Donnerstag, 25. Oktober 2018

Eaglemoss Shuttle Nr.5: Raumfähre 1


Einleitung

In keiner anderen Serie werden Shuttles so ausgiebig als Transportmittel eingesetzt wie in "Star Trek - Enterprise", was aber auch der Epoche geschuldet ist, in der die Serie spielt. Im 22. Jahrhundert steckt die menschliche Transportertechnologie noch so dermaßen in den Kinderschuhen, dass die Crews der Sternenflottenschiffe lieber darauf vertrauen, mit kleinen Raumfähren, die in ihrem Design an weiterentwickelte kleine Flugzeuge erinnern, auf Planeten zu landen. Sobald diese kleinen Schiffe starten, klappen kleine Flügel aus, die das Shuttle besonders für Atmosphärenflüge sehr manövrierfähig machen. Anfangs besitzen die Schiffe als Bewaffnung noch Plasmakanonen, die aber  später durch miniaturisierte Phasenkanonen ersetzt werden.
Die zwei auf der Enterprise NX-01 stationierten Schiffe retten mehr als einmal Captain Archers Crew aus so manchen brenzligen Situationen. Die Raumfähre 1 wird im Jahr 2154 zerstört, aber später durch ein nahezu identisches Schiff ersetzt.
POD 1 auf einer Planetenoberfläche. (Bild: Memory Alpha)

Das Modell

Man kann dieses drehen und wenden wie man will, aber das Modell ist rundum einfach perfekt gelungen. Das Modell gibt die korrekte Form der Vorlage wider und nahezu jedes Detail wurde umgesetzt. Angefangen mit der Beschriftung, der Farbgebung und den Oberflächenstrukturen erkennt man auch die beiden Flügeltüren, durch die das Shuttle betreten wird. Anmerken könnte man lediglich, dass für den Antrieb am Heck blaue Klarteile noch das sprichwörtliche i-Tüpfelchen gewesen währen, aber so wie Eaglemoss es umgesetzt hat, geht die Darstellung des Antriebes in Ordnung.
Das Modell wurde detailliert bedruckt.
Nur der Antrieb hätte eventuell mit Klarteilen besser ausgesehen.
 
Natürlich liegt auch diesem Modell ein kleines, gut gemachtes Okudagram mit bei.

Die Halterung

Das typische Shuttletischchen. Was das bei dieser Reihe soll, kann ich nach wie vor nicht nachvollziehen.
Genau die Anleitung befolgen, man könnte ja was falsch machen.

 

Begleitheft

Das ist mit seinen sechs Seiten diesmal das absolute Armutszeugnis. Warum nur bekommen die Shuttlemodelle keine richtigen Beleithefte mit den Informationen, die die Hefte der regulären Reihe sonst bietet?! In diesem Heftchen wird auch noch etwas beschrieben, was totaler Blödsinn ist. So wird doch tatsächlich behauptet, dass die magnetischen Greifer der Enterprise dazu benutzt werden um ein Shuttle einzufangen und um es so wieder in den Hangar zu ziehen, da das Schiff noch keinen Traktorstrahl hat.
Jawohl! Ist klar. Und der Kopf des Piloten, der mit dem Shuttle zur Enterprise fliegt, spielt durch den dabei entstehenden Ruck Ding Dong mit dem Armaturenbrett. Dauergast in der Krankenstation und Eintragungen in der Personalakte wegen lallende Ausdrucksweise und Gedächtnislücken.
Dabei findet man im Internet einige interessante Hintergrundinformationen. Dass das Shuttle in dieser Serie so ausführlich benutzt wird, ist eine Huldigung der Produzenten an Gene Roddenberry, der schon für die Originalserie eigentlich ein Shuttle als Haupttransportmittel einsetzten wollte. Da das damals aus Kostengründen für die erste Staffel nicht möglich war, erdachte Roddenberry den Transporter. Deshalb wollte man in Enterprise eben dies umsetzen und mehr das Shuttle in den Vordergrund stellen als das Beamen.
Interessant ist auch die Konzeptzeichnung die ich gefunden habe, denn diese zeigt dass das erste Design noch eng an die Vorlage der Originalserie angeknüpft war. Erst später entschloss man sich, sich an den Rümpfen von Kleinflugzeugen zu orientieren, woraus sich schließlich die Raumfähren für die NX-01 entwickelten.

Erster Designentwurf für das Shuttle der NX-01. (Bild: vektorvisual.com)

Daten zum Modell

L x B: ca. 90 mm x 69 mm
Höhe mit Stand: ca 47 mm
Material: Kunststoff und Metall
Hersteller: Eaglemoss Collections 2018


Bewertung und Fazit

Ein schönes Modell eines NX-01 Shuttles, an dem es nicht viel zu meckern gibt.

Dienstag, 23. Oktober 2018

Eaglemoss Discovery Nr.4: Klingonischer Bird-of-Prey

Einleitung

Schon die ersten Sekunden der ersten Folge von "Star Trek - Discovery" zeigten den Fans, in welche Richtung die Serie gehen würde. Dem eingefleischten Fan wurde zwar versprochen, dass die neue Star Trek-Serie natürlich etwas frisches bieten würde, aber auch, dass man sich an die Kontinunität den alten Serien orientieren wolle. Von daher fand ich eben schon die ersten Szenen enttäuschend, denn die Klingonen, die wohl berühmteste Spezies des Star Trek-Universums, erhielt eine so dermaßen neue Gestaltung, dass von Kontinunität längst keine Rede mehr sein konnte. Aus den von Fans so geliebten Schurken und auch Helden wurden eierköpfige Monster, die auch nicht davor zurückschreckten, ihre Gegner zu verspeisen. Neue Ideen sind ja etwas Schönes, aber das stößt bei mir auf Ablehnung.
Auch die Raumschiffe der Klingonen wurden radikal - oder besser gesagt bis zur Unkenntlichkeit - umgestaltet und plötzlich tauchten Kuriositäten in der klingonischen Flotte auf, die man, wenn man es nicht besser wüsste, gar nicht als klingonisch erkennen würde. Ganze vierzehn neue Schiffe wurden nur für die erste Staffel der Serie designt - ein Rekord. Ich vermisse die Zeiten, als ein Schiff auf dem Bildschirm auftauchte und schon der bloße Anblick für ein "Oh oh, ein klingonischer Schlachtkreuzer!" ausreichte.
Eierkopf mit Riesenriecher als Gegner gefällig? Discovery macht's möglich😒. (Bild: Memory Alpha)

Das Modell

Das erste Schiff der klingonischen Discovery-Flotte gibt es nun als Modell und dabei handelt es sich um eine Version des berühmten klingonischen Bird-of-Preys. Dank des Modells kann man endlich das überarbeitete Design dieses Schiffes ausführlich betrachten und es erscheint viel aggressiver als alle bekannten Klingonenschiffe. Die Flügel wurden viel weiter nach unten verlegt, was beinahe wie ein Raubvogel aussieht, der gerade seine Beute packt. Um die Flügel eleganter zu gestalten, wurden die Disruptorkanonen an den Spitzen entfernt und an die Kopfsektion verlegt.
Eines muss man dem Modell zugute halten: Es ist sehr gut detailliert. Die Grundform des Schiffes wurde exakt übernommen und auch die vielen verworrenen Oberflächenstrukturen und Details, die die Vorlage dank modernster CGI-Techniken bietet. 
Der Hals des Schiffes, zusammen mit ein paar Stellen um den hinteren und unteren Rücken, hat einen fast aquamarinfarbenen Farbton von tiefem Blau; ein Detail, das in den wirklich begrenzten Bildschirmauftritten des Schiffs nicht sichtbar ist. Die innere Krümmung der Flügel weist ebenfalls dünn lackierte Goldpaspel entlang der Leitungen und Strukturelemente des Schiffes auf, was für einen schönen metallischen Glanz entlang der Kanten des Schiffes sorgt. Die äußere Oberfläche der Flügel, obwohl sie größtenteils flach und physikalisch strukturlos sind, haben auch eine gefiederte schwammfarbene Gestaltung, die auf die Oberfläche aufgedruckt ist, um die Illusion eines verwitterten Rumpfes zu erzeugen. Auf der Rückseite des Schiffes wurde die kastenförmige Motoreinheit des klassischen Bird of Preys durch eine nach innen gewölbte Kapsel mit stark strukturierten Elementen ersetzt, die man nicht anders als "Wirbelsäule" beschreiben kann. Ein organischer Touch, der ziemlich ungewöhnlich für ein klingonisches Schiff ist. 
Unverkennbar ist leider auch bei diesem Modell die Trennlinie, die den üblichen Materialienmix aus Kunststoff und Metall verrät. Diese Naht verläuft genau in der Mitte des Raubvogels und teilt die vorderen und unteren blauen Portale in zwei Hälften.
Eine überraschend offensichtliche Naht verläuft auch entlang des oberen Grats jedes Flügels, bis zu dem Punkt, an dem die Oberseite jedes Flügels an dem unteren Körper haftet. Hier ist es zumindest bei meinem Exemplar der Fall gewesen, das sich die Plastikeinsätze immer wieder lösten und eine Nachbearbeitung mit je einem Tropfen Sekundenkleber erforderlich war.
Ansicht von oben...

...und frontal.
 
Das "Rückrad" des Schiffes, in dem sich auch der Impulsantrieb versteckt.

Der Bug mit den Kanonen. Man erkennt deutlich die Trennlinie der beiden Häften, aus dem dieser Bereich besteht.

Die Halterung

Diese wird über die Flügel des Modells geschoben, wobei dieses sehr locker in den Haltebacken sitzt. Es besteht die Gefahr, dass das Modell aus der Halterung hinausfallen kann - also aufpassen!

Begleitheft

Im Heft erfährt man, das gleich zwei Designer für diese Version des Bird-of Preys verantwortlich sind. Die Konzeptkünstler Sam Michlap und John Dickerson wollten zwar das ursprüngliche Design von Nilo Rodis Entwurf (das dieser 1984 für den dritten Kinofilm entwickelte) beibehalten, aber das Schiff für die neue Show aggressiver, moderner, gotischer und strukturierter gestalten. Herausgekommen ist ein Schiff, das fast nicht mehr als klingonisch zu erkennen ist und meiner Meinung nach haben die beiden es mit ihrer Neugestaltung definitiv extrem übertrieben.

Spezifikationen


Daten zum Modell


L x B: ca. 139 mm x 120 mm
Höhe mit Stand: ca 118 mm
Material: Kunststoff und Metall
Hersteller: Eaglemoss Collections 2018


Bewertung und Fazit

Ich nehme da kein Blatt vor den Mund, ich mag die Art wie die Klingonen in Discovery dargestellt werden nicht. Nichtsdestotrotz ist das Modell des neuen Bird-of Preys, mit kleinen Schwächen, sehr gut gelungen.



Montag, 22. Oktober 2018

Turons Senf zur Weltpremiere von "What We Left Behind"

Bildquelle

Einleitung
. Als ich am vergangenen Wochenende Gast der Star Trek Destination Birmingham war, habe ich mir die Chance nicht entgehen lassen, am Samstag auch der Weltpremiere der Deep-Space-Nine-Dokumentation mit dem ambitionierten Titel "What We Left Behind" beizuwohnen. Ob sich der Erwerb der voraussichtlich irgendwann am Ende dieses Jahres erhältlichen DVD wirklich lohnt, möchte ich an dieser Stelle einmal näher betrachten. Allerdings sind zu deutliche Spoiler auf Bitte Ira Steven Behrs beim Schreiben ausgelassen worden – auch wenn das an einigen Stellen wirklich schwerfiel.

Lobenswerte Aspekte.

Durch die Kraft der Fans. Es ist absolut beeindruckend, auf welche Weise Star-Trek-Fans unzähligen Produktionen zu ihrem Lieblingsthema durch ihre Unterstützung Leben eingehaucht haben. Über Crowdfunding-Anbieter wie Kickstarter oder indiegogo wurden bereits trek-bezogene Fanfilme, Musikprojekte und andere Dokumentarfilme wie "For the Love of Spock" Realität und es ist nicht nur ein Ausdruck der ungebrochenen Leidenschaft, mit der Star-Trek-Anhänger ihre Treue zur Franchise zeigen, sondern auch ein unübersehbares Signal für die Macht, die von Fans ausgeht, wenn sie sich einem gemeinsamen Ziel verschreiben.
Derlei Signale werden auch von TV-Sendern, Internetmedien und Produktionsfirmen empfangen, weswegen es wohl nicht verwundert, dass den Machern dieses Werkes nicht nur der Zugang zu den Archiven von Paramount Pictures sondern auch der Einbezug von ersten Einblicken in die Remastered-Variante von Deep Space Nine gestattet wurde.

Hoher Standard. Die Dokumentation schafft ein Novum: Erstmals gelingt es einer derartigen thematischen Betrachtung, die ganze Bandbreite der sich bietenden Möglichkeiten auszuschöpfen. Angefangen von Musikeinlagen des Star Trek Rat Packs, über den bereits erwähnten Ausblick auf die Qualität der Remastered-Version der Serie bis hin zum Einbezug der vielen Fans und ihrer Ansichten hat die Doku eine Menge Potential, dass durch die Beteiligung einer riesigen Bandbreite von beteiligten Schauspielern (übrigens entgegen anders lautender Behauptungen auch mit Avery Brooks), Hintergrundakteuren und Kreativkräften noch mehr Gewicht erhält. Zu den großartigsten Ideen gehört zudem ein von der alten Schreibergarde um Produzenten und Präsentator Ira Steven Behr zusammen ersonnener Ausblick auf eine potentiellen Start einer achten Staffel DS9, in der viele unbeantwortete Fragen des Staffelfinales "What You Leave Behind" angegangen werden.
Das alles geht mit großartigen Kameraeinstellungen einher und am Ende lässt sich das Herzblut, dass alle Beteiligten in das Projekt haben einfließen lassen, deutlich spüren. "What We Left Behind" ist liebevoll inszeniert, detailreich präsentiert, humorvoll aufgearbeitet und mitunter rührend in Szene gesetzt.

Ehrliche Haut. Den Terminus des 'ungeliebten Mittelkindes' hört man recht schnell in den ersten Minuten der Dokumentation. Bei den mannigfaltigen Themen, die innerhalb der knapp 120 Minuten angerissen werden, scheuen sich die Macher nicht, auch die Kritikpunkte der Serie wie den Bruch mit ehernen Roddenberry-Prinzipien anzusprechen, selbstreferenziell anzumerken, dass man in puncto homosexueller Beziehungen hätte noch weitaus mutiger sein können oder offen zuzugeben, dass der Einbezug Worfs in die Serie nicht auf sonderlich große Resonanz bei Schauspielern und Schreibern traf. Man stellt sich sogar der Kritik, die Fans in Briefen äußerten, ohne gleich in Rechtfertigungen, Berichtigungen oder eine Verteidigungshaltung zu verfallen. Die Doku trifft nicht zuletzt deshalb einen Nerv, weil sie in Zeiten von Abramstrek, Discovery und einem zeitlichen Abstand von fünfundzwanzig Jahren auch bei vielen Fans eine Neubewertung eingestellt hat, der dazu mit einem Wahrnehmungswechsel einhergeht. Dennoch – und darin liegt der wahre Wert des Werkes – überhöht "What We Left Behind" die Serie nicht und zollt ihr dennoch einen beeindruckenden Tribut.

Kritikwürdige Aspekte.

Über dem Zenit. Die Erstausstrahlung Deep Space Nines ist mittlerweile ein Vierteljahrhundert her und seither hat sich eine Menge getan. Es ist an der Zeit, offen mit Missständen umzugehen und kaum mehr jemand stört sich an deutlichen Worten über eine Serie, die schon seit siebzehn Jahren nicht mehr produziert wird. Über vieles ist längst Gras gewachsen, damalige Führungskräfte sind längst woanders oder alt und ein solches Werk verkauft sich nun einmal deutlich besser, wenn man als Zuschauer mit der ein oder anderen neuen Erkenntnis belohnt wird. Das aber passiert zu selten.
Als Beispiel sei nur der Ausstieg Terry Farrells genannt, der von allen Beteiligten noch immer in so uneindeutigen Formulierungen diskutiert wird, dass der Verdacht, Farrell sei in Gehaltsforderungen zu forsch aufgetreten, gefühlt eher erhärtet als abgemildert wird.
Ferner bekommt man aber auch an einem Beispiel vorgeführt, dass viele der ehemaligen Schreiber die besten Tage bereits hinter sich haben. Ein Großteil der Ideen, die das Autorenteam für eine hypothetische achte Staffel zusammenträgt, sind so cheesy, weit hergeholt oder Null-Acht-Fuffzehn, dass man am Ende recht dankbar ist, dass es nicht so weit kommen wird, dass dieses Hirngespinst in Serienform verwirklicht wird. Zumal es in Buchform deutlich bessere und glaubwürdigere Ansätze gibt, als Behr und seine Altschreiber es jemals zusammengedichtet hätten.

What We Left Out. Es ist natürlich klar, dass eine Doku dieser Länge gar nicht in der Lage ist, alle Themen anzusprechen, die für die vielen Fans und ihre vielen Interessen interessant wären. Behr spricht diesen Umstand im Abspann ohne Scheu an und verrät, dass in den DVD-Features einige aussortierte Themen noch einmal zu finden sein werden. Dennoch bleibt der Verdacht, dass einige heiße Eisen, die vor allem die Schreiberriege betreffen (wie zum Beispiel die häufig kritisierte Idee, Bashir zu einem Augment zu stilisieren) geflissentlich unter den Tisch gefallen sind.
Im Vergleich aber zur zugegeben großen Menge an offen thematisierten Problemen bietet dieser Kritikpunkt allerdings bestenfalls eine Erwähnung der Vollständigkeit halber, um keine falschen Erwartungen zu schüren.

Fazit. Selbst jemand, der kein erklärter Freund des 'Mittelkindes' Deep Space Nine ist, wird sich dem Zauber dieser Dokumentation nicht entziehen können. Er ist ein Manifest für den Einfluss der Fans und erzählt handwerklich auf hohem Niveau von der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft einer Serie, die zwar nicht frei von Fehlern, aber deshalb dennoch ein Juwel der Star-Trek-Geschichte ist. Auch wenn es in einigen Fällen ein letztes Quäntchen Mut oder etwas weniger Fanservice verkraftet hätte, bleibt es wie die Serie ein Meilenstein des Star-Trek-Kosmos‘. In einer Sammlung gehört es jedenfalls zwingend direkt hinter die siebente Staffel Deep Space Nine gestellt.

Bewertung. Not to Be Left Behind!