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Samstag, 1. Februar 2020

Die große Tafelrunden-Super-Bowl-Prognose

Kaum zu merken - mit überschaubaren Abwandlungen sind die Logos der beiden Teams noch näher an Star Trek!
Einleitung.
Für alle, die einen solchen Artikel zum ersten Mal auf unserer Seite lesen: Wir machen das öfter mal.
Der traditionelle Tafelrundenbeitrag zum Super Bowl - dem Inbegriff des amerikanischen Sportrummels schlechthin - dient vor allem dazu, das Verständnis für dieses Event auch diesseits des Atlantiks zu erweitern, indem wir das sportliche Geschehen mit munteren Vergleichen in historisch-geografischer Sicht, aus einem popkulturellen Blickwinkel und natürlich unter einer Star-Trek-Prämisse ausschmücken. Dabei vereinen wir im gleichen Atemzug eine Vielzahl von Perspektiven, die von Novizen, Gelegenheitszuschauern, Footballexperten bis hin zu ehemaligen Spielern reicht. Das macht uns jedenfalls eine Menge Spaß und wir hoffen, Euch mit unserer kleinen (augenzwinkernden) Analyse ein wenig dieses ganz besonderen Zaubers vermitteln können - ganz gleich wie ausgeprägt Euer Wissensstand zu American Football sein mag…

Der Super Bowl LIV.
Der Super Bowl und Star Trek können auf eine weitreichende gemeinsame Vergangenheit zurückblicken, die eine Vielzahl von Aspekten umfasst. Verschiedene Darsteller sind Fans bestimmter Teams, ehemaliger Spieler oder waren in Footballfilmen zu sehen, Trailer verschiedener Filme waren in prominent platzierten Werbeblöcken untergebracht oder Football fand in den verschiedenen Serien und Filmen auf unterschiedliche Art und Weise Erwähnung.
Das diesjährige Finale der beiden amerikanischen Football-Ligen steht in dieser Hinsicht ganz im Zeichen von zwei Darstellern, die die Welten Star Treks mit dem Geschehen auf dem Platz verbinden.
Auf der einen Seite findet man einen Mann namens Fred "The Hammer" Williamson, der bereits in der Originalserie als Troglyt Anka in "Die Wolkenstadt" zu sehen war. Ihm gebührt nicht nur die Ehre einer der ersten professionellen Footballspieler gewesen zu sein, die den Sprung in die Zukunftsvision Gene Roddenberrys schafften - er stand darüber hinaus auch als Spieler auf dem Feld, als 1967 der erste Super Bowl überhaupt ausgetragen wurde. Sein damaliges Team hörte auf den klangvollen Namen Kansas City Chiefs und genau jene Mannschaft (mit einem Logo, das stark an das Sternenflottendelta erinnert) steht nun abermals im Endspiel um die begehrteste Football-Trophäe der Welt. Allerdings mussten Williamsons Chiefs damals eine herbe Niederlage einstecken. 
Darauf dürfte auch die Schauspielerin Teri Hatcher hoffen, die den meisten Lesern vielleicht noch als Lois Lane aus "Superman - die Abenteuer von Lois und Clark" oder als Susan Meyer aus "Desperate Housewives" bekannt sein könnte. Lange vor ihrem Aufstieg zum Serienruhm hatte sie auch eine Nebenrolle als Lieutenant Robinson in der TNG-Episode "Der unmögliche Captain Okona" inne (die allerdings so radikal zusammengekürzt wurde, dass sie auf eine Nennung ihres Namens im Abspann verzichtete). Bevor sie wiederum zu ersten Auftritten im Fernsehen kam, arbeitete sie unter anderem als Cheerleader für die San Francisco 49ers, dem anderen Finalisten des Abends.
Und gerade die Westküstenstadt San Franscisco bietet sich in ganz besonderem Maße für Trekkies zur Unterstützung an, wobei der einzige Makel bleibt, dass das Footballteam "49ers" und nicht "47ers" heißt.


Teil A.
Im ersten Teil unserer Betrachtungen geht es um einen Vergleich der beiden Austragungsorte, um ein Gefühl für die beiden Gegner und ihre Herkunft zu vermitteln. Aus grafischen Gründen haben wir dabei die übliche Listung der Gegner vertauscht.

Die größere Stadt.
Im Stadtgebiet von Kansas City leben knapp 480.000 Personen, während die bundesstaatsgrenzüberschreitende Metropolregion immerhin 2,1 Millionen Einwohner zählt.
Diese stolzen Werte falle im Vergleich mit der Westküstenstadt San Francisco allerdings kaum ins Gewicht, da in deren Stadtgrenzen immerhin 883.000 Franziskaner wohnen, während sich in der Metropolregion gar 4,7 Millionen Seelen tummeln.






Die ältere Stadt.
Obwohl die Besiedlungsrichtung in den USA von Ost nach West reichte, bildet Kalifornien, das bereits früh von den in Mexiko ansässigen Spaniern kolonisiert wurde, eine gewichtige Ausnahme. So wurde die namensgebende Mission im heutigen Stadtgebiet bereits 1776 gegründet, während es bis 1853 dauern sollte, bis Kansas City entstand.





Die wichtigere Stadt.
Auf den ersten Blick ist San Francisco keine sonderlich gewichtige Stadt. Stets im Schatten ihres größeren kalifornischen Bruders Los Angeles gelegen ,ist es noch nicht einmal die Hauptstadt des Bundesstaates.
Dennoch ist San Francisco eine der bedeutendsten Städte der USA. Mit Stanford und Berkeley befinden sich in ihrem Ballungsgebiet gleich zwei Eliteuniversitäten und als Zentrum des Silicon Valleys wird es nach dem Globalization and World Cities Research Network als Alpha City gelistet - wenn auch an dessen unteren Ende.
Kansas City kann damit kaum mithalten. Die Stadt im Mittleren Westen der USA wird weder mit einer Alpha-, Beta- oder Gamma-Stadt geführt, aber immerhin mit einer Erwähnung unter der Kategorie "Hohe Versorgungsstufe" geführt.
Das ist kein Wunder. Nicht nur, dass die Stadt ebenfalls nicht die Hauptstadt ihres Bundeslandes ist - sie befindet sich noch nicht einmal dort, wohin man sie aufgrund ihres Namens verorten würde! Zwar liegt ein kleiner Teil der Metropolregion tatsächlich in Kansas, doch der bedeutendere Teil der Stadt (in dem auch das Stadion zu finden ist) liegt im Bundesstaat Missouri.





Die größere Nummer im Sport.
Die sportliche Bedeutung einer US-amerikanischen Stadt wird gemeinhin an den Vertretern gemessen, die sie in den vier größten Sportligen von Football, Basketball, Eishockey und Baseball aufweisen kann.
Hier kann Kansas City mit den eingangs erwähnten Chiefs (Football) und den Royals (Baseball) immerhin zwei Teams in Rennen werfen.
Doch auch hier beweist San Francisco den längeren Atem: Neben den ebenfalls eingangs erwähnten 49ers (Football) sind in der Stadt auch noch die Golden States Warriors (Basketball) und die Giants (Baseball) zu finden, wobei letzteres Team vor allem bei Deep Space Nine durch ein Basecap Benjamin Siskos und einer Karte ihres Spielers Willie Mays Erwähnung fand. 




Entfernung zum Austragungsort.
Der 54. Super Bowl wird im sonnigen Miami an der Ostküste der USA stattfinden. Während es für die 49ers eine Reise von 4158 Kilometern über drei verschiedene Zeitzonen hinweg bedeutet, haben es die Chiefs bedeutend leichter. Nicht nur dass sie in der gleichen Liga wie die Miami Dolphins spielen, denen das Hard Rock Stadium gehört; sie müssen dafür lediglich eine Zeitzone und für amerikanische Verhältnisse überschaubare 1984 Kilometer zurücklegen.


Größere Trump-Wählerschaft.
Für die Sympathieverteilung ist es hierzulande recht hilfreich zu wissen, in welcher Stadt die Sympathien für den umstrittenen US-Präsidenten Donald Trump besonders hoch ausfallen.
Und obwohl Missouri als Mitglied des konservativen Bible Belts eher eine Hochburg für Trumps Republikaner ist, blieb Kansas City einer der wenigen Ausnahmeerscheinungen: Lediglich 19,17% (24.654 Personen) stimmten 2016 für den Populisten.
Allerdings gilt San Francisco als liberaler Leuchturm der USA, in dem die Demokraten traditionell über besonders viel Einfluss verfügen. Hier erhielt Trump lediglich 9,29% (37.688 Personen) der Stimmen.


Teil B.
Im zweiten Teil unserer Betrachtungen geht es eher um kulturelle Aspekte im Allgemeinen und Faninteressen im Speziellen.

Berühmte Einwohner.
In Kansas City und Umgebung sind prominente Einwohner eher spärlich gesät. Immerhin wurde der Starship-Troopers-Erfinder Robert A. Heinlein in unmittelbarer Nähe geboren und auch die Komiker Ellie Kemper ("Unbreakable Kimmie Schmidt") und Jason Sudeikis (Saturday Night Live, genial in seiner Rolle als Footballcoach in der Fußball-Premierleague) stehen mit dem Ort in Verbindung. Ferner könnte man erwähnen, dass der ehemalige US-Präsident Harry S. Truman hier verstarb.
Ungleich lebendiger wirkt hingegen San Francisco.
Unmittelbar in der Stadt wurden hinlänglich bekannte Sternchen wie Barbara Eden, Tom Hanks, Bruce Lee, Alicia Silverstone, Clint Eastwood, Monica Lewinsky, Dian Fossey oder Jack London geboren, während in ihren Vororten weitere Berühmtheiten wie Ben Affleck, Mark Hamill, Steve Wozniak oder James Franco das Licht der Welt erblickten.





Berühmte Musiker.
Kansas City ist eng mit Jazz verbunden und gilt als eine der Wiegen dieser Musikrichtung. Darüber hinaus wurden in oder um die Stadt herum Musiker wie der Komponist Burt Bacharach, ("Raindrops Keep Falling On My Head"), der Filmmusiker Basil Poledouris ("Jagd auf Roter Oktober"), die Sängerin Melissa Etheridge ("I'm The Only One") oder die Band Puddle of Mudd ("She Hates Me") geboren. Als bekanntestes Aushängeschild der Stadt kann man an dieser Stelle vielleicht den Rapper Eminem anführen, der unweit von Kansas City zur Welt kam.



San Francisco hingegen ist nach New York eine der am meisten besungenen Städte der USA, und wurde bereits von Musikern wie Eric Clapton ("San Francisco Bay Blues"), Chris Isaak ("San Francisco Days") oder Tony Bennett ("I Left My Heart in San Francisco") entsprechend gehuldigt. Als einem der Zentren der Flower-Power-Bewegung blieb vor allem Scott McKenzies gleichnamiger Song in Erinnerung.
Doch aus der Stadt stammt auch eine Vielzahl von Musikern und Bands wie die 4 Non Blondes ("What's Up?"), Dead Kennedys ("California Uber Alles"), Grateful Dead ("Hell In a Bucket"), Jefferson Airplane ("Sombebody to Love"), Courtney Love ("Mono"), Santana ("Black Magic Woman"), Third Eye Blind ("Semi-Charmed Life"), Malvina Reynolds ("Little Boxes") oder Smash Mouth ("All Star"), deren klangvolle Namen die Bedeutung der Stadt noch weiter unterstreichen. Als musikalischen Vertreter kann man an dieser Stelle die Gruppe Faith No More als bestes Argument für die Stadt anführen.





Verbindungen zu Star Trek.
Wo soll man anfangen, die Verbindungen San Franciscos zu Star Trek aufzulisten?
Vor Ort wurde der berühmt-berüchtigte Originalserien-Kostümdesigner William Ware Theiss geboren; in den umliegenden Gemeinden klangvolle Namen wie Rebecca Romjin (Una), Dakin Matthews (Admiral Patterson), Joanne Linville (die romulanische Kommandantin in TOS), Philip Anglim (Bareil Antos) oder der Regisseur Cliff Bole. Auch der um Star Trek verdiente Akademiker Michio Kaku ist ein Kind der Stadt.
Innerhalb der verschiedenen Serien und Filme wurde die Stadt als Geburtsort Hikaru Sulus etabliert, zur Heimat von Gabriel Bell und damit auch zum Ausgangsort der Bell-Aufstände und bietet der fiktiven Detektivserie "Dixon Hill" den Rahmen.
Vor allem aber dient San Francisco als Sitz des Sternenflottenhauptquartiers, als Standort der Sternenflottenakademie und Sitz des Sternenflottenmuseums. Ferner befindet sich in ihrem Orbit auch jene Schiffswerft, von der die originale Enterprise vom Stapel lief.
Dagegen wirken die Erwähnungen von Kansas City eher unbedeutend.
Immerhin wird ihrem Status als Jazz-Hochburg in einer Erwähnung Rikers in "11001001" Tribut gezollt und in der Stadt oder in ihrer Nähe wurden sowohl Amelia Earhart als der Star-Trek-Autor Dayton Ward geboren. Connor Trinneer (selbst einmal Footballer) studierte hier und in der Stadt befindet sich der Hauptsitz jener Firma, die zuweilen mit Star-Trek-Weihnachtsbaumschmuck Aufsehen erregt.





Leinwand und Mattscheibenauftritte.
Kansas City findet in zwei Filmen prominent Erwähnung: In Nicholas Meyers Atom-Endzeit-Drama "The Day After" und in der Comic-Verfilmung "Red" mit Bruce Willis. Und wenn wir schon von Comics sprechen sollte auch erwähnt werden, dass Kansas City das Vorbild für Keystone City ist - also der DC-Stadt, in der "Flash" sein Unwesen treibt.
Doch wiederum gelingt es San Francisco mühelos, dem noch eins draufzusetzen.
So bietet die Stadt nicht nur die Kulisse für eine Vielzahl von Filmen wie "Interview mit einem Vampir", "Invasion der Körperfresser", "San Andreas", "Ant Man", "Sister Act", "Basic Instinct", "Die Spur des Falken", "Godzilla", "Mrs. Doubtfire", "Venom", "Vertigo", "Dirty Harry" oder "Hulk", sondern bietet auch den Rahmen für Serien wie "Sense 8", "Charmed", "Monk", "Nash Bridges", "Trapper John MD" und natürlich "Die Straßen von San Francisco".







Fiktive Fans.
Weil Football ein Produkt amerikanischer Kultur ist, sieht man auch häufig in Fernsehserien und Filmen Unterstützer der verschiedenen Footballteams.
Zu den bekanntesten Vertretern der fiktiven Anhängerschaft der 49ers zählen die Charaktere einer Sitcom namens "Full House" (mit den Olsen-Zwillingen), die im Verlauf der Ausstrahlung und im Zuge der Neuauflage "Fuller House" häufiger als Fans des Teams in Erscheinung treten.
Aber auch eine andere Serie, die in San Francisco angesiedelt war und in Deutschland recht erfolgreich war, hatte ihre 49er Momente: "Dharma und Greg".


Kansas City hingegen hat vor allem einen Edelfan:
In einem Simpsons-Vorspann, der die Stadtbewohner beim gemeinsamen Super-Bowl-Abend zeigt, entpuppt sich allein der verschrobene Schulhausmeister Willie als Bewunderer der Mannschaft.




Berühmte Fans.
In San Francisco drücken einige außergewöhnliche Schauspieler wie Alison Brie ("Community"), Andy Samberg ("Brooklyn Nine-Nine") oder Owen Wilson ("Die Royal Tenenbaums") die Daumen. Allerdings hat sich in unseren Betrachtungen durchgesetzt, die Football-Teams anhand von Superhelden-Darstellern zu bewerten. Hier können die 49ers allerdings nur Jeremy Renner alias "Hawkeye" ins Rennen werfen.



Kansas City - wie gesagt das Keystone City der Flash-Comics - hat es dahingehend hingegen besser: Das Team wird nicht nur vom Ant-Man-Darsteller Paul Rudd unterstützt, sondern auch vom Superman-Schauspieler Henry Cavill. Der Name Brad Pitt sei an dieser Stelle nur der Vollständigkeit halber am Rande erwähnt.



Furchteinflößenderes Maskottchen.
Das Maskottchen San Franciscos spielt auf den Goldrausch des Jahres 1849 an, dem das Team auch seinen Namen verdankt. Ein Goldschürfer namens Sourdough Sam mit stadt-typischem Hipster-Bart unterhält die heimischen Fans, die allerdings in den Sechzigern und Siebzigern noch von einem nicht weniger treffenden Esel namens Clementine zu NFL-Titeln getrieben wurden.


In Kansas City gab es hingegen in jener Zeit einen Reiter im Indianerkostüm, der allerdings im Hinblick auf die Gefühle der amerikanischen Ureinwohner und dem Tierwohl durch einen Plüschwolf namens K.C. Wolf ersetzt wurde, der deutlich an die Muppets angelehnt ist. Er wurde zwar nach einer besonders energischen Fangruppe namens "Wolfpack" benannt, zeigte sich in der Vergangenheit aber auch wenig zimperlich, als es darum ging, einen betrunkenen Fan auf dem Spielfeld niederzustrecken.




Teil C.
Im dritten Teil unserer Betrachtungen dreht sich alles um den Sport selbst, die Analyse der Teams und den Versuch einer Prognose, wie der Abend verlaufen könnte.

Statistik.
Statistiken sind eine feine Sache – sie verleihen diesem tollen Spiel seine einzigartige Tiefe. Aber Statistiken sollte man als das betrachten, was sie sind:
In erster Linie sind es Zahlen, die entweder für oder gegen ein Team sprechen. Im Fall unserer beiden Teams sprechen die Zahlen auf der Statistik-Seite Pro Football Focus eine deutliche Sprache. Die Kansas City Chiefs sind an dritter Stelle mit den Yards pro Spiel und an zweiter Stelle mit den meisten Yards per Pass pro Spiel. Das sagt viel über ihre Offense aus, aber dazu später mehr. Die Chiefs haben ihre Saison mit einem Ergebnis von zwölf gewonnenen zu vier verlorenen Spielen abgeschlossen. MVP der Postseason, also der Playoffs war letztes Jahr der Mann, der dieses Jahr in den Playoffs steht – Patrick Mahomes. Sechsundzwanzig Touchdowns gegen fünf Interceptions (Pässe, die der Quarterback in die gegnerische Defense wirft). Bei einem Passer-Rating von 105.3 hat er für 4031 Yards geworfen. Das ist eine sehr beeindruckende Statistik.
Während die Chiefs ihre Stärken vor allem im offensiven Passspiel haben, ist dies scheinbar eher eine Schwäche der 49ers, denn sie finden sich hier nur an zwölfter Stelle. Allerdings können sich die Punkte, die mit den Runningbacks (Rushing Yards) erzielt wurden sehen lassen. Hier führen die 49ers die Liga an. Dies konnte man sehr eindrucksvoll im NFC-Championship-Spiel gegen die Green Bay Packers sehen. Das Blocking Game der 49ers zermürbte die Defense um die Smith-Brüder. Wirklich jeder Offense-Spieler bis auf den Runningback selbst hat den Weg frei geblockt. Bei entscheidenden Spielzügen sorgten sogar die Wide Receiver (u.a. Emmanuel Sanders) für die passenden Blocks. Die größte Stärke der 49ers ist die Defense. Nick Bosa und Richard Sherman haben die wenigsten Yards erlaubt und sind besonders stark im Rushing – das bedeutet, dass sie auffällig oft an den Quarterback herankommen, um diesen am Passspiel zu hindern. Die Gesamtheit der Statistiken begünstigen die 49ers.



Saisoneindruck.
Kansas City verliert wenige Spiele, aber es ist interessant, dass es sich dabei fast durchgängig um Mannschaften handelt, die dann auch in den Playoffs landen. Fast alle dieser verlorenen Spiele finden heimwärts statt. Mahomes findet oft seinen Tight End Travis Kelce und seine beiden Wide Receiver Sammy Watkins und Tyreek Hill. Gerät Patrick Mahomes in Bedrängnis kann er sich auf sein Pocket-Movement verlassen, d.h. er nutzt den Raum, dem ihm die Offensive Line durch Blocken der gegnerischen Defense stellt, effektiv aus und hält den Ball so lange bis sich ein Passempfänger freiläuft. Die Defense der Chiefs kommt am Anfang der Saison ihren Aufgaben nicht nach. Sie lässt zu viele Pässe und damit Touchdowns zu. Anfällig sind sie auch gegen den Lauf von gegnerischen Running Backs, die sie nur mühsam verlangsamen. Diese Defense verbessert sich aber im Laufe der Saison und hält im letzten Playoff-Spiel vor dem Super Bowl einen der besten Runningbacks der Liga in Schach. Insgesamt sind die Kansas City Chiefs kaum von Verletzungen geplagt, auch wenn Mahomes zwischenzeitlich Probleme damit hatte.
Anders sieht das bei den 49ers aus. Die Saison begann stark und erlitt wegen der Verletzungen von Matt Breida (Runningback) und George Kittle (Tight End) - zwei wichtigen Säulen der Offense, starke Einbrüche. So gaben die 49ers Spiele an den Division-Rivalen Seattle und die Baltimore Ravens ab. Ihr drittes Spiel verloren sie daheim gegen Außenseiter Atlanta knapp. Die ersten 9 Spiele gewannen sie und führten bis dato die Liga lange ungeschlagen an. Durchgängig beeindruckend war dabei die Leistung Jimmy Garoppolos (Quarterback), der sein Team lange tragen musste um ausgefallene Spieler wie Kittle und Breida zu kompensieren. Hilfe kam dabei aus dem Backfield (das ist die Zone hinter oder neben dem Quarterback, in der sich i.d.R. die Runningbacks aufhalten) durch Raheem Mostert, der oft als bester Running Back in den Begegnungen glänzte. Mostert war bei sechs Teams unter Vertrag, bevor er seinen Durchbruch im System der 49ers startete. San Francisco hatte insgesamt den härteren Fahrplan und sie sind damit für den Superbowl besser gewappnet.


Die Trainer.
Kyle Shanahan, Headcoach der 49ers wird als einer der klügsten Köpfe im American-Football-Business bezeichnet. 2004 begann er seine Karriere in der NFL im Offensiv-Qualitätsmanagement der Tampa Bay Buccaneers, dann war er Wide-Receiver- und Quarterback-Coach bei den Houston Texans. Nach Spielzeiten bei den Washington Redskins, Cleveland Browns und Atlanta Falcons, mit denen er 2017 auch den Superbowl erreichte (der in dieser fatalen Niederlage für die Falcons endete und von der sie sich bis heute nicht erholt haben), ging er direkt einen Tag nach diesem Super Bowl zu den San Francisco 49ers. Shanahan übernahm ein Team, das im unteren Drittel der Liga angekommen war. Die 49ers hatten gute Jahre unter Colin Kaepernick, konnten aber nie an die Erfolge der Tage von Joe Montana oder Steve Young in den 1990ern anknüpfen. Vielleicht ist es diese Erfahrung mit den Falcons in besagtem Super Bowl LI, die darüber entscheiden wird, ob Shanahan sich die Lombardi-Trophäe holen wird. Shanahan hat in der Saison bewiesen, dass er auch mit wenigen Waffen in der Offensive wichtige Spiele für sich entscheiden kann. Hinzu kommt gutes Zeitmanagement und Vorausahnen diverser Spielsituationen. Wenn man Shanahan am Spielfeldrand entlangwandern sieht, könnte man meinen, er sei emotionslos und geradezu still. Shanahan macht sich unheimlich viele Notizen. Das konnte man die gesamte Saison 2018 sehen, so als wüsste er: 'Die Saison ist gelaufen, also machen wir das Beste draus und beobachten die Plays der Gegner genau.' In den knappen Spielen gegen die New Orleans Saints und die Seahawks hat Shanahan bewiesen, dass er Nerven aus Stahl hat. Verunsicherung auf allen Seiten, nur Shanahan verzieht keine Miene. Selten sieht man ihn lächeln. Ein Teufel, wer da an Bill Belichick denkt.
Andy Reid hat ähnlich wie Shanahan noch nie einen Superbowl als Headcoach gewonnen, hat aber bereits einige Jahre mehr auf dem Buckel als der 49ers Headcoach. Reid beginnt seine Karriere 1992 bei den Green Bay Packers als Co-Trainer. Erst 1999 wird er Hauptverantwortlicher bei den Eagles aus Philadelphia. Unter ihm erreichte Philly zwar stets die Playoffs, durfte aber nie Hand an die begehrte Super-Bowl-Trophäe legen. Dann folgte eine Achterbahnfahrt nach der anderen und Reid wurde schließlich 2012 entlassen. Kurze Zeit später kam der Anruf aus Kansas City und Reid zögerte nicht lange. Bis heute hat Reid dort ein großartiges Team aufgestellt, das mit Patrick Mahomes endlich einen Quarterback bekam, der diese Bezeichnung auch verdient. Letztes Jahr scheiterten die Chiefs an den Patriots im AFC Championship Game, quasi dem Halbfinale. Reid scheint nicht viel aus seinen Fehlern zu lernen, denn noch immer leiden die Chiefs unter einer schwachen Defense (wie gesagt, sie hat sich verbessert, aber ist definitiv nicht das Gelbe vom Ei), während die Offense blüht. Er ist zweifelsohne ein guter Coach, der in den Jahren bei den Eagles gelernt hat wie Comebacks gelingen und wie man sich in knappen Situationen verhält. Dies ist die bittere Erfahrung aus einem verpassten Superbowl im Jahr 2005 und auf Reid scheint in dieser Hinsicht ein Fluch zu hängen, den er dieses Jahr zu brechen imstande wäre. Man würde es ihm und seinem jungen Team auf jeden Fall gönnen. Reid hat den größeren Erfahrungsschatz und dies ist in der NFL ein großer Vorteil.


Die Quarterbacks.
Patrick Mahomes ist ein vielseitiger Quarterback, der sich exzellent in der Pocket (Raum zwischen Offensiv-Line und dem Quarterback) bewegen kann und ein sehr gefährliches Passspiel aus dem Lauf heraus anführt. Seine Gegner in der Defense können nur schwer ausmachen, wo er hinwirft, da man das an seinen Augen, die das Spielfeld scannen, nur schwer ablesen kann. Mit seinen 1,91 Meter hat er dabei auch keine Schwierigkeiten alles im Blick zu behalten. Mahomes hat zudem viele Anspielmöglichkeiten hinter feindlichen Linien. Zur Not läuft er selbst und das kann er ähnlich gut wie Lamar Jackson von den Baltimore Ravens. Mit seinen 104 Kilo ist er zudem nicht allzu leicht zu stoppen. Mahomes begründet die Ära neuer, beweglicherer Quarterbacks, die den Kontakt zum Gegner nicht scheuen. Dem einzigen, dem so ein Alleingang nicht allzu sehr gefallen dürfte ist Andy Reid, Headcoach der Chiefs. Das Verletzungsrisiko für einen laufenden Quarterback ist groß. Bisher blieb Mahomes größtenteils verschont und beeindruckt vor allem durch seine Statistiken. Über 4000 Yards hat er in dieser Saison geworfen. Sechsundzwanzig Touchdowns hat er erzielt und nur fünf Mal den Ball versehentlich der gegnerischen Defense überlassen (Interception).
Das sind beeindruckende Werte, aber reicht das gegen die 49ers?
Über Jimmy Garoppolo wird gerade viel geschimpft. Man bräuchte ihn eigentlich gar nicht, heißt es unter vielen Fans. Die 49ers würden ja eh alles den Runningbacks überlassen und nur mit dem Ball laufen, anstatt ihn zu passen. Aber gehen wir mal zum Anfang. Jimmy Garoppolo startet als Backup von niemand Geringerem als Tom Brady bei den Patriots. Drei Jahre bleibt er dort, bevor er 2017 zu den 49ers getradet wird. Ob sich Belichick darüber jetzt wohl ärgern wird? Jimmy G, wie Fans ihn nennen, gewann seine ersten fünf Spiele mit den 49ers in 2017. Das Jahr 2018 würde er allerdings wohl am liebsten aus seinem Lebenslauf streichen, denn im dritten Spiel der 18er Saison verletzt sich Jimmy G bei einem Quarterback-Lauf. Gegner waren damals die Chiefs. Seitdem hat sich der so hart kritisierte Kalifornier in seinem Spielbewusstsein verändert. Er hat seine Fehler größtenteils ausgemerzt. Oft wurde er für fehlende Spielübersicht getadelt, wenn er in zu enge Räume zwischen Verteidiger und Passempfänger geworfen hat, was in der vergangenen Saison öfter zu Interceptions führte. Die Comeback-Mentalität hat er von Brady vermittelt bekommen und ist insgesamt auch etwas beweglicher als sein Mentor. Anfängliche Unsicherheiten hat er überwunden und wurde dieses Jahr mehr als einmal getestet, als er wichtige Siege ohne seine bekannten Anspielstationen eingefahren hat. "Wir haben noch gar nichts gesehen von Jimmy G", meinen viele Reporter. Bei Jimmys 4000 Yards, siebenundzwanzig Touchdowns und dreizehn Interceptions und einem insgesamt schlechteren Quarterback-Rating ist man geneigt zu sagen, dass Mahomes leichte Vorteile hat. Schaut man sich aber die Spielweise der 49ers und ihr eklatant ausgeprägtes Laufspiel an sowie die Zeit auf dem Feld, so kann man erkennen, warum Garoppolos Zahlen schlechter sind. Und Interceptions sind nicht unbedingt immer ein Quarterback-Fehler. Nichtsdestotrotz hat Mahomes als der komplettere und athletischere Quarterback die Nase vorn. Wir haben eben noch nicht viel von Jimmy G gesehen.



Die Offense.
Die Chiefs haben drei Ziele, die ihrem Gegner den 49ers gefährlich werden können und alle drei sind nach dem Snap im Defense-Backfield der 49ers zu finden. Da wäre zum einem ihr Tight End Travis Kelce, der für einen Tight End sehr athletisch daherkommt und vergleichbar mit Rob Gronkowski, dem ehemaligen Patriots-Spieler wäre. Er ist schnell, aber einmal dran leicht zu stoppen und besitzt einen unheimlich starken Zug nach vorn. Er ist in dieser Saison schon für 1200 Yards gelaufen. Gleichzeitig wird er jedoch kaum zum Blocken eingesetzt, was wohl seine Gründe haben wird. Kelce mag es laut Aussage von Rob Ninkovich, einem ehemaligen Kollegen von den Patriots, überhaupt nicht zu blocken. Sammy Watkins ist als Wide Receiver auf nahezu jeder Passroute im Kurzpassspiel zu finden. Flinker ist nur noch sein Teammate Tyreek Hill, dessen Antritt nahezu jeden Passverteidiger alt aussehen lässt. Es würde nicht verwundern, wenn die 49ers einen Zusatzverteidiger für Hill abstellen. Über Mahomes brauchen wir nicht mehr allzu viele Worte verlieren. Er kann ein Spiel mit seinem Pocketgetanze so in die Länge ziehen, bis ein Receiver frei wird. Dass macht diese Offense so gefährlich und sie ist dadurch kaum zu verteidigen. Nur wenigen Mannschaften ist das dieses Jahr gelungen. Nur im Laufspiel herrscht bei den Chiefs Totenstille. Hier gibt es nur wenige lichte Momente wie ein gelegentlicher Run von Damian Williams und LeSean McCoy. Die Chiefs setzen zu großen Teilen auf ihr Passspiel.
Was bei den Chiefs nicht funktioniert, klappt bei den 49ers umso besser. Gleich Top-Runningbacks buhlen um die Position und ihr dritter Runningback Raheem Mostert hat die Packers fast im Alleingang bezwungen. Dabei darf nicht vergessen werde, dass das Blocking der 49ers Offense extrem gut ist und das liegt unter anderem an George Kittle, dem wohl derzeit besten Tight End der Liga. Er blockt wie ein O-Liner und fängt Pässe wie ein Receiver. Er ist unheimlich schwer zu stoppen, da er einen sehr niedrigen Körperschwerpunkt hat. Drei Spieler haben z. B. die Saints gebraucht, um Kittle zu stoppen.  Dann wären da noch Namen wie Deebo Samuel und Emmanuel Sanders, die in ihrer Position als Wide Receiver vor allem im Kurzpassspiel gefährlich sind. Selten wirft Garoppolo nämlich den tiefen Pass, der mehr als zwanzig Yards geht. Die 49ers sind Meister im Inside und Outside-Zone-Blocking. Das bedeutet, sie drücken die Defense nach links oder rechts zum Spielfeldrand und schaffen ihrem Runningback so eine Lücke durch die er schlüpfen kann. Das ist eines von vielen Konzepten. Wer das Spiel der Niners gegen die Packers gesehen hat, konnte diesen Spielzug sehr häufig entdecken und es bleibt die Frage, ob man das überhaupt verteidigen kann. Dagegen setzt Kansas City zwar eine sehr gute Rushing Defense, aber letzten Endes wird diese Defense enorme Probleme haben, wenn Shanahan mit mehr als einem Runningback spielen lässt. Mahomes ist jedoch gefährlicher als Garoppolo und das reicht den Chiefs zum Vorteil.


Die Defense.

Bei den anderen Punkten mag man genötigt sein, einen Ausgleich zu finden, da sich beide Seiten nicht allzu viel nehmen, aber in diesem Punkt bin ich mir absolut sicher, dass es ein Nachteil der Chiefs wird. Ich habe bei Reid angekreidet, dass er selten eine gute Defense hatte. Das ist immer noch so und das merkt man auch noch, wenn man sich die Scores in der Regular Season ansieht. Klar ist: Die Chiefs-Defense hat dazu gelernt, aber sie bekommt es mit einer explosiven Offense der 49ers zu tun. Das ist ein völlig anderes Kaliber als das bisheriger Mannschaften, den sie in der Regular- und Postseason begegnet sind. Man nehme nur den jungen Edge Rusher Nick Bosa, der als Defense End den Quarterbacks der Liga das geliebte Spiel zur Hölle gemacht hat, indem er sie in den Rasen einarbeitete. Bosa ist schnell, kräftig und kann Lücken in der gegnerischen O-Line förmlich riechen. Es ist sein Rookie-Jahr und er kann jetzt den Sack zu machen. Richard Sherman wiederum ist ein alter Hase im Cornerback-Business, der die Legion of Boom bei den Seahawks mitbegründete und bereits einen Super Bowl gewonnen hat. Das Backfield mag der schwächere Teil der 49ers Defense sein, aber ist immer noch sehr gut aufgestellt und genießt alle Vorteile durch die wenigen Rusher, die in ihrer Anzahl so viel Druck auf den Quarterback aufbauen, dass das Backfield weniger Probleme mit den Receivern hat. Wie heißt es so schön: Offense wins games, Defense wins Championships und diese Defense der 49ers kann spielentscheidend wirken.



Unser Mann im Superbowl.
In den Reihen der 49ers spielt ein junger Mann aus Ansbach, der seine Karriere im Alter von dreizehn Jahren bei den Franken Knights begann: Mark Nzeocha (sprich: Insotscha). Ab 2015 war er bei den Dallas Cowboys unter Vertrag, bei denen er allerdings nie das Spielfeld betreten durfte. Im Jahr 2017 holen ihn die 49ers nach San Francisco. Zu Beginn der letzten Saison unterzeichnete Nzeocha schließlich einen Dreijahresvertrag. Er ist der fünfte Deutsche in der NFL und wird hauptsächlich bei den Special Teams eingesetzt. Das sind die Herrschaften, die das Punting-Team beim Zurückkicken unterstützen. Wenn das Punt-Team aufs Feld läuft, dann sollte man daher auf die Nummer 53 achten und sich vielleicht über einen Sack oder ein Tackle von Mark freuen.




Das meinen die Experten.
Die Experten sind sich uneins. Bei den Wetten herrscht ein leichtes Übergewicht für die Chiefs. Coach Esume sagt in seinem Podcast "Football Bromance" die 49ers als Superbowl-Champ vorher. Björn Werner gönnt es den Chiefs, die seit fünfzig Jahren ohne Superbowl-Ring dastehen. Roman Motzkus, Moderator von Ran NfL tippt auf die 49ers, während der Kollege Volker Schenk ganz zu den Chiefs hält. Ich könnte jetzt noch weitere Experten nennen, aber die sind sich lieber einig, dass sie sich uneinig sind. Keiner möchte sich so wirklich festlegen, also gehen wir mit Esume, denn der liegt selten falsch.


Strifes' Tipp.
Ich verfolge Garoppolos Karriere seit er 2017 bei den 49ers angefangen hat und ich mochte seinen lockeren Spielstil damals schon. Präzise schnelle Pässe, auf die der Gegner sich nicht einstellen kann. Mittlerweile ist mir das ganze Team ans Herz gewachsen. Ich sehe gern zu, wenn George Kittle mehrere Gegenspieler vor sich herschiebt um das nächste Down zu erreichen. Ich hatte Herzklopfen, als die 49ers um kurz vor halb fünf Uhr morgens doch noch die Seahawks schlugen. Das ist der Moment, in dem man erkennt, dass man seine Mannschaft endlich gefunden hat. Klar, die Chiefs sind stark und sie haben mit Mahomes den Quarterback der Zukunft, aber ihre Defense ist das große Manko. Die 49ers sind kompakter in allen Elementen aufgestellt. Ich mag mich irren, aber ich glaube, die 49ers werden sehr knapp gewinnen. Sie sind das komplettere Team.


Spieler-Tipp.
Dennis Rösner ist ehemaliger GFL-Spieler der Potsdam Royals und heute bei den Berlin Bears aktiv.
Die 49ers hatten 2018/2019 eine schreckliche Saison hinter sich. Ein großer Umbruch stand also bevor, welchen das Team mit Bravour meistern konnte. Junge, hungrige Spieler neben Veteranen des Sports zusammen auf dem Feld, dies macht dieses Jahr die Vielfalt und Gefahr der 49ers aus. Offensiv spielt der Runningback R. Mostert eine große Rolle, erlief er ganze vier Touchdowns im vorhergegangenen Spiel. Das Passspiel fiel hier eher mager ist, ist aber mit dem ehemaligen Backup-Quarterback von Tom Brady enorm stark. Jimmy Garoppolo kam vor zwei Jahren von den New England Patriots und liefert diese Saison ordentlich ab. Aushängeschild ist allerdings die Defense der Mannschaft aus San Francisco. Ein brutal starker Pass-Rush, gepaart mit einem sehr erfahrenen Backfield für die Passverteidigung lassen den Gegnern diese Saison kaum Luft zum Atmen. Diese Stärken sollten die 49ers in der Nacht von Sonntag auf Montag definitiv ausspielen, wenn sie eine Chance auf den Titel haben wollen.
Den Jungs von der Westküste gegenüber stehen die Chiefs, angeführt vom derzeit wohl (neben Lamar Jackson, Baltimore Ravens) gefährlichsten Quarterback der NFL, Pat Mahomes. Er beweist von Spiel zu Spiel wie unberechenbar und eiskalt er den Ball verteilt. Ob in der Luft oder selbst per Lauf, der Ball wird ohne Gnade bewegt und sorgt dadurch zu dieser High-Scoring-Offense, welche die Chiefs-Fans kennen und lieben. Eine Vielzahl von Anspielstationen wird die Passverteidiger aus San Francisco vor enorme Hürden stellen. Auch das Laufspiel ist vielseitig und schwer zu kontrollieren, wobei ich hier eher die 49ers als gefährlicher einschätze. Ein "Schwachpunkt", wenn man ihn so nennen möchte, war die Defense der Chiefs. Besonders am Anfang der Saison konnte diese oft nicht mit dem Gegner mithalten und sorgte so für unnötig enge Partien. Mittlerweile haben sich die schweren Jungs aber gefangen und sind gut eingespielt. Dennoch müssen sie am Wochenende alles geben, um das Laufspiel unter Kontrolle zu bringen.
Abschließend möchte ich eine Prognose wagen, welche jedoch bei zwei so guten Teams auf Augenhöhe schwer zu machen ist. Letztendlich glaube ich aber, dass der Passangriff der Chiefs das Spiel entscheiden wird, da die Defense mit zunehmender Spielzeit unkonzentriert und müde werden wird.
Mein Tipp: 34:27 für die Kansas City Chiefs.



Tier-Orakel.
Traditionell beschließt unsere Super-Bowl-Betrachtungen stets eines der vielen Tier-Orakel, die in den Weiten des Internets durch Vorhersagen des Gewinners auf sich aufmerksam machen. Weil Tiere ohnehin einen sechsten Sinn haben, wenn es zu Wetterwechseln, Sturmfluten oder Erdbeben kommt, sollte man diesen Vorhersagen ebenfalls Gehör schenken.
Die fallen allerdings recht unterschiedlich aus. Während Fiona das Nilpferd, Lele der Panda oder Porter die Robbe auf die Kansas City Chiefs schwören, setzen Jack der Hai, mehrere Otter und Tal der Orang Utan auf die 49ers.
Zünglein an der Wage ist daher auch dieses Mal die Puppie Predictors Jimmy Fallons, die von einem knappen Sieg der 49ers ausgeht.





Schluss.
Unserer Analyse zufolge läuft alles auf einen klaren Sieg der 49ers hinaus, der nur in wenigen Aspekten gefährdet scheint. Natürlich werden wir das Spiel aufmerksam verfolgen und sind natürlich auch auf Eure Tipps gespannt und verlosen unter sämtlichen Kommentoren, die auf den richtigen Gewinner tippen, eine wohlverdiente Hopfenkaltschale!

Montag, 16. September 2019

Die Tafelrunde trauert um David Hurst


Während Star Trek hierzulande über eine große Fanbasis verfügt, muss man sich doch fragen, welchen Einfluss umgekehrt Deutschland auf Star Trek gehabt hat. Wenn man mal ein wenig dazu recherchiert, fallen früher oder später bekannte Namen wie Winrich Kolbe (als Regisseur), Jesco von Putkamer (als Berater des ersten Kinofilms) oder Reiner Schöne (als Schauspieler), die immerhin entscheidend zum Gesamtbild der Serie beitrugen.
Oft aber wird ein Name dabei übersehen: David Hurst.
Dabei bietet wohl keine zweite Biografie einen besseren Einblick in die jüngere Geschichte Deutschlands, Europas und die transatlantischen Beziehungen.


Als Heinrich Theodor Hirsch am 8. Mai 1926 in Berlin geboren, war der Sohn jüdischer Eltern bereits in jungen Jahren von zwei zentralen Ereignissen geprägt: Der Trennung seiner Eltern und dem Erstarken des Nationalsozialismus in der Hauptstadt der Weimarer Republik. Als seine Mutter mit den Kindern 1935 vor den zunehmenden Repressalien floh, fand die Familie ausgerechnet im österreichischen Wien eine neue Heimat, wo sie 1938 mit dem Anschluss des Landes an das Deutsche Reich vom Schrecken, dem sie eigentlich knapp entgangen waren, doch wieder eingeholt wurde. Erst als sich die Lage weiter zuspitzte, gelang es der Mutter, ihren Sohn über Kindertransporte nach Großbritannien zu verschicken. Die Familie hingegen entkam dem Nazi-Terror nicht; der größte Teil der Familie Hirsch fand in deutschen Konzentrationslagern den Tod.
Heinrich verschlug es ins rauhe Nordirland, wo er die englische Sprache erlernte und sich den für britische Ohren zugänglicheren Namen Hurst zulegte, als er begann, erstmals für kleinere Theaterstücke auf die Bühne zu steigen. Er meldete sich für den Kriegsdienst und fand in einer Einheit Aufnahme, die sich während des zweiten Weltkrieges vor allem um für die Truppenbetreuung kümmerte und ihn weiter mit dem Schauspielberuf in Berührung brachte. Nachdem ihn die Kriegshandlungen nach Hamburg und zurück in seine Geburtsstadt Berlin geführt hatten, setzte Hurst schließlich in London seine Schauspielkarriere fort. Nach einigen Erfolgen in Theaterstücken und Filmen beschloß er, seiner Karriere im Land der unbegrenzten Möglichkeiten neuen Schwung zu verleihen. In den USA war er aber nicht nur in TV-, Film- und Broadway-Produktionen zu sehen, sondern engagierte sich ebenfalls politisch in der Peace and Freedom Party.
In Los Angeles gelang es ihm schließlich, neben verschiedenen anderen Rollen in anderen Serien in "Kobra, übernehmen Sie", "Quincy" oder "Drei Engel für Charlie" auch eine Rolle in "Star Trek" zu erhalten. Darüber hinaus war er in Filmen wie "Hello Dolly" oder "Stoßtrupp Gold" zu sehen.
Zuhause war Hurst jedoch stets auf der ganzen Welt. Neben den USA, Großbritannien und Italien war er 1973 gar in der DDR zu Gast - eine Rückkehr in seine damals noch geteilte Geburtsstadt scheiterte allerdings am Argwohn der sozialistischen Machthaber. Erst später, nachdem Hurst ab 1990 am Burgtheater in Wien tätig war, kehrte er im Jahr 2000 ins mittlerweile wiedervereinigte Berlin zurück.
In seiner Geburtsstadt hatte Hurst einen seiner letzten großen Auftritte, als er im Dezember 2014 vor einer Gruppe Star-Trek-Fans aus seinem reichhaltigen Leben erzählte.
Sichtlich berührt davon, dass sein verhältnismäßig überschaubarer Gastauftritt in den Sechzigern noch heute Menschen aller Altersschichten bewegt, blieb Hurst dennoch stets bescheiden und ohne Star-Allüren ein wacher Geist mit einem großartigen Talent, seine Zuhörer in den Bann zu schlagen.
Dabei blieb er stets ehrlich, aber nie verbittert; die mal heiteren, mal nachdenklichen Anekdoten aus seinem Leben sollten eher dazu dienen sicherzustellen, dass sich die Ungerechtigkeiten seines Lebens nicht noch einmal wiederholen würden.
Gerade in Zeiten, in denen ein amerikanischer Präsident einen Keil zwischen Amerika und Europa zu treiben versucht und auch die britische Regierung eine europäische Gemeinschaft verlassen will, die unverzichtbar für den andauernden Frieden auf dem Kontinent ist, braucht es Stimmen wie die Hursts, der anhand seiner eigenen Erfahrungen berichten konnte, wie wichtig eine Welt ohne Grenzen und ohne Kriege ist (ein Ideal, dass auch zu den Grundaussagen Star Treks gehört).
Doch diese Stimme ist nun für immer verstummt.
David Hurst verstarb am 15. September 2019 im Alter von 93 Jahren um 13.50Uhr in Berlin an den Folgen eines Schlaganfalls und einer Lungenentzündung.
Um an ihn als herausragende Persönlichkeit Star Treks in Berlin und Brandenburg zu erinnern, verleiht die Star Trek-Tafelrunde jährlich den David-Hurst-Preis an verdiente Fans in Brandenburg, Berlin und Deutschland.
Hurst zeigte sich stolz, dass dieser Preis seinen Namen tragen würde.
Mit dem gleichen Stolz werden wir sein Andenken erhalten.


Dienstag, 22. August 2017

Fanfilm-Premiere im Lindenpark

Bildquelle: ActionPlay.Pictures
Die Region Berlin-Brandenburg war schon immer eines der wichtigsten Zentren für Star-Trek-Fan-Filme in Deutschland mit verschiedenen Gruppen, die vor allem in der Hauptstadt wirken. Aus einer Kooperation verschiedener Mitglieder unterschiedlicher Gruppen ist nun ein neuer Fan-Film namens "Avengers: Crossed Worlds" entstanden, der gleichzeitig Marvel-Superhelden und Star-Wars-Inhalte bedient.
Seinen Film, der in liebevoller Detailarbeit zusammengestellt wurde, beschreibt Regisseur Marcus Jones wie folgt:

"Der Imperator aus dem Star Wars- Universum ist auf der Suche nach den mächtigen Infinity-Steinen. Einer der Steine führt das Imperium direkt zur hilflosen Erde. Der Imperator hat jedoch nicht mit den  Avengers gerechnet. In einer großen Schlacht treten die Avengers gegen das Imperium an. Mit dabei sind auch die Guardians of the Galaxy."


Neben den Mitgliedern verschiedener Hermann Darnell nahestehender Fangruppierungen wie der "Film Fan Force Berlin", "Euderion" oder der "USS K‘Ehleyr" gibt es noch einen weiteren regional bekannten Namen im Aufgebot des Filmes:
Mit Ronald Kah ist einer der Autoren dieses Blogs als Soundtrack-Komponist in das Projekt involviert. Und bedenkt man die gute Arbeit, die er bereits bei "Dark Horizon" leistete, kann man sich wohl auch dieses Mal wieder auf musikalische Leckerbissen von Rok freuen.
Gedreht wurde mitten in Berlin an der Beuth-Hochschule, einem traditionsreichen Standort, der außerdem jedes Jahr mit den Star-Trek-Vorlesungen Hubert Zitts aufwartet.
Besonders spannend am Film sind aber vor allem die verschiedenen Kostüme, Ausrüstungsgegenstände und Props, die allesamt in liebevoller Handarbeit hergestellt wurden.

Daher freuen wir uns besonders, dass am 26. August 2017 die Premiere von "Crossed Words" direkt vor der eigenen Haustür stattfinden wird. Im altehrwürdigen Level 76 des Lindenpark Potsdams beginnt ab 17Uhr die Premierenfeier und selbstverständlich ist auch die Tafelrunde mit von der Partie. Doch nicht nur das! Im Rahmen des festlichen Anlasses verlosen wir unter den Besuchern der Erstaufführung ein Exemplar der BluRay "For the Love of Spock".
Wir sehen uns also – auf der Premiere des Fan-Films "Avengers: Crossed Worlds" im Level 76 in Potsdam…

Sonntag, 23. April 2017

Spielerunde 03: Star Trek Panic!


Einleitung.

"Mein Gott, Pille, was habe ich getan?"
Kirk, Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock

Nach zwei Spieleabenden, an deren Ende ich mir stolz die Krone des Gesamtsieges über mein Haupt stülpen konnte, ist das Undenkbare nun passiert:
Ich, Turon47, bin geschlagen.
Doch als ob das noch nicht genug Schmach für einen Abend gewesen wäre, habe ich auch noch in einem kooperativen Spiel verloren, in dem alle Mitspieler ihre Kräfte vereinen und als Team gegen den Unbill des Schicksals in Form eines Würfels antreten.
Aber um dieser beinahe griechisch anmutenden Tragödie abermals einen drauf zu setzen:
Wir haben dabei die Enterprise verloren.
Von multiplen Hüllenschäden wie ein Feuerball schimmernd schwebte sie bewegungslos vor uns im All und es gab nichts mehr, was wir für sie tun konnten. Plötzlich fühlten wir uns ebenso hilflos wie Kirk im dritten Kinofilm und uns alle beschlich ein Gefühl der Scham, so dass wir uns – bei der Ehre gepackt – noch einmal der Herausforderung stellten…


Das Spiel.
Bei "Star Trek Panic" handelt es sich im Prinzip lediglich um eine Adaption des kooperativen Brettspiel-Vorbildes "Castle Panic" (also wieder einmal eine Star-Trek-Lizenz-Ausgabe eines bereits existierenden Produkts). Doch während die Spieler im Original gemeinsam eine Burg vor eindringenden Trollen, Kobolden und Orks zu verteidigen versuchen, gilt es in dieser Variante nicht nur, wütende Angriffe der Klingonen, Romulaner und Tholianer auf die Enterprise abzuwehren, sondern zusätzlich zu diesem ständigen Kampf ums Dasein noch mindestens fünf Missionen zu erfüllen.
Dafür gibt es – ähnlich wie bei Star Trek Catan – Charakterkarten die den einzelnen Spielern mit spezifischen Boni helfen können und Ereigniskarten, die entweder einen Treffer in einer bestimmten Region um das Schiff herum zur Folge haben, Ressourcen zur Vollendung einer Mission liefern oder verschiedene anderweitige Vorteile bieten.
In jeder Runde tut der jeweils aktive Spieler sein Bestes, um nicht nur die Mission zu erfüllen, sondern auch die feindlichen Schiffe davon abzuhalten, die Enterprise zu Klump zu schießen.  Allerdings ist er auch gezwungen, am Ende zwei neue Bedrohungen zu ziehen, die die Gesamtsituation weiter verschärfen. Wenn es den Spielern allerdings gelingt, alle fünf Missionen innerhalb der Zeitvorgabe erfolgreich zu bestehen und die Enterprise vor der völligen Zerstörung zu bewahren, tragen sie gemeinsam einen hart erkämpften Sieg davon.


Lobenswerte Aspekte.
Auch wenn es manchmal schön ist, sich im Wettstreit mit anderen zu messen, einander auszuspielen und am Ende die süßen Früchte eines Sieges auskosten zu können, muss man zugegeben, dass dieses Prinzip mitunter recht einseitig ist: Der ein oder andere bleibt trotz guter Leistungen stets zurück, es gewinnt vielleicht immer nur die selbe Person oder man hat von Anfang an nur Pech und keine Gelegenheit überhaupt in Fahrt zu kommen.
Das traurige Ergebnis solcher Erlebnisse ist häufig der Unwille, Brettspiele zu spielen.
Doch es geht auch anders.
So genannte kooperative Spiele lassen sämtliche Spieler ein gemeinsames Ziel verfolgen und bei einem Erfolg steht nicht einer einsam auf dem Siegerpodest, sondern das ganze Team als solches. So schweißt ein Triumph höchst unterschiedliche Menschen in einem unvergesslichen Spiel-Erlebnis auf ungeahnte Weise zusammen, anstatt einen weiteren Familienzwist vom Zaum zu brechen.
Eines solch‘ Geistes Kind ist auch "Star Trek Panic".  Anstatt sich gegenseitig die besten Planeten, längsten Handelsrouten oder profitträchtigsten Bahnhöfe wegzunehmen tauscht man nunmehr seine besten Karten zum Erhalt des Gemeinwohls mit seinem Gegenüber ein, zittert gemeinsam vor der Feuerkraft eines sich enttarnenden Romulanerschiffes oder verteilt eine Superkarte lieber auf eine Mission, anstatt sie zum eigenen Vorteil auf der Hand zu behalten.
Im Zusammenhang mit diesem Spielprinzip sind auch die Interaktionen zwischen den einzelnen Spielern plötzlich völlig andere. Man taktiert zusammen, überlegt welche Tauschgeschäfte sich am ehesten lohnen würden und erinnert sich gemeinsam an übersehene Bedrohungen, anfallende Spielzüge oder diskutiert Strategien zum weiteren Vorgehen. Mit der Zeit werden selbst vormals ruhige und zurückhaltende Mitspieler zu glühenden Verfechtern bestimmter Manöver, spezieller Angriffsziele oder erfolgsversprechender Kartenkombinationen.
Plötzlich herrscht eine völlig andere Atmosphäre, die einen angenehmen Gegenpol zu den sonst üblichen platzierungsorientierten Brettspielen bildet.
Zudem kommt man nicht umhin den Machern dieser Star-Trek-Adaption eine besondere Detailverliebtheit (vor allem zur Originalserie) zu attestieren. Das kann man schon allein am Hartpappe-Modell der USS Enterprise erkennen, die passende Hüllenbeschädigungen für jedes spezifische Viertel der Untertassensektion zu bieten hat. Hinzu kommen die Missionen, die man – getreu dem Original-Serienkonzept - episodisch abarbeiten muss. Auch der Einsatz von Redshirts um den Schaden durch Eindringlinge auf dem Schiff zu minimieren bietet einem augenzwinkernden Tribut an die Kult-Serie. Und schließlich kann sogar der Umstand, dass es einen Spielchip für eine Zeitverwerfung gibt, die den Spielern im Idealfall mehr Zeit zur Erfüllung einer Mission gibt, dem wohlwollenden Fan ein anerkennendes Lächeln abgewinnen.
Daneben gibt es aber noch deutlichere Anzeichen, dass definitiv beinharte Trekkies dieses Spiel konzipiert haben. So kann man in der Mission zu "Charlie X" die Janice-Rand-Karte nicht ausspielen. Nach der erfolgreichen Beendigung der Mission "The Trouble with Tribbles" erhalten alle ungetarnten Klingonenschiffe einen Schadenspunkt. Und die romulanischen Bird of Preys können sich nicht nur tarnen, sondern auch mit doppelter Feuerkraft schießen. Von der Umsetzung des letzten Punktes waren wir gar so beeindruckt, dass wir unsere traditionelle Pizza-Pause vor dem Fernseher mit "Spock unter Verdacht" verbracht haben.


Kritikwürdige Aspekte.
"Star Trek Panic" ist beileibe kein Einsteiger-freundliches Spiel. Am günstigsten ist es ohne Frage, wenn man bereits über einige Vorkenntnisse im Originalspiel verfügt, wobei anzumerken bleibt, dass es selbst dann durch die Einführung völlig neuer Spielprinzips-Erweiterungen wie etwa den Missionen noch reichlich verwirrendes Neuland zu entdecken gilt.
Zwar gibt es eine ausführliche Erklärung zum Spiel, aber auch die hat ihre Grenzen:
Zum einen gibt es "Star Trek Panic" noch nicht auf Deutsch, was zur Folge hat, dass man sich durch eine umständlich formulierte, fremdsprachige Anleitung quälen muss, die doch viele Fragen offenlässt.
Man wird förmlich von der Vielzahl an Regeln, Sonderfällen, Aktionskarten, Ausnahmen, beschrifteten Chips, Missionseinschränkungen oder Spezialgegnern erschlagen und es benötigt daher ein komplettes Spiel, um zumindest einmal erfolgreich in die Materie eintauchen zu können.
Und selbst dann ist trotz der Karten zur 'Zug-Reihenfolge' noch immer möglich, dass man den ein oder anderen Part vergisst oder übersieht – ganz besonders in Stress-Situationen wie etwa kurz vor dem Fehlschlag einer ganzen Mission. So muss man stets die Konzentration wahren oder die Last auf mehreren Schultern verteilen und auch seine Mitstreiter zur Überwachung der korrekten Reihenfolge einspannen.
Ein weiterer großer Unterschied zum Originalspiel bildeten ferner die Bewegungsoptionen, die man mit der Enterprise hat. Allerdings sind sie mitunter etwas unnachvollziehbar (wenn zum Beispiel die Schiffe im Bugbereich einen Bereich näher rücken, während die Schiffe im Heckbereich auf ihrer Position verbleiben). Hinzu kommt der Vorwurf, den bereits Spock in „Der Zorn der Khan“ an seinen Gegner wie wohl auch an dieses Spielbrett richtete:

"Seine Struktur deutet auf zweidimensionales Denken hin."


Unser Spiel.
Wie bereits eingangs erwähnt haben wir unser erstes Spiel gnadenlos in den Sand gesetzt. Die Ursachen dafür waren fraglos mannigfaltig: Wir waren noch nicht so eingespielt. Wir mussten uns erst an dieses Wirrwarr an Regeln, Ausnahmen und Ausnahmen von den Regeln gewöhnen. Und wir haben die wirklich schweren Missionskarten gleich zu Beginn gezogen.


Das wirklich Bemerkenswerte daran war aber, dass wir die Enterprise wie Phönix aus der Asche neu auferstehen ließen und uns nach der schmachvollen Niederlage umgehend daran machten, einen neuen Anlauf zu starten.
 
Dieses Mal waren K'olbasa (mit der Spock-Charakterkarte), Rok (Chekov), unsere Neu-Mitspielerin Miri (Scotty) und ich (Sulu) nicht nur um die ein oder andere traumatische Erfahrung reicher, sondern auch ungleich abgeklärter. Wir wussten sofort was zu tun war, sobald wie mit "Day of the Dove" die erste Mission zogen. Jeder von uns achtete darauf den Timer nach jedem Zug zu verrücken, die gegnerischen Schiffe tarnen und enttarnen zu lassen sowie neue Gegner aus dem blauen Sack des Todes zu ziehen. Unser Schiff sah noch erstaunlich gut aus, als wir nach einem Notsignal und einer Begegnung mit der Weltraumamöbe plötzlich auch schon drei Missionen in Windeseile erledigt hatten. Als wir dann auch noch einen Orion-Piraten in erschreckend schnellem Tempo außer Gefecht setzen konnten und nur vergleichsweise geringe Schäden davontrugen, zeichnete sich das Unmögliche am Horizont ab: Wir würden das Spiel gewinnen.
Und so kam es dann auch. Es oblag K'olbasa den letzten Klingonen aus dem Orbit zu pusten, einen triumphalen Sieg einzuleiten und die Schmach aus dem Hinspiel wieder wettzumachen. Erschöpft aber glücklich genossen alle (außer Miri) den anschließend wahrlich verdienten Sieges-Whisky.

Fazit.
Bei "Star Trek Panic" ist vor allem das Spielsystem der Star, das mal nicht darauf abzielt, dass man sich gegenseitig übertrumpft und aussticht, sondern gemeinsam für ein höheres Ziel kämpft. Es bietet eine überaus liebevolle Umsetzung für Fans der Originalserie, die in den richtigen Händen für eine Menge Spielspaß sorgen kann.
Sorgenfalten bereitet allerdings die unübersichtliche Spielmechanik mit ihren vielen Sonderfällen, Zusatzregelungen und Bewegungsvorgaben, denen es zu oft an Nachvollziehbarkeit mangelt. So benötigt man mindestens ein Vorbereitungsspiel, bevor sich wirkliche Spielfreude einstellen kann.


Bewertung. Verwirrend, aber erfüllend.


Weiterführende Leseliste.

Spielerunde 01: Das klingonische Monopoly.
Spielerunde 02: Star Trek Catan.
Spielerunde 03: Star Trek Panic.