Donnerstag, 3. Dezember 2020

Turons Senf zu "Veritas" [LD, S1Nr08]


Spoilerwarnung.
Diese Rezension enthält massive Spoiler auf "Veritas", die achte Folge der ersten Staffel von "Lower Decks" und sollte erst gelesen werden, wenn man diese und weitere Episoden bereits gesehen hat.


Einleitung.
Auch wenn "Star Trek: Discovery" von mir zuweilen keine allzu guten Noten erhält, gibt es trotzdem lediglich eine Star-Trek-Serie, die ich mir nur sehr ungern ansehe. Erstaunlicherweise ist die Rede von der ersten Trickfilmserie TAS, deren misslungene Gratwanderung zwischen Kinderunterhaltung und Erwachsenenpublikum mir bis heute den Zugang erschwert. Dass die Serie zudem von einem farbenblinden Regisseur betreut wurde, in einer erschreckenden Traditionslinie zur animierten He-Man-Serie steht und von lauter kleinen Animations-Fehlern durchzogen wird, trägt ferner zu der Entfremdung bei.
So gesehen empfinde ich "Star Trek: Lower Decks" regelrecht als Wohltat, denn nicht nur, dass die Serie inhaltlich eine klare Linie fährt; sie fällt auch handwerklich solide aus. Darüber hinaus strotzt sie nur vor Kanon-Referenzen, die insbesondere alten Star-Trek-Hasen wie mir in die Hände und Lachmuskeln spielt.
Doch immer wieder treffe ich auf Leute, die mit der Serie überhaupt nichts anzufangen wissen. Zu quietschig, zu überdreht und zu rasant scheint ihnen, was für mich als Meisterwerk gilt.
Warum aber wirkt die Kluft zwischen den beiden Positionen derart unüberwindbar?


Story.
D'Vana Tendi, Beckett Mariner, Samanthan Rutherford und Bradward Boimler finden sich plötzlich vor einem außerirdischen Gericht wieder, vor dem sie Rede und Antwort über die Aktivitäten ihrer Führungsoffiziere innerhalb der letzten Wochen geben müssen. Es entspinnt sich eine verschachtelte Geschichte um zwei verdeckte Operationen, die dazu dienen, ein mysteriöses Paket aus den Händen der Romulaner zu entreißen. Jeder einzelne der vier Zeugen erlaubt durch seine Berichte, dass sich das Rätsel Stück für Stück zusammensetzt, doch am Ende des ereignisreichen Tages ist dieser Schauprozess nicht das, was die ahnungslosen Junioroffiziere erwartet haben…


Lobenswerter Aspekt.

Kanonfutter.
Auf die Gefahr hin es schon zuvor behauptet zu haben:  Diese Episode bildet den absoluten Höhepunkt an Star-Trek-Referenzen innerhalb einer einzigen Folge. Eine bis dato noch nie erlebte Dichte von Querbezügen zieht sich nicht wie ein roter Faden, sondern eher wie das essentielle Gewebe durch die gesamten zweiundzwanzig Minuten Laufzeit.
So hört der geneigte Zuhörer von einem Töpferkurs wie in "Der Komet", vom klingonischen Rechtssystem, Roga Danar, Khan und seiner Plastikbrust, "Space Seed", einem Seitenhieb auf Picards Weingut und Siskos Restaurant, stellarer Kartografie, ein an den "Lebensformen"-Song angelehntes Lied, vom vulkanischer Nervengriff, Mark Twain mit einer Pistole, einem gefährlichen Müllbeutel hinter Tasha Yar, den Borg, Remanern, Beverly Crushers schottischem Geist aus der Wunderlampe, einem "Standgericht" oder der USS Enterprise.
Der geneigte Zuschauer hingegen erhält die Gelegenheit, Star Treks bekannteste Felsformation zu bewundern, Einstellungen aus dem sechsten Kinofilm wiederzuerkennen, Captain Freeman wie Spock im elften Kinofilm beamen zu sehen, die Karte der Neutralen Zone aus dem romulanischen Senat in "Star Trek Nemesis" zu entdecken, ein Wiedersehen mit Spocks minimalistische 'Verkleidung' aus dem vierten Kinofilm zu feiern, sein Shuttle aus dem ersten Kinofilm zu bemerken, einem Fallschirmsprung wie aus dem elften Kinofilm beizuwohnen, ein Ferengi-Shuttle zu betrachten, ein Jem-Hadar-Kampfschiff auszumachen, ein klingonisches Schiff der K't'inga-Klasse zu erahnen, eine Workbee zu erkennen, einen romulanischen Bird-of-Prey in Aktion zu erleben, die T'Plana-Hath zu sichten, ein tholianisches Schiff zu finden, einen Fächertanz wie aus dem fünften Kinofilm zu bewundern, einer Gorn-Hochzeit mit einem an Vaal angelehnten Altar beizuwohnen, ein kryogenes Paket wie in "Das Gesicht des Feindes" geliefert zu bekommen, bis zu vier D'deridex Warbirds zu begegnen, die Schönheit Romulus' zu bestaunen, das romulanischen Senatsgebäude zu besichtigen oder einen echten Salzvampir zu enttarnen.
Als wäre das nicht schon bereits genug, gibt es mit dem Hinweis auf den Riesen-Spock auf Phylos auch noch die obligatorische Anlehnung an den Trickfilmvorgänger dieser Serie.
Es empfiehlt sich wahrlich nicht zu blinzeln oder gar, sich während der Folge zu unterhalten, denn die massive Ballung an In-Jokes, Referenzen und visuellen Bezügen folgt so schnell aufeinander, dass man sich die Folge getrost mehrfach hintereinander anschauen kann und doch noch immer etwas neues entdeckt. Zusammen mit dem munteren Schlagabtausch, den die viergeteilte Handlung bestimmt, wird man abermals Zeuge einer rasanten, aber äußerst unterhaltsamen Folge.
Zumal sich die Serie dadurch auszeichnet, den Charakteren leichte Blicke über den Tellerrand hinaus zu gewähren: So beschwert sich Mariner nicht ganz zu Unrecht darüber, dass aller internen Logik zum Trotz in ihrem Wassertank neben todbringenden Aalen auch noch Heizelemente installiert sind, die das Wasser zum Kochen bringen. T'Ana hingegen muss am eigenen Leib erfahren, wie ähnlich die verschiedenen Sternenflottenschiffen äußerlich und innerlich scheinen. Und die reguläre Nutzungsdauer eines Eventsilos aus K'Tuevon Prime dauert mit zweiundzwanzig Minuten zufällig genauso lange, wie eine handelsübliche Folge von "Lower Decks".
Dass man sich schließlich die Mühe gemacht hat, auch noch den Monolith aus "2001 – Odyssee im Weltraum" ins vulkanischen Raumfahrtmuseum zu stellen, sollte an dieser Stelle ebenfalls Erwähnung finden, zumal ein ähnliches Objekt dieser Tage auch durch die Weltgeschichte geistert.
Den größten Höhepunkt aber markieren dieses Mal die Schauspieler, die in dieser Serie einen akustischen Gastauftritt absolvieren.
Kenneth Mitchell zum Beispiel, der nach Auftritten als Kol, Kol-Sha und Tenavik in "Star Trek: Discovery" nun gleich drei kleinere Nebenrollen in dieser Folge einspricht und damit seinen Status als Maskottchen der dritten Star-Trek-Welle untermauert.
Auch Kurtwood Smith ist keineswegs ein Unbekannter für langjährige Star-Trek-Fans, denn der Schauspieler, der hier dem ''Chefankläger' Clar die Stimme leiht, hat sich als Föderationspräsident im sechsten Kinofilm, als Thrax (dem Vorgänger Odos als Sicherheitschef auf Terok Nor) und natürlich Annorax ins kollektive Gedächtnis der Franchise gespielt.
Ohne diesen beiden ihre Verdienste abstreitig machen zu wollen trägt der denkwürdigste Gaststar allerdings den Namen John de Lancie. Sein gewohnt anarchistisch-unterhaltsamer Charakter Q macht hiermit ganz offiziell seinen dreizehnten Auftritt in seiner vierten Star-Trek-Serie perfekt. Der hat zwar kaum einen Einfluss auf die Handlung, weckt aber Erinnerungen an die besten Episoden des omnipotenten Tunichtguts, ohne dass seiner Anwesenheit der Verdacht des Fanservices allzu offensichtlich ins Gesicht geschrieben stehen würde.


Kritikwürdiger Aspekt
.

Kanonbrüche und Logiklöcher.
Es lohnt sich kaum, auf kleinere Unstimmigkeiten wie Rutherfords Fähigkeit, vulkanische Nervengriffe durchzuführen eingehen, denn tatsächlich lässt sich im Sinne der Erzählweise argumentieren, dass diese vernachlässigungswürdige Ausführung besonders im Hinblick auf seinen technisch bedingten Gedächtnisverlust erstaunlich gut ins Konzept passt (und von prominenten nicht-vulkanischen Vorgängern wie Data, Jean-Luc Picard, Seven of Nine oder Michael Burnham ohnehin bereits durchgeführt wurde). Weitere Zweifel an der internen Logik der Folge werden gegen Ende zudem unter dem Vorwand der Geheimhaltung geschickt überspielt.
Daher stellt tatsächlich der Umstand, dass die gesamten Handlung nur das Setting für eine Brückenoffiziers-Party gewesen sein soll, ein weiteres Mal lebhaft die Gefahr des Cartoon-Effekts unter Beweis. Denn schließlich führte man die vier Unterdeck-Offiziere genauso wie den Zuschauer an der Nase herum, weswegen die Auflösung am Ende auch ein wenig an die berühmt-berüchtigte Traum-Staffel bei "Dallas" erinnert. Gerade im Hinblick auf alle anderen sorgsam inszenierten Feinheiten und Kniffe wirkt diese Entwicklung eher kontraproduktiv auf den Gesamteindruck.




Fazit.
"Veritas" glänzt als die bis dato Referenz-reichste "Lower Decks"-Episode, die in einer wilden Achterbahnfahrt grandiose Unterhaltung bietet. Neben einigen Bemerkungen auf der Meta-Ebene glänzt die Folge vor allem durch die hochkarätigen Gastschauspieler, die denkwürdige Auftritte absolvieren.
Geschmälert wird das Endergebnis allein durch die etwas bemühte Auflösung, die in einem zu starken Kontrast zum ansonsten raffinierten Inhalt steht.

Bewertung.
Zwischen Genie und Wahnsinn.







Schluss.
Zeichentrickserien haben sich seit den siebziger Jahren, als die Star-Trek-Zeichentrickserie TAS noch ein branchenübliches Produkt war, massiv weiterentwickelt. Spätestens mit den "Simpsons" hat sich ein neues Subgenre innerhalb dieser eigentlich für Kinder angedachten Fernsehunterhaltungsnische entwickelt, dass sich an ein erwachsenes Publikum richtet. Es spielt mit wenig kindgerechten Themen, steckt voller Anspielungen für eine reifere Zuschauerschaft und lebt von der Überspitzung seiner Charaktere.
Wer seit den "Simpsons" offen für dieses Konzept geblieben ist, wird in anderen Serien wie "Family Guy", "South Park" oder "Rick and Morty" eine Weiterentwicklung dieser Idee finden, deren zentrale Grundzüge jedoch auch in "Lower Decks" bewahrt bleiben.    
Neu an der zweiten animierten Star-Trek-Serie ist eher die Idee, den reichhaltigen Kanon der Franchise als Bühne zu nutzen und nicht nur in humoristischer Weise traditionelle Themen zu behandeln, sondern das auch noch mit den vielen Informationen zu unterfüttern, die die Franchise bislang angehäuft hat.
So gesehen ist TAS für "Lower Decks" schon irgendwo das, was die Originalserie für TNG war, nur dass die 'nächste Trickfilmgeneration' sich mehr als jede andere Star-Trek-Serie den aktuellen Sehgewohnheiten einer stark veränderten Welt anpassen musste. Dass viele Fans aber nichts mit Zeichentrick im Allgemeinen und den neueren Entwicklungen im Speziellen anzufangen wissen, liegt in der Natur der Dinge.
"Lower Decks" wird es daher – selbst wenn es in Deutschland irgendwann einmal erscheinen sollte – noch schwieriger haben, als andere 'moderne' Star-Trek-Serien wie "Discovery" oder "Picard", denn der Einstieg wird nicht jedem leichtfallen. Wem etwa die inhaltlichen Nuancen nicht bewusst sind, die dieses Genre seit den "Simpsons" durchlebt hat, wer eine animierte Fortsetzung von TNG erwartet oder mit der Überzeichnung von Charakteren nicht vertraut ist, wird an diesen Folgen nicht den gleichen Spaß haben.
Und doch streckt die noch junge Serie hoffnungsvoll ihre Hand aus. Sie beruft sich in beinahe jeder Episode wenigstens beiläufig auf ihr geistiges Vorbild TAS, wirft mit Insider-Wissen für die elitären Star-Trek-Fans um sich und ist sich auch nicht zu fein, Missstände mit einem Augenzwinkern offenzulegen. Das ist etwas revolutionäres, das sein Animations-Ahne aufgrund des damals weniger reichhaltigen Kanons weder leisten wollte, noch leisten konnte. "Lower Decks" ist am Puls seiner Zeit und sollte spätenstens dann eine Chance erhalten, wenn die Serie auch auf deutsch verfügbar ist.
Früher oder später.
Wahrscheinlich später.


Denkwürdige Zitate.

"You will speak only into the Horn of Candor! With this horn, one of our most sacred horns, you must only speak--- the truth!"
"Happy to be here!"
Clar und Samanthan Rutherford

"Dance boy, dance!"
Shaxs

"Updating klingon fonts!"
"What!? Wait, why do I even need that?!"
Rutherfords Implantate und Rutherford

"Are you that stubborn, that you risk death by eels?"
"Yes, that's correct!"
"Then continue…"
D'Vana Tendi und Clar

"Apologizing to the enemy? That's cold, cleaner…"
Jack Ransom

"We're Lower Decks. No one ever tells us what's going on. We're not important enough to have anything to lie to you about."
Bradward Boimler

"Ts, what's that about?"
"Eh, I don't know, man, something dumb."
Boimler und Mariner

"Get out of here, Q! No, we are done with random stuff for today! We're not dealing with any of your Q bullshit!"
"Oh sil-vous-plait, Mariner, I want to put humanity tot he ultimate test!"
"I'm not french! No, go find Picard!"
"Oh Picard! He's no fun! He's always quoting Shakespeare! He's always making wine…"
Mariner und Q


Weiterführende Leseliste.

01. Rezension zu "Second Contact"
02. Rezension zu  "Envoy"
03. Rezension zu "Temporal Edict"
04. Rezension zu "Moist Vessel"
05. Rezension zu "Cupid's Errant Arrow"
06. Rezension zu "Terminal Provocations"
07. Rezension zu "Much Ado About Boimler"
08. Rezension zu "Veritat"

Samstag, 28. November 2020

Turons Senf zu "Wiedervereinigung, Teil III" [DIS, S3Nr07]


Spoilerwarnung.
Diese Rezension enthält massive Spoiler auf "Wiedervereinigung, Teil III", die siebente Folge der dritten Staffel von "Star Trek: Discovery" und sollte erst gelesen werden, wenn man diese und weitere Episoden bereits gesehen hat.


Einleitung.
Seit seiner Erstausstrahlung in Deutschland zählt der TNG-Zweiteiler "Wiedervereinigung" für mich persönlich zu den besten Folgen der Serie. Dabei bleibt bemerkenswert, wie sehr sich meine Rezeption dieser Folge über die Jahre verändert hat, ohne dass die Episode selbst an Qualität eingebüßt hätte.
In meinen Kindertagen ging der Hauptteil der Faszination für die Folge vor allem auf die Anwesenheit Leonard Nimoys zurück. Dass der zentrale Originalseriencharakter hier einen Auftritt in der 'nächsten Generation' absolvierte verband beide Universen zu einem stimmigen Ganzen und half dabei, meine Faszination für den verbindenden Kanon zu begründen, auf dem beide Serien gemeinsam fußten.
In späteren Wiederholungen war ich eher von der Kultur der Romulaner beeindruckt, denen niemals zuvor und nur bedingt danach so viel Aufmerksamkeit verliehen wurde. Vor allem deren innere Ambivalenz und reichhaltige Historie hat mich seitdem nicht wieder losgelassen und die Folge verlieh der gesamten Spezies eine nie gekannte Tiefe, von der spätere Inkarnationen noch bis heute zehren.  
Erst viele Jahre später war ich auch in der Lage, dem Begriff der "Wiedervereinigung" auch eine tagesaktuelle Bedeutung abzuringen. Die Geschichte eines Volkes, das sich aufgrund von ideologischen Differenzen in zwei unterschiedliche Welten auseinanderlebte, war als Metapher für die deutsch-deutsche Geschichte zwar nicht unbedingt gut verschleiert, aber als Wendekind mit ganz eigenen Erfahrungen zur Materie auch nicht auf Anhieb zu entschlüsseln. Zumal es in der Folge ja nicht um die Wiedervereinigung als solche ging, sondern um die Macht dieser Idee. Schon allein deshalb rechne ich der deutschen Synchronisation bis heute hoch an, dass im Gegensatz zum englischen Original ein Fragezeichen hinter dem Titel zu finden war, wodurch die Folge im Deutschen Spocks missionarischer Expedition ins Romulanerreich inhaltlich deutlich näher kam als dem englischsprachigen Vorbild.
Als sich nun "Star Trek: Discovery" anschickte, den Titel einer ihrer Episoden an diese legendäre Folge anzulehnen, schossen die Erwartungen schlagartig in die Höhe. Befeuert von Posts in sozialen Medien wie diesem stellt sich allerdings die Frage, ob "Wiedervereinigung, Teil III" diesen Erwartungen auch gerecht werden kann…


Story.
Michael Burnhams Suche nach dem Ursprung des großen Dilitihiumbrandes erhält zusätzlichen Auftrieb, als sie von einem weit verteilten Sensornetzwerk erfährt, dass zeitgleich zur Katastrophe von den Vulkaniern betrieben wurde. Natürlich brennt sie darauf, die Informationen von ihrer Adoptiv-Spezies zu erhalten und endlich das ultimative galaktische Rätsel zu lösen.
Doch Vulkan ist nicht mehr die Welt, die sie als junge Frau verlassen hat. Nachdem die Wiedervereinigung mit den Romulanern nach einer verheerenden Supernova Wirklichkeit wurde, bildeten sich unterschiedliche Fraktionen aus, die nach zunehmendem Misstrauen den Föderationsaustritt beschlossen und den Namen des Planeten gar in Ni'var änderten.
Um an die Daten zu gelangen, muss Burnham nun ein altes vulkanisches Ritual heraufbeschwören, um überhaupt eine Chance zu erhalten, doch die Angelegenheit wird weiter verkompliziert, als sie erfährt, wer die Position ihres Rechtsbeistands in dieser heiklen Situation einnimmt…


Lobenswerter Aspekt.

Besetzung.
Wieder einmal glänzt "Star Trek: Discovery" durch großartige schauspielerische Leistungen, auch wenn anzumerken bleibt, dass einige Darsteller wie Wilson Cruz, Michelle Yeoh, Tig Notaro, Blu del Barrio, Ian Alexander oder David Benjamin Tomlinson überhaupt nicht zu sehen sind. Positiv zu bewerten bleibt allerdings, dass die Schauspieler dadurch auch nicht zu gezwungenen Dialogen, aufgesetzten Slapstick-Auftritten oder unnötigen Showeinlagen herangezogen wurden und dieser Mut zur Lücke sich schon allein durch das Fehlen entsprechender Sequenzen bezahlt gemacht hat.
Die überschaubaren Szenen mit Nebendarstellern wie Emily Coutts, Oyin Oladejo, Sara Mitich, Patrick Kwok-Choon oder Ronnie Rowe junior ließen allerdings auch nicht sonderlich viel Platz zur Entfaltung und der Ehrlichkeit halber muss man gestehen, dass selbst Anthony Rapp als Paul Stamets trotz seiner Namensnennung im Vorspann dem Arbeitspensum dieser Kollegen nur wenig entgegenzusetzen hatte.
Immerhin war es Douglas Jones aufgrund des Kapitänsrangs seiner Rolle Saru vergönnt, etwas mehr Anteil am Geschehen zu haben. Doch abseits seiner zaghaften diplomatischen Ausführungen bleibt er in dieser Episode vorrangig aufgrund einer fragwürdigen Personalentscheidung in Erinnerung (vgl. Kanonbrüche und Logiklöcher).
Das wiederum ruft Sylvia Tilly auf dem Plan. Mary Wiseman wirkt ein wenig gesetzter als in vorangegangenen Folgen, als hätte der neue Posten bereits Auswirkungen auf ihre Darstellung, aber ein wenig mehr Screentime (z.B. durch ein Gespräch mit Hugh Culber) hätte der Figur in Anbetracht der Tragweite der Entscheidung sicherlich gut getan.
David Ajala bleibt als Cleveland Booker hinter seinen Möglichkeiten zurück und wirkt ein wenig so, als würde er vor allem in Lohn und Brot gehalten werden, bis in kommenden Folgen ein wenig mehr Action mehr Einsatz von ihm verlangen würde. Auch das mysteriöse orangene Glühen seines Kopfes, das man in dieser Episode abermals sehen kann, bedarf noch immer der Auflösung. Immerhin bietet er einen emotionalen Anker für Burnham und ermöglicht uns einen Blick auf seine Katze.


Eigentlich wollte ich ja kein Wort mehr zur Monoperspektive auf Michael Burnham [Sonequa Martin-Green] verlieren, weil es als Stilmittel der Serie kaum einer Änderung unterliegen dürfte. Die Schauspielerin kann zudem nichts dafür und in den letzten paar Folgen blieb es sogar anderen Figuren vergönnt, Burnham dabei helfen zu können, den Tag zu retten. Beinahe hätte man glauben können, dass dies eine positive Tendenz der neu ausgerichteten dritten Staffel sei, aber mit "Wiedervereinigung, Teil III" fällt Michael Burnham nicht nur in alte Verhaltensmuster zurück, sondern potenziert diesen unpopulären Charakterzug auch noch um mehr, als noch gerade so auf eine Kuhhaut ginge. Sie dominiert die Handlung (vgl. Der lange Schatten Vulkans), die Auftritte ihrer Kollegen (ein weiterer Burnham-Moment gipfelt selbst jene Szene, in der Tilly den Zuspruch ihrer Mannschaftskameraden erhält) und erhält auch noch personelle Unterstützung ausgerechnet in der Person ihrer Mutter.
Diesem Motiv entsprechend rangiert Sonja Sohns Auftritt nach dem ihrer Serientochter vom Dialogumfang her an zweiter Stelle. Dabei kann sie allerdings mehr als Mutter und weniger als Qowat-Milat-Schwester überzeugen – nicht zuletzt, weil diese Entwicklung arg bemüht wirkt. Denn auch wenn ihre Wiederkehr früher oder später abzusehen war, bleibt ihre Mitgliedschaft in einem romulanischen Samurai-Orden ein sinnfreier Winkelzug in der fragwürdigen Tradition der ersten und zweiten Staffel.
Die übrigen Darsteller haben zwar mehr Platz als so manches Crewmitglied, lassen sich aber dennoch schnell abhaken:
Die romulo-vulkanischen Gegenspieler Oliver Becker [N'Raj], Stephanie Belding [She-Ra], Emmanuel Kabongo [V'Kir] und Tara Rosling [T'Rina] bieten dem Setting einen würdevollen Rahmen ohne die ganz großen Ausrufezeichen zu setzen und allein dem Badmiral Charles Vance [Oded Fehr] war es abermals nicht vergönnt, über den Status einen Schlagwortgebers hinauszukommen.



Kritikwürdige Aspekte.

Folgenanlage.
Nach einer Laufzeit von fünfzig Minuten bleibt der Zuschauer am Ende von Erstaunen gezeichnet zurück.
Erstaunt zum Beispiel davon, wie wenig nennenswerten Inhalt diese Folge zu bieten hat, deren aufgeblähte Handlung man bequem in einem Halbsatz zusammenfassen könnte.
Oder erstaunt davon, wie wenig Tempo dieser Folge innewohnte. Nachdem in der letzten Woche die Balance zwischen den langsamen Szenen an Bord und den Action-geladenen Einstellungen auf Hunhau nicht gelingen mochte, wird man nun unfreiwillig Zeuge davon, wie eine ganze Episode völlig ohne nennenswerte Spannung auskommen kann. Die größte 'Actionszene' blieb gar jener Moment, in dem eine planetare Verteidigungsplattform sich für ein paar Millisekunden in Richtung Discovery drehte. Nicht dass ich falsch verstanden werde; ich mag bedeutungsschwangere Star-Trek-Dialoge wie die in "Wem gehört Data?", "Das Standgericht" oder "Todessehnsucht" sehr (und diese Folge spielt definitiv nicht in einer Liga mit diesen Beispielen)! Aber für eine Folge, in der ein schwertkämpfender Ninja-Nonnen-Orden auf das Schiff mit der karate-affinen Spiegeluniversumsimperatorin trifft, kann man dieses seichte Plätschern als sträfliche Vernachlässigung von Potential werten, zumal sich über die Qualität der Dialoge trefflichst streiten ließe.
Oder man zeigt sich über den wuchtvollen Tritt in die Tränendrüse erstaunt, denn die Folge gibt sich so viel verzweifelte Mühe, auf kitschüberfrachtete Weise Gefühle beim Publikum zu erzeugen, dass reine Fremdscham beim Ansehen der ganzen Gefühlsduselei überhandnimmt. Letzten Endes werden alle Register der Gefühlsklischees bedient, die sonst schon gereicht hätten um nur eine Folge allein zu ruinieren. Hier aber bombardiert man den Zuschauer gleichzeitig mit schmierigen Explosivsprengstoffen wie Beziehungsherzschmerz, Mutterliebe, Heimatverlust, Unterstützungsbeifall, Selbstfindungsschwierigkeiten, Lobhudeleien oder Familiendrama und es drängt sich der Eindruck auf, als würde man in Erwartung von gekünstelten Tränen aus dem Fernseher heraus beständig mit Papiertaschentuchpackungen beworfen werden.
Aber wahrscheinlich merkt man das ja auch gar nicht mehr, denn nachdem die Hälfte der dritten Staffel ausgestrahlt ist, hat man sich bereits an derlei Unstimmigkeiten und andere Begleiterscheinungen wie Wackelkamera, Lens Flares oder die obligatorischen Krokodilstränen (diesmal sogar im preiswerteren Familienpacken!) gewöhnt.
So bleibt der Reingewinn am Ende etwas, das die Vorgänger dieser Folge bereits eindrucksvoller etabliert haben: Es wurde ein weiterer Baustein zur unausweichlichen Renaissance der Föderation gesetzt und Burnham weiß mal wieder, wo sie hingehört - zumindest bis es sich die Autoren kommender Episoden anders überlegen.


Der lange Schatten Vulkans.
Die 'Kanonfee' Kirsten Beyer ist zurück bei "Discovery" um eine ganz besondere Folge zusammenzuköcheln. Dafür hat sie ganz viele Drehbuchhappen aus dem Resteeimer von "Picard" mitgebracht, die nun noch einmal zum Verzehr in einer achthundert Jahre späteren Zukunft aufgewärmt werden!
Bereits der Folgentitel leitet Fans in die Irre, denn mit dem gleichnamigen TNG-Vorbild "Wiedervereinigung" hat dieser als dritte Teil angepriesene Discovery-Ableger inhaltlich bestenfalls eine periphere Schnittmenge. Es ist vielmehr eine nahtlose Fortführung dessen, was in der vierten "Picard"-Episode "Unbedingte Offenheit" etabliert wurde: Die romulanische Diaspora, die Qowat Milat und das Misstrauen den Motiven der Föderation gegenüber.
Natürlich wird durch einen schönen Einstieg mittels eines Ausschnitts aus dem Original-TNG-Zweiteilers eine inhaltliche Nähe suggeriert, aber dass dieser Etikettenschwindel kaum mehr als Fanservice bleibt wird spätestens dann klar, wenn man sich vor Augen führt, dass die Kombination von Vulkaniern und Romulanern zu Ni'Var nicht etwa umgesetzt wurde, weil Spock dafür so geflissentlich wie erfolglos über Jahrzehnte hinweg Propagandaarbeit betrieben hat, sondern weil eine Supernova der Romulus-Sonne in "Picard" für vollendete Tatsachen gesorgt hat.
Dieses explosive Gemisch aus Halbwahrheiten, gefühlten Kanonzusammenhängen und kontextfreien Schlagworten zieht sich aber wie ein roter Faden weiter durch die Episode. So wird der sinnstiftende, utilitaristische Ansatz der Vulkanier ("Das Wohl der vielen ist wichtiger als das Wohl der vielen.") ins komplette Gegenteil verkehrt, ein Forum zum Austausch von Logik, Fakten und wissenschaftlichen Werten zur Bühne einer emotionalen Selbsterkenntnis uminterpretiert und am Ende bleibt das T'Kal-in-ket nicht zuletzt deshalb bedeutungslos, weil die Präsidentin T'Rina die SB-19-Daten unabhängig von der Entscheidung des Quorums sowieso an Michael Burnham übergibt. Dass die Ereignisse der Folge als Bottle Show allein auf der Discovery konzentriert bleiben, ohne auch nur einmal die Oberfläche des wichtigsten Planeten der Franchise zu zeigen, trägt zusätzlich dazu bei, an der fragilen Glaubwürdigkeit dieser Episode zu zerren.
Dabei ist es beileibe nicht so, dass alle Ideen Vulkan betreffend vergebener Liebesmühe gleichen würden.
Einige der zuvor genannten Punkte wären nämlich (mit viel Wohlwollen) auch als Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung der wiedervereinigten Gesellschaft interpretierbar.
Die Idee, die Expertise Burnhams den Planeten betreffend auszunutzen ist ebenso schlüssig, wie die verschiedenen Fraktionen, die nunmehr die Geschicke der Welt lenken. Ihr bewusster (aber folgenloser Verzicht) auf die Daten ist gleichzeitig logisch-vulkanisch, als auch von besten Sternenflottenidealen geprägt. Ebenso ist es nur folgerichtig, den Vulkaniern den schwarzen Peter einer Antriebsalternative jenseits von Dilithium zuzuschieben, zumal die moralischen Spätfolgen (die ja im Föderationsaustritt gipfelten) für die pazifistische Spezies nicht minder nachvollziehbar wirken. Und selbst das Konzept des T'Kal-in-ket ist ein pfiffiger Einfall, der gut in die vulkanische Gesellschaft passt, die sich wie in "Enterprise" abermals in der ungewohnten Position des Gegenspielers wiederfindet.
Ja sogar die Idee, ausgerechnet die Krieger-Nonnen des Qowat Milat aufgrund ihrer Wahrheitsliebe zu Rechtssprechern zu erklären, hat durchaus ihren Reiz, zumal der Brückenschlag zu "Picard" einen überfälligen Schulterschluss mit einer anderen Serie der dritten Star-Trek-Welle bedeutete.


Doch Kirsten Beyer bleibt ihrer Philosophie treu, den Kanon immer dann auszuklammern, wenn er droht, ihren Handlungsentwürfen ein Veto entgegenzusetzen, denn die Autorin hat mittlerweile mehrfach unter Beweis gestellt, dass sie nur allzu schnell bereit ist, allen Widerständen zum Trotz ihre eigenen Dickkopf durchzusetzen (vgl. dazu unser Kurzinterview im Rahmen der Picard-Premiere).
Sie nimmt sich Freiheiten heraus, die zulasten des erzählerischen Rahmens gehen, von denen drei schwerwiegende Entwicklungen an dieser Stelle noch einmal ganz besondere Erwähnung finden müssen.
Als erstes muss die fragwürdige Entscheidung ins Feld geführt werden, ausgerechnet Michael Burnhams Mutter Gabrielle als Mitglied des Qowat-Milat-Ordens auftreten zu lassen und damit auch das T'Kal-in-ket zu einer öffentlichen Familientherapiesitzung des Burnham-Clans zu degradieren. Der mäßig konstruierte und emotionsgeladene Gastauftritt trug maßgeblich die Hauptschuld daran, dass der Rest der Folge den vorherigen Besuchen auf der Erde oder Trill qualitativ hinterherhinkte.
Im Zusammenhang damit steht auch der zweite Punkt: Sämtliche sorgsam inszenierten Kanonbezüge sind einzig und allein Staffage für die moralische Integrität Michael Burnhams. Die "Wiedervereinigung" dient nämlich nicht als eigenständige Handlung, bietet kein moralisches Dilemma und steht auch nicht im Vordergrund dieser Episode. Alles, was man über die aktuelle romulanisch-vulkanische Gesellschaft erfährt lässt sich auf bloßes Hintergrundtheater für den Selbstfindungsprozess der Hauptfigur reduzieren; auf schmückendes Beiwerk, dem jegliche Tragweite fehlt.
Der dritte Punkt jedoch wiegt am schwersten. In Burnhams schon beinahe manisch anmutenden Vergleichen mit ihrem (über die Grenzen Star Treks hinaus bekannten) Bruder lag schon vom Beginn der Serie an eine unnötige Rivalität, die mit dem Ende der zweiten Staffel eigentlich einen verhältnismäßig würdevollen Abschluss erhalten hatte. Doch nun schmückt sich Burnham nicht nur mit den fremden Federn ihres Bruders und beansprucht dessen Erfolge für sich, sondern versucht sich auch über seine Leistungen zu erheben. Der "kleine Bruder" wird als Person sogar auf die Beeinflussung seiner Adoptivschwester zurückgeführt (vgl. Denkwürdige Zitate), was inzwischen jegliche Relation zu den mehr als fünfzig Jahren Star-Trek-Geschichte vor "Discovery" vermissen lässt. Diese Megalomanie einer Serie, die sich auch in ihrer dritten Staffel erst beweisen muss, erscheint nicht nur arg deplatziert, sondern auch reichlich arrogant.


Kanonbrüche und Logiklöcher.
Bei so wenig Substanz ist es immerhin möglich, auch weniger Kanonbrüche und Logiklöcher zu fabrizieren. Frei nach dem Motto "Wo wenig Inhalt herrscht, kann man über weniger Fallstricke stolpern." lassen sich nur wenige Widersprüche ausmachen, während der Bezug auf Vulkan sogar einige besonders clevere Querbezüge ermöglicht.
Der schönste von ihnen ist sicherlich die neue Bezeichnung "Ni'Var" für Vulkan, die auf eine Star-Trek-Kurzgeschichtenreihe der siebziger Jahre zurückgeht und den vulkanischen Begriff für "Zwiegestalt" beschreibt. Zusammen mit dem chimären IDIC-Warbird-Logo und der Erwähnung der Wissenschaftsakademie von Ni'Var trugen sie mit dazu bei, dem Hintergrundflair der Folge den passenden Anstrich zu verleihen.
Auch die Erwähnung einer USS Yelchin war eine nette Hommage an den Schauspieler, selbst wenn der Umstand, dass es sich um ein zerstörtes Schiff handelte, einen etwas bitteren Nachgeschmack im Hinblick auf das tragische Ableben des Darstellers hinterlässt.
Ansonsten gibt es die für Discovery üblichen Unstimmigkeiten.  
Die Aufzeichnungen über die Discovery und ihre Crew sind seit mehr als neunhundert Jahren Verschlusssache, aber Michael Burnham ist auf Vulkan bekannt wie ein bunter Hund?
Blockiert Books Schiff nicht die Shuttlehangareinfahrt der Discovery?
Widerspricht die Union Ni'vars nicht den Umsiedlungsproblemen, denen sich Jean-Luc Picard vor seinem Rückzug aus der Sternenflotte stellen musste? Und wie hat er die Aufnahmen Spocks auf Romulus machen können?
Inwiefern sind andere Romulaner wie die auf Vashti von der Wiedervereinigung betroffen oder bleibt dieses Motiv auf die Bewohner Vulkans beschränkt? Gibt es den romulanischen Freistaat noch?
Warum besinnen sich die Romulo-Vulkanier nicht auf die Idee, statt eines so gefährlichen Projektes wie SB-19 einfach die künstliche Quantensingularität der Warbirds wiederaufleben zu lassen?


Der folgenreichste Kanonbruch dieser Folge bleibt allerdings die ausstehende Beförderung Sylvia Tillys auf den Posten des ersten Offiziers.
Dabei will ich die Gelegenheit nutzen darauf zu verweisen, dass ich nicht der Meinung bin, dass Tilly als Person eine schlechte Wahl wäre. Zum einen gehört sie zu den wenigen Charakteren der Serie, denen neben Michael Burnham genügend Aufmerksamkeit zuteilwurde, um überhaupt so etwas wie eine nennenswerte Persönlichkeit zu entwickeln. Zum anderen wurde diese Entwicklung in den zurückliegenden Folgen für Discovery-Verhältnisse behutsam vorbereitet und entbehrt auf einer rein persönlichen Ebene noch nicht einmal einer gewissen Nachvollziehbarkeit.
Das Problem liegt eher in den fehlenden Dienstjahren. Erst in der letzten Staffel stieg Tilly vom Kadett zum Fähnrich auf, womit sie noch immer zu den Junioroffizieren an Bord des Schiffes zählt, die durch ihre jahrelange Arbeit an Erfahrung gewinnen, die sie für höhere Kommandoposten qualifiziert, indem sie ihre Fähigkeiten im Vorfeld z.B. die Leitung einer Abteilung unter Beweis stellen. Dass Tilly jedoch noch nicht einmal das Kommandotrainingsprogramm abgeschlossen hat, beseitigt den Widerspruch zwischen den niederen und höheren Rängen der Sternenflottenhierarchie, dem mit "Lower Decks" ja thematisch immerhin eine ganze Serie gewidmet ist. Saru führt mit seiner Entscheidung - die nebenbei auch noch qualifizierteren Offizieren wie Paul Stamets, Hugh Culber oder Jett Reno vor den Kopf stößt - die gesamte Kommandostruktur der Sternenflotte ad absurdum (man stelle sich ferner vor, Captain Picard hätte Wesley Crusher, Janeway Harry Kim oder Archer Travis Mayweather zum ersten Offizier gemacht!). Selbst die Ernennung eines ersten Offiziers aus dieser Zukunft, der dieser Crew bei ihren Eingewöhnungsschwierigkeiten hilft und sicherstellt, dass dieser Trumpf im Ärmel Admiral Vances auf einer Linie mit den Entscheidungen des Oberkommandos bleibt, wäre eine sinnvollere Entscheidung gewesen. Vor allem aber wird eine Beförderungsmethode salonfähig gemacht, die zuvor allein auf das Abramsverse beschränkt geblieben war und nicht unbedingt zu den Sternstunden der Franchise zählte.
Natürlich ist der Versuch, in diesem Fall Rang und Position zu trennen an sich löblich und in der siebenten Folge von "Lower Decks" war Beckett Mariner ebenfalls als Fähnrich kurzzeitig in die Position eines ersten Offiziers aufgerückt. Allerdings war diese Entwicklung von Anfang an als temporäre Maßnahme gedacht und selbst wenn es ähnliche Beteuerungen auch auf Seiten Sarus gibt, darf im Hinblick auf die bisherige Geschichte von "Discovery" wohl eher bezweifelt werden, dass dies nur einen Übergangscharakter hat. Es unterstreicht nur ein weiteres Mal, wie wenig Verständnis die Autoren für eine Organisation wie die Sternenflotte aufbringen und wie egal ihnen die innere Glaubwürdigkeit im Hinblick auf ihre eigene, aber auch auf andere Serien ist.


Synchronisation.
Wie eingangs bereits erwähnt, war der deutsche Titel der Vorbild-gebenden TNG-Episode seinem englischsprachigen Pendant gegenüber ungleich besser gewählt, weswegen es schade ist, dass das auch in diesem Fall angebrachte Fragezeichen aus irgendeinem Grund (ich vermute an dieser Stelle frecherweise einmal Recherche-Faulheit) entfallen ist. Immerhin müssen die Verantwortlichen die Folge noch einmal in der Hand gehabt haben, denn auch die deutsche Tonspur des damaligen Leonard-Nimoy-Auftrittes wurde übernommen.
Ansonsten ist abermals anzumerken, dass das Duzen und Siezen gleichermaßen sinnvollen wie wechselnden Einsatz findet und die deutsche Übersetzung recht gelungen ausgefallen ist.


Fazit.
Michael Burnhams Rückkehr nach Vulkan ist nicht das Bravourstück, das der ebenso ambitionierte, wie unzutreffende Titel vermuten ließe. Die "Wiedervereinigung" , der "Vulxit" aus der Föderation oder die Probleme des Planeten sind zwar schlüssig erzählt, dienen aber eher als blasse Staffage für die persönlichen Probleme Burnhams, die in einem besonders schweren Rückfall in die Monoperspektive ohne Rücksicht auf Verluste, Freunde oder Adoptivgeschwister zu Tage treten. Zusammen mit einer fragwürdigen Personalentscheidung Sarus, eklatanten Spannungsdefiziten und einer gezwungen wirkenden Emotionalität beschließt es eine Folge, die letztendlich weit hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Bewertung.
Schwache Kür.







Schluss.
Am Ende des Tages ist die Bezeichnung der Folge als dritter Teil einer TNG-Episode nichts weiter als eine billige Werbemasche, die mit dem tatsächlichen Inhalt des Vorbilds nur wenig gemein hat.  
Doch bei Lichte besehen war der erste und zweite Teil von "Wiedervereinigung" thematisch auch nur eine Wiederaufnahme der in der TOS-Episode "Spock unter Verdacht" etablierten Geschichte der Romulaner, die seither mit Folgen und Filmen wie "Das Gesicht des Feindes", "Unter den Waffen schweigen die Gesetze", "Star Trek Nemesis" oder eben "Unbedingte Offenheit" beständigen Ausbau erfahren haben.
So mag "Wiedervereinigung, Teil III" vielleicht einen unpassenden Titel tragen, inhaltliche Mängel aufweisen oder sträflichst den Planeten Vulkan auslassen, aber der Episode gebührt der Verdienst, ebenfalls sein Scherflein zum Gesamtbild der romulanischen Spezies beizutragen.
Und das ist nicht das einzige, was es mit dem namensgebenden Vorbild gemein hat.
So überschaubar Spocks Video-Auftritt auch gewesen sein mag, schlägt er dennoch eine Brücke zu TOS und TNG und hilft dabei, "Discovery" mit dem größeren Kanon zu verbinden.
Und dem Thema der "Wiedervereinigung" bleibt es trotz aller tagesaktueller Brisanz (man denke nur an Nord- und Südkorea) ebenfalls nicht vergönnt, eine ähnliche Rolle zu spielen. Zwar gibt es de facto eine Reunion beider Völker, doch diese ist nicht das Ergebnis von mutigen Massenprotesten, diplomatischen Verhandlungen oder komplizierter Großmachtpolitik, sondern einem Naturereignis (?) geschuldet. Es ist fast ein wenig so, als wäre die deutsche Wiedervereinigung passiert, weil alle Atomkraftwerke der Sowjetunion explodiert sind und die Bewohner der DDR in den Nachwehen des atomaren Fallouts massenhaft in den Westen flohen, um dort überleben zu können.
Somit markiert die Folge eher eine Absage an die Idee, die deutsche Wende in eine geistige Nähe zur romulo-vulkanischen Wiedervereinigung stellen zu können, denn hinter den streitenden Fraktion auf dem Planeten steckt mittlerweile eher ein Sinnbild des ideologischen Risses, der sich quer durch die amerikanische Gesellschaft zieht. Aus deutscher Sicht ist das vielleicht ein wenig schade, aber einen vielversprechenden Erzählgegenstand mit einem deutlichen Bezug auf die Probleme unserer Zeit bietet es in bester Star-Trek-Manier auf jeden Fall.


Denkwürdige Zitate.

"Die denken sie hätten den Brand verursacht?"
"Nein, sie denken wir hätten sie dazu getrieben den Brand zu verursachen."
Michael Burnham und Charles Vance

"Ich möchte Sie bitten als mein erster Offizier einzuspringen bis ich einen permanenten Ersatz gefunden habe."
"Was? Sir, was? Äh, ich, ich habe das Kommandotrainingsprogramm nie abgeschlossen!"
Saru und Sylvia Tilly

"Sir, fragen Sie mich wegen meiner Folgsamkeit oder wegen meiner Qualifikation?"
Tilly

"Selbst die Wissenschaft lässt sich nicht von Kultur und Politik trennen. Es gibt immer Wechselwirkungen, auch Spock musste das lernen."
T'Rina

"Es ist das alte Lied, nicht wahr? Dass das Schicksal zweier Völker so eng verflochten ist, dass sie sich ähneln aber einander dennoch vertrauen."
T'Rina

"Man wird sich an Spocks Schwester immer als Heuchlerin erinnern, wenn Sie sich als unglaubwürdig erweisen und das hätte schwere Konsequenzen."
T'Rina

"Meiner Lebenserfahrung nach lernen wir die größten Lektionen dann, wenn wir einen hohen Preis dafür bezahlen."
Saru

"Sie führt ihren Bruder in den offensichtlichen Bemühen ins Feld, uns emotional zu bewegen. Doch dies ist ein Forum für Logik, Commander Burnham."
V'Kir

"Drei Quorumsmitglieder, drei Meinungen, kein Konsens."
Gabrielle Burnham

"Ganz ehrlich, die Vorstellung von Ihnen Befehle anzunehmen fühlt sich ziemlich, ziemlich schräg an. Man könnte sagen fast schon verstörend."
Paul Stamets

"Du bist eine Qowat Milat und Du bist meine Mutter."
Burnham

"Wir mögen unvollkommen und voller Fehler sein und stecken uns trotzdem hohe Ziele."
Burnham

"Sie hat außerdem gesagt sie frage sich wie viel von dem Mann zu dem Spock geworden ist eigentlich auf seine Schwester zurückgeht."
Gabrielle Burnham

"Meine Toilette müsste repariert werden. Da läuft das Wasser nach."
Keyla Detmer


Weiterführende Leseliste.

01. Rezension zu "Ein Zeichen der Hoffnung, Teil I"
02. Rezension zu "Fern der Heimat"
03. Rezension zu "Bewohner der Erde"
04. Rezension zu "Vergiss mich nicht"
05. Rezension zu "Bewährungsprobe"
06. Rezension zu "Aasgeier"
07. Rezension zu "Wiedervereinigung, Teil III"

Staffel 2.

01. Rezension zu "Brother"
02. Rezension zu "New Eden"
03. Rezension zu "Lichtpunkte"
04. Rezension zu "Der Charonspfennig"
05. Rezension zu "Die Heiligen der Unvollkommenheit"
06. Rezension zu "Donnergrollen"
07. Rezension zu "Licht und Schatten"
08. Rezension zu "Gedächtniskraft"
09. Rezension zu "Projekt Daedalus"
10. Rezension zu "Der rote Engel"
11. Rezension zu "Der Zeitstrom"
12. Rezension zu "Tal der Schatten"
13. Rezension zu "Süße Trauer, Teil I"
14. Rezension zu "Süße Trauer, Teil II"

Staffel 1.

01. Rezension zu "Leuchtfeuer" und "Das Urteil"
03. Rezension zu "Lakaien und Könige"
04. Rezension zu "Sprung"
05. Rezension zu "Wähle Deinen Schmerz"
06. Rezension zu "Lethe"
07. Rezension zu "T=Mudd²"
08. Rezension zu "Si Vis Pacem, Para Bellum"
09. Rezension zu "Algorithmus"
10. Rezension zu "Nur wegen Dir"
11. Rezension zu "Der Wolf im Inneren"
12. Rezension zu "Blindes Verlangen"
13. Rezension zu "Auftakt zum Ende"
14. Rezension zu "Flucht nach vorn"
15. Rezension zu "Nimm meine Hand"

Donnerstag, 26. November 2020

Turons Senf zu "Much Ado About Boimler" [LD. S1Nr07]


Spoilerwarnung.
Diese Rezension enthält massive Spoiler auf "Much Ado About Boimler", die siebente Folge der ersten Staffel von "Star Trek: Lower Decks" und sollte erst gelesen werden, wenn man diese und weitere Episoden bereits gesehen hat.


Einleitung.
Es ist erstaunlich, wie zielsicher sich die noch junge Serie "Lower Decks" der gängigsten Erzähltraditionen Star Treks annimmt, um ihnen einen völlig neuen Anstrich zu verleihen.
Die Geschwindigkeit, mit der Sternenflotteningenieure ihr Schiff vor einer Bedrohung retten?
Wurde ausgiebig in der dritten Episode behandelt!
Die zahlreichen Doppelgänger, derer sich schon Kirk, Picard oder Janeway erwehren mussten?
Darum drehte sich der größte Teil der fünften Folge!
Hologramme laufen auf dem Holodeck Amok?
Hatten wir erst in der letzten Woche!
Immer wieder überraschen die Autoren mit einer völlig neuen Herangehensweise an wohlbekannte Folgenmuster und fügen dem einen munteren Mix aus Humor und Kanonreferenzen hinzu. Man fragt sich daher jede Woche aufs Neue, mit welchem neuen, alten Erzählgegenstand die "Lower Decks" nun aufwarten werden und auf welche Weise sie dieses Mal den Staub aufwirbeln werden, der sich auf diesen ausgetretenen Themen angesammelt hat.


Story.
Während Captain Carol Freeman, ihr erster Offizier Jack Ransom und der Sicherheitschef Shaxs auf einer geheimen Mission weilen, befehligt ein neuer Captain aushilfsweise die USS Cerritos. Während sich Fähnrich Beckett Mariner anfangs nur mäßig begeistert zeigt, will ihr Schiffskamerad Bradward Boimler die Gelegenheit nutzen, um beim neuen Vorgesetzten Eindruck zu schinden. Doch sein Plan scheitert spektakulär, denn im Zuge eines Transporterunfalls gerät er außer Phase wird der mysteriösen Sternenflottenabteilung Division 14 übergeben, die an seiner Regenerierung arbeiten soll. Aber auch für Mariner wendet sich das Blatt, denn der neue Captain ist eine alte Bekannte, die sie ohne langes Federlesen zu ihrem ersten Offizier macht. Doch die Beziehung zwischen den beiden Akademiefreundinnen bekommt erste Risse, als Mariner scheinbar absichtlich beginnt, ihre Mission zu sabotieren…


Lobenswerte Aspekte.

Kanonfutter.
Nach sieben Folgen weiß man als Zuschauer längst, dass auch diese Woche ein Potpourri aus Referenzen kredenzt wird. So hören wir von der Zeitreisepolizei (gemeint ist natürlich die Föderationsbehörde für temporale Ermittlungen), die Bezeichnung Nummer Eins, die Borg, vulkanisches Jujitsu (gemeint ist wohl eher Suus Mahna), "Rascals", Delta-Strahlung und das traditionelle Thema der Meuterei.
Auf die Augen gibt es hingegen durch den ersten Rigelianer seit "Star Trek: Enterprise", eine Gorn-Puppe im Trophäen-Regal von Captain Freeman, eine Uniform aus dem achten Kinofilm, mehrere Strahlungsopfer im klassischen Pike-Rollstuhl und ein "Schwellen"-Lurch namens Anthony. Darüber hinaus erinnert 'die Farm' stark an ein TOS-Mattepainting und das Weltraumwesen im Bauch der Rubidoux lässt an ein recht ähnliches Geschöpf in "Mission Farpoint" denken.
Erstmals schlägt die Serie darüber hinaus auch einige offensichtliche Brücken in die Star-Trek-Neuinterpretation J.J. Abrams! Neben den Geräuschen des startenden Shuttles sieht man Samanthan Rutherford zum Transporterraum rennen, wie es einst die alternative Variante Pavel Chekovs im elften Kinofilm tat.
Daneben feiert auch der Zeichentrickvorgänger TAS durch den ersten Auftritt eines Edosianers seit den Siebzigern eine respektvolle Würdigung (die mit dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sogar einen interessanten Gegenwartsbezug zu bieten hat).
Einen Querbezug aber gilt es mehr als jeden anderen herauszukehren: Der Aushilfscaptain, der wegen einer geheimen Mission des eigentlichen Kommandeurs einspringt, verweist ganz offensichtlich auf den TNG-Zweiteiler "Geheime Mission auf Celtris III"; zumal Beckett Mariner sogar explizit auf Edward Jellico verweist.
Schließlich aber bleibt sich die Serie darin treu, altbekannte Inhalte neu zu verpacken. Nachdem Transporterunfälle bereits in zahlreichen Episoden wie "Kirk:2=?", "Ein Paralleluniversum", "Todesangst beim Beamen", "Erwachsene Kinder", "Riker:2=?", "Gefangen in der Vergangenheit", "Tuvix" oder "Daedalus" scheinbar schon alle Facetten dieses Topos' behandelt zu haben schien, schafft es "Lower Decks" abermals, mit einem frischen und innovativen Ansatz das direkte Gegenteil unter Beweis zu stellen.


Vorbild durch gutes Beispiel.
Wobei der abermals starke Umgang mit dem offiziellen Kanon nicht der einzig lobenswerte Aspekt dieser Serie bleibt. "Much Ado About Boimler" ist alles in allem eine sehr flüssige Folge mit zwei sehr guten Handlungen die mal wieder staunen lässt, was alles in zwanzig Minuten Episodenlänge untergebracht werden kann, wenn man sich denn wirklich Mühe gibt. Daneben unterstützt sie die Entwicklung dreier ihrer Hauptcharaktere: Sie spinnt das Mysterium um den niedrigen Dienstrang Mariner weiter fort, zementiert Boimlers Hang zum Pechvogeldasein und etabliert D'Vana Tendis sympathische Naivität ebenso wie ihre Fähigkeiten. Allein Rutherford bleibt auf die Bedienung von Transportern beschränkt.
Im Angesicht dieser Lobeshymnen sollte aber auch keineswegs unter den Teppich gekehrt werden, dass "Lower Decks" sich zwar großzügig beim Kanon bedient, aber ihn auch auf ganz besondere Weise bereichert.
Etwa um den unpopulären Status einer Sumpfwelt, die im Vergleich zu anderen Welten noch trostloser erscheint – selbst wenn deren Bewohner an riesige Axolotl erinnern. Wir lernen, dass auch Matschhosen zur Sternenflottenausrüstung gehören und dass es Captains wie Dayton gibt, die nicht unbedingt die Autorität eines Kirks, Picard oder einer Janeway ausstrahlen.
Vor allem aber gelingt der Episode mit der Einführung der Division 14 und deren als "die Farm" bekannten Basis auf Endicronimas V eine logische Behörde zu etablieren, die in Hinblick auf die vielen Gefahren, die im Weltall auf Sternenflottenoffiziere lauern, durchaus Sinn ergibt. Vor allem aber möchte ich mir gar nicht ausmalen, wie viel Geduld es die Autoren gekostet haben mag, den Star-Trek-Kult-Satz "Beam Me Up" endlich mit dem Nachnamen Bradward Boimlers in Verbindung zu bringen!
Und schließlich sind abermals grandiose Sprecher verpflichtet worden, die den ohnehin bereits verdienstvollen Stimmen der "Lower Decks" zusätzliche Verstärkung verschaffen. Unter den (englischsprachigen) Gaststars sind insbesondere Toks Olagundoye als Captain Amina Ramsay und Maurice LaMarche zu erwähnen. Während erstere vor allem als Schauspielerin (z.B. als Hayley Shipton in der achten Staffel von "Castle") auf sich aufmerksam machen konnte, ist LaMarche im anglophonen Sprachraum als Stimme von Ghostbuster Egon Spengler, Inspector Gadget, Kif Kroker, Calculon, Disenchantments Odval oder der Laborratte Brain bekannt.


Kritikwürdige Aspekte.

Logiklöcher und Kanonbrüche.
Da gibt es nicht viel zu meckern!
Klar könnte ich an dieser Stelle ausführen, dass die Registrierungsnummer der USS Rubidoux für ein Schiff der California-Klasse erstaunlich niedrig ausgefallen ist. Oder dass Boimlers folgenlanges Martyrium ein wenig verwunderlich erscheint, wenn man bedenkt, dass Mariner und Ramsey am Folgenende erstaunlich zügig von den Auswirkungen der Transporterfehlfunktion befreit sind.
Außerdem wirken die eigentlichen Führungsoffiziere der USS Cerritos deutlich blasser als das bei ihren Pendants in "Geheime Mission auf Celtris III" der Fall war, wodurch der Querbezug zu dieser Folge auch ein wenig geschmälert wird.
Aber das ist auch schon Meckern auf verdammt hohem Niveau…


Fazit.
"Much Ado About Boimler" brilliert in einer weiteren Neuinterpretation eines vermeintlich zu Tode erzählten Star-Trek-Themas und schafft es daneben in nur zwanzig Minuten Sendezeit zwei Handlungen durchzupeitschen, die nicht nur die Entwicklung des größten Teils der Charaktere vorantreibt, sondern darüber hinaus auch hohen Unterhaltungsfaktor mit Kanonnährwert bietet. Die wenigen, kleineren Unzulänglichkeiten (wenig Raum für Rutherford und die Führungsoffiziere der Cerritos sowie unbedeutende Kanonunstimmigkeiten) sind vernachlässigungswürdig.

Bewertung.
Eine Sternstunde der "Lower Decks".







Schluss.
Während diese Woche also das reichhaltige Sujet der Transporterunfälle ausgiebig abgegrast wurde, bleibt an dieser Stelle – abseits davon, verdienten Applaus zu spenden – weitere klassische Themen vorzuschlagen, mit denen sie die USS Cerritos in Zukunft herumschlagen können.
Wie wäre es zum Beispiel mit einer Zeitreise in die Erdgeschichte?
Folgen und Filme wie "Griff in die Geschichte", "Gestern ist Morgen", "Ein Planet genannt Erde", "Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart", "Star Trek: Der erste Kontakt", "Gefahr aus dem 19. Jahrhundert", "Gefangen in der Vergangenheit", "Kleine grüne Männchen", "Vom Ende der Zukunft", "Carpenter Street" oder "Sturmfront" haben die Grundlagen dafür bereits gelegt und mit ihrer bloßen Existenz bereits genügend Vorlagen hinterlassen, die seit Jahrzehnten ungenutzt im Raum schweben.
Oder wie wäre es, eine der vielen Erdenkolonien zu finden, die bereits vor dem Erstkontakt zwischen Menschen und Vulkaniern auf unterschiedlichste Weise ihre Heimat verlassen haben?
So etwas gab es ähnlich häufig in Episoden wie "Der Obelisk", "Die 37er", "Herkunft aus der Ferne", "Faustrecht" oder "New Eden" (vom ähnlichen Thema bei "Ich heiße Nomad", "Star Trek: Der Film", "Die Neutrale Zone", "Hotel Royale", "Ein kleiner Schritt" oder "Friendship One" ganz zu schweigen!)
Oder man lässt durch den extensiven Auftritt eines wohlbekannten Charakters aus einer anderen Star-Trek-Serie die gesamte Folge bestimmen, wie es etwa bereits mit illustren Charakteren wie Khan Noonien Singh, Sarek, Montgomery Scott, Spock, James T. Kirk, William Riker, Q, Lwaxana Troi, Worf, Deanna Troi oder Reginald Barclay geschah.
Der Star-Trek-Stoff, an dem sich "Lower Decks" auch zukünftig weiterhin großzügig bedienen kann, ist jedenfalls noch reichhaltig genug, um der Serie mehrere Staffeln zu bescheren…


Denkwürdige Zitate.

"When did you even find time for that?"
"Sometimes, when I say I'm going to the bathroom I'm really recoding her DNA."
Bradward Boimler und D'Vana Tendi

"The Farm cures all."
Edosianischer Offizier der Division 14

"Tonight, freaks fight back!"
Anführer der Patienten an Bord der USS Osler

"We're all Starfleet! We have to follow the Rules!"
"I am the rules!"
Boimler und der edosianische Offizier

"Please don't hurt me! Please don't hurt me! I'm just a freak like you, see!? Ha! It wore off! I'm not a freak anymore!"
Boimler

"Farewell, Tendi! May the suns shine upon you!"
Der Hund


Weiterführende Leseliste.

01. Rezension zu "Second Contact"
02. Rezension zu  "Envoy"
03. Rezension zu "Temporal Edict"
04. Rezension zu "Moist Vessel"
05. Rezension zu "Cupid's Errant Arrow"
06. Rezension zu "Terminal Provocations"
07. Rezension zu "Much Ado About Boimler"
08. Rezension zu "Veritas"