Star Trek Tafelrunde "Hermann Darnell" Potsdam Babelsberg

…dahin zu gehen, wo noch kein Star Trek Fan aus Potsdam, Berlin und Brandenburg zuvor gewesen ist - Infinite Diversity in Infinite Combinations.

Mittwoch, 30. Juli 2014

Star Trek Jumps the Shark 03: TNG



Einleitung. Niemand wird bestreiten können (oder wollen), dass ein Großteil jener Faszination, die Star Trek bis heute ausstrahlt, eng mit der Neuauflage der Franchise durch den Fernsehstart von "The Next Generation" zusammenhängt.
Ohne den Erfolg Picards und seiner Crew wären die nachfolgenden Ableger wie "Deep Space Nine", "Voyager" oder "Enterprise" überhaupt nicht denkbar gewesen und unbestreitbar überflügelte dieser Reboot seinen Vorgänger in puncto Zuschauerinteresse um Längen. "Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert", wie die Serie in der sehr ungenauen deutschen Synchronisation fortan hieß, begründete das TV-Phänomen, dass vor allem viele neue Fans in seinen Bann schlug und ohne die hohen Qualitätsstandards, die durch die Serie gesetzt wurden, wäre auch die Aufregung um die Abrams-Kinofilme wohl nur halb so groß. In diesem Zusammenhang diese Kult-Serie dadurch in Frage zu stellen, dass man Theorien darüber aufstellt, wann die Serie über den berüchtigten Hai sprang, muss im ersten Moment einmal blasphemisch wirken. Hält man solchen Zweiflern jedoch die heute nur noch sehr schwer zugängliche erste Staffel entgegen oder bedenkt, welche Durststrecken die Erfolgsserie in ihrer siebenten (und finalen) Staffel mitunter offenbarte, kann man sicherlich kaum mehr von der Hand weisen, dass es irgendwo einen Knick gegeben haben muss, dem wir im Folgenden auf den Grund gehen sollten. Sämtliche aufgeführten Anzeichen für einen Sprung über die Haifinne sind der Auflistung im ersten Teil unserer Serie entnommen und wie bereits in der vorangegangenen Betrachtung zur Originalserie folgt sie den vier Themenfeldern "Besetzungswechsel", "Charakterentwicklung", "Handlungsentwicklung" und "Kunstgriffe". Dabei kann die Reihenfolge der einzelnen Punkte aus dramaturgischen Gründen variieren und wie gewohnt kann die Zählung der einzelnen Finnen davon abhängen, wie oft ein bestimmter Punkt eintrifft.



1. Besetzungswechsel



Rauswurf eines Hauptcharakters. Zum ersten aber nicht letzten Mal in der Geschichte Star Treks konnte man als Zuschauer Zeuge des (missglückten) Versuchs werden, einer der etablierten Hauptrollen durch eine Neubesetzung neuen Schwung zu verleihen. Der Wechsel von Beverly Crusher zur kantigeren Ärztin Katherine Pulaski und wieder zurück zu Beverly Crusher bleibt wohl bis heute einer der am wenigsten nachvollziehbaren Winkelzüge der verantwortlichen Produzenten. Ob der kurzzeitige Abschied an internen Querelen, anderweitigen Karriereplänen McFaddens oder sich an den vermeintlichen Wünschen der Fans orientierte, wird wohl das Geheimnis der damals Beteiligten bleiben. Dafür bleibt dieses abenteuerliche Bäumchen-wechsel-Dich-Spielchen bis heute ein großes Manko für all jene, die sich die Serie am Stück ansehen möchten.



Die Große Lücke. Bei diesem Punkt können wir thematisch auch gleich beim großen Frauentausch mit Gates McFadden und Diana Muldaur verweilen, denn Dr. Katherine Pulaski gelang es nicht, die großen Fußstapfen auszufüllen, die ihr hinterlassen wurden. Das lag allerdings weniger an ihrer Amtsvorgängerin Dr. Beverly Crusher (die in der ersten Staffel bestenfalls als farblos zu bezeichnen wäre), sondern am Umstand, dass die neue Chefärztin nur allzu deutlich an den markigen Schiffsarzt der Originalserie angelegt war. In ihren Duellen mit dem Ersatz-Spock Data, ihrem ruppigen Patienten-Umgang sowie ihrer Transporterphobie wirkte sie zu oft wie ein Abziehbild Leonard 'Pille' McCoys und ließ die Eigenständigkeit vermissen, die Crusher im Vorfeld schon allein durch ihre Mutterrolle wenigstens im Ansatz andeuten konnte. So war die Rückeinführung von Mama Beverly ein wahrer Glücksfall für die noch junge Serie.


New Kid. Und weil aller guten Dinge drei sind, kann Pulaski aufgrund der genannten Ausführungen ferner auch unter der Kategorie eines 'neuen Gesichtes' aufgeführt werden, dass frischen Wind in die Darstellerriege einbringen sollte. Und auch, wenn dies nur bescheidenen Erfolg einbrachte, blieben die Macher diesem in der Serienbranche weit verbreiteten Prinzip treu, als Wil Wheaton sich allmählich von der “Next Generation” verabschiedete und mit Ro Laren ein gänzlich neuer Charakter mit vielen Ecken und Kanten die vermeintlich verkrusteten Figurenbeziehungen aufbrechen sollte. Doch auch für Michelle Forbes blieb die Serie nur ein kurzes Intermezzo; sie verließ TNG ebenfalls nach kurzer Zeit und schlug sogar das Angebot aus, ihre Rolle bei "Deep Space Nine" als Teil der Hauptbesetzung fortzuführen.




Pubertät. Eine der tragischsten Erfahrungen eines Kindes auf dem Weg zu einem Erwachsenen ist fraglos die Pubertät. Und diese Metamorphose durften die Zuschauer am Beispiel des einst kleinen und vorlauten Wesley Crushers Woche für Woche miterleben. Der Fremdschämfaktor war bei dessen Schwärmereien, modischen Fehltritten und Egozentrierung erschreckend hoch. Dass sich der junge Wesley eben nicht in einen wunderschönen Schmetterling, anmutigen Schwan oder wenigstens der gewagten Prognose Qs in “Rikers Versuchung” verwandelte, ist sicherlich zu einem großen Teil an der Frustration Schuld, die Wil Wheaton bis heute ob seiner damaligen Darstellung in Fankreisen immer wieder entgegenschlägt.




2. Charakterentwicklung

Richtungswechsel. Und wo wir gerade bei Wesley sind: Eigentlich war die Karriere des Enterprise-Ziehkindes so wunderschön vorgezeichnet. Vorzeitiger Dienst auf der Enterprise, Blitz-Studium an der Sternenflottenakademie und Rückkehr als Offizier an Bord des Schiffes, auf dem Mutti die Wehwehchen seiner Idole kuriert.
Doch Pustekuchen!
Bei Wheatons finalem Auftritt in “Am Ende der Reise” entwickelte sich der Schiffszögling in eine so abstruse Richtung, dass selbst die letzten Crusher-Sympathisanten nur noch fassungslos mit dem Kopf schütteln konnten. Es verwundert jedenfalls kaum, dass dieser seichte Abschluss unter der Führung des Reisenden im letzten TNG-Kinofilm “Nemesis” wieder revidiert wurde. Dort saß der ehemalige Tourist nämlich wieder in Sternenflottenuniform unter den Hochzeitsgästen, auch wenn es für das ohnehin bereits zerrüttete Verhältnis zwischen Fans und Schauspieler bereits viel zu spät war.



Zuwachs. Nachdem Wesley schließlich dem Niedlichkeitsfaktor entwachsen und im Verlaufe der Serie immer seltener zu sehen war, begannen neue Kindergestalten die Flure der USS Enterprise unsicher zu machen. Doch während  Molly O'Briens Auftritte verhältnismäßig überschaubar ausfielen, begann Alexander Rozhenko als Sohn Worfs immer mehr den Platz einzunehmen, den zuvor Wesley Crusher innehatte und trieb dem Fernsehzuschauer ein ums andere Mal Sorgenfalten auf die Stirn. Schon allein das plötzliche Auftauchen des illegitimen Sohnes des Sicherheitschefs der Enterprise ist mit ‘hanebüchen’ noch sehr wohlwollend umschrieben und dass Alexander sang und klanglos verschwand, nur um in "Deep Space Nine" eine äußerst fragwürdige Wiederauferstehung als Schiffstolpatsch zu erfahren, trug auch nicht gerade dazu bei, der Popularität des Charakters neuen Auftrieb zu verleihen. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass erst TNG die Tradition nerviger Kinderdarstellungen innerhalb Star Treks begründete.





Das zweite Gesicht. So wirklich neu war ein Großteil der Figurenkonstellation bei TNG nun wirklich nicht. Jeder, der einmal den Entwurf zur geplanten (aber nie ralisierten) TOS-Fortsetzung "Phase II" gelesen hat, wird deutliche Parallelen erkennen können. Aber auch, wer sich nicht die Mühe macht, kann bereits anhand des ersten Star-Trek-Kinofilms (der Leinwand-Realisierung der Serienidee) einige vertraut gewordene Ansätze erkennen:
Der junge erste Offizier, der den eigentlichen Captain bei dessen Arbeit selbstlos unterstützt und als großer Frauenschwarm gilt.
 Die sinnlich-erotische Außerirdische, die früher mal eine Beziehung mit dem mittlerweile zum ersten Offizier aufgestiegenen Mann führte und über außergewöhnliche Psycho-Fähigkeiten verfügt.
In der Serie war außerdem noch ein Vulkanier namens Xon eingeplant, der zwar nicht zu emotionalen Ausbrüchen fähig war, aber zur Belustigung der Crew immer wieder versuchen sollte, menschliche Verhaltensweisen zu ergründen. Im Film wurde die Figur durch den beim Transporterunfall verstorbenen Wissenschaftsoffizier Sonak angedeutet, während der ursprünglich für die Serien-Rolle gecastete David Gautreaux in einer Nebenrolle als Commander Branch zu sehen war.
Die Parallelen zwischen Will Decker und Wil Riker, Ilia und Deanna sowie Xon und Data sind jedenfalls ein deutlicher Beleg dafür, dass auch vieles in der hochgelobten Dynamik der "nächsten Generation" im Prinzip nichts weiter war als ein Aufguss einer alten Idee.





Autorenliebling. Wie eingangs eventuell deutlich wurde, zählen sowohl Wesley Crusher, als auch Katherine Pulaski nicht unbedingt zu den Fan-Favoriten, was die Serie jedoch nicht davon abhielt, eine ganze Reihe fragwürdiger Episoden auszuschütten, in denen es sich vorrangig um diese beiden Personen dreht. In "Die Gesetze der Edo", "Die Thronfolgerin", "Mutterliebe", "Die jungen Greise" oder "Planet der Klone" (um nur fünf Beispiele zu nennen) wird schnell deutlich, dass der Ansatz möglicherweise gut gemeint war: Die Autoren wollten mehr Tiefe, Substanz und Leben in diese Figuren bringen.
Doch im Endeffekt ging dieser Schuss völlig nach hinten los. Entsprechende Episoden vergrößerten den Abstand zwischen Fanbasis und Figuren noch weiter, gute Plots wurden zugunsten lahmer Charakterentwicklungshilfe zu Nebenhandlungen degradiert und häufig wirken die Bemühungen so gekünstelt, dass es schlichtweg keinen Spaß macht, solchen konstruierten Inhalten zu folgen.



Substanzverlust. Wie ein Versprechen muten Picards Worte im TNG-Pilotfilm an, mit denen er den zukünftigen Gegner der Föderation beschreibt:

"Sie wissen natürlich, dass die Ferengi ihre Verbündeten sehr oft verspeisen".

Entsprechend spannungsgeladen wie ernüchternd war dann auch das erste Aufeinandertreffen in "Der Wächter". Mit jeder weiteren Folge verkamen die ursprünglich als Hauptantagonisten angelegten Aliens mehr und mehr zur Lachnummer und mündeten schließlich in dem Zerrbild einer Supermacht, die im Dominionkrieg keine nennenswerte Rolle spielen sollte.



3. Handlungsentwicklung



Achterbahn. Heute mutet es beinahe wie ein Wunder an, dass TNG eine solche Erfolgsgeschichte schreiben konnte. Hätte die bislang letzte Star-Trek-Serie "Enterprise" etwa eine qualitativ ähnlich fragwürdige erste Staffel abgeliefert, hätte sie das grüne Licht einer vierten Staffel sicherlich nicht mehr gesehen. Doch TNG gelang das Kunststück, die Qualität deutlich nach oben zu schrauben und konnte sogar einen Begriff prägen, der das exakte Gegenteil zu "Jumping the Shark" bildet. Die Redewendung "Growing a Beard" bezieht sich auf die Gesichtsbehaarung Rikers, die ab der zweiten Staffel auch von einem Aufwärtstrend zeugte. Nun kann man sicherlich darüber streiten, ob denn tatsächlich jene Staffel, in der Autorenstreik, Katherine Pulaski und "Kraft der Träume" das Geschehen dominierten, bereits als 180-Grad-Wende bezeichnet werden kann, doch unbezweifelbar lag die Qualitätsmesslatte der Staffel höher als die der ersten. Fortan mauserte sich die Serie zu dem, was die Fans bis heute lieben, auch wenn es spätestens ab Einschnitten wie der zeitgleichen Ausstrahlung von "Deep Space Nine", dem Tod Gene Roddenberrys oder dem Anbruch der definitiv letzten Staffel auch wieder zu Abflachungserscheinungen kam.



Wildwuchs. Eine der bis heute unverständlichsten Entwicklungen innerhalb TNGs wird wohl die in "Die Raumkatastrophe" beschriebene Weltraumverschmutzung durch Warpantriebe sein. Dabei geht es gar nicht einmal um die nur mäßige Interpretationsfähigkeiten fordernde Parabel auf die Umweltverschmutzung in unserer Gegenwart, sondern um ein einschneidendes Ereignis im gesamten Serien-Universum, das fortan die Handlung beschränkte. Ab diesem Zeitpunkt durfte die Enterprise nämlich nur noch mit angezogener Handbremse (also maximal Warp fünf) fliegen. Kein Wunder, dass diese Idee nach und nach aufgegeben wurde, Während man bei "Deep Space Nine" und im ersten TNG-Kinofilm "Treffen der Generationen" gar nicht erst darauf einging, verfügte die USS Voyager immerhin über einen verbesserten Warpantrieb und entzog sich damit dem Damoklesschwert, dass stetig über der restlichen siebenten Staffel TNGs schwebte.


Messlattenhoch. Fragt man in Fankreisen nach der besten TNG-Episode überhaupt, so wird immer wieder der Titel "Das zweite Leben" fallen. In vielen Fanumfragen, Erhebungen und Preisnominierungen führt diese tatsächlich großartige Folge das Feld an. In der Tat repräsentiert sie vieles, was die Serie ausmacht: einen philosophischen Zugang im Science-Fiction-Gewand, eine Zentrierung auf das schauspielerische Talent Patrick Stewarts und Spannung, ohne auf bildgewaltige Raumschlachten, Schießereien oder Explosionen zu setzen. Dennoch fällt sie erzähltechnisch aus dem Rahmen, bildet einen markanten Einschnitt in der Entwicklung Picards und beschränkte die Auftritte des restlichen Casts auf ein Minimum (Marina Sirtis ist in dieser Episode sogar gar nicht zu sehen).
Aber all diese Faktoren machten "Das zweite Leben" zu einem Fixpunkt der Star-Trek-Geschichte. Keine Folge im Vorfeld und keine die danach gesendet wurde konnte die hohen Qualitätsstandards, die diese einzelne Episode zu setzen wusste, je wieder erreichen. Was allerdings nicht heißen soll, dass es keine guten Folgen mehr gab, aber keiner Episode gelang es mehr, diesen Niveaugipfel zu erklimmen und fortan stand alles im Schatten dieses einen Meisterstückes aus der fünften Staffel.




Hochzeit. Abgesehen von einigen Versuchen gab es nur eine eizige Hochzeit im Serienverlauf, deren Zeuge der Fernsehzuschauer werden durfte. Bei der Ehelichung von Keiko Ishikawa und Miles Edward O'Brien zogen gleich zu Beginn der Episode Gewitterwolken auf, aber der geneigte Fan der Serie hatte Glück in Unglück: Da die beiden O'Briens nur kurze Zeit später auf der Raumstation Deep Space 9 ihr Glück suchten, blieb ihm der Anblick einer Menge Ehestreitigkeiten erspart. Erst im Laufe der Serie "Deep Space Nine" erwuchsen aus den unsympathischen Ansätzen, die Keiko bereits an Bord der Enterprise offenbarte, jene unangenehmen Charakterzüge, die O'Brien eher Mitleid zuteil werden ließen...




Gaststarinflation. Wer TNG einigermaßen aufmerksam gesehen hat, dem wird nicht entgangen sein, dass sich Gaststars in dieser Serie wahrlich die Klinke in die Hand gaben. Das begann schon mit den Auftritten diverser TOS-Stars wie DeForest Kelley, Leonard Nimoy und James Doohan. Eine zweite Welle bildeten verdiente Schauspieler wie Whoopi Goldberg, Dwight Schultz oder Kelsey Grammar. Und weil Star Trek damals großes Medieninteresse genoss, ließen es sich auch weitere Sternchen wie der Komiker Joe Piscopo, der Basektballspieler James Worthy oder der Sänger Mick Fleetwood nicht entgehen, ihre Fußstapfen in der Serie zu hinterlassen. Wer aber dachte, dass dies lediglich eine exklusive Nische für die Prominenz des US-amerkianischen Showbiz' bleiben sollte, sah sich mit den Auftritten von wissenschaftlich bedeutenden Personen wie dem Physiker Stephen Hawking oder der Astronautin Mae Jemison getäuscht. Ergänzt wird diese Illustre Liste glanzvoller Namen zusätzlich durch eine Reihe von Schauspielern, die während ihres TNG-Auftrittes noch nicht den Bekanntheitsgrad innehatten, der ihnen heutzutage zuteil wird. So traten beispielsweise auch Kirsten Dunst, Teri Hatcher oder Famke Janssen in mehr oder weniger überschaubaren Cameos in Erscheinung. Auch wenn es außergewöhnliche Stargastauftritte auch in anderen Star-Trek-Serien gab, so drängelten sich die meisten Sternchen fraglos bei TNG zusammen.




Urlaub. Man könnte an dieser Stelle durchaus mit einiger Berechtigung anmerken, dass Picards Zwangsfreizeit in "Picard macht Urlaub" hier nicht unbedingt mitaufgeführt werden sollte, da seine Ferien keinen eklatanten Einfluss auf die Serie hatten und sie auch nicht beeinflussten. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn tatsächlich war sein Ferienabenteuer mit Vash der Grundstein für "Gefangen in der Vergangenheit" und hatte damit sogar Auswirkungen auf Episoden wie "Eine hoffnungslose Romanze", "Der Feuersturm" oder "Kontakte". Damit war das Verhalten der Captains im Prinzip durch die Ereignisse eines einzigen Urlaubs bestimmt, weswegen man diesen durchaus ins Feld führen sollte.





Faule Eier. TNG haftet der Makel an, bis heute die einzige 'echte' Clip-Show der Star-Trek-Geschichte fabriziert zu haben. Zwar kam die Episode "Kraft der Träume" vorrangig deswegen zustande, weil aufgrund eines Autorenstreiks Drehbücher fehlten, doch bis heute hält sie auch aufgrund der fehlenden Qualität die Rote Laterne unter den beliebtesten Star-Trek-Folgen fest.



Haarteil. Eigentlich war die Frisurenpolitik bei Star Trek vergleichsweise entspannt, wofür nicht zuletzt Gene Roddenberry selbst sorgte, der auf die Frage eines Journalisten, ob Glatzköpfigkeit im 24. Jahrhundert nicht kuriert werden könnte, antwortete: "Im 24. Jahrhundert kümmert es niemanden mehr".
Dennoch blieb frisurentechnisch Rikers Bart (vgl. "Achterbahn") hängen, auch wenn eine andere Frisurenentwicklung viel aussagekräftiger war: Das Haarteil, dass Marina Sirtis im Verlaufe späterer Staffeln verordnet bekam, trug maßgeblich zu ihrer Wandlung zu einem Sex-Symbol bei.

Bildquelle: diply.com



Augenwischerei. Doch im Wandel Deanna Trois vom Schiffsberater zum Objekt der Begierde wandelte TNG auch stets auf dem schmalen Pfad unterschwellig Sex als Verkaufsmittel zu benutzen. Zwar waren die entsprechenden Momente noch überschaubar, doch die Produzenten formten damit den Ausgangspunkt für eine bedenkliche Entwicklung bei Star Trek, die in Seven of Nine und T'Pol seinen zweifelhaften Höhepunkt erfahren sollte.




Schoßtierchen. Als allmählich klar wurde, dass in puncto Niedlichkeit mit Wesley, Alexander oder Molly keine Pferde zu gewinnen waren, setzten die Drehbuchschreiber einen genialen Kniff ein, um die niederen Instinkte des Zuschauers anzusprechen. Obgleich Brent Spiner nicht unbedingt als Katzenfan gilt, erhielt sein Alter Ego Data einen felinen Mitbewohner und fortan entwickelte sich Spot zum Liebling der Drehbuchautoren und Fans. Ein genialer Schachzug, der dem Auftauchen von Katzenvideos im Internet um Jahre vorausging.



4. Produktionsentwicklungen




Absolutismus. Im Spiegelinterview gab Patrick Stewart 1999 über TNG zu Protokoll:

"Die große Schwäche der Serie war leider über Jahre der latente Sexismus Roddenberrys, gegen den wir uns anfangs nicht energisch genug gewehrt haben. Die Frauenrollen waren oft so angelegt, daß sie kaum ins 20. Jahrhundert paßten, geschweige denn ins 24.; ich habe viel Wert darauf gelegt, das zu ändern."

Der Satz verdeutlicht ein Dilemma der Serie. Zu Beginn wurde sie von den Visionen und Eingaben Gene Roddenberrys dominiert, dessen Eingriffe besonders in der ersten Staffel deutlich sichtbar blieben. Mit zunehmender Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Star-Trek-Erfinders wendete sich das Blatt. Die mittlerweile selbstbewusster auftretenden Schauspieler und einige Produzenten übernahmen Verantwortung. Dadurch kam es natürlich auch zu Konflikten, wie etwa die französische Herkunft Picards zeigt: War sie zu Beginn der Serie noch vergleichsweise stark ausgeprägt, gewannen britische Elemente durch den Einfluss Stewarts immer mehr an Bedeutung.



Überstürzter Abschied. Einen der denkwürdigsten Momente TNGs haben wir bislang geflissentlich ausgelassen (bzw. extra für den Schluss aufgehoben): Das Aussscheiden Denise Crosbys aus der Serie. Nachdem sie bereits am Ende der ersten Staffel keine Zukunft mehr in ihrer Rolle sah, stieg die Darstellerin Tasha Yars kurzerhand aus der Serie aus. Eine Entscheidung, die sie bereut haben dürfte. Während ihrer eigene Karriere keine nennenswerten Sprünge gelangen, wurde die Star-Trek-Serie zu einem kommerziellen Erfolg. Im Lichte dieser Entwicklung mutet es nur bedingt merkwürdig an, dass Crosby sämtliche Gelegenheiten nutzte, um wie in "Die alte Enterprise", "Wiedervereinigung?" oder "Gestern, Heute, Morgen" erneut aufzutreten. Während der Wiedereinstieg anderen Schauspielern wie Michelle Forbes oder Wil Wheaton leichter fiel, blieb Crosby nur der Erfindungsreichtum der Drehbuchautoren, um wieder an Bord anheuern zu können.



Endstand. Gesamtzahl der Haisichtungen:




Zusammenfassend bleibt zu bemerken, dass TNG Abstriche in allen Bereichen offenbarte, auch wenn sich vermeintlich negative Aspekte zuweilen ins Positive verkehrten. Zudem liegt die Serie mit 28 Finnen knapp unterhalb des Niveaus der Originalserie, obwohl TNG etwa einhundert Folgen mehr zu bieten hat.
Mit der Bezeichnung "Growing a Beard" gelang es ferner, den Gegenbegriff zu "Jumping the Shark" zu etablieren und es Bedarf schon einiger Anstrengungen, an dieser Serie wirklich einen Wendepunkt festmachen zu können.



Der Moment des Haisprungs: Staffel 5, Episode 25 "Das zweite Leben"



Wenn es eine Episode gibt, die aus den vielen guten TNG-Episoden heraussticht, dann ist dies fraglos "Das zweite Leben". Die Folge setzte die Standards, an denen sich die nachfolgenden Episoden messen lassen mussten. Auch wenn danach noch gute Folgen wie "Das Gesicht des Feindes" , "Beförderung" oder "Genesis" gesendet wurden, hatte die Serie heimlich, still und leise am Ende der fünften Staffel ihren Zenit erreicht. Als anschließend auch noch "Deep Space Nine" in direkter Konkurrenz lief und mit der siebenten Staffel das Ende des TV-Daseins abzusehen war blieb immer noch diese eine Folge als Leuchtturm einer erfolgreichen Serie bestehen.

Alternative Hai-Sprünge. Natürlich sind auch andere Auslegungen abseits von "Das zweite Leben" denkbar.

"Aquiel". Während diese Folge innerhalb der sechsten Staffel solide bis unauffällig gewertet werden kann, bildet sie einen markanten Einschnitt innerhalb Star Treks. Einen Tag, nachdem sie am 2. Januar 1993 ausgestrahlt wurde, wurde auch die der Pilotfilm der nächsten Star-Trek-Serie "Deep Space Nine" gesendet. Ab diesem Punkt gab es zwei Serien, die zwar nicht in puncto Sendezeit, aber doch zumindest in thematischer Konkurrenz miteinander standen. Auch mit der Beendigung TNGs hielten die verantwortlichen Fernsehproduzenten an dieser zweifelhaften Strategie fest und ließen auch "Star Trek: Voyager" parallel laufen. Dieses Überangebot führte einigen Fans zufolge zu Ermüdungserscheinungen und einem Informationsüberschuss beim Zuschauer, der mitverantwortlich für den Niedergang der Franchise gemacht wird. Zudem wanderten auch einige talentierte Drehbuchautoren, Regisseure und Schauspieler ab, was auch Auswirkungen auf die Qualität TNGs hatte.



"Gefahr aus dem 19. Jahrhundert, Teil II". Mit dem zweiten Teil dieser Episode wurde die finale siebente Staffel eingeleitet. Den Schauspielern und Produzenten war spätestens ab diesem Zeitpunkt bewusst, dass dies der Schlusspunkt der Serie werden würde und vielleicht waren aus diesem Grund die Zügel vergleichsweise locker gespannt. Zudem war den meisten Schauspielern klar, dass ihre Karriere anschließend auf der großen Kinoleinwand eine Fortsetzung finden würde, während die meisten Produzenten bereits in die Planungen für die nächste Star-Trek-Serie "Voyager" involviert waren, deren Produktion sich direkt an die finale Episode "Gestern, Heute, Morgen" anschloss. Eine Mischung aus Trott und sinkendem Interesse an der auslaufenden Serie sorgte auch für einen leichten Abwärtstrend, dem erst durch das Serienfinale Einhalt geboten wurde.



Soweit also meine Gedanken dazu, wann TNG über den berühmten Hai sprang. Das Thema ist ohne Frage kontrovers und ich behaupte nicht, dass meine Erkenntnisse deckungsgleich mit den Empfindungen anderer Fans sein müssen. Wenn Du also selbst anderer Meinung bist und den Zeitpunkt des Qualitätsverlustes an völlig anderer Stelle ansetzen würdest oder Deiner Meinung nach ein gewichtiger Aspekt in meiner Auflistung fehlt, so lass es uns in den Kommentaren wissen!

Weiterführende Leseliste:

Star Trek Jumps the Shark 01: Star Trek 
Star Trek Jumps the Shark 02: TOS 
Star Trek Jumps the Shark 03: TNG
Star Trek Jumps the Shark 04: DS9
Star Trek Jumps the Shark 05: Voyager
Star Trek Jumps the Shark 06: Enterprise

Samstag, 26. Juli 2014

Auf dem Sprung zum Videostar

Weibliche Verstärkung erfordert neue Uniform
Eine überwiegende Mehrheit der ST Tafelrunde kennt sie und war schon auf ihr zu Gast: die Brücke der USS K'Ehleyr, zu finden im FEZ Wuhlheide in Berlin bei Potsdam. Bei unserem letzten Besuch konnten wir feststellen, welche erstaunlichen Verbesserungen gerade im Konsolen- und Displaybau die Truppe gemacht hatte. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, dass auch Andere auf diesen kleinen Ort der Phantasie und der Verwirklichung von Nerdträumen aufmerksam wurden. So wie Alexa.
Alexa Karolinski ist eine Halbkanadierin die in Berlin geboren wurde und auch dort aufgewachsen ist. Die Filmemacherin hat unter anderem einen Abschluss der New York School of Visual Arts
Hier nun das Produkt des Videodrehs. Und wenn man genau hinsieht...letzten Freitag noch bei uns in Babelsberg, nun hier im Video zu sehen: Marcus! Danke für diesen sehenswerten Link! (auch wenn die Musik nicht so ganz mein Fall ist! Aber Eure Brücke sieht echt cool aus!)

 

Und da gibt es noch ein Video, auf was ich Euch aufmerksam machen will. Und dieses kommt, wie wohl nicht anders zu erwarten, von Five Year Mission. allerdings handelt es sich hierbei um ein Video, auf welches wir schon im Februar 2013 hingewiesen hatten, es stammt nämlich nicht vom aktuellen 3.Album der Band sonder von der zweiten Platte! "Who Mourns for Adonais". 



Die Band nahm diesen Titel nun nochmals quasi unplugged am 19.Mai 2014 im Comicladen "Hero House" in Indianapolis auf, auch sehens- und hörenswert.

1112 Prospect St, Indianapolis, IN 46203, USA

Mittwoch, 23. Juli 2014

Die Tafelrunde zu Gast bei Radio Potsdam 89.2



Nicht alle Tage hat man die Gelegenheit, im Radio über sein liebstes Hobby zu reden. Im Zuge der Reihe "Gemeinsam für Hier" sprach Moderator Paul Schröder auch mit Vertretern der Tafelrunde. Dabei ging es sowohl um unsere Gruppe, ihre Mitglieder und auch um das Fan-Dasein. Das Studio selbst steht in der Brandenburger Straße 48 und ist ein prächtiger Gründerzeitbau mit schmucker Innenstuckfassade. Die nervösen Tafelrundengänger wärmten sich mit Kaffee für das Gespräch vor oder kühlten sich mit Wasser aufgrund der bestehenden Hitzeverhältnisse ab. Nach ein paar einleitenden Worten ging es auch schon los.


Rot heißt: Ruhe!

Auffallend am Studio war das fehlende Mischpult. Dafür war es mit einer Vielzahl an Monitoren ausgestattet, auf denen Paul gelegentlich Programmpunkte hin und her schob. Zwischen den Musikblöcken konnten wir immer wieder die Aussicht genießen, die das Studio auf die Innenstadt Potsdams bot. Wann immer das Mikro rot leuchtete, durften wir weitermachen und Paul stellte die alles entscheidende Frage: Wie hat unsere Begeisterung für Star Trek eigentlich begonnen?
Die Frage klingt auf den ersten Blick so, als wäre sie leicht zu beantworten. Beinahe so, als würde jemand fragen, was 'Zeit' bedeutet. Im Nachhinein fallen einem immer intelligente Antworten ein. Aber ich tat mich da wohl ein wenig schwer, während Turon und K'olbasa vergleichsweise relativ souverän wirkten. Diese Nervosität sollte sich bei mir den ganzen Abend über nicht legen, aber das machte das Ganze wiederum zu etwas Besonderem. Wäre ich wie ein Profi in die Sendung gegangen, hätte ich wohl nur halb so viel Spaß gehabt.

K'olbasa (rechts) und unser Moderator Paul (links)
Pauls Schaltpulte: Man beachte die CD von Five Year Misson.


Paul streute hin und wieder Zwischenfragen ein um die Musikblöcke aufzupeppen und das nutzten K'olbasa und Turon um Five Year Mission in das Programm zu schmuggeln. Paul begeisterte die Idee, seine Sendung mit einer Deutschlandpremiere dieser amerikanischen Band zu krönen und K'olbasa flitzte zum Auto um die CD zu besorgen. Einige Zeit später kehrt er weder schwitzend noch schwer atmend zurück, was angesichts der Temperaturen und einer Vielzahl an Stufen des Treppenhauses seltsam anmutete. Die Band im Radio zu hören, ließ ihn aber so einiges vergessen. Die Begeisterung war auch Turon anzusehen, wie das folgende Video beweist.



Alles in allem war unser Moderator sehr entgegenkommend und nahm sich Zeit, unsere vielen Fragen zu beantworten. So erfuhren wir, dass er schon in jungen Jahren mit dem Moderieren anfing. Er zeigte uns mit welchem Programm er arbeitete und wie es um die Radiolandschaft so bestellt ist. Weiterhin schwatzten wir dann "On Air" über Star Trek in Berlin und Brandenburg, es gab einen (sehr) kurzen Schlagabtausch darüber, wer der beste Captain des Franchises ist und wie uns neue Mitglieder erreichen können. Alles Weitere erfahrt Ihr im Radiomitschnitt, da ich hier nicht allzu viel vorweg nehmen möchte. Aber die Bilder dürfen nicht fehlen. Hier ein paar kleine Eindrücke:


Das ist ein Mikrofon!

Weiß ich doch, Turon!

Nein, ich salutiere nicht, es sind diese verdammten Haare!

Blick auf den "Broadway"!
Hier nun der Mitschnitt der Radio-Sendung vom 21. Juli 2014

Montag, 21. Juli 2014

Stammtisch vom 18.07.2014: Die Highlights

Wieder einmal war es soweit. Die Besatzung der Star Trek Tafelrunde hatte sich am 18.07.2014 zu ihrem all monatigen Stammtisch in ihrem Hauptquartier, dem Albers, zusammengefunden. Trotz Sommerloch haben sich wieder viele Tafelrundler eingefunden, um über ihr Lieblingsthema zu sprechen und einen entspannten Abend mit Gleichgesinnten zu verbringen.

Sonnenuntergang in Griebnitzsee, die Star Trek Tafelrunde startet ins Wochenende. Foto: Shen Phoenix
Viel Bier, viel Origami, viel Lachen und ein kleiner Papierflieger sorgten für heitere Momente und trotz Hitze und beengtem Raum, war unsere Runde wieder zahlreich.

Die Tafelrunde startet ins Wochenende
Ein kleiner Flieger sorgt für Stimmung: Die U.S.S. Bärbel..,
und stahl beinahe dem Origami-Establishment die Show ;)
Zudem haben wir recht fotogene Besatzungsmitglieder, wie unsere Miri...
...unsere V'Nai
...wie unser Käptain...
...unser werter Strifes. Mehr Portraits, wenn ihr dem Dropboxlink folgt.
Wieder einmal ein sehr schöner Abend...
...Vielen Dank allen...
..., die da waren..
...bis zum nächsten Stammtisch in einem Monat am 22.08.2014

Vielen Dank unserem Fotografen Long für die schönen Fotos. In der Dropbox findet ihr die restlichen Bilder (Link). Viel Spaß.

Samstag, 19. Juli 2014

Von wegen Besessenheit!

Wer sagt hier, die Schreiberlinge und Autoren des Blogs der Star Trek Tafelrunde wären besessen von der coolen Musik einer Band, die es sich zum Ziel gesetzt hat, alle Folgen eine SciFi Serie musikalisch umzusetzen? Na gut, ich gebe es zu....eine gewisse "Obsession" für die smarten "FanBoys" aus den USA kann ich ich nicht verhehlen.Deshalb hier ihr neuestes Video.


Ich widme dieses Video einem großartigen Österreicher, welcher gestern im Alter von 88 Jahren verstorben ist: Dietmar Schönherr alias Major Cliff Allister McLane. Er prägte wie kein anderer, sieht man mal vom berühmten Bügeleisen ab, die kurzlebige deutschsprachige SciFi Serie "Raumpatrouille Orion". Unter diesem Gesichtspunkt bekommt die kürzlich stattgefundene Außenmission der Star Trek Tafelrunde zum Vortrag von Dr. Rüdiger Zill (die Tafelrunde berichtete) eine ganz neue Dimension. Wir verneigen uns vor dem Schauspieler, Sänger, Synchronsprecher, TV-Moderator und engagierten Menschen füe soziale Projekte und prominenten Vertreter der Friedensbewegung.

Dietmar Schönherr als Cliff Allister McLane


Freitag, 18. Juli 2014

Star Trek und die Philosophie: Habeas Corpus

"Mit dem ersten Glied ist die Kette geschmiedet. Wenn die erste Rede zensiert, der erste Gedanke verboten, die erste Freiheit verweigert wird, dann sind wir alle unwiderruflich gefesselt. Wenn die Freiheit irgendeines Menschen zum ersten mal beschnitten wird, ist das ein Schaden für alle." Aaron Satie

Dieses Zitat lässt sich in keinem philosophischem oder einem juristischem Werk finden. Star Trek hat es hervorgebracht und bezieht sich damit auf das Recht des Einzelnen sich gegen willkürliche Herrschaft, Gefangennahme, Festsetzung aller Art zu wehren. Das meint in diesem Fall, dass man nicht ohne Grund verhaftet werden kann. Der Betroffene hat das Recht zu erfahren, weswegen man ihn in Haft nimmt. Wir müssen dafür einen Blick in die Geschichte werfen und schließlich in unsere Gegenwart um zu erkennen, was die TNG-Folge: Das Standgericht für die Rechtsphilosophie bedeutet. Damit ihr warm werdet, gibt es wie immer ein passendes Intro zu unserem Thema.


Wir haben uns wieder einmal auf dem Holodeck versammelt um einen kleinen Blick in die Geschichte zu werfen. Im 17. Jahrhundert herrscht in England die königliche Willkür. Dessen Einwohner werden zum Teil ohne Grund vor den Kadi gezerrt. Das Parlament kämpft verzweifelt dagegen an und verankert 1679 die Habeas Corpus-Akte in den Gesetzen des Königreiches. Was bedeutet Habeas Corpus? Frei übersetzt, bedeutet es, dass der Mensch das Recht auf seinen eigenen Körper hat. Das kennen wir schon: Im Naturrecht ist dieses Recht jedem Menschen gegeben. Das Gesetz hingegen geht jedoch weiter, als im Naturrecht vorgesehen. Kurz gesagt: Jeder Mensch hat ein Anrecht auf die Prüfung seiner Anklage und das Wissen darum. So gesehen war dieses Gesetz, das auch in die Bill of Rights Eingang fand, wesentlicher Bestandteil eines Widerstands gegen jedwede juristische Willkür. Dazu gehört auch die später stattfindende Trennung von Jurisprudenz und exekutiver Gewaltausübung. Simpel gesprochen: Der König oder Herrscher eines Landes darf nicht zugleich Richter sein oder juristische Macht ausüben. Diese juristische Macht wurde im Mittelalter bis in die späte Frühe Neuzeit in Form von Standgerichten ausgeübt. Ob sich die Generäle oder Kriegsherren dabei auf ihre Trommeln oder Vergleichbares setzten, wie es Picard in der heute thematisierten Folge anspricht, ist dabei völlig nebensächlich. Die Art und die Durchführung dieser Schnellgerichte ist dabei entscheidend.

Der Angeklagte hat kein Recht auf Widerspruch. Die Strafe wird sofort vollzogen und beinhaltete größtenteils die niedere Gerichtsbarkeit, führte aber zur Willkür. Ich will hier gar keine Beispiele nennen, sondern gleich auf unsere heutige Folge eingehen.

Simon Tarses' Großvater war Romulaner. Ein Fakt, den der junge Sternenflottenoffizier bei seiner Bewerbung an der Akademie verschwieg. Macht ihn das zu einem potenziellen Verräter? Wir kommen darauf zurück. Als auf der Enterprise ein Klingone, der als Austauschoffizier fungiert, bei einem Diebstahl erwischt wird, schlägt das große Wellen. Norah Satie wird im Auftrag der Sternenflotte zur Enterprise geschickt um den Vorfall einer Explosion und den begangenen Diebstahl des Klingonen zu untersuchen. Der Klingone verneint zwar einen Gehilfen gehabt zu haben und will mit dem Vorfall im Maschinenraum nichts zu tun haben, doch die steife Lady von der Gerichtsbarkeit der Sternenflotte sieht einen Zusammenhang zwischen beiden Vorfällen. Später stellt sich heraus, dass Vorfall im Maschinenraum ein technisches Wartungsproblem war und mit dem Diebstahl des Klingonen nichts zu tun hatte. Dennoch will die Richterin ihre Suche nicht aufgeben. Simon Tarses ist für sie der Komplize. Tarses gab dem Klingonen Injektionen und hin und wieder sollen sich die beiden mit anderen Crewmitgliedern in Zehn Vorne unterhalten haben. Ist Tarses schuldig. Hier beginnt mein philosophisches Problem.

Wenn ich zunächst annehme, dass es einen Komplizen gegeben haben muss, aber die (späteren) Fakten darauf hindeuten, dass der Klingone sich die Informationen allein beschafft hat, sehe ich keinen Sinn und keine Logik dahinter Indizien oder eher Vermutungen als Fakten zu präsentieren nur um eine Wahrheit zu erschaffen, in der Simon Tarses schuldig ist. Der Fehler liegt in der menschlichen Irrationalität und in dem was man Paranoia nennt. Die Verschwörung wird am Anfang der Folge zugrunde gelegt und Norah Satie bleibt bei ihrem Standpunkt und zwar aus folgendem Grund, den ich kurz mit einem Zitat belegen möchte:

Norah Satie: "Er war ein außergewöhnlicher Mann. Jedes Mal stellte er beim Abendessen eine Frage zur Diskussion. Meine Brüder und ich, wir stritten dann immer über diesen Punkt und über jenen. Vater spielte den Schiedsrichter und er hat immer die Zeit gestoppt, damit wir lernen uns kurz zu fassen. Aber wir durften nicht aufstehen bis wir das Thema nicht vollständig ausdiskutiert hatten."
Jean-Luc Picard: "Ich wette, sie behielten bei diesen Debatten die Oberhand über ihre Brüder."
Norah Satie: "Mehr als einmal."

Hier lassen sich mehrere Dinge feststellen. Die rüstige Dame verliert nicht gern und ist es gewohnt sich durchzusetzen. Ein gewisser Hang zur Manie ist dieser rüstigen Lady ebenfalls nicht abzusprechen und sie strahlt Selbstsicherheit aus. Sie betont weiterhin, dass sie gern allein arbeitet um leichter auf Fehler in einem Verfahren aufmerksam zu werden. In dieser Folge muss sie mit Picard arbeiten, der für sie in der Sternenflotte scheinbar ein Fehler auf zwei Beinen zu sein scheint. Wie wir später erfahren, will sie die Kontroverse um die Verschwörung nutzen um einen der größten Captains der Sternenflotte karrieretechnisch den Garaus zu machen. Ihre Machtbesessenheit scheint ihr jedoch im Weg zu stehen.

Was ist Macht? Für Michel Foucault ist es ein komplexes Beziehungsgeflecht aus vielerlei Richtungen. Macht ist eine Verhandlungsbasis auf deren Ebene sich meist mehr als zwei Seiten tummeln, so der französische Philosoph. Ist das wirklich so? Macht ist in ihrem Kern zumeist darauf ausgerichtet ein einseitiges Produkt zu sein. Ansonsten könnte man nicht von einem Machtverhältnis sprechen. Es muss einseitig sein. Genauso könnte man behaupten, dass Äpfel beim herunterfallen die Eigenschaft besitzen nach oben gezogen zu werden. Das kann sicher aufgrund äußerer Umstände passieren, aber das tut es eher selten. Ich hingegen finde, dass Foucault bei seinen Beschreibungen dieser Struktur und des Wortes gern über seine eigenen Füße stolpert und genau das macht, was Norah Satie aucht tut. Beide würfeln sich die Dinge so zurecht, bis sie passen. Foucault machte das mit den historischen Strukturen und Satie mit den Umständen der angeblichen Verschwörung.

Setzen wir einen Punkt: Habeas Corpus soll uns noch heute vor der Willkür einer Verhaftung und dem anschließenden Prozess schützen. Im Grundgesetz, Art. 104 ist dieses Recht verankert, wird aber gern bei Telefonüberwachungen übergangen. Hier können sich vor allem Richter strafbar machen, die eine solche Überwachung richterlich gestatten. Sollte ein solcher Vorfall an das Tageslicht kommen, so kann der Prozess bereits vor Beginn platzen. Dieser Fall trifft auf Simon Tarses nicht zu. Er hat keine Möglichkeit sich dem Prozess zu entziehen aber wir müssen uns die Frage stellen, warum dem so ist.
Es sind vorrangig Indizien, die gegen Simon Tarses sprechen. Seine Lüge bei der Bewerbung zum Beispiel. Der Fakt, dass sein Großvater Romulaner war, macht ihn zwar nicht zum sofortigen Saboteur, aber gibt der Anklage die Möglichkeit sich auf ein Traditionsargument zu berufen: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Dieses Argument ist meist wenig stichhaltig und zudem unlogisch, soll aber den Richter bzw. die Geschworenen beeinflussen. Da merkt man wieder einmal mit welchen windelweichen und kindlichen Argumentationsstrukturen die Juristen auch heute noch arbeiten. Es setzt voraus, dass wir nach der ersten Lüge immer lügen. Das funktioniert aber nicht, denn demnach wären alle Menschen verdächtig, weil jeder schon einmal gelogen hat, bei irgendeiner Tätigkeit. Dies reicht nicht um Simon Tarses einzusperren. Es sind sicher Indizien, die gegen Tarses sprechen, aber sie machen ihn keinesfalls verdächtig. Nun ist die Reaktion Worfs interessant, der jetzt Tarses' Leben durchleuchten möchte. Wie wir wissen, wird er nichts finden und Picard fragt zurecht, worauf sich diese Untersuchung stützen soll.

Es gibt einen ähnlichen Fall aus den Geschichtsbüchern. Dieser historische Justizskandal hat ein ganzes Land tief gespalten. 1894 wird Alfred Dreyfus in Frankreich von einem Gericht angeklagt dem deutschen Botschafter Schwartzkopf Militärgeheimnisse verraten zu haben. Das einzige Argument auf das sich die Anklage damals stützte und mit dem sie in der Öffentlichkeit für extreme Unruhe sorgte, war die Tatsache, dass Dreyfus als einziger Jude im Generalstab diente. Alle anderen Beweise wurden manipuliert und Dreyfus wurde vier Jahre lang auf einer Insel in Festungshaft gesetzt, aufgrund von Paranoia und Judenhass. Der Fall wurde danach aufgeklärt. Bei der Rehabilitierung von Dreyfus war übrigens auch ein gewisser Major Marie-Georges Picquart die Schlüsselfigur. Lassen wir seinem Nachfahren im 24. Jahrhundert die letzten Worte sprechen, um die es in diesem Artikel noch gehen soll:




Zatie versucht Picard zu provozieren, denn sie hat keinerlei Argumente, also dreht sie zurückliegende Geschehnisse verbal um und münzt sie zum Nachteil Picards in dessen Fehlleistungen, ohne dabei wirklich etwas Falsches zu sagen. Als Zuschauer weiß man jedoch, wie diese Aussagen zu behandeln sind. Hier spielt die Folge ihre ganze Stärke aus. In der Zuspitzung dieser Verhandlung. Picard macht etwas Ähnliches. Er zitiert Zaties Vater und weist sie somit in ihre Schranken, denn sie hat dessen Ideale verraten, als sich dazu verleiten liess, Tarses ohne Beweise vor Gericht zu stellen und schließlich Picard als ihren Gegner vor Gericht verbal anzugreifen.

Erschreckend an dieser Szene ist ihre Aktualität und ihre gleichzeitige Verträglichkeit mit vergangenen Ereignissen. Einerseits haben wir hier die moderne Paranoia einer Gesellschaft, die sich einer zunehmenden Bedrohung von außen stellen muss und dabei fast ihre eigenen Ideale gefährdet. Im Gegensatz zur moralisch nahezu intakten Sternenflotte haben die derzeitigen USA aber das Problem, dass sie bereits ihre Ideale verraten haben, indem sie Menschen ohne Anklage weggesperrt haben(Guantanmo) und hinter jedem Menschen eine potenzielle Bedrohung für ihr Land ansehen(Überwachung).
Andererseits ergeht der Hinweis in Richtung der McCarthy-Ära, an der wir sehen, dass Guantanamo kein trauriger Einzelfall zu sein scheint. Allein aufgrund dieser historischen Bezüge und der moralischen Aufgabe, der sich diese Folge mit Bravur gestellt hat, ist sie es wert nochmal gesehen zu werden.

Beim nächsten Mal wird es wieder um Menschenrechte gehen, wir werfen einen philosophischen Blick in die Folge "Author, Author".

Donnerstag, 17. Juli 2014

Kernfusion in Star Trek - Was ist das?

Forscher arbeiten bereits seit 50 Jahren an einer Energiequelle, die die Antwort auf die Energiefrage der Zukunft liefern könnte. Die Rede ist von Kernfusion. Diese Art der Kernenergie ist eine mögliche Alternative zu bisherigen Energiegewinnungsformen. Doch kann diese Technik wirklich den Weg in ein neues Energiezeitalter ebenen? Star Trek meint ja...

Der ITER Forschungsreaktor in Frankreich, Quelle: ZDF NEO, Abenteuer Wissen - Kernfusion
Die Sonne macht es vor, ist sie doch das größte Kernfusionskraftwerk in unserem Sonnensystem. Warum also die natürlichste aller Energiequellen nicht auf die Erde holen?
Nachdem wir als Menschheit die Ressourcen unseres Planeten nahezu aufgebraucht, unsere Schadstoffe in die Atmosphäre geblasen und Meere verschmutzt haben, wäre es doch ein logischer Schritt neue Technologien zu ergründen, um uns von fossilen Brennstoffen unabhängiger zu machen und unsere Umwelt ein Stück weit zu entlasten, oder?

Was ist Kernfusion?


Kernfusion ist Kernenergie. Was gleich, wenn nicht sogar gleich-gefährlich klingt, ist das Gegenteil der Kernspaltung. Bei der Kernfusion werden Atomkerne miteinander verschmolzen, statt gespalten. Das entsteht dann, wenn zwei Wasserstoff-Atome aufeinander treffen und zu einem Heliumatomkern fusionieren. Beim heutigen Stand der Technik sind das die Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium. Die Ressource, um eine Kernfusion in Gang zu setzen, ist also auf unserem Planeten in Form von Wasser nahe zu unendlich vorhanden. Der Knackpunkt dabei ist nur die Bedingungen für eine Kernfusion, wie wir sie auf der Sonne vorfinden, auf der Erde zu simulieren.
Um das zu schaffen, erzeugen Forscher mit Hilfe eines magnetischen Ringes ein mehrere Millionen Grad heißes Plasma, indem sie die besagten Wasserstoffatomkerne aufeinander treffen lassen. Weil Wasserstoffatome jeweils aus einem Proton bestehen, stoßen diese sich im Normalfall ab. "Presst" man diese Atomkerne zusammen, entsteht sogenannte Bindungsenergie, die zur Energieerzeugung genutzt werden kann.

Zwei Wasserstoffatome verbinden sich zu einem Heliumatom und erzeugen Energie, Quelle: Eigenes Gekritzel
Was der Kernspaltung (zurecht) nachgesagt wird, ist ihre extreme Umweltbelastung durch radioaktive Brennstoffe. Uran oder Plutonium haben ein Halbwertszeit von Jahrhunderten und belasten die Umwelt über mehrere Generationen hinweg, während Tritium nur eine Halbwertszeit von 12 Jahren hat. Trotzdem können während der Kernfusion Materialien radioaktiv werden und zwischen 50 und 100 Jahren strahlen. Trotzdem kann es bei der Kernfusion nicht zu Kernschmelzen kommen, da mehrere Komponenten nötig sind, um einen Kreislauf aufrechtzuerhalten. Fällt eine dieser Komponenten aus, erlischt der Reaktor. Katastrophen wie in Tschernobyl wären somit ausgeschlossen.

Star Trek und Kernfusion


In Star Trek ist die Energieerzeugung durch Kernfusion neben der Materie und Antimateriereaktion die zweit wichtigste Energiegewinnungsform. Fusionsreaktoren werden auf Raumschiffen für die Versorgung der Hauptsysteme, aber auch als Antriebsquelle der Impulstriebwerke verwendet. Außerdem dienen sie als Backup-Energie, so können Schiffe auch ohne aktivierten Warpkern weiterfliegen. Ein Beispiel wäre die Folge Star Trek: Voyager: "Tag der Ehre". Hier wurde nach einem missglückten Experiment der Warpkern der USS Voyager abgestoßen. Trotz dieser verlorenen Hauptenergiequelle konnte die Voyager ohne sofortigen Energieverlust mit Impulsantrieb weiter fliegen.



Da stellt sich die Frage, warum in Star Trek: Into Darkness die Enterprise über keine Energie mehr verfügt, um der Erdanziehung zu trotzen, wenn laut Story nur der Warpkern beschädigt ist? Was ist mit den Fusionsreaktoren, die für solche Situationen als Backup dienen? Schieben wir das einfach mal auf die Dramaturgie des Films, dass die Fusionsreaktoren weggelassen wurden. Komischerweise diente eine reale Fusions-Forschungsanlage für die Kulisse des Warpreaktors im letzten Star Trek Film von 2013.



Wo steht die Kernfusion heute im 21. Jahrhundert?


Momentan leben wir in einer Welt, in der die Energiefrage hitzig diskutiert wird. Auf der einen Seite stehen die Befürworter für eine Energiewende mithilfe von erneuerbaren Energien. Auf der anderen Seite argumentieren die Kohle- oder Atomkraft-Sympathisanten. Dabei haben die letzten Jahre gezeigt, dass die Nutzung durch Atomkraftwerke zu schwerwiegenden Katastrophen führen kann  (FukishimaTschernobyl). Auch die Energiegewinnung durch Kohle führt zu einer immer stärkeren Umweltbelastung, Smogwolken in China sind die wohl offensichtlichsten Anzeichen. Nicht zu vergessen das sogenannte Fracking (Faszination Wissen BR, Was ist Fracking | Video), dass bereits in den USA und mit Sicherheit auch demnächst in Deutschland kommerziell praktiziert werden wird. Beim Fracking werden Chemikalien in die Erde gepumpt, um an Erdgas zu gelangen, einer der Nebeneffekte ist, dass das Grundwasser verschmutzt wird.

Spock fast uns Menschheit logisch zusammen!
Genutzte Quellen für diese Collage: images.fotocommunity.de, www.polpix.sueddeutsche.com, www.img.welt.de und www.nationalgeographic.de
Doch was sind die Alternativen? Erneuerbare Energiequellen haben es schwer, da sie zu teuer sind oder politisch verhindert werden. Auch scheint nicht jeden Tag die Sonne oder weht der Wind. Dabei stehen wir momentan an der Schwelle eines neuen Energiezeitalters, ermöglicht durch einen effizienteren Einsatz von Hoch-Technologien. Ein Luxus, der uns erlauben sollte, neue Dinge auszuprobieren - der weltweit wachsenden wirtschaftlichen Produktivität würde es mit Sicherheit nicht schaden. Wie wäre es da mit einem Dritten Energieweg? Dieser könnte einen Kompromiss darstellen, der sowohl den Umweltschutz einbezieht, als auch die Energiefrage für die kommenden Generation lösen kann, ohne weiter an den natürlichen Ressourcen der Erde zu nagen, die unweigerlich in naher Zukunft ausgeschöpft sein werden. Ist dieser Kompromiss die Kernfusion?

Gefahren der Kernfusion


Bei allen Vorteilen, bringt die Kernfusion, wie auch jede neue Form der Technologie, Gefahren mit sich, dies soll nicht verschwiegen werden.
Wie auch bei der Kernspaltung entstehen bei der Kernfusion radioaktive Abfälle, die dem Menschen und der Umwelt schaden können. Diese entstehen durch den Neutronenbeschuss auf Reaktorwände, was diese radioaktiv werden lässt. Auch hier müssen verwendete Komponenten nach einer gewissen Zeit entsorgt und stetig erneuert werden, da Forscher bisher noch keine Materialen gefunden haben, die den Extrembedingungen der Kernfusion auf einem längern Zeitraum oder gar einer kommerziellen Anwendung standhalten können. Beim heutigen Stand der Forschung werden die Elemente Deuterium und Tritium genutzt, wobei Tritium allein schon radioaktiv ist. Aber wie bereits beschrieben, die erzeugten Abfälle für die Durchführung einer Kernfusion haben eine geringe Halbwertzeit. Trotzdem, hier besteht noch reichlich Forschungsbedarf.

In die Zukunft mit Kernfusion? Quelle: Star Trek: Der Film (1979)

Fazit


Ist Kernfusion wirklich die Energie der Zukunft? Die Antwort auf diese Frage kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Mit Sicherheit kann aber gesagt werden, dass ein Wandeln folgen wird, wenn es nichts mehr zu verbrennen gibt und unsere Lebensgrundlage bröckelt.
Dann werden alle lokalen Auseinandersetzungen und Luxusprobleme nichtig und es wird eine globale Lösung nötig sein. Kernfusion steckt noch in den Kinderschuhen und alle Kritik an ihr ist berechtigt, da auf viele offene Fragen noch keine Antworten gefunden wurden.
Eins hat die Forschung an der Kernfusion aber bereits erreicht. Um das Projekt ITER zu realisieren, haben sich Nationen, wie die USA, Russland, China und die Europäische Union zusammengesetzt, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Schon allein das ist ein großer Erfolg und steht dafür, dass global eine Lösung für die Energiefrage der Zukunft gefunden werden kann - wenn man es möchte.

Zum Ende noch zusammenfassende Worte von unseren geschätzten Professor Harald Lesch zum Thema Kernfusion



Artikel, die helfen können, sich ein eigenes Bild über Kernfusion zu machen:

Was ist Kernfusion?:
http://www.ipp.mpg.de/ippcms/de/pr/fusion21/kernfusion/index.html

Radioaktive Abfälle, die bei Kernfusion entstehen
http://www.scinexx.de/dossier-detail-134-12.html

Fortschritte in der Forschung der Kernfusion:
http://www.zeit.de/wissen/2014-02/kernfusion-energie-erfolg-usa

Was sind die Gefahren der Kernfusion
http://ksi.jimdo.com/konzept/kernfusion-keineswegs-so-unproblematisch/