Star Trek Tafelrunde "Hermann Darnell" Potsdam Babelsberg

…dahin zu gehen, wo noch kein Star Trek Fan aus Potsdam, Berlin und Brandenburg zuvor gewesen ist - Infinite Diversity in Infinite Combinations.

Montag, 17. März 2014

Der Saint Patrick's Day und das Irlandbild bei Star Trek

Der 17. März ist ein Datum, an dem sich eine Vielzahl von Ereignissen jährt. So verstarben an diesem Tag Personen wie Marc Aurel (180), Christian Doppler (1853) und Merritt Butrick (1989). Schillers "Wilhelm Tell" wurde 1804 uraufgeführt, der Saturnmond Phoebe 1896 entdeckt und Diego Maradonna 1991 der Gebrauch von Kokain nachgewiesen.


Internationale Bedeutung erfährt das heutige Datum aber vor allem durch die Tatsache, dass es laut katholischem Kirchenkalender als Gedenktag für den irischen Nationalheiligen Sankt Patrick reserviert ist.
Der Namenspatron von Personen wie Patrick Stewart, Patrick Merriweather oder Patrick dem Augment führte der Legende nach nicht nur das Christentum auf der Grünen Insel ein, sondern etablierte auch das (dreiblättrige!) Kleeblatt als bis heute gültiges Nationalsymbol Irlands. Nur die mit ihm verbundene Farbe blau wurde im Laufe der Jahrhunderte durch das sanfte grün der Atlantikinsel ersetzt.



Mit der Kolonisation und Besiedelung Amerikas, in deren Verlauf sich insgesamt mehr als sieben Millionen keltischstämmige Insulaner in der Neuen Welt ansiedelten und somit bis heute mehr Iren in der USA als in der alten Heimat leben, verbreitete sich auch der Feiertag über den großen Teich hinweg und gewann dort immer mehr an Popularität. Paraden wurden abgehalten, Flüsse und Getränke grün eingefärbt und Menschen, deren einzige Verbindung zum Thema manchmal in kaum mehr als der Haltung eines Irish Setters oder dem gelegentlichen Verzehr von Kerry Gold besteht, werfen sich von heute auf morgen in fantasievolle Kostüme, die ohne Rücksicht auf Verluste alle gängigen Klischees über irische Kultur bedienen. Dazu wird traditionell Guiness-Bier gereicht, das zwar wie abgestandenes Abwaschwasser schmeckt, aber unabdingbar zum Erlebnis dazuzugehören scheint.
Bildquelle: Cheezburger.com
Längst ist der Saint Patrick's Day ein Festtag von weltweiter Tragweite geworden, der nicht nur in den traditionellen Zentren irischer Einwanderung wie Großbritannien, Nordamerika oder Australien und Neuseeland das Tagesgeschehen beherrscht, sondern längst auch in andere Staaten wie Ägypten, Rumänien und Deutschland geschwappt ist.
Neben der größten Parade unserer Breiten in der bayrischen Landeshauptstadt München, gibt es auch in der Bundeshauptstadt Berlin ein aufstrebendes Festival, das Jahr für Jahr mehr Besucher in seinen Bann schlägt.

Bildquelle: Reisenews online
Und selbst wenn das deutsch-irische Verhältnis in letzter Zeit merkelich abgekühlt ist, wird dieser Umstand zumindest auf dem europäischen Festland an diesem Tag geflissentlich ausgeklammert. Man gibt sich dem längst zu Popkultur mutierten Phänomen hin, genießt die ausdrücklich erlaubte Auszeit vom Fasten und selbst die hiesige Kunstszene reicht mit der Joseph-Beuys-Ausstellung unter dem vielsagenden Titel "The Secret Block for a Secret Person in Ireland" (Berlin, Hamburger Bahnhof, 14€ Eintritt, bis zum 31. August 2014) einen Ölzweig in Richtung des wirtschaftlich angeschlagenen keltischen Tigers.

Bildquelle: time.com/sports
Während wir also an diesem Tag ohnehin unsere Aufmerksamkeit für einen kurzen Moment in Richtung Irland lenken, bietet es sich in diesem Zusammenhang auch an, einen genaueren Blick auf die mehr oder weniger deutlichen irischen Einflüsse in Star Trek zu werfen.
Tatsächlich verfügt jede der fünf Serien über ihren ganz speziellen irischen Moment und wir wollen den Anlass daher einmal nutzen, um die denkwürdigsten Szenen noch einmal Revue passieren zu lassen.


1. In der chronologisch ersten Star-Trek-Serie "Enterprise" ist es die Jeremy-Worley-Grundschule aus dem irischen Kenmare, die der Besatzung der NX-01 in der Folge "Das Eis bricht" ein wenig Saint-Patrick's-Day-Feeling beschert. Zusätzlich zu den kindlich neugierigen Fragen zu Ernährung, zum Liebesleben und zum Stuhlgang im All übereigneten die ABC-Schützen den tapferen Weltraumpionieren auch selbst erstellte Zeichnungen. Irland wurde damit zu Beginn der Serie ganz bewusst als ganz normales Gebiet auf der Erde dargestellt, dessen Bewohner sich nicht wesentlich von anderen Einwohnern anderer Erdteile unterscheiden. Die Schule und ihre Schüler wurden Mittel zum Zweck, um zu beweisen, dass die Erde näher zusammengerückt ist und nunmehr über die nötige Reife verfügt, sich dem nächsten großen Abenteuer, der Erforschung des Weltalls, zu widmen.


2. Ein anderes Bild zeichnet sich in der Star-Trek-Urserie ab. Im Rahmen der Episode "Implosion in der Spirale" in welcher die Besatzung von einem persönlichkeitsverändernden Virus heimgesucht wird, verschanzt sich ein junges Besatzungsmitglied namens Kevin Thomas Riley (der im Deutschen übrigens von Tommi Piper synchronisiert wurde, und damit die selbe Stimme wie ALF hat) im Maschinenraum und unterhält die gesamte Besatzung mit seiner qualitativ fragwürdigen Variante von "I'll take you home again, Kathleen" via Intercom, um seinen irischen Wurzeln zu huldigen.


Die spontan angedichtete Herkunft und die damit einhergehenden Implementationen (besonders im Hinblick auf Trunkenheit) waren in Gänze auf Komik ausgerichtet und nur bedingt realitätsnah. Das Lied ist nämlich tatsächlich erst im späten neunzehnten Jahrhundert auf amerikanischem Boden komponiert worden, auch wenn es sich bis heute besonders bei Iren und ihren Nachfahren anhaltender Beliebtheit erfreut. Neben Riley hatten auch The Platters, Elvis Presley und sogar Johnny Cash den populären Gassenhauer bereits in den Mund genommen.



3. Als in der Next-Generation-Folge "Terror auf Rutia IV" allen aktuellen Tendenzen zum Trotz die irische Wiedervereinigung für 2024 prognostiziert wurde (woraufhin sich die britische Fernsehanstalt BBC über Jahre weigerte, die Episode auszustrahlen), zementierte man die Grundlagen für einen höchst zweifelhaften Umgang mit den Bewohnern der Grünen Insel. Der tragische Höhepunkt in dieser Entwicklung war zweifelsohne die Folge "Planet der Klone", in der nicht nur ein Feuerwerk an Klischees über bäuerlich-primitive Iren abgefeuert, sondern auch der angesächsische Name Odell zu einem pseudo-irischen O'Dell verklärt wurde (ein Fehler, der bei Voyager mit dem Castle O'Dell eine unrühmliche Fortführung fand).



4. Am differenziertesten ging tatsächlich Deep Space Nine mit der Thematik um, was nicht zuletzt am irischen Schauspieler Colm Meaney lag, der hier den Chefingenieur Miles Edward O'Brien verkörperte. Zwar spielte dieser bereits bei TNG eine größere Rolle, doch erst mit dem Aufstieg in die Hauptdarstellerriege gelang es ihm auch, nennenswerten Einfluss auf das Bild der Iren innerhalb der Franchise auszuüben. Einerseits setzte er sich gegen Stereotypen wie die Verwendung eines Leprechauns in "Die Macht der Phantasie" zur Wehr (aus dem irischen Kobold wurde schließlich ein deutsches Rumpelstilzchen); andererseits brachte er den Zuschauern zentrale Figuren der irischen Geschichte wie Brian Boru näher und ließ sie beispielsweise in "Das Schiff" wissen, dass es in seiner Heimat keine Berge, sondern eher kleine Hügel gibt. In "Die Front" gelingt es ihm sogar für einen kleinen Moment, den ständigen Fokus der Folge von Amerika wegzurücken, indem er auf die eigene Verwandtschaft in Dublin hinweist, die den Anschlägen in Antwerpen ohne Frage näher waren, als Siskos störrische Sippschaft in New Orleans.
Pädagogisch sehr wertvoll!



5. In der chronologisch letzten Star-Trek-Serie, an der kein irischer Schauspieler mehr beteiligt war, gingen die zuvor erkämpften Errungenschaften allesamt wieder verloren. Stattdessen kehrte man zum klischeebehafteten bäuerlich-primitiven Irlandbild zurück. Ausdruck fand dies vor allem in dem von Rok kürzlich erst im Zuge seines Artikels zum holografischen Prinzip erwähnten Holo-Programm "Fair Haven", das in seiner Anlage ein wahres Kuriositäten-Kabinett für Vorurteile und Verklärungen bildete. Iren wurden – wie in TOS und TNG zuvor – zu einer Karikatur herabgestuft, die in erster Linie komödiantischen Zwecken diente, aber nur wenig Schnittmenge mit der sorgfältig bei DS9 eingeführten Betrachtungsweise bot.



Das Irlandbild bei Star Trek ist also größtenteils vom Umstand bestimmt, dass es als Projektionsfläche für Klischees und Stereotypen herhalten musste. Nur bei Deep Space Nine, wo Colm Meaney aktiv den gängigen Fehlwahrnehmungen entgegenwirkte und bei Enterprise, wo der Einsatz irischer Kinder einem bestimmten Ziel untergeordnet war, brach diese Traditionslinie gelegentlich auf.

Ein ständiges Star-Trek-Thema: Grenzen überwinden: Ein Schotte mit Neigung zu grün
Vielleicht sollte man diesen Tag daher einmal nutzen, um eben nicht in einem der vielen Irish Pubs dieses Landes die Pflege der – auch durch Star Trek – erworbenen Vorurteile zu betreiben, sondern einfach mal einen irischen Film ansehen, der die dortige Bevölkerung mal ohne den Filter eines voreingenommenen Geistes betrachtet.
Empfehlen kann ich in diesem Zusammenhang die Tragikkomödie "Parked", in der nicht nur Colm Meaney die Hauptrolle innehat, sondern auch ohne Beschönigung das moderne Irland und die aktuelle Wirtschaftskrise aufgezeigt werden.
Abseits von Fair Haven, dem Saint-Patrick's-Day oder Guiness gibt es nämlich noch ein Irland, das nicht unbedingt weniger spannend ist, als die ausgetretenen Klischees von Science-Fiction-Drehbuchautoren.


Samstag, 15. März 2014

Surftipp: Seen in a Scene

Es gibt nicht viele Seiten in den Weiten des Netzes, die dem gemeinen Star-Trek-Fan und Fernsehenthusiasten auf dieser Welt noch den Kick geben können, den man zuweilen sucht. Längst haben sich sehr auf Breiteninformation spezialisierte Medien wie Wikipedia, Unnützes Wissen oder IMDB dazu herabgelassen, Informationen zu teilen, die sonst nur Hardcore-Fans bekannt waren. Das Wissen darum, dass der Ex-Ex-Beatle George Harrison in "Das Leben des Brian" auftrat, Shatners Ex-Frau ebenfalls im ersten Star-Trek-Film zu sehen war oder dass eigentlich Ridley Scott und nicht David Lynch "Der Wüstenplanet" drehen sollte, war früher einmal Erkennungszeichen von Hardcore-Fans; heute sind solcherlei Anekdoten Spielbälle der Netzunterhaltung und Allgemeinplätze von SciFi-Fans mit internetfähigen Smartphones.



Da braucht es schon etwas ganz besonderes, um mal wieder den Nervenkitzel von neu entdecktem Kino- und Fernsehwissen zu verspüren. Zum Glück hat der leidenschaftliche FC-Basel-Fan, Co-Autor von "kult.ch" und Autor seines eigenen "ultimativen Movie Blogs" vor einiger Zeit eine Seite erstellt, die einen wirklich originellen Zugang zur Suche nach Neuem bietet.

Seine Seite "Seen in a Scene" bietet nähere Einblicke über den Verbleib von Requisiten, die zentrale Rollen in manchen Filmen und Serien innehatten:
Und wie geht es eigentlich dem Love Boat?

Typisch schweizerisch galt der erste Artikel übrigens dem Taschenmesser McGyvers, doch natürlich verliert der Star-Trek-Anhänger DomPatHug dabei nicht den Blick für das wirklich Wichtige im Leben. Auf der Seite kann man nämlich in überschaubaren Texten neben vielen anderen Mysterien aufklären, wie man den Kampf Gorn gegen Kirk am besten nachstellen kann, was eigentlich mit der Brücke der Enterprise-D geschah, oder wo man 3-D-Schach sehen kann
Schaut also ruhig mal vorbei, denn ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Und irgend etwas gefällt sicherlich jeder Fernseheule auf dieser Seite...



Mittwoch, 12. März 2014

Kontrollbesuch: Space Engineers startet ins Jahr 2014 [Updated]

Wir berichteten bereits im November letzten Jahres über Space Engineers. Damals befand sich das Sandboxspiel noch in einem sehr frühem Stadium, war aber bereits als Early Access verfügbar. Space Engineers hat sich in den letzten Monaten stetig weiter entwickelt. Es folgen eine kurze Einschätzung und Screenshoots von Star Trek Konstruktionen. 
Space Engineers hat seit "Erscheinen" als Early Access Version mehr als 250.000 Kopien verkauft. Der Entwickler Keen Software bestätigte dies vor einigen Wochen. Ein erfolgreicher Start für ein Indiegame. Doch lohnt es sich für Spieleinsteiger Space Engineers zu kaufen? Bisher besteht das Spiel aus einem Kreativmodus, der zusammen mit Freunden gespielt werden kann und verfügt über eine Spielerkarte, die abseits der Raumwerft nur wenig Abwechslung bietet. Um langfristig Spieler zu binden, braucht Space Engineers dringend mehr Inhalt. Es ist klar, Early Access bedeutet so viel wie: "Spieler, wir haben hier eine Idee, helft ihr uns diese umzusetzen? Hier habt ihr schon mal eine Kostprobe". Bis zu einem offiziellen Realease können da noch ein oder zwei Jahre vergehen. Die Entwickler brauchen deshalb den finanziellen Vertrauenvorschuß der Spieler, um wie in Kickstarter-Art ihr Projekt realisieren zu können. Doch zurück zur Eingangsfrage: Lohnt es sich dieses Projekt zu unterstützen? Ein JA, doch mit einigen Bitten, um bisherige Unterstützer bei der Stange zu halten! Space Engineers hat das Potential, wie Eve Online, langsam aber stetig wachsend neue Spieler zu gewinnen. Space Engineers kann in eine Lücke vorstoßen und für Spieler interessant werden, die kreativ sein und gleichzeitig ihren Forscherdrang befriedigen wollen. Wie in der Fernsehserie Star Trek den weiten Raum mit dem eigens designten Raumschiff zu erforschen, ein schöner Gedanke.
Einige umherschwirrende Gesteinsbrocken reißen schon mal ein oder zwei Löcher in die Hülle
Doch beim heutigen Stand braucht Space Engineers mehr Innovation, um nicht als reiner Weltraumbaukasten zu enden. Trotz realistischer Umgebungsphysik und Raumschiffe, die physikalisch korrekt ineinander oder in Asteroiden crashen, bewundert werden kann, wie detailgetreu die Hülle des Schiffes zerplatzt und Löcher in Gestein schlägt, braucht es dringend mehr zu tuen. Der vor Kurzem implementierte Survial-Modus, bei dem Spieler ab sofort Erze abbauen, Raffinerien nutzen, und sogar sterben können, ist da ein erster Schritt. Zudem ist es seit Anfang dieses Jahres möglich gemeinsam mit Freunden an Raumstationen zu werkeln. Doch im Grunde bleibt ein gewisses Verbesserungspotenital bestehen: Nur eine Spielerkarte (Bei der zwar die Asteroidendichte festtgelegt werden kann) ist schlicht zu wenig. Was könnte mittelfristig eingefügt werden?:
  • Mehr Karten: Ein ausgedehntes Trümmer- oder Asteroidenfeld - vielleicht auch kleine Monde, bei dem der Spieler mit seinem Schiff manövieren lernt, oder gegen Mitspieler auf Zeit schnellstmöglich von A nach B kommen muss – dabei in Destruction Derby Art sich den Weg freiräumt.
  • Weniger Kastenoptik. Mehr geschwungenen Bauteile, um sich von "Minecraft im Weltraum" abzugrenzen.
  • Zwei Spieler, ein Schiff: Mehreren Spielern ermöglichen gleichzeitig ein Schiff zu bedienen, bei dem einer das Fliegen, der andere das Schießen oder andere Aufgaben übernimmt.
Langfristig könnten Planeten- oder Sonnensysteme in das Spiel implementiert werden (Nicht nur als Bitmap-Hintergrund), damit auch Spieler, die ihren Forscherdrang befriedigen wollen, auf ihre Kosten kommen. Kerbal Space Program macht dies vor, wie Bastelstube und Weltraumforschung miteinander verbunden werden können.
Es folgen einige beeindruckende Bauten, die die Spieler in Space Engineers mitlerweile konstruiert haben. Dazu geselligen sich auch eine Großzahl von Raumschiffen aus dem Star Trek Universum. Hier einige Bespiele:
Die Excelsior nachgebaut vom Steam-User: tom422
Die Voyager nachgebaut vom Steam-User: Da Gooze
Die Enterprise 1701(-A) nachgebaut vom Steam-User: golfer45
Die Prometheus nachgebaut vom Steam-User: Da Gooze
Deep Space Nine nachgebaut vom Steam-User: Ober
Die NX-01 nachgebaut vom Steam-User: Da Gooze
Und die K'Ehleyr oder auch Defiant vom Steam-User Dr.B.Banzai
Updated: 10.04.2014: Es wurden nachträglich Informationen zum Survival- und Multiplayer- Modus eingefügt

Dienstag, 11. März 2014

Das Holografische Prinzip: Unser Universum als Holomatrix?

Sind wir Projektionen aus einem höherdimensionalen Raum? Nachdem in den letzten Tagen viele spannende Themen-Beiträge zu Star Trek und Dystopie geschrieben wurden, möchte ich mit einer weiteren philosophischen, ja zum Teil auch physikalischen Idee die Nervenzellen stimulieren.
Quelle: Star Trek: Voyager (VOY) S6 Nr 11. „Fair Haven“

Eine Serie, die über den Tellerand hinausschaut


Meine Lieblingsmomente in Star Trek sind zweifelsohne die, in denen es darum geht, über den Tellerrand der eigenen Wahrnehmung hinaus zu blicken. Beispiel wäre die Episode "Wem gehört Data?", in der die Individualrechte jeglichen Lebens, auch des künstlichen, neu diskutiert und bewertet werden. Eine weitere Folge wäre "Herkunft aus der Ferne", in der es um Meinungsfreiheit und Integration neuer Gesellschaftsvorstellungen geht. Diese gehören für mich zu den "Typisch-Star Trek" Folgen. Auch der Bell-Aufstand, der zwar eine auf den ersten Blick negative Zukunft zeichnet, aber letztendlich den Weg in eine bessere Gesellschaft, die des 24. Jahrhunderts, ebnet, fällt in diese Kategorie. Für das eigentliche Hauptthema dieses Beitrags aber wurde ich von der Episode "Das Geistervolk" aus Star Trek Voyager inspiriert. Hier geht es um die Bewohner der holografisch erzeugten irischen Kleinstadt Fair Haven. Diese werden misstrauisch, als sie die Crew der Voyager im Umgang mit der Technik des 24. Jahrhunderts beobachten. Dabei entsteht eine tiefe Skepsis, und führt dazu, dass die Voyager Crew als "Geistervolk" gesehen wird. Eine spannende Episode, die anregt, darüber nachzudenken, welche Rolle wir im Kosmos einnehmen, und stellt die Frage, ob wir möglicherweise selbst in einer Art Illusion leben, projiziert von einer Holomatrix außerhalb unseres Erkenntnisbereiches. Die menschliche Wahrnehmung stößt unweigerlich an bestimmten Punkten an ihre Grenzen, was nicht bedeutet, dass dahinter nichts mehr ist, sondern vielleicht sich hinter der Kuppel eine andere Welt befindet.


Holomatrix vs. Höhlengleichnis?


Doch wie steht es mit künstlichen Realitäten? Nach dem Höhlengleichnis von Platon befänden wir uns in einer Höhle, die von einer künstlichen Lichtquelle beleuchtet wird. Was wir als Realität bezeichnen, sind nur Schatten an der Wand. Das von unserem Standpunkt aus gesehen hinter uns liegende ist womöglich eine andere Realität, die wir nicht erfassen können. Platon spricht hier von gefangenen Menschen in einer Höhle, die Zeit ihres Lebens angekettet auf Abbilder einer Wand starren, ohne nach links, rechts oder nach hinten blicken zu können. Könnte es also sein, das sich unsere Realität an einer entfernten Grenz- (Projektions) Fläche abspielt?
Höhlengleichnis Platon, Quelle: www.die-rote-pille.blogspot.com

Sind wir holografische Projektionen?


Aus heutiger Sicht betrachtet sehen wir Dinge als fix, meist sind sie aber nur ein Abbild unserer Reflexion oder eine Manifestation des gesellschaftlichen Denkens. Oft glauben wir alles Unfassbare wäre irreal und entspränge unserer Fantasie. Allerdings, wenn eine Idee gedacht werden kann, hat sie im Kern einen wahren Ursprung - Wie ein Programmcode, der noch nicht in einer Anwendung implementiert wurde. Wie müssten sich also holografisch erzeugte Figuren fühlen, die plötzlich von einer Realität erfahren, die außerhalb ihrer wahrgenommen Welt existiert? Womöglich skeptisch, wenn nicht sogar aggressiv. So, als würde einem der Teppich unter den Füßen weggezogen - das bisherige Fundament, auf dem alles Denken und das bisherige Leben aufbaute und sich orientierte, bricht in sich zusammen. Eine interessante Frage stellt sich während der Episode Geistervolk: Kann man überhaupt ein Hologramm lieben? Sind Beziehungen und Emotionen zu künstlichen Personen real? Der Holo-Doc sagt in dieser Folge zu Captain Janeway, als sie begann sich in einen holografischen Barkeeper zu verlieben:
„Photonen und Kraftfelder, Fleisch und Blut, es ist alles das selbe, solange ihre Gefühle real sind.  Er (Michael Sullivan) reißt einen Witz, Sie lachen - ist das eine Illusion? Es sagt etwas, worüber Sie nachdenken - spielt da die Ausrichtung seiner Moleküle eine Rolle?"
Was ist also real, die Information oder das Physische, oder beides? Eine verlockende philosophische Gedankenstraße.

Das Holografische Prinzip erklärt mit Hilfe von Schwarzen Löchern


Nun haben Forscher eine neue Theorie entwickelt, die das Universum beschreiben soll. Die Wissenschaft spricht hier von dem Holografischen Prinzip. Unser Universum existiert wie ein uns bekanntes Hologramm, bestehend aus dreidimensionalen Informationen auf einer zweidimensionalen Fläche. Ausgangspunkt sind hier Schwarze Löcher. Forscher nehmen an, dass dreidimensionale Objekte, die in einem Schwarzes Loch verschwinden nicht zerstört, sondern kopiert werden. Die Informationen dieser Objekte werden auf der Oberfläche des Schwarzen Loches gespeichert. Es entstehen hierbei Duplikate, deren dreidimensionale Versionen zwar zerstört, aber in zweidimensionaler Form an der Oberfläche archiviert werden. Sprich: Alles, was in ein Schwarzes Loch fällt, wird als Information an seiner Oberfläche abgespeichert. So kann theoretisch unser gesamtes Universum an seinem Rand als Information dargestellt werden, die auf einer zweidimensionalen Ebene gespeichert sind.
In anderen Worten:
Dass, was wir erleben, könnte eine holografische Realität sein und als Informationscode abgerufen werden. Auf der Erde finden wir diese Methode in unseren Computern. Doch lassen wir folgendes Video für sich sprechen, hier wird das Prinzip innerhalb von fünf Minuten erklärt.

)

Link zum Thema:

Holografisches Prinzip

Sonntag, 9. März 2014

Das Tempodrom - Die Royal Albert Hall des kleinen Mannes?

Am 29., 30. und 31. Mai 2014 kommt es in der Londoner Royal Albert Hall gleich vier Mal zu einem Konzertereignis der Superlative: Das Schweizer 21st Century Symphony Orchestra wird die von Michael Giacchino komponierte Filmmusik live zum Besten geben, während auch noch der dazugehörige Film gezeigt wird. Tickets für das Spitzenevent im altehrwürdigen Kulturstandort gibt es in einem Rahmen von 17,80£ bis in Höhen von 58,60£ und Karten sind bereits äußerst knapp geworden.
Nun ist der Into-Darkness-Handlungsort London aber nicht gerade als günstiges Reiseziel bekannt und so wird es sich dabei wohl wieder einmal um ein Star-Trek-Großereignis auf europäischem Boden handeln, dass ohne Beteiligung der Tafelrunde auskommt.
Aber warum eigentlich in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt?



Nun kann zwar niemand hierzulande mit der Royal Albert Hall, einem ganzen Orchesterabend nur mit einem Star-Trek-Soundtrack und einer gleichzeitigen Aufführung eines Kinofilms konkurrieren, aber wer bereit ist, ein paar Abstriche zu machen, kann auch in unseren Breiten fündig werden.


So wie ich, als ich vor einigen Tagen in der Ticketeria der Stadt Brandenburg an der Havel auf einen Flyer stieß, auf dem eindeutig die USS Enterprise NCC-1701 [Refit] aus den ersten drei Kinofilmen zu sehen war. Sofort war meine Aufmerksamkeit geweckt.



Die Broschüre bewarb einen von Klassik-Radio unterstützen Auftritt des Prager Philharmonieorchesters, das mit einer Tournee unter dem Titel "The Sound of Hollywood" dieses Jahr mehrere deutschsprachige Städte besuchen wird. Neben Hamburg (8. Mai), Kiel (9. Mai), Hannover (10. Mai), Frankfurt am Main (13. Mai), Basel (16. Mai), Mannheim (17. Mai), Stuttgart (18. Mai), München (21. Mai), Zürich (22. Mai) oder Nürnberg (24. Mai) wird das tschechische Ensemble unter Leitung des gebürtigen Londoners Nic Raine am 11. Mai auch Station in der Bundeshauptstadt Berlin machen und eine Vorstellung im Tempodrom geben.



Wie man allerdings am Titel "The Sound of Hollywood" bereits erahnen kann, gilt die Aufmerksamkeit der Musiker in ihrer mehr als zweistündigen Vorstellung dabei nicht allein Star Trek. Die Science-Fiction-Franchise ist nämlich nur ein Mosaikstein in einem Programm, dass auch einprägsame Melodien aus Filmen wie Captain America, Forrest Gump (laut unserem Musikexperten Miltan Klingenberg ohnehin nur eine Variante des Star-Trek-IX-Themas), Fluch der Karibik, Jurassic Park, Indiana Jones oder E.T. und einigen anderen umfasst. Immerhin sind Soundtracks die Spezialität des Orchesters aus der tschechischen Hauptstadt und auch Dirigent Nic Raine hat bereits einige Erfahrungen als Filmkomponist sammeln können. Am 11. Mai bieten sie also einen Querschnitt aus einer ganzen Reihe an legendären Filmmusikstücken, die allesamt bereits bei den ersten Klängen das Herz eines Cineasten höher schlagen lassen.

Ein Video aus der SEMMEL Concerts Mediathek.

Wenn man sich nun dieses Propagandavideo einmal genauer ansieht, dann fällt allerdings eine andere Unstimmigkeit ins Auge: Zwar wird mit den Abrams-Kinofilmen als Bildmaterial geworben, doch tatsächlich soll, wie auf dem Flyer gezeigt und im Programm beschrieben, der Soundtrack des ersten Star-Trek-Kinofilms wiedergegeben werden. Doch dieser Film war nicht nur der Urvater aller folgenden Star-Trek-Soundtracks, sondern auch der direkte Vorfahre des TNG-Themas und hat damit auf ewig seinen festen Platz im Herzen und in den Ohren eines jeden Trekkies. Außerdem ist es zur Abwechslung mal kein Konzert, in der der Star-Wars-Untermalung der Vorrang gegeben wird, sondern ganz bewusst auf 'das richtige Star' als Zugpferd gesetzt wird.



Ob man sich als Star-Trek-Anhänger nun sofort Tickets bestellen sollte, hängt aber auch vom Innenleben des eigenen Portmonees ab, denn die Karten haben einen stolzen Preis von 63€ bis 79,10€ - also deutlich mehr, als man für ein Foto mit William Shatner auf der Destination bezahlen musste. Dafür kann man allerdings auch ein ganzes Orchester für mehr als zwei Stunden live erleben und da jetzt schon die Manege (also der untere Sitzbereich im Tempodrom) so gut wie ausverkauft ist, kann man sich wohl an einer Hand abzählen, dass es für eine spontane Entscheidung am Abend zuvor keinen Spielraum mehr geben wird.



Doch wo Licht ist, fällt auch Schatten. Als Moderator für den Abend hat man den vermeintlichen Pro-7-Filmexperten und bekennenden Star-Wars-Fan Steven Gätjen verpflichtet, der Star-Trek-Fans bereits auf der Into-Darkness-Premiere, diversen Oscar-Shows und im Interview mit Martin Netter negativ aufgefallen ist.

Zum Glück nicht im Bild: Steven Gätjen

Alternativen sind jedoch rar gesät. Natürlich ist das Tempodrom keine Royal Albert Hall; natürlich kann man ein Star-Trek-Thema nicht mit der orchestralen Untermalung eines ganzen Kinofilmes vergleichen und natürlich haben die Engländer das große Glück, nicht zu wissen, wer dieser Steven Gätjen überhaupt ist.
Aber ein Abend mit einem Orchester dieser Qualitätsordnung, dieser Auswahl an Stücken und einer zeitlosen Portion Star Trek dazwischen verdient Anerkennung und wenn das heimische Publikum nicht einmal solch ein Angebot annimmt, wird es wohl nie passieren, dass sich andere Musiker mit einem allzu sehr auf Star Trek basierten Programm an die Spree wagen.Wer also Geld, Zeit und Muße hat, dem sei der Besuch von "The Sound of Hollywood" wärmstens ans Herz gelegt, denn auch wenn man den ein oder anderen Sountrack bereits im Kino, Fernsehen oder auf CD miterlebt hat, kann nichts davon mit dem unvergesslichen Zauber eines Orchesterarrangements mithalten.

Bildquelle: semmel.de