) auf sich aufmerksam machen können. In "Die geheimnisvolle Box" greift sich nicht die Tonart der letzten Woche auf, sondern fällt in eine Stimmung zurück, die bereits die vorangegangenen Folgen dominiert hat: Es gibt klar verteilte Feindbilder, einen Patrick Stewart in Höchstform, einige an Gruselklassiker angelehnte Szenenbilder (z.B. in den Traumsequenzen), abwechslungsreiche Kameraperspektiven, einen großartigen Soundtrack und reihenweise Nostalgiemomente.
Vor allem aber ist die Episode nicht nur von einer mitreißenden Spannung geprägt, sondern startet endlich in Richtung Zielgerade. Oder um an dieser Stelle einmal Fehlfarben zu paraphrasieren:
"Es geht voran!"
Dafür nimmt sich Vrvilo erstaunlich viel Zeit; nicht nur, dass der Prolog erstaunlich lang ausfällt - auch die Folge nimmt sich plötzlich ganze zehn Minuten mehr heraus, als ihre Vorgänger es taten. Die Handlung konzentriert sich währenddessen – von einigen Szenen auf der La Sirena abgesehen – vor allem auf den zuletzt vernachlässigten Borgkubus, der sich nun (genauso wie die scheinbar unverzichtbar gewordenen Lens Flares) fulminant zurück im Fokus des Zuschauers katapultiert.
Das Drehbuch kreist um zwei große konzeptionelle Aspekte.
Auf der einen Seite finden wir die Konflikte zwischen den Charakteren, die nun zu handfesten Problemen kulminieren. Raffis Konflikt mit ihrem Sohn führen zu einer innerlichen Leere und damit zu einem Rückfall zu Drogen und Alkoholkonsum. Picards Konflikt mit dem ungestümen Elnor endet damit, dass er sich entgegen der Wünsche des Sternenflottenadmirals auf den Kubus beamt. Und der größte Konflikt der Folge zwischen Narek und Soji steigert sich gar zu einem Höhepunkt, an dem ersterer letztere unter Tränen umzubringen versucht.
Dem entgegen stehen als Kontrast die vielen Nostalgiemomente, auch wenn die positive Besetzung von 'Nostalgie' der Sache vielleicht nicht unbedingt gerecht wird. Zwar sehen wir einige rührende Szenen der Deassimilation früherer Borgdrohnen und ein sehr herzliches Wiedersehen zwischen Hugh und Picard, aber wir werden genauso Zeuge eines (genialen) Schnittes zwischen Picard und seinem Borg-Alter-Ego Locutus, beklemmender Flashbacks auf Picards Zeit im Kollektiv und einige Szenen, in den Realität und Angst vor einer erneuten Assimilation verschwimmen.
Doch egal ob gut oder böse  - beiden Komponenten gelingt es, an eine der erfolgreichsten und prägnantesten Erzählstränge TNGs anzuknüpfen, der viele Zuschauer in eine Vergangenheit zurückholt, in der Star Trek etwas ganz Besonderes geschaffen hat.



Zusätzlich zu den konzeptionellen Aspekten kommen zwei erzählerischen Ansätzen größere Bedeutung zu: In der ohnehin bislang extrem symbolhaltigen Serie geht es dieses Mal um Vergangenheit auf der einen Seite und Verletzlichkeit auf der anderen.
So muss sich Picard mit seinen traumatischen Erlebnissen bei den Borg auseinandersetzen, Jurati muss ihren Mord an Maddox verarbeiten, Hugh feiert ein Wiedersehen mit dem Mann, der ihn aus den Klauen des Kollektivs entrissen hat, Raffi versucht den Geistern der Vergangenheit durch eine Flucht in bewusstseinserweiternde Substanzen zu entfliehen und Soji muss sich mehr oder minder unfreiwillig mit ihrer noch nicht allzu weit zurückliegenden Entstehungszeit auseinandersetzen.
Das passiert natürlich nicht ohne Wunden davonzutragen. Die Verletzlichkeiten werden auf unterschiedliche Weise demonstriert; entweder in Traumata (Picard), Gewissensbissen (Jurati, Raffi, Narek) oder ganz offensichtlichen Wunden und Enttäuschung (Soji).
Diese Vielzahl unterschiedlicher Stränge bringt Vrvilo geschickt unter einen Hut. Die einzelnen Elemente greifen präzise ineinander und ergeben letztendlich eine regelrecht ausbalancierte Folge, die für ein serielles Konzept erstaunlich geschlossen und doch wie Teil eines Ganzen wirkt. Trotz der Länge gibt es keinerlei Überlängen und selbst wenn die Folge unabstreitbar die Handlung vorantreibt und mit einem weiteren Cliffhanger endet, so gelingt es ihr doch auch als Einzelstück in Erinnerung zu bleiben.
Am Ende bringt "Die geheimnisvolle Box" gar noch einen weiteren Handlungsort ins Spiel, nachdem die bisher wenig abwechslungsreichen Schauplätze (das Artefakt, Erde, das Artefakt, Vashti, das Artefakt, Freecloud, das Artefakt, La Sirena und natürlich der von den Romulanern erbeutete Borgkus) langsam ein wenig eintönig geworden sind.
So richtet sich der allgemeine Blick erwartungsvoll auf Nepenthe, zumal dort die Rikers auf einen Besuch ihres ehemaligen Captains warten.



Kritikwürdiger Aspekt.

Kanonbrüche und Logiklöcher.
So langsam ist deutlich zu merken, dass wir uns dem Ende der ersten Staffel nähern, denn viele Dinge werden allmählich klarer und wirken weniger mysteriös als noch zu Beginn der Serie. Wir wissen längst, wer Dahj und Soji zusammengeschraubt hat, haben eine etwas genauere Vorstellung von dem, was auf dem Bogkubus abläuft und wissen eigentlich seit der dritten Folge, dass Jurati ein doppeltes Spiel treibt. Alle Charaktere sind zusammengetrommelt, die große Reise Picards hat begonnen und inzwischen auch schon erste Resultate erbracht.
Vieles macht mehr Sinn als noch am Anfang (z.B. die Mutter-KI von Soji und Dahj, Juratis Auftauchen im Chateau Picard, Raffis Wunsch nach Freecloud reisen zu wollen), auch wenn die ein (Jurati und Rios finden zueinander) oder andere (Elnors Herunterbeamen auf den Borgkubus) Entwicklung dieser Folge recht vorhersehbar wirkte.
Hinzu kommt, dass dem geneigten Fan abermals tolle Kanonhappen vorgeworfen wurden. Abgesehen von Rückbezügen auf Kinofilme wie "Der erste Kontakt" (die Borg, Szenenbilder aus Picards Föderationsgooglesuche) oder "Nemesis" (vor allem das Gift aus der 'geheimnisvollen Box') und natürlich diversen TNG-Folgen mit zentralem Borg-Inhalt (z.B. "Angriffsziel Erde", "In den Händen der Borg", "Ich bin Hugh") kommt dieses Mal tatsächlich wieder Voyager eine größere Bedeutung zu. Abgesehen von der eher gut versteckten Flotter-Brotdose war es die äußerst gelungene Anspielung auf die aus "Das oberste Gesetz" bekannten Sikarianer an einer Stelle, an der andere vielleicht bestenfalls Stargate erkennen würden (allerdings bleibt etwas verwunderlich, warum er den Speziesnamen, und nicht deren Borgbezeichnung wie etwa Spezies 0815 nennt). Zudem mochte ich die zarte Anspielung, dass es einen weiblichen Praetor (Sela? Donatra? Tal'aura?) geben könnte (vgl. Denkwürdige Zitate).
Vor allem aber setzt die Episode gekonnt den Ausbau der Romulaner zu einer vielschichtigeren Spezies fort, der das Volk bereits seit dem Beginn der Serie ereilte und in "Unbedingte Offenheit" seinen Höhepunkt erreichte. So wie einst die Klingonen in TNG radikal, aber auf spannende Weise inhaltlich neu ausgerichtet wurden, geschieht nun das gleiche mit den Romulanern, die der offizielle Kanon bislang nur selten mit tiefen kulturellen Einblicken abseits des Militärs bedacht hatte.
Aber natürlich gibt es auch den ein oder anderen Moment, der mit dem Kanon nicht so recht übereinzustimmen scheint.
Dass etwa die romulanische Namensgebung stark an den Short Trek 'Calypso' erinnert, mag ja noch einige nette Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Bevölkerung in einer weit entfernten Zukunft ziehen lassen, aber bereits seit der Originalserie wissen wir, dass nicht das Verlassen der Neutralen Zone einen Kriegsakt bedeutet, sondern bereits das Betreten. Immerhin gibt man sich konsequent Mühe, die romulanische Neutrale Zone als Relikt der Vergangenheit darzustellen, so dass man hier gekonnt größere Fettnäpfen vermeiden kann.



Es sind also eher eine Reihe von kleineren und größeren Drehbuch-Unstimmigkeiten, die das ansonsten sehr stimmige Gesamtbild trüben.
So scheint jeder (bis auf den bislang in der Isolation eines Nonnenordens aufgewachsenen Elnor) über den von den Romulanern erbeuteten Borgkubus Bescheid zu wissen.
Picard möchte – wie ein Großteil der heutigen Internetnutzer auch – lieber eine Bildersuche zu machen, als Texte lesen zu wollen. Kopfbälle – dieser Tage aufgrund ihrer Langzeitwirkungen wieder im Gespräch – scheinen es unbeschadet in die Zukunft geschafft zu haben.
Und obwohl der Tal Shiar eng mit der Sternenflotte zusammenarbeitet, kommt scheinbar niemand an Bord des Artefakts auf die Idee, Picard bei seinem Besuch einen Sicherheitsangehörigen aufzubürden oder ihn zumindest genau zu überwachen (bei einem XB wie Picard wäre das durchaus vertretbar und sogar mit dessen eigener Sicherheit zu rechtfertigen gewesen).
Natürlich sind weitere kleinere Widersprüche zwar unglücklich, aber immerhin mit dramatischen Entscheidungen zu rechtfertigen: Warum etwa Soji zum Schlafen ihre Kette trägt, warum Picard in eine scheinbar verlassene Ecke des Borgwürfels gebeamt wird, warum Hugh die Tür zur Königinnenkammer offenlässt. Warum man derlei kleinere Fragen besser als künstlerische Freiheit betrachtet, wird deutlich, wenn man sich eine der besten Szenen der Folge vor Augen hält:
Als nämlich Picard bei seiner Google-Suche ein Bild von sich selbst als Locutus findet, ist dieses gespiegelt (das Gesichtsimplantat befindet sich damit auf der falschen Seite). Klingt im ersten Moment sicherlich wie ein Fehler, aber wäre das nicht der Fall gewesen, so hätte auch die Einstellung nicht funktioniert, in der man das Holobild mit dem Antlitz Picards übereinandergelegt hat.
Je mehr man über solche vermeintlichen Fehler nachdenkt, desto weniger kann man es zum Vorwurf gereichen.
Zwei andere Sachen müssen an dieser Stelle jedoch noch einmal explizit kritisiert werden.
Mal ehrlich: Nach einem erfolgreichem Com-Telefonat zu klatschen ist in etwa so cool wie Leute, die das gleiche bei Flugzeuglandungen machen. Da mag die Crew durchaus der mit schweren Privatproblemen kämpfenden Raffi ihre Unterstützung zeigen wollen, aber am Ende war diese bereits in ihrer Anlage fragwürdige Aktion für alle Beteiligten einfach nur peinlich und für den geneigten Star-Trek-Anhänger schlichtweg fremdschamwürdig.
Zum anderen fand ich Elnors Zurückbleiben auf dem Kubus nicht weiter tragisch.
Nicht, dass ich mir seinen Tod wünschen würde, aber auf diese Weise bekommt die Besatzung der La Sirena in der nächsten Episode immerhin etwas Spannendes zu tun (wie etwa ihren Kameraden herauszubeamen und zu entkommen), während der romulanische Schwertkämpfer sich und seine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann (um Picards Flucht durch ausreichend Zeit zum Herunterfahren des Portals zu decken  und Hugh zu retten).
Allerdings bleibt der fade Beigeschmack des Umstandes bestehen, der Elnor an Bord des Artefakt gelangen konnte. An einem Ort, in dem selbst die Gespräche der Arbeitskräfte penibel überwacht werden und Sicherheitsvorkehrungen selbst dann bestehen, wenn man meditieren gehen will, wirkt dieses Detail entweder wie der endgültige Beweis für die völlige Inkompetenz des Tal Shiars als Organisation (was dem bisherigen Bild in Picard weiter gerecht werden würde), oder für ein ziemlich schweres Versäumnis in der Drehbuchanlage.



Synchronisation.
Die Probleme mit der Synchronisation fangen bereits im Titel an, denn "Die geheimnisvolle Box" ist etwas ungünstig gewählt. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass man aufgrund der Lippenbewegungen dem Begriff 'box' Vorrang vor der 'Schachtel' gewährt hat, aber 'geheimnisvoll' ist eine doch schlechte Übersetzung von 'impossible'. Derlei Übersetzungsnachlässigkeiten ziehen sich durch die gesamte Folge (z.B. bei "raushalten" für "in-butting" oder "Kern" für "centre").
Andererseits liegt es in der Natur der Dinge, dass gewisse Nuancen in der Übersetzung verloren gehen und es gibt durchaus Anzeichen für Besserung! Zwar wird noch immer gesiezt als würde es kein Morgen geben, aber immerhin kann kurz vor dem Koitus offenbar darauf verzichtet werden. Zudem ist es löblich, dass mit Leon Boden Hughs Originalstimme verpflichtet werden konnte.



Fazit.
Insbesondere nach dem Ausrutscher in der letzten Episode wirkt "Die geheimnisvolle Box" wie eine Rückbesinnung auf alte Stärken. Die ausgewogene Folge glänzt durch mitreißende Spannung, die herausragenden schauspielerischen Leistungen vor allem von Patrick Stewart und Harry Treadaway und beschwört einen gelungenen Ausgleich zwischen Konflikt und Nostalgie herauf, dem man sich nur schwer entziehen kann.
Bislang bildet sie dadurch eine der besten Episoden der noch jungen Serie, an der es lediglich Kleinigkeiten zu bemängeln gäbe.


Bewertung.
Ein Grund für vorsichtigen Optimismus.






Schluss.

Patrick Stewart ist ein Schauspieler und keine Rolle.
Nichtsdestotrotz ist er ein Darsteller, dessen Kultstatus auch auf seine Beteiligung Star Trek zurückgeht.
So mag das Interview sicherlich auch dazu gedient haben, eine Grenze zwischen Patrick Stewart und einer seiner bekanntesten Rollen zu ziehen, doch es zeigte ebenfalls auf, wie sehr Star Trek ein Teil seines Lebens ist, der ihn immerhin seit 32 Jahren begleitet.
Er nutzt die Gelegenheit, auf seine Show aufmerksam zu machen und beantwortet Fragen, die sich so mancher Zuschauer beim Ansehen der Serie sicherlich auch gestellt hat (z.B. wie er in so guter körperlicher Verfassung bleibt oder ob er ein Weingut besitzen würde).
Doch die wichtigen Antworten gab Stewart diese Woche in "Star Trek: Picard" .
Insbesondere seine Leistungen in dieser Folge, die direkt an seine Darstellungen in "Der erste Kontakt" anschlossen, beweisen hinlänglich, was für ein hochkarätiger Schauspieler er noch immer ist und das es zu den Privilegien unserer Zeit gehört, diese Serie ansehen zu können, in die Stewart nicht nur sein Herzblut, sondern auch seine politischen Ansichten gesteckt hat. Hoffen wir, dass er uns zwei weitere Staffeln erhalten bleibt, denn wie sagte Stewart selbst so schön?
"The Show goes on!"



Denkwürdige Zitate.

"Geändert? Die Borg?? Sie assimilieren ohne Mitleid ganze Zivilisationen, ganze Systeme in nur wenigen Stunden! Die ändern sich nicht! Sie metastasieren."
Jean-Luc Picard

"Er kann es nicht sehen. Er sieht nicht, dass Sie auch etwas quält, was Sie lieber vergessen würden."
Elnor zu Jurati

"Wieso gefällt's Ihnen hier draußen?"
"Im Weltraum? Oder..."
"Es ist kalt und verlassen und es will einen töten..."
Agnes Jurati und Cristóbal Rios

"Stimmt was nicht?"
"Ich habe eine Superkraft. Ich kann Fehler bemerken während ich sie mache."
"Das ist nicht wirklich eine Superkraft."
Jurati und Rios

"Es ist keine Fehlfunktion. Es ist eine Verwundbarkeit."
Narek über Sojis Träume

"Das Kollektiv vergisst niemals einen der ihrigen."
Picard

"Die Spannung zwischen Ihnen behagt mir nicht."
Elnor zu Jurati und Rios

"Die Romulaner sind seit zweihundertfünfzig Jahren mies gelaunt."
Captain Emily Bosch

"Ich mein Du kennst doch Picard: Man redet auf ihn ein wie ein störrischer Esel, aber will nicht hören!"
Raffi Musiker

"Ich will nicht am falschen Ende eines Disruptorengeschützes stehen, Emmy. Hey, ich meine, ich hab immer noch vor mich zu Tode zu saufen!"
Raffi

"Und Raffi, das sage ich Dir jetzt als alte Freundin: Du wirst Dich nie wieder bei mir melden."
Emmy

"Niemand macht alles richt, Raf."
Rios

"Mein Schwur zählt mehr als eine diplomatische Authorisierung."
Elnor

"Und was auch passiert: Du verlässt auf keinen Fall das Schiff. Ist das klar?"
Picard zu Elnor

"Ich habe es nicht geglaubt - bis jetzt. Willkommen zum Borg-Rückgewinnungsprojekt. Ich weiß nicht warum Sie hier sind, aber was Sei auch brauchen, ich werde Ihnen helfen."
Hugh zu Picard

"Was Sie hier machen ist gut. Niemand verlangt Perfektion. Nach diesen vielen Jahren zeigen Sie, was diese Borg in Wahrheit sind, unter der Maske: Sie sind Opfer, keine Monster."
"Und trotzdem sind wir die meistgehassten Wesen in der Galaxis, genauso hilflos und versklavt wie zuvor. Nur dass unsere Königin jetzt Romulanerin ist."
"Danke, dass Sie mir das gezeigt haben."
"Niemand könnte es besser verstehen als Sie. Und wenn sich gerade Picard für freie Borg einsetzen würde, könnte das Aufsehen erregen, nicht wahr?"
Picard und Hugh

"Locutus?"
ehemalige Borgdrohne

"Wo ist der Junge?"
Rios

"Elnor, ich lasse Dich nicht noch einmal zurück."
"Es erfüllt mich mit Freude das Sie das sagen. Aber Sie sind so weit gekommen; die werden Sie vernichten, Picard. Gehen Sie!"
Picard und Elnor

"Bitte meine Freunde, wählt das Leben."
Elnor

Weiterführende Leseliste.

01. Rezension zu "Gedenken"
02. Rezension zu "Karten und Legenden"
03. Rezension zu "Das Ende ist der Anfang"
04. Rezension zu "Unbedingte Offenheit"
05. Rezension zu "Keine Gnade"
06. Rezension zu "Die Geheimnisvolle Box"
07. Rezension zu "Nepenthe"
08. Rezension zu "Bruchstücke"
09. Rezension zu "Et in Arcadia Ego, Teil Eins"
10. Rezension zu "Et In Arcadia Ego, Teil Zwei"


Samstag, 22. Februar 2020

Turons Senf zu PIC S1Nr05 "Keine Gnade"



Spoilerwarnung.
Dieser Artikel enthält massive Spoiler auf "Keine Gnade", die fünfte Folge der ersten Staffel von "Star Trek: Picard" und sollte erst gelesen werden, wenn man diese und weitere Folgen bereits gesehen hat.



Einleitung.
Ich habe mir den großen Zeh gebrochen.
Das ist eigentlich weder gut noch sonderlich angenehm, doch während meiner dreieinhalb Stunden Aufenthalt in der Notaufnahme verfügte ich ausnahmsweise einmal über genügend Zeit, mir den "Picard"-Roman zur aktuellen Serie zu Gemüte zu führen.
"Die letzte und einzige Hoffnung" aus der Feder von Una McCormack ist in der Tat ein Werk, dass maßgeblich zum Verständnis der Serie beiträgt, denn darin werden nicht nur Raffis familiäre Probleme näher geschildert, sondern auch Juratis Beziehung zu Bruce Maddox ausführlich beschrieben. Es ist in jeglicher Hinsicht eine ideale Lese-Ergänzung zum Fernseh-Erlebnis und ein cleveres Stück Marketing, dieses Buch zusammen mit den “Countdown”-Comics zu veröffentlichen.
Eine Frage aber bleibt bei aller Begeisterung im Raum stehen:
Sollte man das Buch vor der letzten Folge überhaupt lesen?



Story.
Jean-Luc Picard und seine inzwischen vollständig zusammengewürfelte Crew sind endlich auf dem Weg nach Freecloud, um dort Bruce Maddox ausfindig zu machen. Doch sie sind spät dran; der verzweifelte Kybernetiker befindet sind in den Fängen einer zwielichtigen, lokalen Unterweltbossin namens Bjayzl, die plant ihn an den romulanischen Geheimdienst Tal Shiar zu veräußern.
So hecken Picard und seine Mannen zusammen mit Seven of Nine einen gewieften Plan aus, um den Wissenschaftler zu befreien: Mit Seven of Nines lukrativen Borg-Implantaten als Lockmittel wollen sie Bjayzl zu einem riskanten Tauschgeschäft ermuntern. Doch zunächst muss die Mannschaft dafür eine Reihe von Hindernissen überwinden. Sie sind gezwungen in verschiedene Rollen zu schlüpfen, einen Lügendetektor auf zwei Beinen auszutricksen und ihren Betrug soweit voranzubringen, dass sie Maddox' habhaft werden können.
Doch aller Aufwand scheint umsonst, als sich herausstellt, dass ausgerechnet Seven of Nine Picard ausnutzt, um durch ihn Zugang zu der von ihr verhassten Kriminellen zu erlangen...

Lobenswerte Aspekte.

Moralität.
Düster wird es in dieser Episode, doch wo viel Schatten ist, fällt (neben vielen Lens Flares) auch immer viel Licht.
So nimmt sich "Keine Gnade" Problemen an, die zum Standard-Repertoire Star Treks gehören, um sie in einer völlig neuen Weise zu beleuchten.
Etwa die Frage, wie weit man bereit ist für den Fortschritt zu gehen.
Lässt man andere Lebewesen töten, um deren Einzelteile für einen nanotechnologischen Organhandel zu erlangen, die entweder für Forschung, Profit oder Sammelleidenschaften herhalten müssen?
Oder die Frage nach Schuldigkeiten.
Ist es angemessen, seiner eigenen Mutter trotz redlicher Besserungsbemühungen ihrerseits beständig die Fehler ihrer Vergangenheit vorzuhalten?
Legitimieren die fatalen Folgen der Forschung eines Wissenschaftlers dessen Tod?
Ist der Tod ganz generell eine legitime Antwort auf erlittenes Leid, egal von welcher Tragkraft?
Die ganz große Frage bleibt allerdings eine, die sich wie ein roter Faden durch die bisherige Franchise gezogen hat und auch vor "Picard" nicht haltmacht.
Was genau ist eigentlich überhaupt Menschlichkeit?
Was macht sie aus?
Was passiert, wenn wir unsere Menschlichkeit verlieren?
In diesem Zusammenhang bleibt Picards vorläufiger Abschied von Seven of Nine die stärkste Szene in der gesamten Folge, weil es das gleiche Dilemma in unterschiedlicher Ausprägung zeigt. Während Picard seiner Menschlichkeit nach seiner Assimilation nur noch mehr Gewicht verlieh, stellt Seven wenige Momente später unter Beweis, dass sie in den Jahren nach ihrer Ankunft auf dieser Seite der Galaxis den negativen Seiten dieses Begriffs erlegen ist.
Damit wird schließlich auch das Grundproblem deutlich, das mit diesem sehr schwammigen Ausdruck verbunden ist:
Menschlichkeit ist keineswegs etwas, das sich bequem in gut und böse, richtig und falsch oder gar schwarz und weiß unterteilen lässt.
Menschlichkeit ist individueller Auslegung unterlegen und kann von zwei verschiedenen Menschen völlig unterschiedlich ausgelebt werden.
Und Menschlichkeit umfasst ebenso den Begriff Gnade, wie den bewussten Verzicht darauf und in dieser Folge gelingt es trefflich, dieses Problem zu schildern.



Besetzung.
Die großartige Hauptbesetzung bleibt für Überraschungen jeglicher Art gut, auch wenn einschränkend zu bemerken bleibt, dass "Picard" dieses Mal bei der Auswahl der Nebendarsteller eher zu wünschen übrig ließ (und das im wahrsten Sinne des Wortes).
Patrick Stewart wird als Jean-Luc Picard fraglos seinen Spaß gehabt haben, als er seine Rolle erstmals mit schwerem französischen Akzent als eine Art gallischen General Chang darstellen durfte, aber diese Szenen kratzten mit zu großer Beständigkeit an der schmalen Grenze zu sinnfreier Albernheit. In all dem turbulenten Geschehen fiel dem sichtlich gealterten Mann beinahe eine Nebenrolle zu, wenn er nicht - wie eingangs bereits erwähnt - zusammen mit Jeri Ryan in der wohl denkwürdigsten Szene dieser Folge seine gewohnte Präsenz kurz vor Folgenende wiederentdeckt hätte.
Jene Seven of Nine an seiner Seite bildete viel mehr den Mittelpunkt dieser Episode als der eigentlich namensgebende Charakter dieser Serie. Dabei legte die Autorin Kirsten Beyer bereits frühzeitig Wert darauf, dass sich die äußerlich (vor allem im Vergleich mit Picard) erschreckend jung gebliebene Frau innerlich radikal gewandelt hat: So trinkt sie Bourbon, leistet Sterbehilfe für Icheb und hintergeht letztendlich doch den in ihrer Wahrnehmung wirklichkeitsfremd agierenden Picard (vgl. Denkwürdige Zitate). Sie tritt im Gegensatz zur vorherigen Darstellung Sevens in "Star Trek: Voyager" als höchst brutaler Rächer in bester Arrow-Manier auf und es ist bemerkenswert, wie man diesen in Fankreisen so beliebten Charakter so mir-nichts-dir-nichts zu einem Gegenpol zum idealistischen Ex-Admiral stilisierte.
Mehr noch; Seven versinnbildlicht die in ihren Werten gleichsam gefallene Föderation in einer Person.
Doch wie für die Föderation auch besteht noch immer Hoffnung für die ehemalige Borgdrohne.
Seven kämpft einen vermeintlichen Kampf gegen die Windmühlen, um Recht und Gesetz in einer instabilen Region aufrechtzuerhalten, versucht Picard und seine tollkühne Crew zu schützen und überreicht ihm am Ende sogar so etwas wie das Bat-Signal, mit dem er sie in Zeiten der Not anklingeln kann.
Nicht so ganz sicher bin ich mir allerdings in der Beziehung, die diese Folge zwischen ihr und Bjayzl suggeriert. Nicht, dass ich etwas gegen eine solche gleichgeschlechtliche Beziehung hätte; ich hätte mir einzig deutlichere Worte dafür oder dagegen gewünscht. Denn eine Beziehung zwischen den beiden hätte Sevens Rachegelüste und ihre Interpretation von Menschlichkeit nur noch weiter unterstrichen.
Der zweite große Star von "Keine Gnade" bleibt Raffaela 'Raffi' Musiker. In der starken Nebenhandlung der Folge sucht sie nach ihrem Sohn, nur um von diesem abgewiesen zu werden. Ihre Geschichte, nunmehr um eine persönliche Tragödie bereichert, zeigt umso mehr, wie ihre Sternenflottenkarriere, die Zusammenarbeit mit Picard, die gescheiterte Evakuierung des romulanischen Sternenimperiums und vor allem der Angriff auf den Mars ihr Leben in einen Scherbenhaufen verwandelt hat. Es zeigt, wie sie sich von ihrer eigenen Familie entfernt hat und in eine Drogenabhängigkeit verfiel, ohne ihren Prinzipien und Ansichten untreu zu werden.
Das alles spielt Michelle Hurd mit einer eindringlichen Überzeugungsgewalt, der man den kaltschnäuzigen früheren Geheimdienstoffizer ebenso abnimmt, wie die zurückgewiesene Großmutter, zumal Mason Gooding in der Rolle ihres Sohns Gabriel 'Gabe' Hwang im kongenialen Zusammenspiel mit ihr großartige Arbeit leistet, um den schwelenden Konflikten zwischen beiden Familienangehörigen Ausdruck zu verleihen.



Auch Allison Pill als Dr. Agnes Jurati gelang es eindrucksvolle Ausrufezeichen zu setzen. Nach anfänglicher Nervosität gelingt ihr recht eindringlich der Sprung vom Tilly-Klon zum Ash-Tyler-Nachfolger. Immerhin bleibt ihre Motivation (noch) ungewiss und scheint eher von idealistischen Motiven und Verzweiflung getrieben. Es bleibt - aufgrund der wenigen Zeit, die diese Episode der Aufdeckung dieses doppelten Spiels widmete - dem Informationsgehalt kommender Episoden überlassen, dieser Entwicklung einen passenden Rahmen zu verleihen. Bis hierher wirkt Juratis Dolchstoß jedoch im Hinblick auf parallele Erzähltraditionen bei "Star Trek: Discovery" in etwa so originell wie die Flagge Indonesiens im Vergleich mit der Monacos.
Santiago Cabrera bleibt als Cristobal Rios eine qualitative Konstante der Serie und darf abermals aus seiner Rolle ausbrechen - dieses Mal jedoch nicht primär als Hologramm, sondern als Rios in Verkleidung. Das funktioniert im Vergleich besser als bei Jean-Luc Picard, zumal Rios trotz seines schillernden Äußeren nicht zur überkandidelten Extravaganz neigt.
Vergleichsweise wenig zu tun bekommt Evan Evagora in "Keine Gnade", nachdem sich die letzte Folge beinahe allein um Elnor gedreht hat. In den wenigen Dialogen mit seiner Beteiligung erinnert er entfernt an Spock oder Data, weil ihm als Kind der Qowat Milat das Konzept von Lügen ebenso fremd ist, wie den beiden genannten Star-Trek-Legenden die Possen menschlicher Emotionen.
Verpasste Gelegenheiten offenbaren sich schließlich mit den Nebenrollen.
So bleibt beispielsweise Bjayzl vor allem deshalb in Erinnerung, weil Necar Zadegan aufgrund ihrer entfernten Ähnlichkeit zu Marina Sirtis auch genauso gut hätte gecastet werden können, um Deanna Troi spielen zu können. Das allein mag eine Randnotiz sein.
Das eigentliche Problem an ihr ist ihre vergleichsweise hohe Qualität als Darstellerin einerseits und das Potential ihrer Rolle andererseits.
Gerade im Zusammnehang zur recht flach gezeichneten Narissa Rizzo blieb Bjayzl die tiefere und spannendere Figur, zumal die Abgründe der kriminellen Unterwelt im Star-Trek-Universum weit weniger stark beleuchtet wurden, als die Ränkespiele der Romulaner. Ihr Tod ist nicht zuletzt deswegen ein herber Verlust für die Serie.
Gleiches gilt für den Beta Annari Mr. Vup, auch wenn Domenic Burgess in dieser Rolle eher an einen Sontaraner aus Doctor Who erinnerte. Aber seine olfaktorisch besonders begabte Spezies und deren Einsatz für eine verbrecherische Organisation bildeten eine der besseren Ideen dieser Folge.
Vor allem aber stößt auf, dass nach Gastauftritten von Brent Spiner, Jeri Ryan oder Jonathan Del Arco die Rollen von Icheb und Bruce Maddox neu besetzt wurden.
Natürlich kann man gut verstehen, dass sich ein Manu Intiraymi weigern könnte, einem derart kurzen Auftritt beizuwohnen, der mit dem überaus blutreichen Tod seiner erfolgreichsten Rolle enden würde. Auch Brian Brophy wird sicherlich in Anbetracht des Umfangs dieses Auftritts zu Recht abgesagt haben. Aber auch wenn weder Casey King noch John Ales einen schlechten Job verrichten, bleibt die Abwesenheit der originalen Darsteller auch ein kleiner Bruch mit der anfänglich beschworenen großen Nostalgie.
Oder steckt vielleicht mehr hinter dieser auf den ersten Blick etwas befremdlichen Casting-Entscheidung?



Kritikwürdige Aspekte.

Grundton.
Zum zweiten Mal führt Jonathan Frakes Regie und abermals weiß er mit schönen Schnitten, toller Musik (insbesondere der Voyager-Klänge im Zuge der denkwürdigen Unterredung Sevens mit Picard) und einem erhöhten Erzähltempo zu überzeugen. Dabei verzichtet die Folge zum Wohle des Spannungsaufbaus völlig auf die bislang ohnehin eher aussagearmen Einblicke auf das Geschehen an Bord des Artefakts.
Zu den Kehrseiten der Medaille zählt neben vielen Lens Flares aber auch der nicht immer gelungene Gratwanderung zwischen den beinahe schon übertrieben ernsthaft inszenierten Motiven und den karnevalsartig umgesetzten Undercover-Szenen. Vor allem aber wurden pünktlich zur Halbzeit der ersten Staffel mehr als genug Fässer für eine ganze Serie aufgemacht. Dabei wurde allerdings im gleichen Atemzug sträflichst verpasst, die bisherige Handlung entscheidend voranzutreiben: Die La Sirena ist noch immer weit von Sojis Aufenthaltsort entfernt, über die gemeinsame Verschwörung von Romulanern und Föderation weiß man noch immer keinen Deut mehr als zuvor und das Beste, was man Bruce Maddox' kurzem Gastspiel in diesem Moment noch abringen kann ist, dass er Picard mit Antworten auf drängende Fragen seinerseits versorgt hat, durch die er in etwa genauso gut informiert ist wie der Zuschauer selbst.
Statt also die Handlungsentwicklung entscheidend voranzutreiben, werden plötzlich neue Nebenkriegsschauplätze aufgemacht. Die Fenris-Ranger zum Beispiel, die das Machtvakuum in der rechtlosen Pufferzone zwischen Föderation und Romulanern ausfüllen und Picard bei seinem Unterfangen in zukünftigen Folgen sicherlich noch von Nutzen sein werden. Oder Juratis absehbarer Seitenwechsel, der nicht nur dem Konfliktknäuel der einzelnen Seriefäden zusätzliche Störknoten beschert, sondern eine lose Verbindung zur verloren geglaubten Commodore Oh knüpft.



Vor allem aber markiert "Keine Gnade" einen erschreckenden Richtungswechsel.
Das fängt schon mit dem überaus brutalen Einstieg an, der Amazon Prime Video zum Unbill vieler Zuschauer (nicht ganz zu Unrecht) zwang, seine Kunden nach Altersnachweisen zu fragen. Spätestens damit dürften aber auch dem letzten Star-Trek-Anhänger aufgefallen sein, dass jene Zeiten endgültig vorbei sind, in denen Star Trek eine Familienshow war. Das wirkt natürlich etwas widersprüchlich bei einer Serie, die einen guten Teil der Zuschauerschaft hierzulande rekrutieren konnte, weil dieser nach der Schule heimwärts eilte, um dort den Abenteuern Picards folgen zu können.
Überhaupt scheint sich die Episode über sorgsam in Szene gesetzte Schockmomente profilieren zu wollen. Neben dem visuell unnötig brutal gestalteten Beginn sehen wir Seven Bourbon trinken, Jurati Maddox küssen, die Voyager-Ikone Seven den TNG-Helden Picard hintergehen, Jurati Maddox ermorden und Seven Amok laufen.
In seiner Darstellungsweise geht "Picard" urplötzlich ungewohnt drastisch vor und wechselt in einen sehr düsteren Grundton, der nur schwer wieder abzuschütteln sein wird. Denn er umfasst nicht allein "Keine Gnade" im Speziellen, sondern längst "Star Trek: Picard" im Allgemeinen.
Der anfängliche Optimismus der ersten Folgen scheint durch die radikalen Taten von Seven und Jurati wie davongewischt und ich kann (nicht zuletzt im Hinblick auf ähnliche Entwicklungen bei Discovery) jeden verstehen, der den großen optimistischen Star-Trek-Gedanken bedroht sieht, der bislang jeder einzelnen Star-Trek-Serie zugrunde lag und der Franchise ein Alleinstellungsmerkmal verlieh.
Bereits der mehrfach erwähnte Dialog zwischen Picard und Seven, zeigt als Höhepunkt der Folge bei Lichte betrachtet eigentlich nur umso mehr wie einsam Picard mit seinen unverändert humanistischen Werten (ich weiß, das klingt rassistisch) dasteht und dass selbst vermeintliche Lichtgestalten wie Seven vom rechten Weg abgekommen sind.
Die Dystopie schickt sich spätestens mit dieser Folge an, den bislang optimistischen Charakter Star Treks vollends zu überschreiben (was im Hinblick auf das bislang angedeutete Geschehen in der dritten Staffel Discoverys jedoch sogar notwendig zu sein scheint).
So gesehen ist die fünfte Episode die wohl wichtigste bis dato. Sie gibt - nach einem irreführenden Einstieg mit vielen Nostalgie- und Rückbesinnungsmomenten - den ungleich ruppigeren Ton für den Rest der Serie an und hat dafür gesorgt, dass die gesamte Stimmung umschlägt.
Und doch besteht Hoffnung.
Die Hoffnung, die von ehemaligen Sternenflottenoffizieren wie Picard, Rios oder Musiker hochgehalten werden.
Die Hoffnung, dass ihre Ideale allen Widerständen zum Trotz letztlich obsiegen werden.
Und die Hoffnung, dass diese Folge verbrannte Erde hinterlassen hat, um auf ihr schlussendlich doch die gleich von Optimismus gedüngte Saat sprießen zu lassen, die Star Trek bereits zuvor zu etwas Außergewöhnlichem in der Science-Fiction-Landschaft erblühen ließ.



Kanonbrüche und Logiklöcher.
Die meisten Kanonhäppchen sind eher beiläufig erwähnte Gimmicks wie Tranya und Quark oder beschränken sich allein auf Leuchtreklamen für Mr. Mot und Quarks Bar in einem einzigen Szenenbild.
Aber es gibt auch noch ein, zwei andere stilvollere Kanonbezüge, die in dieser Episode untergebracht wurden.
Mein erklärter Liebling ist dabei die vergebliche Suche der 'Chirurgin' nach Ichebs Kortikalknoten, denn nur eingeweihte Zuschauern werden sich erinnern, dass der Ex-Borg diesen in “Unvollkommenheit” im Zuge einer ungleich humaneren Operation an Seven of Nine spendete, um ihr Leben zu retten.
Auch der skrupellose Handel mit wertvollen Borgimplantaten geht in ähnlicher Form auf Voyager zurück, wo schon in "Eingeschleust" mehrere Ferengi bereit waren, den Tod einer ganzen Raumschiffbesatzung im Austausch gegen Borg-Technologie billigend in Kauf zu nehmen.
Damit sind die Rückbezüge auf den Kanon aber auch schon weitestgehend abgehandelt und es zeigt sich ein harter Bruch sowohl in der Menge als auch in der Qualität dieser Referenzen gegenüber den bisherigen Episoden der Serien.
Und sie wirft mehrere berechtigte Fragen auf. Die wichtigste in meinen Augen:
Warum zum Teufel hat die La Sirena keinen Adblocker installiert?
Immerhin war der auf diese Weise gezeigte Umgang mit personalisierter Werbung in der Star-Trek-Zukunft ein so interessanter wie unterhaltsamer Einfall.
Aber auch ernsthaftere Ungereimtheiten säumen den Weg dieser Folge.
So scheint es doch vergleichsweise unwahrscheinlich, dass der Franzose Picard mit einem französischen Akzent nicht erkannt wird, obwohl Freecloud im Operationsbereich der Fenris-Ranger und damit auch dem Evakuierungsgebiet nach der romulanischen Supernova lag.
Zudem sollte auch der frühere Admiral für Bjayzl von größerem Interesse sein, denn wie Seven of Nine ist auch er ein ehemaliger Borg, der sicherlich noch das ein oder andere wertvolle Implantat für ihren florierenden Kybernetikorganhandel zu bieten hätte.
Picards Wahrnehmungsfähigkeiten müssen gleichermaßen angezweifelt werden. Schließlich verschenkt er nicht nur zwei Phasergewehre an Seven of Nine, sondern lässt auch zu, dass sie mit aktivierten Waffen auf die Planetenoberfläche zurückkehrt. Dass sich Picard hier nicht in der Lage zeigt, eins und eins zusammenzuzählen, entfernt ihn deutlich vom vergleichsweise vorausschauenden Captain in TNG, auch wenn sein Verhalten an dieser Stellen mit seinem fortschreitenden Alter und seiner Erkrankung erklärt werden kann.
Zudem bleibt unklar, warum Pel und Gabe ein Kinderwunschzentrum in solch zwielichtiger Umgebung wie Stardust City besuchen müssen, um ein romulanisch-menschliches Kind zu zeugen. Schließlich wissen wir, dass klingonisch-romulanische (Ba'el) oder menschlich-romulanische Kinder (Sela) keineswegs ohne Präzedenzfall im Star-Trek-Universum sind und dass deren Geburtsumstände entsprechende Einrichtungen eher unwahrscheinlich machen. Und das Föderations-Gesundheitssystem, das immerhin Spock als Kind vulkanischer und menschlicher Eltern ermöglichte, sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt...
Gespalten bin in allerdings bei der brutalen Einstiegsszene der Folge. Trotz oder gerade wegen ihrer exzessiven wie eindringlichen Darstellung von Gewalt empfinde ich sie als wichtig für das Verständnis für Seven of Nines späteres Handeln. Allerdings beschreibt die Fenris-Aktivistin Icheb als ehemaligen Wissenschaftsoffizier an Bord der USS Coleman, doch in dieser Szene trägt er eindeutig eine Kommando-Uniform. Man könnte darüber an dieser Stelle schimpfen wie ein Rohrspatz, aber am Ende des Tages finde ich es nicht unbedingt unpassend, dass er sich vor dieser schweren Stunde ausgerechnet ein 'Redshirt' angezogen hat...



Synchronisation.
Vorweg sei erst einmal bemerkt, dass der “Planet Vergessen” auch im Englischen Original den gleichen Namen trägt - einer der wenigen Momente, in denen die deutsche Sprache prominent im Star-Trek-Universum Einzug hält.
Ansonsten ist die deutsche Fassung natürlich nicht frei von Fehlern, aber sie hat auch ihren Reiz.
So ist Picards französischer Akzent im deutschen noch weniger gelungen als im englischen Original und auch das Siezen wirkt abermals merkwürdig platziert. Auch die Übersetzung des Folgentitels "Stardust City Rag" mit "Keine Gnade" halte ich für wenig gelungen.
Dafür wirken allerdings die vielen englischen Ausflüge in die Vulgärsprache im deutschen ungleich harmloser, auch wenn mir der Einsatz des Begriffs "Scheiße" noch immer eher bemüht vorkommt (vgl. Denkwürdige Zitate).
Besonders positiv anzumerken bleibt, dass man versuchte, den Faux-Pas der Casting-Abteilung dadurch zu kompensieren, dass man mit Sebastian Schulz die originale Stimme Ichebs verpflichtet wurde. Ich bin mir sogar sicher, dass Wilfried Herbst als Sprecher für Bruce Maddox herangezogen worden wäre, wenn dieser nicht kurz vor seinem 85. Geburtstag stehen würde (seine letzte Sprechrolle datiert aus dem Jahre 2009).



Verschwörungstheorien.
Im Folgenden sollte nur weitergelesen werden, wenn man bereit ist, sich die Überraschung verderben zu lassen, denn an dieser Stelle folgen einige Überlegungen zu möglichen Richtungen, in die sich die Serie bewegen wird.
Also: Absolute Spoilerwarnung!
Mit der scheinbar beiläufig in den Raum geworfenen Bemerkung Gabriel Hwangs über die "Konklave der Acht" hat die Folge immerhin einen weiteren Hinweis darauf gestreut, was die Kooperation von Föderation und Romulanern während der Evakuierung und des Angriffs auf den Mars angeht. Gerade Raffis stures Beharren auf eine Konspiration in den obersten Rängen wird sich am Ende als korrekt entpuppen.
Das gleiche gilt wohl auch für eine andere Fan-Theorie, die bedeutende Reichweite durch den Podcast von "Planet Trek" erhalten hat. In ihr wird die These aufgestellt, dass Soji für die romulanische Supernova verantwortlich sein wird und dass sie vor allem deshalb als 'Seb-Cheneb' bezeichnet im Fokus der Zhat Vash steht. Das deckt sich mit einigen Nebensätzen im Picard-Roman (vgl. z.B. S. 86), in denen eine nicht-natürliche Ursache für die Supernova angedeutet wird.
Seit dieser Folge erhält diese Vermutung zusätzliche Nahrung, denn was immer Dr. Jurati im Zusammenhang mit Maddox' Arbeit gezeigt wurde (vgl. Denkwürdige Zitate) hat das Potenzial, auch für eine unheilige Allianz zwischen Romulaner- und Föderationsspitze zu sorgen, die aller Katastrophenlage zum Trotz zu extremen Maßnahmen greift.
Trotz anfänglicher Skepsis kann ich mich vielen Aspekten dieser reizvollen Idee nicht länger entziehen und bin nach dieser Folge dazu geneigt, ihr Glauben zu schenken.



Fazit.
"Keine Gnade" erforscht eindringlich die dunkelsten Ecken der Menschlichkeit und rückt dafür die Schicksale Seven of Nines und Raffi Musikers in den Fokus einer Folge, die in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen fällt. Jonathan Frakes leistet eine an sich handwerklich stabile Arbeit, auch wenn der Episode der ambitionierte Balanceakt zwischen Anspruch und Albernheit nicht immer gelingt.
Stattdessen bietet "Keine Gnade" eine eher durchwachsene Halbzeitbilanz, vor allem, weil sie den Ton der bisherigen Folge zu abrupt verdunkelt und mit einer wenig originellen Parallelentwicklung zu Discovery nicht nur auf kreativer Ebene enttäuscht, sondern auch neue, äußerst dystopische Wege beschreitet, die die Serie beträchtlich von den Alleinstellungsmerkmalen Star Treks abweichen lassen.

Bewertung.
Zu durchwachsene Halbzeitbilanz.





Schluss.
Ich habe schon viele Vorabromane und Einleitungscomics gelesen und eines hatten sie alle gemein: Es hat nicht allzu lange gedauert, bis sie vom großen Kanon eingeholt wurden.
Das letzte Beispiel ist noch gar nicht so lange her und hat sogar mit den Ereignissen in Picard zu tun.
In der Countdown-Comic-Reihe zum ersten Star-Trek-Film von J.J.Abrams etwa wurde B-4 als Captain des Raumschiffes USS Enterprise-E eingeführt und die Supernova, die Romulus zerstörte, ging von einem völlig anderen System namens Hobus aus.
Das sieht nicht nur in der Picard-Serie, sondern auch im Begleitbuch nunmehr völlig anders aus.
Auch wenn "Die letzte und einzige Hoffnung" großartige Hintergrundinformation liefert, bleibt es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch diesen Informationen vom offiziellen Kanon widersprochen werden wird.
Es gibt aber auch noch ein weiteres Problem.
Ein Buch, dass dazu dient Lücken zu schließen, die in der Serie entstehen, werfen auch im Rückschluss ein schlechtes Bild auf die Serie. Denn allzu oft ist der Unterschied zwischen Zusatzinformation und zentralem Erzählinhalt schmal genug, um den Gesamteindruck zu schmälern.
Deshalb empfehle ich an dieser Stelle zwar durchaus das Buch zu lesen, aber vielleicht damit zu warten, bis die erste Staffel komplett ausgestrahlt wurde, denn dem aufmerksamen Leser werden viele atemberaubende Entwicklungen weniger neu vorkommen als dem Zuschauer, der sich völlig unvorbereitet auf das Abenteuer "Star Trek: Picard" einlässt.



Denkwürdige Zitate.

"Wo ist Dein Kortikalknoten, Freundchen? Irgendwo muss er ja sein..."
'Chirurgin'

"Geht es Ihnen gut?"
"Ich... funktioniere."
 "Darf ich Ihnen was anbieten? Tee? Wein?"
"Bourbon. Ohne Eis."
Jean-Luc Picard und Seven of Nine

"Ich bewundere die Ziele der Ranger; ihren Mut, ihre Hartnäckigkeit. Aber: Sie und die Ranger nehmen das Gesetz in die eigene Hand."
"Welches Gesetz?"
"Der Punkt geht an Sie."
"Nichtsdestrotz, sich selbst zum Henker und Richter zu ernennen ist..."
"Ich lass mir hier keinen Vortrag halten. Sie glauben, wir betreiben Selbstjustiz? Nach schön! Ranger zu sein ist mein Job. Ich rette damit nicht die Galaxis, aber ich helfe jenen, denen sonst niemand hilft. Es ist hoffnungslos, aussichtslos und ermüdend, aber noch schlimmer wäre es, wenn wir aufgeben würden."
Picard und Seven

"Oh, wow, dieser Ranger ist sie! Sie ist berüchtigt. Ninety-Nine oder Eleven oder..."
Cristobal Rios

"Rios, Du musst unbedingt versuchen Dich gut zu verkaufen. Gib ja nicht den existenzialistischen, düsteren Weltraumnomaden. Deine Persönlichkeit muss zu Deinem Äußeren passen. Sei ruhig ein bisschen exzentrisch."
"Am Hut fehlt noch 'ne Feder."
Raffi und Seven zu Rios

"Lassen Sie uns keine Zeit verschwenden, ihre Referenzen sind solide. Mr. Quark von Ferenginar war sehr zufrieden mit ihrer Hilfe bei seinen Problemen mit den Breen."
"Äh, ist nen ganz schönes Heckmeck gewesen..."
Mr. Vup und Rios

"Ich weiß nicht, wie ich nicht Elnor sein soll."
"Dann sei doch einfach Elnor."
"Ein Elnor der niemals redet."
Elnor, Picard und Seven

"Das war keine Schnapsidee! Hinter dem Angriff steckt mehr als Du denkst! Mein Schatz, es gibt eine Verschwörung und die ist größer als alle glauben! Es standen Leben auf dem Spiel!"
"Unsere Leben, Mom! Unsere Leben sind auch wichtig. Nur.. nicht für Dich. Ganz ehrlich, ich glaube Du kannst Dir gar nicht vorstellen wie Scheiße es war Dein Sohn zu sein."
Raffi Musiker und Gabe Hwang

"Nennen sie die Art des psychiatrischen Notfalls."
MHN der La Sirena

"Was in aller Welt geht hier vor?"
"Ich bin nicht ganz aufrichtig zu ihnen gewesen..."
"Was Sie nicht sagen..."
"Täuschen wir immer noch was vor?"
"Nein, Elnor, inzwischen haben endlich alle damit aufgehört".
Picard und Seven

"Aber Mord ist keine Gerechtigkeit. In der Rache fidnet man keinen Trost. Ihnen wurde Ihre Menschlichkeit zurückgegeben; werfen Sie sie nicht einfach weg."
Picard zu Seven

"Hatten Sie nachdem man Sie aus dem Kollektiv zurückgeholt hat, wiklich das Gefühl, dass Sie Ihre Menschlichkeit zurückgewonnen hätten?"
"Ja!"
"Voll und ganz?"
"Nein. Aber wir beide arbeiten daran, nicht wahr?"
"Jeden verdammt Tag."
Seven und Picard

"Picard denkt tatsächlich immer noch, es gibt Platz für Gnade in der Galaxis.Ich wollte ihm die Illusion nicht nehmen. Iregendwer muss ja noch etwas Hoffnung haben."
Seven

"Okay, Jefe!"
"Alter Mann wäre treffender."
Rios und Picard

"Es tut mir Leid! Würdest Du nur wissen, was ich schon weiß. Und würde ich es doch nicht wissen. Ich wünschte, sie hätten es mir nicht gezeigt. Es tut mir so Leid! Es tut mir Leid! "
Dr. Agnes Jurati

Weiterführende Leseliste.

01. Rezension zu "Gedenken"
02. Rezension zu "Karten und Legenden"
03. Rezension zu "Das Ende ist der Anfang"
04. Rezension zu "Unbedingte Offenheit"
05. Rezension zu "Keine Gnade"
06. Rezension zu "Die geheimnisvolle Box"
07. Rezension zu "Nepenthe"
08. Rezension zu "Bruchstücke"
09. Rezension zu "Et in Arcadia Ego, Teil Eins"
10. Rezension zu "Et In Arcadia Ego, Teil Zwei"



Samstag, 15. Februar 2020

Turons Senf zu PIC S1Nr04 "Unbedingte Offenheit"



Spoilerwarnung.
Dieser Artikel enthält massive Spoiler auf "Unbedingte Offenheit", die vierte Folge der ersten Staffel von "Star Trek: Picard" und sollte erst gelesen werden, wenn man diese und vorherige Episoden bereits gesehen hat.



Einleitung.
Die Goldenen Zeiten von Star Trek sind vorbei.
Damals, in den Neunzigern, als vom Erfolg einer Sendung namens "Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert" beflügelt, Nachfolgeserien wie "Deep Space Nine" und "Voyager" ausgestrahlt wurden, erreichte die Franchise völlig neue Zuschauerschichten, unter denen es schon damals unterschiedliche Ansichten gab, welche Serie die beste sei.
Nach einigen traurigen Jahren des Stillstand ist nun wieder Bewegung in die verstaubte Kiste geraten. Sowohl "Discovery" als auch "Picard" sind auf Streaming-Diensten für die Fans hierzulande verfügbar und mit anderen Projekten wie "Lower Decks", einer weiteren Trickfilmserie oder einer Serie über die Sektion 31 sind weitere Angebote in Produktion.
Im Moment können sich Star-Trek-Anhänger ihren Favoriten aus acht (!) verschiedenen Serien aussuchen und dennoch schlägt den jüngeren Star-Trek-Ablegern streckenweise ungeahnter Hass entgegen.
Doch was hat es damit auf sich?
Bleibt "Picard" so sehr hinter den Erwartungen zurück?
Ist es andererseits gerechtfertigt, Picard zu einer Lichtgestalt zu erheben, die über Kritik erhaben ist?



Story.
Der junge Romulanerknabe Elnor ist der Freund eines älteren Menschen, der den Waisenjungen des Öfteren in seiner neuen Heimat Vashti besuchen kommt und ihm gar Geschenke mitbringt. Von ihm lernt er Fechten, erhält eine männliche Bezugsperson und sogar so etwas wie eine Vaterfigur in einem primär weiblich geprägten Umfeld. Doch eines Tages verlässt ihn der hochangesehene Sternenflottenadmiral aufgrund einer tragischen Nachricht den Planeten, auf dem sich die Verhältnisse schon bald nach seinem Abschied rasant ändern: Verbrechen, Armut und Fremdenfeindlichkeit greifen um sich, so dass selbst der Qowat-Milat-Orden nur oberflächlich für die Sicherheit sorgen kann.
Elnor absolviert eine Ausbildung und reift zu einem formidablen Kämpfer heran, auch wenn ihm eine Karriere im Nonnenorden letztendlich verwehrt bleibt.
Doch gerade, als sein Schicksal in einer Sackgasse zu enden scheint, trifft er jenen Menschen aus seinen Kindertagen wieder: Jean-Luc Picard, der dieses Mal ein verlockendes Angebot im Gepäck hat…



Lobenswerte Aspekte.

Feinschliff.
Jonathan Frakes ist wieder da! Der TNG-Darsteller auf dem Regiestuhl wirkt wie die perfekte Wahl für diesen Job in dieser Serie, zumal er mit seiner Aufsicht über Folgen und Filme wie "Datas Nachkomme", "Datas Hypothese" oder "Star Trek: Der erste Kontakt" über eine unabstreitbare Einsicht in die Materie der aktuellen Star-Trek-Serie verfügt, die wohl kaum ein anderer Kollege vorweisen können dürfte.
Umso erstaunlicher, dass die Folge stilistisch nicht schlechter oder bedeutend besser ausfällt als die seiner Vorgängerin Hanelle M. Culpepper. Zwar liefert auch Frakes eine handwerklich gut in Szene gesetzte Episode ab, die mit großartigen Aufnahmen, einem tollen Soundtrack und einer stringent erzählten Handlung glänzt, aber auch er setzt munter auf den großzügigen Einsatz unbeliebten Lens Flares, die Star Trek seit dem Abrams-Reboot nicht mehr abzuschütteln weiß.
Da die Regiearbeit also eher von Kontinuität geprägt ist, gilt es an dieser Stelle der Handlung einmal größere Aufmerksamkeit zu widmen.
Die Story aus der Feder des Pulitzer-Preisträgers Michael Chabon ist der eigentliche Star dieser außergewöhnlichen Folge und immer dann besonders stark, wenn das in Scherben darniederliegende romulanische Reich zentriert wird. Dabei ist die Idee mitnichten neu oder dem genialen Geist Chabons entsprungen, sondern eine Wiederbelebung eines für Star-Trek-Verhältnisse vergleichsweise historischen Konzeptes: Bereits im Zusammenhang mit dem ersten Auftauchen der Romulaner in der TNG-Episode "Die Neutrale Zone" entwickelte man die Vision, das romulanische Reich unter den Angriffen durch das Borg-Kollektiv zusammenbrechen zu lassen, um den Bedrohungsgrad durch den neuen Feind mehr Gewicht zu verleihen. Doch Personalwechsel und vor allem der Autorenstreik in der zweiten Staffel TNG setzten diesen Planspielen ein jähes Ende, so dass nach nunmehr dreißig Jahren dieser verlorenen geglaubte rote Faden wieder aufgegriffen werden kann.
Das revolutionär Neue an Chabons Skript bleibt also eher, dass es sich detailreich mit den multiplen Auswirkungen der Evakuierung einer ganzen Zivilisation auseinandersetzt, ohne den Zeigefinger zu erheben. Dabei gibt es - im Gegensatz zu ähnlichen Ansätzen bei "Enterprise" - kein schwarz oder weiß; das Vorgehen, die Motivation und die Vorbehalte jeder Seite sind in diesem Zusammenhang verständlich und nachvollziehbar, so dass es schwerfällt, einer bestimmten Seite die moralische Oberhand zuzubilligen. Deutlich zeigt Chabon an dieser Stelle, dass 'gut gemeint' nur allzu oft das Gegenteil von 'gut gemacht' bedeutet und darin liegt der große Wert dieser Folge, die damit auch einen überdeutlichen tagesaktuellen Bezug zu unserer eigenen Lebenswelt aufweist. Die Flüchtlingskrisen Europas und Amerikas und ihre unterschiedliche Wahrnehmung fallen perfekt in dieses Erzählmuster und dass die romulanische Wiedergeburtsbewegung auf menschliche Standards umgemünzt auch mit "Make America Great Again" oder dem generellen Erstarken des rechten Randes auf der Welt gleichgesetzt werden kann, ist keineswegs ein Zufall, sondern dem löbliche Ziel geschuldet, Star Trek endlich wieder zu einer Science-Fiction-Franchise mit Anspruch und Moral zu machen.

Make Romulus Great Again!


Der Nebeneffekt dieser Prämisse ist auch eine Neuausrichtung der Romulaner, die über die Folgen der Evakuierung hinausreicht und weit in die Vergangenheit greift. Die Qowat Milat als Haufen schwertschwingender Ninja-Nonnen wirkt im ersten Moment ein wenig überambitioniert und wirft eine Menge Fragen auf.
Warum hat man zuvor nie von ihnen gehört?
Ist das nicht ein Widerspruch zu allem, was man bislang über die Romulaner weiß?
Und wo etwa waren die Kampf-Klosterfrauen, als Spock auf Romulus seine vulkanisch-romulanische Widervereinigungsbewegung betrieb?
Diesen Fragen muss ich an dieser Stelle entgegenhalten, dass in einem totalitären Staat wie dem romulanischen Sternenimperium nach außen hin nur selten oppositionelle Strömungen bekannt werden, dass wir bislang fast ausschließlich Einblicke in militärische Gesellschaftsaspekte erhalten haben und dass die Wiedervereinigungsbewegung nicht unbedingt eine große Deckungsgleichheit mit der explizit romulanisch-geprägten Glaubensgemeinschaft aufweist, in der Gefühle eine zentrale Rolle spielen.
Zudem ist die Qowat Milat eine geniale Erfindung, die viele Aspekte der bislang bekannten romulanischen Kultur ins Gegenteil verkehrt. Statt Geheimniskrämerei gilt hier unbedingte Offenheit und statt einer Welt, in der männliche Prätoren das Sagen haben, entwirft Chabon hier einen elitären Frauenclub, der Männer diskriminiert, um das Thema Feminismus aus einem ähnlich gespiegelten Blickwinkel zu betrachten.
Der große Gewinner des Ganzen ist die bislang doch eher einseitig proträtierte romulanische Gesellschaft, die plötzlich an Tiefe gewinnt. Und auch hier gilt, dass dieser plötzliche Richtungswechsel keineswegs ohne Präzedenzfall ist: Wie etwa die Entwicklung der Ferengi (von einem der imperialistischen Hauptwidersacher in TNG zu einer harmlosen Händlerspezies bei DS9), der Cardassianer (von einer plumpen militaristischen Mittelmacht in TNG zu einer vielschichtigen Supermacht bei DS9) und vor allem der Klingonen (von einer intriganten Militärmacht in TOS zu einer Kriegerrasse ab den frühen Kinofilmen) zeigt, ist das Vertiefen kultureller Aspekte und der Wahrnehmung von Gesellschaften ein beständiges Thema bei Star Trek.
Diese zentralen Merkmale Star Treks hat Chabon bislang besser verstanden als alle anderen Schreiber bei "Discovery" und auch "Picard" und nicht zuletzt deswegen fühlt sich diese Folge inhaltlich mehr in einer Traditionslinie mit TNG als jeder andere Star-Trek-Erzählansatz der letzten elf Jahre.



Besetzung.
Konflikte, Konflikte, Konflikte!
Das neue Credo der Figurenzeichnung erhält in dieser Folge mehr denn je Gewicht: Elnor kann nicht mit Picard, Rios nicht mit Jurati, Raffi nicht mit Picard, Narek nicht mit Rizzo und so ziemlich alle Romulaner nicht mit Picard.
Alles zentriert sich abermals auf den namens- und tonangebenden Sternenflottenadmiral im Ruhestand Jean-Luc Picard. Der kämpft aber nicht nur mit dem massiven Gegenwind, der ihm auf persönlicher Seite entgegenschlägt, sondern darüber hinaus auch mit dem Instinkt ein Schiff zu führen und natürlich dem Alter. Abermals bietet Patrick Stewart eine mehr als stabile Performance, deren starker Kontrast bei seinen Auftritten im Rückblick und dem aktuellen Zeitrahmen seine Fähigkeiten selbst im fortgeschrittenen Alter nochmals unterstreicht.
Seine frühere Nummer Eins Raffi Musiker bleibt zwar betont streitlustig, aber Michelle Hurd verfügt nicht mehr über den Freiraum der letzten Episode und muss sich verstärkt in einem personell anschwellenden Team unterordnen, in dem ihr nur vereinzelte Ausrufezeichen gelingen.
Dr Agnes Jurati hat hingegen einige tolle Szenen mit Cristobal Rios und entpuppt sich mehr und mehr als eine zweite (bessere) Sylvia Tilly, deren Einwürfe vor allem wichtig für die Verständnisfragen des Zuschauers bleiben. Allison Pills Rolle auf dem Schiff bleibt ihm aber bislang ähnlich unklar wie ihr selbst.
Drei weitere Ausrufezeichen setzt Santiago Cabreras als Cristobal Rios. Einmal als Gastfreundschafts-Hologramm, ein zweites als taktisches Notfall-Hologramm Emmet und schließlich als Pilot, der seine Eignung in einer kleineren Raumschlacht unter Beweis stellen kann.
Der Star neben Picard bleibt in dieser Episode allerdings Elnor. Sowohl Ian Nunney als auch Evan Evagora wirken arg elfengleich, sodass der Vorab-Vergleich zum "Space-Legolas" nur umso zutreffender wirkt, wenn man die Folge erst einmal gesehen hat. Er beschert der Franchise die grausamste Todesszene seit dem Ableben Dexter Remmicks und ob ein Schwert in einer Welt, in der Disruptoren über keine Betäubungseinstellung verfügen eine gute Waffenwahl darstellen, bleibt in kommenden Folgen zu beweisen. Das Gleiche gilt für die erwachsene Version des Kampfknaben, der bislang eher an einen wankelmütigen Teenager erinnert, als an einen Bodyguard. Darin liegt das Potenzial des Charakters, der in dieser Folge in erster Linie durch seinem Kinderdarsteller zu überzeugen wusste (auch wenn mich die Situation, in der er mit den Worten "Er kommt! Er kommt!" zu seinen Nonnen rannte, ein wenig an die Rügenwalder-Mühlenwurst-Werbung erinnerte).
Rechtzeitig zum Valentinstag erhält auch Soji Asha einige private Momente, zu denen an dieser Stelle einmal eine Lanze gebrochen werden muss:



Die Szene, in denen sie und Narek barfuß über das Deck schlittern, scheinen bei vielen Fans unpopulär zu sein, aber sie bieten der Wissenschaftlerin einen willkommenen Ausbruch aus einer Arbeitswelt, die vom Schrecken der Borg geprägt ist. Isa Briones setzt in diesem Zusammenhang mehrere Ausrufezeichen, unter denen die dezente Kopfbewegung (die arg an Lal und Data erinnert) eines der stilvollsten bleibt.
Nareks Professionalität als Spion ist in dieser Folge deutlich zu erkennen, auch wenn seine offene Abneigung gegen Rizzo mehr und mehr offensichtlich wird und mehr und mehr einen Seitenwechsel des Agenten heraufbeschwört. Dieser Schwebezustand wird von Harry Treadaway recht gut vermittelt, auch wenn die ersten Einblicke in seine Motivation nur weiter zur Ambivalenz seiner Rolle beitragen.
An Rizzo werden sich auch weiterhin die Geister scheiden.
Als Romulanerin wirkt Peyton List fraglos angemessen fanatisch, aber ihre sexuellen Avancen ihrem vermeintlichen 'Bruder' gegenüber genauso dick aufgetragen, wie die eher symbolisch gemeinte Würgeszene, die dem ganzen Motiv zusätzliches Unbehagen verlieh.
Der Rest der Besetzung glänzt abermals durch gutes Casting. Während Rebecca Wisockys Rhamda immerhin ein paar wichtige Andeutungen auf kommende Ereignisse gibt, können die Neulinge Amirah Vann (als Äbtissin Zani) und Evan Parke (als ehemaliger romulanischer Senator Tenqem Adrev) kurze, aber eindrucksvolle Gastauftritte hinlegen.
Allein Seven of Nines so grandioser wie überschaubarer Auftritt hätte mehr Sprengkraft gehabt, wenn Jeri Ryan nicht im Vorspann so prominent erwähnt worden wäre…



Neue Serienstil.
Mit dem Fan-Feuerwerk am Ende der Episode offenbart "Star Trek: Picard" in seiner vierten Folge schließlich ein Muster, der an diesem besonderen Gastauftritt festgemacht werden kann.
Die Serie verknüpft das reichhaltige Star-Trek-Universum nahtlos mit der eigenen Handlung und baut beständig serienübergreifende Informationen, Inhalte und Charaktere ein, um aus etablierten Erzählgegenständen eine völlig neue, eigenständige Handlung im größeren Rahmen zuvor etablierter Ereignisse zusammenzuzimmern.
Da kann es schonmal passieren, dass neben scheinbar beiläufig eingestreuten Kanon-Bezügen (wie etwa Picards Abneigung Kindern gegenüber, einer dezent auf dem Tisch platzierten Flasche romulanischem Ales aus dem zweiten Kinofilm oder der Erwähnung klingonischer Opern) ein romulanischer Bird of Prey aus der Originalserie auftaucht und Gastauftritte von Data, Hugh oder Seven of Nine Brücken zu anderen Star-Trek-Serien schlagen.
Natürlich kamen solcherlei Momente vereinzelt auch in diversen Einzelepisoden anderer Serien zum Tragen ("Besuch von der alten Enterprise", "Tuvoks Flashback" oder "Die dunkle Seite des Spiegels"), aber sie zum Gerüst einer ganzen Serie zu machen, war bislang allein dem Star-Trek-Bücheruniversum vorbehalten und in den Serien und Filmen eher die Ausnahme als die Regel.
Nun aber schickt sich erstmals eine Serie an, den reichhaltigen Kanon als einmalige Chance zu verstehen, viel tiefere Geschichten erzählen zu können, statt ihn als Stolperfalle oder Fortschritt-verhindernde Altlast zu behandeln.
Dieser völlig neue Ansatz ist natürlich nur in einer geschichtsträchtigen Franchise wie Star Trek möglich, in der acht Serien und dreizehn Kinofilme für genug Material sorgen, um derartige Geschichten zu erzählen. Und vor allem ist sie nur mit Personen möglich, die die grandiosen Ideen eines Michael Chabons mit dem reichhaltigen Fundus vergangener Serien und Filme zu verbinden.
Hier zeigt sich in erster Linie der Einfluss Kirsten Beyers, die hier die Fäden zieht. Als Buchautorin ist sie selbst bestens mit den herausfordernden Parametern einer solchen Erzählweise vertraut und bislang kommt man nicht umhin, ihr eine gute Arbeit zu bescheinigen.

Beyer (links im Bild) bei einem Gastauftritt?


Kritikwürdige Aspekte.

Tempo, Tempo.
Auch wenn "Unbedingte Offenheit" durchaus spannend ist, hat sich am vergleichsweise gemächlichen Erzählempo nicht viel geändert. Eine weitere Actionszene erhält Gesellschaft von einer kleineren Raumschlacht und es wird abermals deutlich, dass der Fokus eher inhaltlicher Natur ist, statt auf Action als lenkendes Element zu setzen. Es wird sogar mit jeder weiteren Folge deutlich, dass "Picard" tempotechnisch eher in der Erzähltradition TNGs steht, was im Hinblick auf den namengebenden Hauptcharakter (und dessen fortgeschrittenem Alter) durchaus Sinn ergibt.
Und dennoch gibt die mäßige Geschwindigkeit auch Anlass zur Sorge. Bei gerade einmal zehn Folgen innerhalb der ersten Staffel bedeutet das auch, dass bereits nächste Woche Halbzeit ist und die Anzahl der verbleibenden Episoden äußerst überschaubar erscheint.
Stellt man dem aber gegenüber, dass Jean-Luc Picard nun gerade einmal die Crew zusammengestellt hat, mit der er seine ungewisse Suche nach Datas Tochter bewerkstelligen will, wird das Damokles-Schwert sichtbar, das drohend über der Handlung schwebt: Denn entweder überschlagen sich die Ereignisse in den nächsten Episoden, um in einem weiteren überhasteten Ende zu kulminieren oder die Serie plätschert vor sich her um in einem gigantischen Cliffhanger zu enden.
Da "Star Trek: Picard" unmittelbar vor dem Ausstrahlungsbeginn um eine weitere Staffelbestellung erweitert wurde und diverse Stimmen von einer drei Seasons umfassenden Handlung sprechen, scheint alles auf letztere Möglichkeit hinzudeuten.
Doch dabei bleibt einiges Potential auf der Strecke.
So leiden etwa die Szenen auf dem Artefakt massiv unter den Abwesenheit Stewarts und bilden auch inhaltlich momentan eher Lückenbüßer für eine größere Entwicklung, auf die der Zuschauer noch immer wartet. Die Crew ist zwar zusammengestellt, weiß aber noch nicht allzu viel mit sich anzufangen. Und entscheidende Elemente wie die Ankunft auf Freecloud, der verhinderte Abschied Raffis oder der Besuch bei den Rikers stehen noch immer aus.
Es bleibt daher abzuwarten, ob das Tempo der Serie wirklich angemessen ist oder ob die Zeit, die man sich bislang herausgenommen hat, um die Geschichte zu erzählen, den Verantwortlichen am Ende des Tages auf die Füße fallen wird.




Kanonbrüche und Logiklöcher.
Dass Kirsten Beyer gute Arbeit leistet, zeigt sich auch mit den vergleichsweise überschaubaren Konflikten mit dem Kanon. Im Gegenteil; wenn man Picard munter fechten sieht, von Datas Katze Spot hört oder die stark an die Raumstation Deep Space 9 erinnernden Windturbinen auf Vashti entdeckt, freut man sich eher über die Sorgfalt, mit der hier gearbeitet wurde.
Zudem lassen sich viele offene Fragen auch leicht selbst beantworten.
Warum wird abermals Geld erwähnt?
Weil es sich bei Vashti um einen romulanischen Planeten handelt, der kaum mit der Föderation zu tun hat.
Warum gibt es trotz der positiven Star-Trek-Zukunftsvision derartige Armut auf Vashti?
Weil es sich bei Vashti um einen romulanischen Planeten handelt, der kaum mit der Föderation zu tun hat.
Warum hat man dieses praktische planetare Verteidigungssystem niemals zuvor in Star Trek gesehen?
Weil es sich bei Vashti um einen romulanischen Planeten handelt, der kaum mit der Föderation zu tun hat.
Das könnte man ewig so weiter spinnen.
So sind die Remaner nirgends zu sehen, weil sie sicherlich besseres zu tun haben, als mit ihren ehemaligen Unterdrückern auf einem Planeten zu siedeln (wenn sie überhaupt evakuiert wurden). Das Schild mit der Aufschrift "Romulans Only" ist auf einer romulanischen Welt vor allem deshalb auf Englisch gehalten, dass es Nicht-Romulaner auch verstehen können (es soll den Äußerungen von Zani zufolge auch noch Menschen auf dem Planeten geben und die anderen menschlichen Beschriftungen am Restaurant sind aus ähnlichen Motiven gar absichtlich beschädigt worden). Und Picard wirkt zu Beginn der Folge vor allem deshalb dem jungen Elnor so offen gegenüber, weil seiner Kinderphobie in Folgen wie "Das zweite Leben", "Katastrophe auf der Enterprise" oder "Erwachsene Kinder" genug Zeit zum Abkühlen gegeben wurde.
Dennoch wirkt Picard ein wenig von der Rolle.
Sein weißer Dress mag seine Unschuld repräsentieren, aber er lässt ihn auch wie einen Kolonialherren wirken, der den primitiven Eingeborenen kulturelle Errungenschaften wie Bücher bringt (auch der spannende Vergleich mit Klaus Kinskis Auftritt in Werner Herzogs "Fitzcarraldo" von dem ich irgendwo gelesen habe, gereicht Picard nicht unbedingt zum Besten).
Vor allem aber verstehe ich immer weniger die vierzehnjährige Selbstisolation Picards auf seinem Weingut. Wie kann er noch immer Data hinterhertrauern, aber dem Schicksal Elnors oder Raffi Musikers mit derartiger Gleichgültigkeit begegnen?
Da sehe ich noch klärenden Handlungsbedarf, denn es passt nicht zum Charakter der Sternenflottenlegende, derartig das Handtuch zu werfen und seinen Kopf im Sand zu vergraben.
Vier weitere Szenen lassen den Zuschauer aber verwundert zurück:
In jenem Moment, in dem Picard sein Holo-Programm pausiert, bleiben zwar die Vögel in der Luft stehen, aber das Feuer in seinem Haus brennt munter weiter.
Auf Vashti wirft Picard das "Romulans Only" Schild mit der Schriftseite zu Boden, aber als er darauf herumtritt, ist das Schild wie von Zauberhand gedreht.
Als wenige Szenen später Raffi Picard hochbeamt, scheint sie instinktiv zu wissen, dass sie auch Elnor mithochbeamen muss, obwohl bei der Kommunikation mit Rios' Schiff weder dessen Name fällt, noch ein Kommunikator seine Position verrät.
Und auch Seven of Nines fulminanten Auftritt plagt ein entsprechendes Manko.
Die La Sirena befindet sich nämlich zu diesem Zeitpunkt noch immer in Kampfhandlungen mit einem romulanischen Bird of Prey und sollte eigentlich ihre Schilde aktiviert haben…



Verschwörungstheorien.
Im Folgenden sollte nur weitergelesen werden, wenn man bereit ist, sich die Überraschung verderben zu lassen, denn an dieser Stelle folgen einige Überlegungen zu möglichen Richtungen, in die sich die Serie bewegen wird.
Also: Absolute Spoilerwarnung!

Auch in dieser Episode gibt es eine weitere Todesandeutung Picards und auch Juratis Rolle bleibt weiter unklar, zumal nichts darauf hindeutet, dass Commodore Oh irgendwelche Anstalten machen würde, die Umtriebe Picards im Auge zu behalten oder zu unterbinden.
Doch die Verschwörungstheorie dieser Woche dreht sich um den Last-Minute-Gast an Bord der La Sirena:
Seven of Nine.
Zwar versucht die Folge den Anschein zu erwecken, als hätte Picard den Umweg eingelegt, um Elnor für seine Sache zu rekrutieren, doch es ist erstaunlich, wie gut er über die Fenris-Ranger unterrichtet ist, die in der Gegend unterwegs sind.
Bei der Berliner Premiere der Serie (ich bitte um Verzeihung, dass ich sie an dieser Stelle abermals erwähne) erzählte mir Jeri Ryan nämlich bereits, dass ihr Charakter zu dieser Gruppe gehören würde.
Mit dieser Information in Kombination mit dem Umstand, dass Picard sofort erkannte, wer der Pilot des fremden Schiffs war, lässt dies den Schluss zu, dass er nicht nur Elnor in seiner Mannschaft haben wollte. Ihm war bewusst, dass er für eine Operation in romulanischem Territorium auf die Hilfe von Experten angewiesen sein würde - eine Rolle, die Seven of Nine nun innerhalb der Serie problemlos bekleiden kann.



Synchronisation.
Sieht man vom obligatorischen Siezen ab, das sich auch in dieser Episode hartnäckig hält, bleibt die deutsche Synchronisation auf einem stabilen Level. Nachdem Ernst Meincke bereits als Synchronstimme Picards verpflichtet wurde, gelang es auch Anke Reitzenstein für die Rolle Seven of Nines zu gewinnen.
Desweiteren fällt das unnötige "fucking" aus dem englischen Original weg (auch wenn es durch ein unwesentlich abgeschwächtes "Scheiß" ersetzt wurde, vgl. Denkwürdige Zitate) und auch der sanfte Hinweis Picards, der Datas Tochter nach dem englischen Titel der entsprechenden Folge als "Offspring" bezeichnet, wird mit einem passenden "Nachkomme" geglückt ins Deutsche übertragen.



Fazit.
In einer Folge, die sich größtenteils um Jean-Luc Picard und den jungen Romulaner Elnor dreht, gelingt es "Star Trek: Picard" vor allem, durch ein Drehbuch zu glänzen, das sich mit den Folgen des Zusammenbruchs des romulanischen Imperiums auf eine nie zuvor gezeigte Weise nähert. Auch wenn andere Handlungsaspekte sehr kurz kommen, gelingt damit eine eindrucksvolle Episode, die darüber hinaus zeigt, dass "Picard" ein völlig neues Serienkonzept zugrunde liegt, das nicht nur bloßen Fanservice betreibt, sondern die Möglichkeiten, die sich bei Star Trek bieten, erstmals ausschöpft, um eine Geschichte zu erzählen, die seinesgleichen sucht.


Bewertung.
Gut gemacht.







Schluss.
Die Goldenen Zeiten Star Trek kehren trotz des momentanen Booms an verschiedenen Serien nicht wieder. Vor allem, weil sich eine Zivilisationserrungenschaft in den Weg geschlichen hat, die es zum Start von TNG noch nicht gegeben hat: Das Internet.
Zwar hat diese Erfindung viel Gutes geleistet, doch längst hat sich das Gewicht von Wissensvermittlung hin zu Statusmeldungen verschoben. Es ist einfacher geworden, etwas im Internet mit hundertachtzig Zeichen herunterzuputzen (und noch Platz zu lassen), als sich wirklich mit einem Thema auseinanderzusetzen und fundierte Kritik zu üben.
Und wer weiß heute schon noch, dass TNG beim Fernsehstart im Jahre 1987 von vielen Originalserien-Fans vehement abgelehnt wurde?
Dass die Filme J.J. Abrams' bei den älteren Fans hingegen abgelehnt werden, gehört hingegen längst zum Grundwissenstand eines jeden Star-Trek-Anhängers.
Seitdem hat es jede neue Serie schwer.
Und obwohl Star-Trek-Anhänger dieser Tage die einzigartige Gelegenheit haben, aus acht (!) verschiedenen Serien ihren Favoriten zu wählen, verbringen viel zu viele Internetkommentoren ihre Zeit noch immer damit, mit flüchtigen Unmutsbekundungen eine moralische Oberhoheit ihrer Lieblingsserie und vor allem ihrer Sichtweise zu beanspruchen.
Dabei könnten die Meinungen nicht noch weiter auseinandergehen: Während die einen sich noch mehr Treffen mit altbekannten Charakteren herbeisehnen, beschwören die anderen ein Übermaß an Fanservice.
So wird bestenfalls deutlich, welch immensen Spagat die Produzenten leisten müssen und wie schwierig es heutzutage ist eine Serie zu schaffen, die ein möglichst breites Publikum anspricht. Kritik, die früher nur selten an das Ohr von Produzenten gelangte, schlägt heute hohe Wellen in einer Welt, die eng miteinander vernetzt ist und in der ein kurzer, hasserfüllter Tweet mehr Personen erreicht als seitenlange Analysen.
Meinungen werden in der Hektik unserer Zeit vor allem schnell gefasst, obwohl gerade der Umstand, dass es Star Trek seit mehr als fünfzig Jahren gibt, davon zeugt, dass etwas an Star Trek diesem Trend seit Jahrzehnten entgegenwirkt.
Wer will, findet das auch in "Picard".
Aber man muss es eben wollen wollen.



Denkwürdige Zitate.

"Versprechen sind ein Gefängnis, Elnor. Leg Dich niemals selbst in Ketten."
Zani

"Tja, der Weltraum ist echt superlangweilig. Wer hätte das gedacht?"
"Was haben Sie denn erwartet?"
"Keine Ahnung. Es ist so… so leer. Ich meine, ist ja auch klar, das steckt ja schon im Namen 'Weltraum'; es heißt ja schließlich nicht 'gewaltige Mengen an etwas'. Obwohl, wenn man darüber nachdenkt, es gibt mehr als drei Milliarden Sterne nur in unserer Galaxis und davon gibt's zwei Billionen und eine Septillion bekannter Planeten. Das sollte doch 'gewaltige Mengen an etwas' heißen. Immer dieser Fokus auf's Negative…"
Dr. Agnes Jurati und Cristobal Rios

"Ich hasse dieses Scheiß Gastfreundschaftshologramm!"
Rios

"Hören Sie, ich will ganz offen zu Ihnen sein…"
"Oh, das wäre eine erfrischende Abwechslung!"
Raffi Musiker und Jean-Luc Picard

"Außerdem ist Vashti eine Brutstätte für die romulanische Wiedergeburtsbewegung. Aber Sie wollen mal kurz 'Hallo' sagen und sich fix 'ne Nonne aussuchen!"
"Oh, okay, also jetzt muss mir irgendwer erklären worüber wir hier sprechen…"
"JL will einen Attentäter anheuern…"
"Sie sind keine Attentäter! Und anheuern kann man sie auch nicht! Die Qowat Milat wählen selbst aus, wem sie folgen."
"Romulanische Krieger-Nonnen."
"Gibt's so was wirklich? Ist ja abgefahren…"
Raffi, Jurati, Picard und Rios

"Wissen Sie noch, wie damals unser Leitspruch war?"
"Immer ein Ding der Unmöglichkeit nach dem anderen."
Raffi und Picard

"Findet noch irgendwer, dass der 'Weg der unbedingten Offenheit' potentiell nervig klingt?"
Jurati

"Mit 'nem Geldgeschenk macht man nie was verkehrt…"
Rios

"Keine Uniform, kein Abzeichen, kein Rang. Du kannst Dich überall auf dem Artefakt frei bewegen und Du weißt gewisse Dinge. Gehörst Du zum Tal Shiar?"
"Nein!"
"Und wenn doch, wäre die Antwort dann trotzdem 'nein'?"
"Ja."
Soji Asha und Narek

"Terranische Paasagierlisten sind öffentlich zugänglich, was geradezu schockierend für romulanische Verhältnisse ist."
Narek

"Was machst Du hier, Narek?"
"Das Gleiche wie Du. Ich folge einer unstillbaren Neugier."
Soji und Narek

"Weil Sie nicht in der Lage waren alle zu retten, haben Sie keinen gerettet."
"Richtig, ich habe zugelassen, dass Perfektion der richtigen Sache im Weg stand."
Zani und Picard

"Sie haben mir von Data erzählt. Er hatte eine Katze namens Spot."
"Ja, ganz genau."
"Ich habe noch nie eine gesehen…"
"Also wenn Du uns begleitest, läufst Du vielleicht einer über den Weg."
Elnor und Picard

"Bitte, mein Freund, wähle das Leben."
Elnor

"Ich bedauere Deine Wahl."
Elnor

"Ich gebe Dir und Deinem Samen noch eine Woche. Wenn Wir dann den Aufenthaltsort nicht kennen, gibt es wieder wie früher Schmerz und Gewalt."
Narissa Rizzo

"Sie schulden mir ein Schiff, Picard…"
Seven of Nine

Weiterführende Leseliste.

01. Rezension zu "Gedenken"
02. Rezension zu "Karten und Legenden"
03. Rezension zu "Das Ende ist der Anfang"
04. Rezension zu "Unbedingte Offenheit"
05. Rezension zu "Keine Gnade"
06. Rezension zu "Die geheimnisvolle Box"
07. Rezension zu "Nepenthe"
08. Rezension zu "Bruchstücke"
09. Rezension zu "Et in Arcadia Ego, Teil Eins"
10. Rezension zu "Et In Arcadia Ego, Teil Zwei"