Sonntag, 29. März 2015

Von der RetroSPOCKtive in Eberswalde: Erinnern an 'Leonard Spock'

Die vierte Auflage der Eberswalder Miniconvention hat es endgültig geschafft: Kurz vor ihrem Start berichtete Deutschlands umstrittenste, aber auch auflagenstärkste Zeitung von der Veranstaltung. Zumindest in der Online-Ausgabe der Bild.


Woran dies lag, kann man sich da natürlich zu recht fragen. Vielleicht daran, dass der Tod Leonard Nimoys selbst die kalten Herzen des ein oder anderen Bildzeitungsredakteurs gerührt hat? Oder ein eifriger Praktikant eine verdächtig ähnliche Meldung der Serienjunkies wiederverwertete? Oder war es gar der Medienpopularität des Eberswalde-Kapitäns Benjamin Stöwe geschuldet, der im ZDF-Morgenmagazin kürzlich sogar in TOS-Uniform gesichtet worden sein soll?


Die Frage werden wohl zukünftige Forschergenerationen klären müssen doch für die Tafelrunde, die im Fahrwasser dieser Meldung gleichermaßen Erwähnung fand, war es trotz anderslautender Behauptungen nicht die erste Erwähnung in „Springers heißem Blatt“, denn bereits im Zuge der #JeSuisNico-Affäre verwendete man dort kurz nach einem nicht minder verdächtig ähnlichen Artikel im Tagesspiegel eine exklusive Meldung aus unserem Twitteraccount.


Aber zurück zum Thema: Grund für die Nennung „Hermann Darnells“ in einem Atemzug nicht nur mit dem Veranstalter, Karlheinz Steinmüller und Daniel Broz war der Umstand, dass es der Tafelrunde vergönnt war, selbst aktiv ein Teil des Programms zu werden. So oblag es unserer Verantwortung, die geladenen Gäste bei dieser aufgrund der aktuellen Ereignisse kurzerhand zu einer als „RetroSPOCKtive“ umfunktionieren "NCC-1701" einen einleitenden Vortrag zum schillernden Leben Leonard Nimoys zu halten.


Unter dem Titel „Auf der Suche nach Mr. Spock – Leonard Nimoys Karriere in Video, Bild und Ton“ gab es neben vielen eher unbekannten Anekdoten und Geschichten zu Leonard Nimoy auch Informationen, die der ein oder andere treue Blogleser aus dem ein oder anderen unserer Beiträge gekannt haben könnte. Obgleich einige technische Pannen den Ablauf etwas trübten, folgte das überaus freundliche Publikum aufmerksam den Ausführungen des Referenten, dessen Abriss des Lebensweges Nimoys in der Erkenntnis gipfelten, dass der Schauspieler stets respektvoll mit seiner bekanntesten Rolle umging und dem Kultstatus seiner selbst genauso wie dem Spocks mit seinen originellen Auftritten weiteren Auftrieb verlieh.


Im Anschluss daran zog die Gästeschar vom Vorraum in den eigentlichen Wäschekeller um, wo Benjamin Stöwe am Rednerpult mit der Professionalität eines Synchronschauspielers ein Kapitel aus Nimoys Biografie „I Am Not Spock“ zum Besten gab. Es war für das gesamte Publikum ein sehr „emotioneller“ Moment, der einen nahtlosen Übergang vom Vortrag zum eigentlichen Gedenkteil bot. Denn tatsächlich war es stets ein wenig merkwürdig, dass man zwar bei vorherigen Veranstaltungen Lesungen von anderen berühmten Sprechern wie Ernst Meincke, Gertie Honeck oder Reiner Schöne hören durfte, aber bislang nicht in den Genuss kam, Benjamin selbst bei der Rezitation eines von ihm selbst ausgewählten Textes lauschen zu können. Gerade dieser sehr intime Augenblick machte nämlich deutlich, dass der Kopf hinter dem „Raumschiff Eberswalde“-Hörspiel, dem Kurator der kleinsten Star-Trek-Ausstellung des Universums und Initiator der Eberswalder Miniconventions und sein inspirierender Umgang mit Star Trek der beste Grund ist, jedes Mal die beschwerliche Reise in die entlegene Barnim-Kapitale auf sich zu nehmen.


Im direkten Anschluss ließ Benjamin Stöwe seine Zuhörer an einem besonderen Spock-Moment seiner eigenen Vita teilhaben. Im Zuge der Umsetzung seiner „Raumschiff Eberswalde“ Hörspiele traf er mit Norbert Gescher die deutsche Stimmen Leonard Nimoys und erzählte von den Begleitumständen dieser Zusammenkunft. Natürlich spielte er in diesem Zusammenhang auch die dazugehörige Folge ab, um auch alle Anwesenden ein Stück weit an diesem Erlebnis teilhaben zu lassen.



Und dann kam schließlich der Moment, auf den wohl alle Gäste gespannt gewartet hatten: Der Dudelsackspieler Daniel Broz trat in die Tür des Wäschekellers und spielte mit „Going Home“ eine Adaption aus DvořaksNeuen Welt“.


Wer wissen will, wie es sich anhörte:
In erster Linie laut!
So ein Wäschekeller lässt sich nämlich nicht mit der Scala in Mailand, der Carnegie Hall in New York oder dem Nikolaisaal in Potsdam vergleichen. Solcherlei Kellerräume sind schlichtweg nicht für Klangerlebnisse entworfen worden.

Wer aber wissen will, wie es sich anfühlte:
Absolut genial!
Der Dudelsack, im Gegensatz zur Triangel nicht unbedingt als sonderlich einfach zu spielendes Instrument bekannt, ist bereits ein optisches Erlebnis und elektrisiert besonders in diesem Rahmen seine Zuschauer/ Zuhörer. Es verwundert nach diesem Erlebnis jedenfalls nicht, dass dieses Musikinstrument häufig auf Beerdigungen eingesetzt wird, denn es versprüht im gleichen Moment Anmut und Trauer. Eine passendere Untermalung hätte man sich für diesen Anlass kaum vorstellen können.


Ein wenig undankbar war es in diesem Zusammenhang dann schon, dass ausgerechnet der Futurologe Karlheinz Steinmüller, der während des Einleitungsvortrages beständig nickend in der ersten Reihe saß, nunmehr an die Reihe kam, seine Gedanken zu Spock zu formulieren. Bereits im Anschluss an den Beitrag der Tafelrunde hatte er nämlich angemerkt, dass er darin vieles wiedergefunden hatte, was er selbst zuvor für seine eigenen Ausführungen recherchiert hatte.
Aber einen geübten Redner wie Steinmüller konnte das beileibe nicht aus dem Konzept bringen. Seine knackigen Ausführungen reichten so von seiner ersten Star-Trek-Folge „Computer M5“, über eine kurze Textanalyse des Nimoy-Songs „Highly Illogical“ bis hin zu Diderot und Bougainville.
Was der Schriftsteller und Kurd-Laßwitz-Preisträger im weiteren Verlauf zum Besten gab, war eine wahre Achterbahnfahrt durch die philosophischen und literarischen Aspekte der Kultfigur Spock.
So verglich Steinmüller den Halbvulkanier mit dem Motiv des Edlen Wilden, stellte die vulkanische Logik auf die Position einer atheistischen Religion und attestiert der Originalserie ein Menschenbild, dass sich mit dem vieler Science-Fiction-Romane der DDR deckt. Abschließend stellte er die interessante und trostbringende These auf, dass sich die Menschheit in genau jene Richtung entwickeln könnte, die die von Leonard Nimoy verkörperte Rolle durch ihr aktives Vorbild vorgegeben hat.


Im Anschluss erwartete die Besucher eine kleine Überraschung, denn Benjamin Stöwe spielte Tonbeispiele von Barack Obama, Wil Wheaton, Kate Mulgrew und Zachary Quinto ein, in denen sie sich an den verstorbenen Leonard Nimoy erinnerten. Das Besondere an den Mitschnitten war jedoch, dass es dem Gastgeber gelungen war, mit Sven Plate, Gertie Honeck und Timmo Niesner die Synchronsprecher der drei letztgenannten Schauspieler dafür gewinnen zu können, die prominenten Beileidsbekundungen einzusprechen.


Als Benjamin Stöwe nach einem weiteren beherzten Dudelsackstück unter der zielgenauen Ankündigung „zwei schnelle Tänze“ das Rednerpult erneut besetzte, ergänzte er seine erste Lesung um einen weiteren bewegenden Auszug aus Nimoys zweiter Biografie „I Am Spock“. Wiederum riss er sein Publikum über den von ihm ausgewählten Auzug um die Namensverbindung 'Leonard Spock' mit sich und wiederum leitete er gekonnt zu seinem Projekt „Raumschiff Eberswalde“ über, wo ein Nachruf auf Spock bereits in der 428. Episode des Hörspiels vorweggenommen wurde.



Von dort aus übernahm Daniel Broz mit seinem Dudelsack und spielte genau das Stück, auf das ein jeder in diesem Raum gewartet hatte: „Amazing Grace“. Und während die Töne des Rohrblattinstruments von den Wänden des Wäschekellers zurückgeworfen wurden und auf dem Monitor der letzte Tweet Nimoys zu sehen war, standen nicht nur dem Autoren die Tränen in den Augen, sondern auch vielen anderen Gästen.



Das mag vielleicht sich im ersten Moment vielleicht recht kitschig lesen, doch tatsächlich war diese Trauerveranstaltung so detailverliebt, liebenswert und stilvoll arrangiert, dass ein Aspekt wie ein Zahnrad in einem Uhrwerk in den nächsten griff. Ein Waschkeller voller Star-Trek-Fans nahm von einer der prägendsten Gestalten des gesamten Science-Fiction-Genres Abschied, eben ohne dass es sich künstlich oder aufgesetzt angefühlt hätte. Gerade im Hinblick auf die eigene Teilnahme lässt sich an dieser Stelle festhalten, dass die "RetroSpocktive" eine (ge-)denkwürdige Veranstaltung von Fans, für Fans und vor allem mit Fans gewesen ist.


Denkwürdige Zitate:

Spock ist, wenn man so will, der amerikanische Winnetou.
Karlheinz Steinmüller

Wir haben jetzt den Data und der versucht die Menschen nachzumachen. Mein Gott, hat der denn nichts besseres zu tun?
Karlheinz Steinmüller



Ein Redefeuerwerk!
Kalami über Karlheinz Steinmüller

Heute hängt die Wäscheleine wieder – für alle die es noch nicht bemerkt haben.“
Benjamin Stöwe

Die bisher emotionalste Veranstaltung hier.
K'olbasa


Lasst uns anstoßen – auf das Leben.“
Benjamin Stöwe

Uff alle Fälle is es besser als in Sachsen - in Babelsberch 14482."
Turon zu Inka


Weiterführende Leseliste:

Die NCC-1701-A in Eberswalde am 6. September 2014
Die NCC-1701-B in Eberswalde am 22. November 2014
Die NCC-1701-C in Eberswalde am 17. Januar 2015
Die NCC 1701-D in Eberswalde (RetroSPOCKtive) am 28. März 2015

Freitag, 27. März 2015

Eaglemoss ST Raumschiffmodelle - Eine Erfolgsgeschichte...

Sicher, eine etwas provokante Überschrift, aber wenn wir in 5 Jahren zurück blicken, würden wir das doch wirklich gern sagen können. Bis dahin gilt es mitzuhelfen, dass es auch dazu kommt.
Schon seit dem letzten Jahr, als Eaglemoss erstmals die Star Trek Raumschiff - Modelle auf den deutschen Markt warf um das Kundeninteresse zu testen, begleitet unser Blog diese an sich faszinierende Kollektion. Dabei versuchen wir objektiv und umfassend sowohl über die einzelnen erschienenen Modelle als auch über das Geschäftsgebaren der Firma Interabo, dem deutschen Kundenservice, zu berichten.
Im Netz und in den sozialen Netzwerken kann man immer wieder Meinungsäußerungen und Bilder zu der Modellreihe finden, und dass ist bei weitem nicht nur Gutes!
Twitter: @StarTrekCH

Nicht nur für uns ist das Meinungsbild, welches uns Deutschlandweit hier erreicht, sehr überraschend. Dabei gehen die Meinungen betreffend der einzelnen Modelle, vor allem was deren Qualität angeht, noch ein wenig auseinander, was aber den Aboservice  und die Transparenz der Firma angeht, ergibt sich doch ein eher homogenes und im Trend negatives Meinungsbild. Alles in allem sind wir aber der Meinung, dass die Raumschiffsammlung wirklich eine geniale Idee Sache ist, denn noch nie gab es so viele unterschiedliche Modelle aus allen Star Trek Serien und Filmen in einer Reihe - sieht man mal von den legendären MicroMachines ab. Und wenn man aufmerksam die Veröffentlichungen der Reihe im englischsprachigen Raum beobachtet, werden uns hoffentlich noch viele seltene und wunderschöne Schiffchen erwarten!
Hier die allerneuesten beiden Modelle:

Modell Nr. 48: USS Voyager mit ablativer Panzerung
Modell Nr. 49: ECS Fortunate

Aber schauen wir mal, wie schreibt Eaglemoss so schön auf der Homepage zum Thema Garantie:
Eaglemoss möchte Ihnen den bestmöglichen Service bieten. Falls Sie irgendwelche Fragen oder Beschwerden haben, bitten wir Sie, sich bei uns zu melden, damit wir unsere Produkte und Abläufe weiter in Ihrem Sinne optimieren können. 
Wir werden sie beim Wort nehmen!
Bedanken wollen wir uns an dieser Stelle bei Damon aus Bremerhaven. Er hat sich Gedanken gemacht und selbst einige Verbesserungen an den Modellen vorgenommen. Wir glauben, dass sich das echt sehen lassen kann und möchten Euch alle daran teilhaben lassen. Wenn sich unter der geneigten Leserschaft noch andere Leute befinden, die Veränderungen an den herkömmlichen Modellen vorgenommen haben, entweder um Details zu ergänzen oder gar ganz neue Raumschiffe zu kreieren...dann her mit Euren Fotos, wir werden sie hier posten!
NX-01 mit einer selbstgebastelten Deflektorscheibe
Enterprise-Refit mit bemalten Rumpf und gestalteten Fenstern
Weiter schrieb Damon zu seinen Modellen:
"Die größte Veränderung fand an den Warpgondeln statt. Die Warpfeldgitter waren mir mit dem blauen Kunststoff zu grell, deshalb habe ich diese aus einer Mischung aus Klarlack mit einem Tropfen mattschwarzer Farbe etwas getönt. Natürlich nicht zu extrem, damit die Gondeln, wenn man sie gegen das Licht hält, immer noch bläulich leuchten. An der Vorderseite wurden die Gondeln auch etwas vorbildgerechter bemalt. Und da ich bei dieser Sammlung die Enterprise-Reihe gerne komplett haben möchte, habe ich ein zweites Refit-Modell zur NCC-1701-A umgebaut."
Und wir finden, das Ganze ist ihm echt gut gelungen! Wir freuen uns schon auf weitere Modelle von Dir Damon!



Weiterführende Links:

Eaglemoss Raumschiffreihe

Eaglemoss 01. USS Enterprise NCC-1701-D
Eaglemoss 02. USS Enterprise NCC-1701 [Refit]
Eaglemoss 03. Klingonischer Bird-of-Prey
Eaglemoss 04. Enterprise NX-01
Eaglemoss 05. Romulanischer D'deridex-Warbird
Eaglemoss 06. USS Excelsior
Eaglemoss 07. USS Defiant 
Eaglemoss 08. K't'inga Klasse
Eaglemoss 09. USS Voyager
Eaglemoss 10. Akira-Klasse
Eaglemoss 11. Jem'Hadar Schlachtkreuzer
Eaglemoss 12. USS Reliant NCC-1864 
Eaglemoss 13. Borg Sphäre 
Eaglemoss 14. Romulanischer BoP (2152) 
Eaglemoss 15. Tholianisches Schiff (2152)
Eaglemoss 16. USS Prometheus
Eaglemoss 17. Xindi-Insektoiden-Schiff
Eaglemoss 18. USS Enterprise NCC-1701-E
Eaglemoss 19. Vor'Cha Klasse
Eaglemoss 20. Die USS Dauntless
Eaglemoss 21. Der Ferengi Marauder
Eaglemoss 22. Die Nova-Klasse
Eaglemoss 23. Die Galor-Klasse
Eaglemoss 24. Die USS Stargazer

Sondermodell 01. Deep Space 9
Sondermodell 02. USS Enterprise 1701 (2009)
Sondermodell 03. Future Enterprise
Sondermodell 04. Die USS Vengeance

Damons eigene Schiffsmodelle



Damons Verbesserungen


Donnerstag, 26. März 2015

Spektralanalyse: Zombies of the Stratosphere



Einleitung. Es hätte nicht viel gefehlt und der Schauspieler, Musiker und Fotograf Leonard Nimoy hätte heute seinen vierundachtzigsten Geburtstag begangen. Um unserem Vorhaben, das Wirken dieses Mannes eben nicht der Vergessenheit anheim fallen zu lassen, ziehen wir aus diesem Grund heute unseren symbolischen Hut vor diesem einflussreichen Darsteller und werfen einen Blick auf einen besonders frühen Auftritt Nimoys in dem Fünfziger-Jahre-Grusel-Sci-Fi-Schinken „Zombies of the Stratosphere“. Den Film kann man dieser Tage mit ein wenig Glück auf der ein oder anderen bekannten Videoplattform wiederfinden, weshalb ich an dieser Stelle auch gleich um ein wenig Nachsicht ob der Qualität der eingestellten Bilder bitten möchte.



Story. Der Marsianer Marex hat sich mit seinem Stellvertreter Narab (Leonard Nimoy) zum Planeten Erde begeben, um einen diabolischen Plan zu verwirklichen: Durch die Zündung einer H-Bombe wollen sie nicht nur sämtliches Leben auf der beschaulichen Erde auslöschen, sondern den gesamten Planeten aus seiner Bahn werfen, um dem Mars an seiner Statt den begehrten Platz nahe der Sonne zu verschaffen.
Doch die grünhäutigen Außerirdischen haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn ein paar heroische Erdlinge nehmen den ungleichen Kampf gegen die übermächtigen Weltraumterroristen auf. Zu Wasser, zu Lande und selbst in der Luft versuchen sie immer wieder, die teuflischen Machenschaften der skrupellosen Fremdlinge zu durchkreuzen. Aber die beharrlichen Bombenleger schaffen es trotz des ein oder anderen Rückschlags schließlich doch, ihre todbringende Geheimwaffe fertigzustellen. Wird es Larry Martin und seinen Kollegen gelingen, die Marsianer aufzuhalten?



Lobenswerte Aspekte. Es gibt vor allem einen guten Grund, sich diesen immerhin über sechzig Jahre alten Streifen heutzutage noch anzusehen: Es war das fünfte Schauspielengagement überhaupt, das Leonard Nimoy in seiner schillernden Karriere annahm. Also ein echtes Frühwerk der späteren Science-Fiction-Ikone, das damit einen wahrlich historischen Wert hat: Es liefert einen Einblick in ein frühes, unbekanntes Stadium seiner Karriere, als der spätere Starrummel noch weit entfernt schien, obgleich die Hoffnungen des Schauspielers auf einen Durchbruch eng mit dem Film verbunden waren. Oder, wie Nimoy es Jahrzehnte später in einem Interview ausdrückte:

I was very important in it and I thought it would rocket me to stardom.

Meine – mal wieder – sehr freie Übersetzung dazu:

Ich war darin recht wichtig und dachte, dass es mich zu einem Filmstar machen würde.“

Auch wenn „Zombies of the Stratosphere“ in seinem Vorspann mit der stolzen Ankündigung „Introducing Leonard Nimoy“ wirbt, sollte es für den Nachwuchsdarsteller noch ein langer Weg bis zum endgültigen Durchbruch werden.


Neben Nimoy kann man mit etwas Abstraktionsvermögen übrigens noch einen weiteren Schauspieler entdecken, der ein Jahrzehnt später eine Rolle innerhalb Star Treks übernahm:


 John Crawford, der in der Episode „Notlandung der Galileo 7“ den Kommissar Ferris verkörperte, ist in diesem Film als Kleinkrimineller namens Roth zu sehen, der den ruchlosen Fremden bereitwillig zu Diensten steht.



 Zudem waren mit Tom Steele und Paul Stader zwei Stuntmen an der Produktion beteiligt, die auch in „Brot und Spiele“ mitwirkten.
Was den Film über die Besetzung hinaus so sehenswert macht ist die Tatsache, dass er so klar erkennbar das Kind seiner Zeit ist.
Das liegt noch nicht einmal daran, dass es nur eine einzige Frauenrolle im gesamten Film gibt (den Bechdel-Test besteht dieses Werk jedenfalls nicht), dass Schießereien denen bei „Die nackte Kanone“ auf erschreckende Art und Weise ähneln oder dass geraucht wird, als wäre Lungenkrebs nur ein Fantasieprodukt überbesorgter Hausfrauen.
Nein, das wirklich Unterhaltsame daran ist die nur mäßig verschleierte Allegorie auf den damals schwelenden Konflikt mit der Sowjetunion. Die fremdländisch anmutenden, uniformierten Außerirdischen müssen als Ersatzbösewichte für das viel größere kommunistische Übel herhalten und immer wieder wird ein nicht näher genannter anderer Staat ins Spiel gebracht, der den Marsianern waffenfähiges, radioaktives Material veräußern könnte.
Die Rezension auf Million Monkey Theatre geht sogar noch einen Schritt weiter und vergleicht den Wissenschaftler mit den Rosenbergs und stellt den Namen Marex in einen interessanten Zusammenhang mit Karl Marx, dem Begründer der kommunistischen Lehre. Vor allem aber die markigen Schlussworte, die an Pathos kaum mehr zu überbieten sind, schwören den Zuschauer während des Höhepunkts der McCarthy-Ära auf einen unsichtbaren Gegner ein, den es gemeinschaftlich zu bekämpfen gilt:

Yeah, we're save now!
For the time being. But there are undoubtedly more of these power man creatures loose on other planets. So it will take constant vision on our part to ensure safety of this world.

Meine wiederum sehr freie Übersetzung:

Genau, wir sind jetzt sicher!
Im Moment vielleicht. Aber auf anderen Planeten laufen zweifelsohne noch mehr solcher machtbesessenen Wesen herum. Daher müssen wir ständig auf der Hut sein um die Sicherheit dieser Welt zu gewährleisten.

Alles in allem wäre „Zombies of the Stratosphere“ damit ein Film gewesen, der den völlig gegen die Wand gefahrenen „Frogs und Tribbles“-Vortrag mit seiner unverhohlenen antikommunistischen Haltung zweifelsohne aufgewertet hätte.



Kritikwürdige Aspekte. Der „Web-Duden“ Wictionary definiert die „Stratosphäre“ als „ […] zweite Schicht der Erdatmosphäre im Bereich von etwa 12 bis 50 Kilometer Höhe über der Erdatmosphäre.“, während ferner der Begriff „Zombie“ als „[...] Untoter, wandelnde Leiche“ definiert wird.
Mit diesen Erklärungen im Hinterkopf fällt zuerst einmal auf, dass dieses 'Serial' weder etwas mit der Stratosphäre, noch mit Zombies zu tun hat. Der Titel ist völlig irreführend und am Inhalt vorbei gewählt worden, so dass es kaum verwunderlich scheint, dass bei der erneuten Veröffentlichung dieses Werkes als Kinofilm im Jahre 1958 ein völlig anderen Titel ausgesucht wurde, nämlich „Satan's Satellites“.
Der „Web-Duden“ Wictionary definiert übrigens „Satan“ als „[...] der Gegenspieler Gottes, der Teufel, der Versucher“, während ferner der Begriff „Satellit“ als „[...] menschengemachter Körper, der einen Himmelskörper umkreist“ definiert wird.
Selbst wenn man in einem Anflug von Wohlwollen den Sputnikschock als Entschuldigung für diesen lausigen Titel heranzieht, kommt man nicht umhin zu bemerken, dass auch diese Überschrift aber so wirklich gar nichts mit dem Inhalt zu tun hat. Wenn es nicht auf so sympathische Weise an die nicht minder deplatzierte Benennung des fünften Star-Trek-Films „Am Rande des Universums“ erinnern würde, könnte man schon daran die fehlende Qualität dieses Werkes festmachen.
Doch die Logiklücke zwischen Titel und Produkt setzt sich in der Handlung nahtlos fort.

Der Held könnte den Bösewichtern niemals so schnell folgen?
Kein Problem, er hat doch einen Raketenanzug!


Der verkappte "Rocketeer" darf aus Handlungsgründen die Rakete der Marsmenschen nicht sehen?
Kein Problem, wir verstecken sie unter ein paar Zweigen!

In diesem Bild ist eine Rakete vom Mars versteckt. Gelingt es Dir sie zu finden?
Die Bösewichter fliehen mit einem Zug?
Kein Problem, wir stellen einfach einen Minipanzer neben das Stationswärterhäuschen!


Ja, in „Zombies of the Stratosphere“ schlägt die Handlung ein ums andere Mal Purzelbäume, da versanden Handlungsstränge in der Wüste von Nevada und auch die Handlungsorte sind so generisch, dass sie auch problemlos für einen Western, einen Krimi oder eine Liebesschnulze hätten herhalten können.
Natürlich sollte man das nicht überbewerten, denn dieser Film kostete mit insgesamt 176,357$ in etwa zehntausend Dollar weniger, als eine durchschnittliche Star-Trek-Episode während der zweiten Staffel TOS (vgl. Justman, Robert H.; Solow, Herbert. Star Trek. Die wahre Geschichte. Heyne, 1998, S. 339). Da kann man sich fraglos an einer Hand ausrechnen, dass bei diesem Budget nicht allzu viel Spielraum für große Sprünge blieb. Und daher bediente man sich frei nach den Prinzen munter in der Grabbelkiste vorangegangener Science-Fiction-Produktionen, um die eigene Billig-Fertigung optisch aufzumotzen.
Die ausgedehnten Flugeinlagen des Rocketeer-Vorbildes?
Sämtlich aus „King of the Rocketmen“ entliehen.
Der Einschub mit den Cowboys, die ein Flugzeug beliefern?
Aus dem Western „Bells of Coronado“ gemopst.
Der plumpe Roboter, der Banken überfällt?
Fast die gesamte Szene aus „Mysterious Dr. Satan“ geklaut.


Dieser Raubzug setzte sich sogar soweit fort, dass nicht einmal die Farbversion dieses Films original ist, sondern auf eine Kolorierungskampagne in den Neunzigern zurückging (bei der Gelegenheit fügte man auch das 'introducing Leonard Nimoy' ein, um das Produkt unter den damals zahlreichen Star-Trek-Fans besser verkaufen zu können). Ursprünglich war „Zombies of the Stratosphere“ nämlich ein sogenanntes Serial, also ein mehrteiliges Gesamtwerk in zwölf Akten, dessen Einzelteile üblicherweise vor einem häufig sehenswerteren Hauptfilm liefen und primär dazu dienten, Spannung zu erzeugen, um das Publikum auch in der darauf folgenden Woche ins Lichtspielhaus zu locken. Damit steht es in einer Ahnenreihe mit ähnlichen Vorläufern wie den frühen Ablegern von „Flash Gordon“ oder „Buck Rogers“.
So erklären sich auch die abstrusen Cliffhanger vor jedem Kapitelfinale, die das unausweichliche Ende des Haupthelden heraufbeschwören, nur um kurz darauf zu zeigen, dass der 'Rocketman' und seine Helfershelfer nicht einmal einen Kratzer oder eine Falte in ihre Anzüge bekommen haben.

Vorsicht! Leute die eine Handlung in diesem Film suchen!!
Entsprechend blieb auch nicht sonderlich viel Zeit um sich mit Figurenmotivation, Charakterzeichnung oder besonders viel Handlung abzugeben und daher verwundert es wohl kaum, dass es neben böse und gut, außerirdisch-kriminell und menschlich-heroisch sowie schwarz und weiß kaum Platz für Schattierungen bleibt.
Obwohl gerade letzterer Punkt weder inhaltlich noch politisch korrekt formuliert ist, fällt wenn man sich die ethnische Zusammensetzung der Darsteller einmal genauer ansieht auf, dass in diesem Film Zustände wie in den Hochzeiten der südafrikanischen Apartheid herrschen: Es wird das wirklichkeitsfremde Bild einer rein kaukasischen Population in Kalifornien gezeichnet und nicht einmal im Hintergrund kann man einen schwarzen Passanten ausmachen. Natürlich ist auch das ein der Entstehungszeit geschuldeter Umstand, aber es bleibt festzuhalten, dass dies dann doch eine ganz andere Qualität aufweist: Die Produzenten dieses Films waren scheinbar eher bereit, die Existenz von Tabakwaren, Frauen und kommunistischen Marsmenschen auf Zelluloid zu bannen, als die Präsenz von damals knapp fünfzehn Millionen amerikanischen Staatsbürgern anzuerkennen.


Und wenn wir schon die Entstehungszeit hervorkramen: Die Fünfziger waren eine Zeit, in der Feuerwerkskörper Tricktechnik ersetzten, schnelles Vorspulen als 'Special Effect' verschrien war und ein Film erst dann gut war, wenn auch ein Stuhl auf dem Rücken irgend eines Stuntmans zerschlagen wurde.

Coitus interruptus auf marsianisch

Wer allerdings anhand der Masken eine Traditionslinie zu erkennen glaubt, in der auch der Umstand steht, dass in den ursprünglichen Planungen Spock eine rote Hautfarbe verpasst werden sollte, muss sich in Erinnerung rufen, dass es sich bei „Zombies of the Stratosphere“ ursprünglich um eine Schwarz-Weiß-Produktion handelte, in der man das gesunde Grün der Marsmenschen ohnehin nicht hätte erkennen können.



Wie man im Anschluss auch an den „Denkwürdigen Zitaten“ feststellen kann, die den Gesamtumfang des Textes darstellen, den Leonard Nimoy damals auswendig lernen musste, bietet dieser Film zwar einen Einblick in die erste nennenswerte Rolle seiner Karriere, aber dennoch ist sie weit davon entfernt, allen Ernstes als „recht wichtig“ bezeichnet zu werden. Die echten Hauptrollen in diesem Streifen hatten ganz andere Personen inne und es verwundert in diesem Zusammenhang wohl kaum, dass Nimoys Name ursprünglich statt im Vorspann erst an neunter Stelle des Abspanns zu finden war.

Eine heiße Schokolade mit Extra Sahne und ein zellularer Peptidekuchen mit Pfefferminzüberzug
Fazit. Die Angst vor Kommunisten, Afroamerikanern und Außerirdischen bestimmt diesen Film aus heutiger Sicht. Der über sechzig Jahre alte Streifen wirkt in den meisten Belangen so unzeitgemäß und antiquiert, dass er für normale Menschen mit modernen Sehgewohnheiten nur schwer zu ertragen ist.
Aber selbst wenn man sich darüber seitenlang auslassen kann bleibt festzuhalten, dass es die erste große Rolle des Mannes war, der Jahre später mit seiner Darstellung Spocks zu Recht Kultstatus erreichte. Der Wert dieses Films liegt daher nicht in seiner Qualität, sondern in seinem historischen Gewicht.



Denkwürdige Zitate.

Someone is on the top of the truck!
Narab

Is that the last of it?
Yes, Sir!
Marex und Narab

Sure that box is watertight?
Absolutely! I'll radio Marex, that you arrived safely. You better wait to see if he has any further orders.“
Roth und Narab

Calling Marex, calling Marex! Roth and Shane got here with the money, alright, but someone has just captured them on the outer area.
Is the robot still there?
Yes.“
Narab und Marex

Do we have any explosives that can be detonated under water?
Yes, some of our small TNT bombs will do.
Then get one ready at once. We must set up a booby trap on the shaft.
Yes, Sir!
Marex und Narab

They are right over there, Sir!
Narab

How about the others?
I think they are dead.“
You are in a pretty bad shape yourself. Take it easy and I will call for an ambulance...“
No... You first must stop the bomb!
What bomb?!
In the back cave through the water tunnel. It will blow up soon...“
How can I get in there?
Turn the rock knob at the left wall – just ahead of the trap door... Hurry!
Larry Martin und Narab


Schlussworte. Bei der Auflistung der Must-See-Auftritte Leonard Nimoys haben wir „Zombies of the Stratosphere“ zu Unrecht unterschlagen, obwohl er definitiv sehenswerter ist, als Nimoys Auftritt in Bonanza. Mit diesem kleinen Geburtstagsständchen wollen wir diesen Faux-Pas nun wieder gut machen.
Wer mehr über Leonard Nimoy und seine Karriere erfahren möchte, hat an diesem Wochenende bei der RetroSpockTive in der kleinsten Star-Trek-Ausstellung in Eberswalde die Gelegenheit dazu, denn dort wird das Tafelrundenmitglied Turon einen Vortrag unter dem Titel „Auf der Suche nach Mr. Spock – Leonard Nimoys Karriere in Bild, Video und Ton“ halten.


Weiterführende Leseliste.

LeVar Burton: The Supernatural
DeForest Kelley: Night of the Lepus
Walter Koenig: Moontrap
Colm Meaney: Parked
Colm Meaney: The Damned United 
Nichelle Nichols: The Supernatural
Leonard Nimoy: Die Körperfresser kommen
Leonard Nimoy: Zombies of the Stratosphere
William Shatner: Mörderspinnen
Marina Sirtis: Blind Date
Marina Sirtis: The Wicked Lady