Mittwoch, 8. Mai 2013

Turons Senf zu 'Into Darkness' [SPOILERS!]




Im Zuge einer Vorpremiere sah sich der größte Teil der Tafelrunde heute den zwölften Star-Trek-Kinofilm 'Into Darkness' an. Da einige Personen aus unserer Runde bereits bei der deutschen Filmpremiere die Gelegenheit hatten, ihn miterleben zu dürfen, folgt nun eine kleine Rezension des Films. Da dies nicht ohne Spoiler geht, warne ich noch einmal ausdrücklich davor, diesen Artikel vor dem Kinobesuch zu lesen. Mit Absicht habe ich eine Zusammenfassung ausgelassen, so dass möglichst nur Eingeweihte mit den Informationen etwas anfangen können, aber er verrät so ziemlich alle wichtigen Einzelheiten. Also seht Euch unbedingt VORHER den Film an und lasst uns dann wissen, in welchem Punkt ihr mit uns übereinstimmt, wo ihr abweicht oder was ihr ergänzen würdet. 

Positive Aspekte 


Die Besetzung. Größter Pluspunkt von 'Into Darkness' ist definitiv die Besetzung. Man kann ja alles Mögliche an Kritik gegen Abrams ins Feld führen, doch mit den Schauspielern, die er für seine Filmreihe rekrutiert hat, bewies er bislang ein goldenes Händchen. Nachdem man sich im Anschluss an den letzten Kinofilm bereits an die veränderten Gesichter der Charaktere gewöhnt hat, bleibt nun Platz für die neue Riege, ihr schauspielerisches Können unter Beweis zu stellen. Allerdings wird dieser Freiraum nur von den Hauptcharakteren ausgefüllt, während der größte Teil der Mannschaft deutliche Abstriche machen muss.

Chris Pine. Der junge Kirk-Darsteller ist definitiv der Hauptnutznießer der Charaktermomente, die der Film bietet. Nicht nur, dass er gekonnt die flapsigen Charakterzüge aus dem Vorgänger wieder aufgreift; ihm gelingt es, über die Laufzeit des Films eine wirkliche Entwicklung darzustellen. Auch wenn ich es nicht für möglich gehalten hätte, sind die emotionalen Momente mit ihm in meinen Augen sehr gelungen und stellen aktiv unter Beweis, dass er unbestreitbar über ein gewisses schauspielerisches Talent verfügt.
Zachary Quinto. Irgendwie erübrigt es sich, Quinto noch lobend zu erwähnen, denn an seiner Kompetenz bestehen wohl kaum noch Zweifel. Seine Spock-Interpretation ist wie gewohnt glaubhaft und beeindruckend, auch wenn der Vulkanier nie zuvor derart von Gefühlen getrieben zu sein schien. Dennoch bleibt er ein Fels in der Brandung.
Karl Urban. Der Schiffsarzt wirkt stabil, authentisch und kommt menschlich der 'Grumpy Cat' am nächsten. Schade, dass für ihn so wenig Raum blieb, denn tatsächlich rückt der Schiffsdoktor immer mehr ins zweite Glied der Darstellerriege. Seinen Platz im Triumvirat scheint er jedenfalls an Uhura abgetreten zu haben.
Zoe Saldana. Die Kommunikationsoffizierin kann in diesem Film endlich einmal unter Beweis stellen, wozu sie überhaupt an Bord ist. Getreu dem Motto „Behind every great man is a woman nagging“ macht sie eigentlich das, wofür Pille jahrelang bekannt war: Sie macht Spock das Leben zur Hölle. Trotzdem bleibt ihre deutlich selbstbewusstere Uhura-Darstellung zu Recht Maß aller Dinge.
Simon Pegg. An Scottys Charakter scheiden sich wohl die Geister. Vielerorts ist zu hören oder zu lesen, dass er völlig anders reagiert, als man das gewohnt ist. Ja, er trifft eine moralische Entscheidung, die der Chefingenieur der Originalserie vielleicht in der Form nie getroffen hätte. Doch diese Hinwendung zur Moral ist eigentlich ein Moment, in dem jeder alte Star-Trek-Fan den ollen Schotten besser verstehen kann, als die restliche Mannschaft. Scotty bleibt den ganzen Film über ein moralischer Anker, dem man sogar abnimmt, dass ihm selbst der Mord an einem namenlosen Sicherheitsoffizier wirklich leidtut. Immerhin hat er es geschafft, seiner Rolle damit etwas mehr als den Pausenclown-Charakter zu verleihen.
John Cho. Spielte auch mit und hat ein oder zwei heroische Momente. Allerdings sollte er aufpassen, dass er sich nicht wie George Takei irgendwann als Statist empfindet. In der Form kann ich die Versetzung auf die USS Excelsior aus der alternativen Zeitlinie jedenfalls schon erahnen.
Anton Yelchin. Im Prinzip ebenso ein Nebencharakter wie Sulu. Gut, er darf/ muss ein Redshirt tragen und für Chaos im Maschinenraum sorgen, aber er hat keineswegs den Raum, den Walter Koenig in "Der Zorn des Khan" ausfüllen durfte.

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 Ähnlich verhält es sich mit den Gaststars. Allerdings gibt es nur einen, dem es wirklich gelingt, herauszustechen, während die anderen schlichtweg die Zeit fehlt, oder hinter den Erwartungen zurückblieben.

Benedict Cumberbatch
. Noch vor Chris Pine, Zachary Quinto oder Zoe Saldana der Höhepunkt des Films. Die großartige schauspielerische Leistung schlägt den Zuschauer in ihren Bann und lässt Gerüchte, dass seine Rolle ursprünglich von Benicio del Toro gespielt werden sollte, vergessen machen. Seine Stimme, seine Mimik und seine Tränen machen ihn zu einem der bislang großartigsten Bösewichte, die jemals in Star Trek zu sehen waren. Um es vorwegzunehmen: Ja, er spielt Khan. Aber er spielt ihn auf eine ganz andere Art und Weise. Doch der grandiose Schurke verliert dadurch nicht an Charakter, sonder gewinnt unheimlich viel dazu. Dafür muss man Cumberbatch einfach Tribut zollen.
Bruce Greenwood. Wie bereits zuvor bildet der Pike-Darsteller einen heimlichen Höhepunkt. Direkt schade, dass er so früh das Zeitliche segnet (auch wenn das für den Handlungsbogen viel zu wichtig war, um darauf verzichten zu können), denn dadurch wird seine Leistung von der danach Purzelbäume schlagenden Handlung verwischt.
Peter Weller. Der als RoboCop bekannt gewordene Darsteller liefert eine Leistung ab, die man mit ihm bereits auf erschreckend ähnliche Weise im Enterprise-Zweiteiler "Dämonen" bzw. "Terra Prime" erlebt hat. Im Großen und Ganzen erschreckend schwach und blass, so dass es nicht weiter wundert, dass man ihm einen weiteren Antagonisten zur Seite stellen musste, um die Sache bedrohlich wirken zu lassen. Als Sternenflottenoffizier, Vater und Vorgesetzter jedenfalls unglaubwürdig.
Alice Eve. Über zu weite Strecken ein wenig farblos, aber eine nette Idee. Die Fans wird es freuen, auch wenn ich partout nicht verstehe, warum sie sich in der bekannten Szene nun unbedingt entkleiden musste. Wahrscheinlich eine Art Initiationsritus, dem sich jede wichtigere weibliche Hauptfigur (Gaila, Uhura) unterwerfen muss, um bei J.J. Abrams eine Rolle zu erhalten.
Noel Clarke. Der Doctor-Who-Veteran hat nur einen kurzen, dafür sehr einprägsamen Auftritt. Seine zwei Sätze sind vernachlässigungswürdig; sein Abgang hingegen ganz großes Kino. Clarke kann in den wenigen Leinwandminuten mühelos unter Beweis stellen, dass in ihm mehr steckt.

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Das ist allerdings längst noch nicht alles. Immer wieder begleiten den Zuschauer altbekannte Gesichter aus dem vorherigen Film. Keenser (wie bereits zuvor völlig überflüssig), Schnubbelchen ('Cupcake' bekommt sogar einen Namen) oder der Transportertechniker (James Doohans Sohn Christopher), aber auch viele andere Erscheinungen sorgen für eine gewisse Kontinuität im Abramsverse. Mit einigen Abstrichen ist der Cast also gleich der erste Höhepunkt und vor allem den Hauptcharakteren wird genügend Platz geboten, sich einmal richtig auszutoben. Da diese sich das nicht zweimal sagen ließen, funktioniert der Film dahingehend recht gut.

Charaktermomente
. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich einen Film gesehen hätte, in dem mehr Männer geweint haben. Kirk, Spock und selbst Khan heulen wie die Schlosshunde! Vielleicht hat sich das Männerbild in den letzten hundert Jahren so stark verändert, dass so etwas kaum mehr ins Gewicht fällt. In jedem Fall hielt ich jede einzelne Träne für gerechtfertigt.
Ebenfalls herauszuheben ist Kirks Gnadentat für Khan, obwohl dieser für den Tod seines Förderers und Mentors verantwortlich war. Im Gegensatz zu jener Abschlussszene im elften Teil, in der Kirk und Spock Nero eiskalt verrecken ließen, wirkt der juvenile Captain plötzlich gereift und erinnert tatsächlich für einen Moment an das Original, auf dem seine Rolle fußt.
Natürlich sollten wir in diesem Moment auf DIE Schlüsselszene zu sprechen kommen: Die Sterbeszene Jim Kirks, die in einer unverhohlenen Kopie der Sterbeszene Spocks mündet. Schon jetzt kann man sich ausmalen, dass einige Fans Sturm dagegen laufen werden. Ich für meinen Teil muss gestehen, dass ich sie gelungen fand. Natürlich kann ich Personen verstehen, denen es albern vorkam, aber durch die vertauschten Opferrollen hatte der Moment wiederum etwas sehr Originelles. Als Höhepunkt seiner Charakterentwicklung während des Films lernt Kirk nämlich doch noch seine Lektion aus dem Kobayashi-Maru-Szenario, während der Initiator des selben all ihre Erkenntnisse in den Wind schreibt. Natürlich ist es irgendwo ideenlos geklaut, doch in diesem Fall erinnerte es eher an einen Coversong, der nicht bloß etwas kantenloser und vermeintlich gefälliger gesungen wurde, sondern sich auch mal traut, Text und musikalische Begleitung abzuwandeln um etwas zu erschaffen, was einerseits dem Original Tribut zollt, aber andererseits auch auf eigenen Füßen stehen kann. Gelungener als der große Aufreger des elften Filmes, die Zerstörung Vulkans, ist diese Szene allemal.

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Setting und Anleihen. Wer nach dem aufreibenden Trailerbombardement der letzten Monate für sich erkannt hat, dass auch dieser Film ob seiner düsteren Stimmung, Fokussierung auf Rache und tumben Action nichts mehr mit Star Trek zu tun haben würde, wird im Kino eines besseren belehrt.
Tatsächlich kann man, sofern man seinen Blick nicht aus Prinzipienreiterei verstellt, durchaus Werte erkennen, die Star Trek einmal ausgemacht haben. Kirk kümmert sich aufopferungsvoll um seine Besatzung, die Oberste Direktive bedeutet wieder etwas und am Ende verspricht der Film sogar, dass es in Zukunft wieder in Richtung Forschung gehen wird. Tatsächlich ist die Grundstimmung viel positiver als in Abrams' Vorläufer, so dass an dieser Stelle mal einfach gesagt werden muss, dass Trailer und auch der Titel 'Into Darkness' nicht irreführender sein könnten.
Wenn man den Film gesehen hat, erkennt man schnell, dass sich dahinter eine Marketingstrategie verbirgt, die ein breiteres, ursprünglich nicht an Star Trek interessiertes Publikum anlocken soll. Tatsächlich ist der Film aber für Fans gedacht, denn schon mit der Sterbeszene werden Außenstehende nichts anfangen können.
Und das ist nur die Spitze des Eisbergs!
Referenzen auf die klingonische Sprache, die Verwendung von bat'leths und der Einbezug von Sektion 31 sind bittere Pillen, die dem unwissenden Neueinsteiger schwer aufstoßen müssen. Addiert man die vielen weiteren Anspielungen hinzu wird schnell klar, dass Abrams und sein Team mit dem Film einen Ölzweig an all jene reichen will, die verstanden haben, dass Star Trek eine Rundumerneuerung bitter nötig hatte und sich damit abfinden können, dass es auf diese Art und Weise geschah.

Negative Aspekte


Transwarp-Beamen. Was soll man mit einem Ölzweig anfangen, wenn all das, was nach TOS noch folgen müsste, zum wiederholten Male mit Füßen getreten wird?
 Symbol für diesen Tritt in die Weichteile logikversessener Alt-Fans ist das Beharren auf Transwarp-Beamen, das es weder bei TNG, DS9 noch Voyager gab.
Warum kann sich Khan von der Erde nach Qo'noS beamen, während Picard mühselig mit der Enterprise dorthin fliegen musste?
Warum hat die Sternenflotte nicht einfach ein Sonderkommando nach dem anderen auf die Station geschickt, um Deep Space 9 von der Herrschaft des Dominions zu befreien?
Warum zum Teufel hat sich die doofe Janeway nicht einfach zurück in den Alpha-Quadranten gebeamt, wenn angeblich schon Scotty auf diese Gleichung gekommen ist?
Doch damit nicht genug!
Während der Pille der Original-Zeitlinie zu dumm war, aus dem genetischen Fundbüro Khan Noonian Soong einen Jungbrunnen zu erschaffen, katapultiert man hier die Medizingeschichte auf einen Stand, den noch nicht einmal Captain Braxton, Kal Dano oder Crewman Daniels erahnen konnten. Mit einem einzigen Storyloch zieht man so das Ableben Tasha Yars, Jadzia Dax' oder selbst James Tiberius Kirks schwungvoll durch den lauwarmen Kakao.
Der Android, der auf der Brücke der Enterprise seinen Dienst versieht, wirkt ebenfalls völlig fehl am Platz, denn die erste künstliche Lebensform in der Sternenflotte sollte eigentlich 'Data' heißen und nicht 'GATT 2000'. Hatte da vielleicht LeVar Burton doch mit seinem Alleinvertretungsvorwurf gegen Abrams Recht?
Natürlich ist das alles eine völlig andere Zeitlinie! Es wird aber mit jedem neuen Film eine immer unglaubwürdigere Zeitlinie, die trotz der einhundert Jahre Differenz zu den Nachfolgeserien der Neunziger die eigene Zukunft bereits eingeholt hat.


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Fehlende Szenen.

"You think your world is safe. It is an illusion. A comforting lie, told to protect you. Enjoy these final moments of peace. For I have returned to have my vengeance."

Wer erinnert sich nicht an diese markigen Worte, die mittlerweile den Großteil der Trailer dominieren?
Davon sollte man sich auch gleich wieder verabschieden, denn davon ist im Film nichts zu hören. Auch die harschen Worte, mit denen Kirk Marcus beschwört, Rache zu einem Gegenstand von Sternenflottenpolitik zu machen, fehlen dem Film völlig. Selbst einige der Bilder, die ob ihrer Spannung in die Trailer eingebaut wurden, gibt es in der Kinofassung plötzlich gar nicht mehr. Das ist bedauerlich, denn schon der letzte Film wäre um Längen besser gewesen, wenn die herausgeschnittenen Szenen an Ort und Stelle belassen worden wären.

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Szenen mit Fragezeichen. Dafür bleibt sich der Film in puncto Storylöchern treu. So ist mir immer noch nicht klar, warum Admiral Marcus sein einziges Druckmittel gegenüber Khan überhaupt in die Hände Kirks weiterreicht.
Ebenso leidenschaftslos scheinen auch die Klingonen ihre Heimat zu verteidigen: Als die Enterprise in deren Territorium (Torpedoreichweite) herumtreibt, scheint sich trotz angespannter militärischer Lage niemand sonderlich dafür zu interessieren.
Ab dem Moment, in dem Pille jedoch Spock zwingt, Khan am Leben zu lassen, um den Fortbestand Kirks zu sichern, ist das Fass endgültig übergelaufen. Warum  nimmt der Landarzt nicht einfach das Blut genau jenes Augments, den er kurz zuvor aus der Tiefkühltruhe zerrte, um seinem Busenkumpel Hirnschäden zu ersparen?
Während sich in solchen Momenten Fragezeichen in den Augen der Kinogänger bilden, fehlen sie an anderen Orten. Die wahre Identität Harrisons, die Wiederauferstehung Kirks oder der 'Khan-Urschrei' sind viel zu vorhersehbar, um noch irgendwen ernsthaft vom Hocker zu reißen. Viel zu oft erkennt man die simplen Strickmuster, die im Vergleich dazu selbst jedes beliebige Grimmsche Märchen plötzlich wie ein geschickt inszeniertes erzählerisches Feuerwerk erscheinen lassen.
Stichwort Märchen: Zu häufig schleicht sich ferner ein Star-Wars-Feeling ein, das sich auch nicht recht abschütteln lässt. Mitunter hat man das Gefühl, als würde man einen tiefen Blick in die Bewerbungsunterlagen Abrams' für den siebenten Star-Wars-Teil werfen. Hoffentlich bleibt uns ein im All schwebender Star-Wars-Charakter wenigstens in diesem Film erspart.
Die viele Action wirkt bombastisch, aber man hat nie den Eindruck, dass man das nicht bereits irgendwo anders vorgesetzt bekommen hätte. Das Geld hätte man besser in eine vernünftige Story investieren sollen. Auch die 3-D-Effekte waren nichts, was das Tragen einer 3-D-Brille unbedingt rechtfertigte.
Ansonsten gibt es vieles, was man ebenfalls schon gesehen hat. Wieder einmal gibt es einen Weltraumsprung á la Felix Baumgartner, wieder einmal rettet der alte Spock aus der anderen Zeitlinie den Tag und wieder einmal kommt es zu einem Showdown mit einem überdimensionierten Schiff. Gut geklaut ist halb gewonnen, werden sich die faulen Autoren da gedacht haben.
So ein riesiges Schiff hat ja schließlich schon in Star Trek eins, acht, neun, zehn und elf so unglaublich gut funktioniert!
Warum man in Zeiten frei zugänglicher Kanon-Nachschlagewerke wie Memory Alpha immer noch so hanebüchene Fehler in das Script bauen kann, wirkt eigentlich unerklärlich. So gibt man sich zwar offensichtliche Mühe, die klingonische Sprache adäquat einzubinden, schreibt den Hauptplaneten des Imperiums aber 'Kronos'. Auch den Gorn, die einer reptiloiden Spezies angehören, werden plötzlich eine Lebendgeburt unterstellt (ob das nur eingestreut wurde, um das Computerspiel zum Film zu promoten?). Warum der klingonische Mond Praxis in dieser Zeitlinie bereits vor den Ereignissen in Star Trek VI zerstört scheint, bleibt wohl genauso das Geheimnis der Autoren wie die Tatsache, dass das Kriegervolk stolz seine Stirnwülste in die Kamera halten kann, obwohl es laut Enterprise (und die alternative Zeitlinie fußt eigentlich auf dieser Serie, die noch vor der Abspaltung dieser Realität spielt) gar nicht geben dürfte. Dass die Sternenflottenoffiziere mit ihren Militärmützen wie Wehrmachtsoffiziere aussehen, mag zwar kein Anachronismus sein, jagte mir aber immer wieder einen eiskalten Schauer über den Rücken.
Höhepunkt ist in meinen Augen allerdings die Sterbeszene Kirks. Nicht, weil die aus "Der Zorn des Khan" geklaut ist, sondern weil sich dort etwas entwickelt, was ich bei Doctor Who immer gern als 'Zauberende' bezeichne. Dank einer fadenscheinigen und nur am Rande erwähnten Lösung verpuffen allen Sorgen plötzlich und lösen sich in eitel Sonnenschein auf. Kirk bleibt dank des Blutes seines Feindes am Leben (der Vampirkult lässt grüßen) und alles ist wieder in Butter.
Das ist einfach aus dem Grund schade, weil Abrams dieses neue Universum laut eigener Aussage ja begründete, um die Möglichkeit zu erschaffen, selbst Hauptcharaktere sterben lassen zu können und somit die Spannung am Leben zu erhalten. Nun, wo sich eine großartige erste Gelegenheit bot, Filmgeschichte zu schreiben und die Fans dem nächsten Film verzweifelt entgegenfiebern zu lassen, kneift Abrams den Schwanz ein und lässt Kirk mit einer fadenscheinigen Begründung wiederauferstehen. Diese fehlende Konsequenz führt somit das Besondere an diesem Universum ad absurdum, da spätestens jetzt jedem Zuschauer (auch den neuen) bewusst sein wird, dass die Haupthelden genauso wenig abgemurkst werden können, wie die der älteren Filme.

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Optik und Sound. Schläuche, die zum Löschen dienen; Schiffe, die den Ozean befahren; Autos, die auf Straßen fahren: Zusammen mit kernigen Sprüchen, die immer wieder auf den Technikstand unseres Jahrhunderts zurückfallen, hat man kaum mehr ein Science-Fiction-Gefühl, wenn man sich J.J. Abrams Interpretation der Erde ansieht. Die Budweiser-Brauerei, die man trotz der massiven Fan-Proteste als Drehort beibehielt, tut ihr übriges und führt man sich vor Augen, dass es im Film sogar Schleichwerbung für dieses bierähnliche Gesöff gibt, so drängt sich förmlich die Vermutung auf, als hätte hier jemand eine unheilige Allianz geschmiedet.
Selbst die zuweilen bereits gelobten klingonischen Schiffe der D4-Klasse sehen in meinen Augen einfach nur aus wie schlecht montierte Transformer auf Koks. Zusammen mit der an Hässlichkeit kaum mehr zu überbietenden USS Vengeance verliert Star Trek damit ein Motiv, dass die Serie bislang ausgemacht hat:
Ihre klaren, optisch ansprechenden Schiffsdesigns. Die Zeiten eines D'deridex-Warbirds, einer Nebula-Klasse oder einer Negh'Var scheinen ein ungeliebtes Relikt einer unpopulären Ära gewesen zu sein.
Die bei den Fans so verhassten Lens Flares gibt es hingegen noch immer. Ich hatte den Eindruck, dass sie nicht mehr ganz so häufig sind wie früher, doch das kann an dem subjektiven Eindruck eines Menschen liegen, den sie ohnehin nie sonderlich gestört haben. Allerdings verzichtete Abrams auf die Lautlosigkeit, die sonst in seinen Weltraumszenen vorherrschte. Dafür gibt es jedoch wieder eine pompöse Giacchino-Untermalung, die der aus dem ersten Film in nichts nachsteht. Da liegt wiederum auch der Haken, denn was damals neu und aufregend wirkte, ist nunmehr altgewohnte Kost ohne irgendwelche Würze. Es fehlt die Originalität, zumal der nochmalige Rückgriff auf die Beastie-Boys bei aller Liebe einfach nur platt wirkte.




Fazit


Insgesamt betrachtet hat J.J. Abrams einen Film produziert, der besser ist, als sein Vorgänger. 'Kunststück', werden die einen sagen, 'Logisch', die anderen. Kaum jemand polarisiert die Fans so sehr wie der Regisseur, der sich bei aller Kritik den Fans z.B. bei der Premiere geduldig stellte. Immer noch schleicht sich das Gefühl ein, als wäre die Handlung ein Stiefkind der Produktion gewesen, das zugunsten von Action, Sex-Appeal und zweifelhafter Dramatik in die zweite Reihe rücken musste. Gerade beim Transpwarp-Beamen wird das jedem Fan schnell wieder bewusst. Und trotzdem ist es unter den Umständen ein guter, gerader Film. Die Nummer zwölf lehnt sich zwar stark an der Nummer zwei an, doch vielleicht ist es aus genau diesem Grund in Wirklichkeit ein Film für die Fans. Großartige Schauspieler, bedeutungsschwangere Reinszenierungen und vor allem ein wahrer Bösewicht, der die Bezeichnung verdient. Dabei bleibt 'Into Darkness' Popcorn-Kino, aber es versucht immerhin, den 'alten Hasen' die Hand zu reichen.

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Nachschlag: Passend zum Abschluss noch der 'Honest-Trailer' zum elften Film. Vielen Dank an NCC-1701 für diesen Tipp!




Weiterführende Kritiken

Die Rezension unseres Tafelrundenmitgliedes Rok
Die Rezension unseres Tafelrundenmitgliedes Lairis
Die Rezension unseres befreundeten Nachbarblogs Star Trek: Origins 
Die Rezension meines Lieblings-Eidgenossen DomPatHug

Kommentare:

  1. Schöne Kritik, ich kann dir in allen Punkten nur zustimmen. Da ich dank der 1-Liter-Cola, die ich im Kino getrunken habe, noch relativ wach bin, schließe ich mich gleich mal an (nach dem Schreiben bin ich jetzt aber doch zu müde, um noch einen eigenen Blogeintrag mit passendem Bildmaterial zu machen *gähn*):


    Negative Aspekte (in zufälliger Reihenfolge):

    1. Klischees und vorhersagbare Story-Elemente:
    Ich hatte das Gefühl, dass jede Menge Versatzstücke aus anderen Filmen, Serien und Büchern aneinandergereiht worden sind. Vieles war vorhersagbar, aber vielleicht geht das auch nur mir als Popkultur-Junky so. Nur die übertrieben brutale Szene, in der Admiral Marcus stirbt, fand ich wirklich überraschend, genauso wie der Tod eines Besatzungsmitglieds der Enterprise (das jemand sterben würde, war ab einem bestimmten Punkt für alle, die der Zorn des Khan gesehen haben, aber auch vorhersagbar). Da habe ich wirklich gebangt, wen es denn nun erwischt – an Kirk hätte ich allerdings nicht im entferntesten gedacht, ich hatte eher Angst um Scotty und Chekov (der Arme schien es ja selbst mit der Angst bekommen zu haben, als Kirk ihm befahl, ein Redshirt anzuziehen). Gerade weil der Tod eines Nebendarstellers auch hätte endgültig sein können.

    2. Déjà-Vu:
    Ich musste bei der Szene, in der Uhura und Spock ihre Beziehungskrise ausdiskutieren, mit den Augen rollen. Ganz ehrlich, wem kam die Szene nicht bekannt vor? Mir wäre eine ruhige Szene, in der Uhura und Spock einfach mal alleine in einer Kabine auf der Enterprise sind, besser gefallen. Überhaupt würde ich gerne mal sehen, wie die beiden sich als Paar verhalten, wenn sie nicht im Dienst sind.

    3. Die Klingonen waren irgendwie ... überflüssig. Da hatte ich mehr erwartet. Sie dienten als Story-Device, quasi als McGuffin für den Krieg, der angezettelt werden sollte. Ich hätte wirklich gerne mehr über die Klingonen der alternativen Zeitlinie erfahren, leider blieb es nur bei einer recht unübersichtlichen jeder-schießt-auf-jeden-Kampfszene.

    4. Wie soll man denn nun Film nennen?
    Der Zorn des Khan? Oder doch im ersten Drittel eher der Zorn des Kirk? Und am Ende gar der Zorn des Spock? (Und dann heißt das Schiff des Admirals aka die Riesen-Enterprise auch noch Vengeance. Ein bisschen viel der Rache, oder?)

    5. Der Tod des Mentors: WIESO, JJ, WIESO? Der Tod des Mentors und die Rache des Schülers – das ist so ein altes Trope ... und ich hätte Bruce Greenwood gerne noch in weiteren Star Trek Filmen gesehen! :-/

    6. Hab ich was verpasst?
    Obwohl der Film auch für Neueinsteiger gedacht ist, wird einiges an Vorwissen vorausgesetzt, das man nicht unbedingt aus dem vorherigen Film kennt. Vor allem die Hintergrundgeschichte von Khan und seinen Leuten macht erst richtig Sinn, wenn man die ursprüngliche Zeitlinie bzw. den zweiten Star Trek Film kennt.

    7. Fanservice – aber leider nur für die Männer. Alice Eve zeigt sich nur in Unterwäsche bekleidet. Eine Szene, die überflüssig und fehl am Platz wirkte.

    8. Deus ex Machina:
    Khans Blut, das Kirks Leben rettet. Auch Scotty, der es irgendwie geschafft hat, an Board von Admiral Marcus‘ Schiff zu gelangen und alles Mögliche zu sabotieren.

    9. Auch wenn die Schauspieler sonst sehr gut spielen – Chris Pine solle Sterbeszenen noch mal üben. Sein toter Kirk sah einfach so aus, als würde er vor sich hinstarren. Das hat Bruce Greenwood dann doch besser (und glaubhafter) rübergebracht.

    10. Logiklöcher. GROSSE Logiklöcher.

    11. Fehlende Szenen: Da fehlte doch einiges, was im Trailer gezeigt wurde. Schade. In Neuseeland hat ein Mann übrigens gegen Paramount geklagt, weil er sich „Jack Reacher“ (angeblich) nur wegen einer einzigen Explosion angeschaut hat, die im Trailer vorkam, aber im fertigen Film fehlte. Er hat Recht bekommen und das Geld für die Kinokarte wurde ihm erstattet.


    Positive Aspekte:

    Der Humor. Die Action. Die Leistung der Schauspieler. Ein Heldenmoment für Chekov. Viel Screentime für Scotty. Hab ich schon die Schauspieler erwähnt?

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    1. (Fortsetzung):

      Trotz aller negativen Aspekte:
      Nachdem ich eben noch mit einigen anderen Tafelrundlern in der S-Bahn über den Film diskutiert habe, schwanke ich trotzdem zwischen 7 und 8 von 10 Punkten (bzw. 3 – 4 in Turons Wertung). Der Film ist nicht schlecht! Im Gegenteil, er ist sehr unterhaltsam, wenn man nichts anderes als Popcorn-Kino erwartet und ich würde ihn mir auch jederzeit gerne wieder anschauen (was für mich ein Kriterum ist, damit ein Film 7 Punkte bekommt, alles was darunter liegt, sind Filme, die ich mir in der Regel nicht nochmal ansehen möchte). Ja, ich hatte etwas anderes erwartet, vermutlich weil der erste Film viel Kritik einstecken musste und JJ Abrams es von daher eigentlich noch besser hätte machen können. Außerdem habe ich in den letzten zweieinhalb Jahren vor allem dank TNG und DS9 auch ein anderes Star Trek kennen gelernt, was meine Erwartungen wohl auch in eine etwas andere Richtung als das Abramsverse lenkte (ein Fehler, den ich bei Star Trek XIII dann nicht wieder machen werde). Also: Kopf ausschalten, Film ansehen, Action und Effekte genießen und die Schauspieler bewundern! :-)

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  2. Benicio del Torres... vermutlich der Patenonkel von B'Elanna Toro :)

    Und zu Gayas 8: Letzteres fand ich nicht sooo schlimm. Er hat sich mit seinem Shuttle zwischen den anderen "Machinikern" in die Werft geschlichen und wird sich irgendwie Zutritt verschafft haben. Und das Schiff war für eine Minimalbesatzung ausgelegt, was dafür spricht, dass er ziemlich lange unentdeckt blieb.

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  3. @ Gaya: Das muss ja eine Cola mit doppeltem Koffeingehalt gewesen sein! Bei der Menge hättest Du allerdings auch ruhig einen Blockeintrag machen können, denn ob Du nun zwei Kommentare brauchst, um Deiner Einschätzung Luft zu lassen oder all das einfach in einen Artikel packst, macht wohl kaum einen Unterschied mehr. Will sagen: Tolle Fleißarbeit und schade, dass die jetzt in einem Kommentar versauert.
    Naturgemäß muss ich Dir in ein zwei Punkten widersprechen, auch wenn man den Großteil Deiner Aussagen durchaus so unterschreiben könnte.

    Nr. 3: Die Klingonen sehe ich eher als ein gutgemeintes Präsent an die Fans. Ich persönlich störe mich da eher an der rosa Schleife, die das Geschenk umhüllt (die vielen Logikfehler Klingonen betreffend), als am Präsent selbst.

    Nr. 5: Pikes Tod war in meinen Augen schlüssig, auch wenn damit Bruce Greenwood aus der Filmreihe geworfen wird. Außerdem ist es nicht das klassische Rachemotiv, das den Film bestimmt. Tatsächlich schafft es Kirk vergleichsweise schnell, seine Gefühle rationalen moralischen Überlegungen unterzuordnen und vielleicht sogar zu überwinden.

    Nr. 8: Bei Scottys Einbruch in die Vengeance sehe ich es ähnlich wie der Tatzel.

    Im Großen und Ganzen würde ich dem Film auch gar nicht vorwerfen, altbekannte Story-Bausteine zu recyclen (Pärchen-Streit in der Öffentlichkeit, McGuffins oder Deus ex machina), denn wer von Abrams erwartet hat, dass er das Rad neu erfinden würde, hat den ersten Film wohl durch eine rosarote Brille betrachtet. Es gehört längst zum guten Ton in Hollywood, den Zuschauer nicht mit komplizierten Ideen und geschlossenen Handlungsbögen unnötig zu verwirren. Für anspruchsvolle Unterhaltung fühlen sich große Global Player wie Paramount nicht mehr zuständig, da viel eher das Geld wieder zurück in die Kasse gespült werden muss, das man zuvor mehr oder weniger fleißig investiert hat. Am besten, noch etwas darüber hinaus. Gerade die teuren Science-Fiction-Filme sind seit der Jahrtausendwende special-effektvolle Story-Schonkost geworden und dieser Trend hat seit 2009 eben auch Star Trek erreicht. Wer wie ich seine Erwartungen entsprechend reduziert hat, konnte sich aber recht gut unterhalten lassen. Filmen wie Star Trek II, VI oder VIII kann 'Into Darkness' allerdings nicht das Wasser reichen.

    @Tatzel: Ach Häschen, wenigstens einer liest sich meine Texte gründlich durch! Den einen Satz hab ich gestern noch unmittelbar vor dem Kinobesuch zwischengeschoben, ohne mein Hirn zu benutzen. Als ich wiederkam, musste ich erst einmal erschrocken von mir selbst die vielen unsinnigen Fehler auskämmen, die sich zusätzlich dazu eingeschlichen haben. Hinzu kam ein Video und die Links, die ich nicht mehr geschafft habe. Im Endeffekt hab ich länger daran gesessen als Gaya wohl wach war und wenn mir jemand steckt, wo ich noch etwas übersehen habe, bin ich doch recht dankbar dafür...

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  4. @Tatzel: Danke, die Werft war das Puzzlestück, das mir gefehlt hat. Ich hab auf Anhieb gar nicht richtig realisiert, was Scotty bei Khans Koordinaten eigentlich gefunden hat, nur, dass da irgendwas gebaut wurde. Und danach tauchte die Vengeance ja auch relativ schnell bei der Enterprise auf, da fand ich es ein wenig merkwürdig, dass Scotty so schnell auf das Schiff gelangt war.

    @Turon: Ich wollte gestern erstmal alles aufschreiben, was mir zum Film eingefallen ist, bevor ich was vergesse und es quasi als Diskussionsgrundlage für einen späteren Blog-Artikel reinstellen ;-) Mir sind heute auch noch ein, zwei Sachen eingefallen, die ich noch ergänzen könnte und die Nr. 8 hat sich jetzt ja relativiert, von daher werd ich den Film erstmal ein paar Tage sacken lassen und dann meine Fleißarbeit noch etwas aufhübschen und als Blogartikel online stellen. Und vielleicht schließt sich bis dahin ja noch die eine oder andere Logikfrage ;-)

    PS: Beim ersten Film hatte ich überhaupt nichts erwartet, im Gegenteil, ich hätte sogar eher gedacht, dass ich den Film überhaupt nicht gut finden werde. Deshalb habe ich den auch in recht positiver Erinnerung und hatte dementsprechend noch mehr vom zweiten Teil erwartet.

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  5. Mal zwei Anmerkungen zu dem guten Senf:

    Praxis - Praxis soll ja wegen übertriebenem Bergbau zu Bruch gehen/gegangen sein. Vielleicht sehen wir hier, wie sehr die Klingonen da schon übertrieben und den Mond angeknabbert haben^^

    Militärmützen - Nicht alles Militärische muss einen gleich an die Wehrmacht erinnern. Diese Mützenform war vor, während und nach dem II.WK bei vielen Armeen verbreitet. Und der Stil der hier im Film gezeigten Mützen und Uniformen ähnelt viel eher dem der englischen Luftwaffe.

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    1. Moin Yorek,

      Schön, dass Du Dich zu Wort meldest.

      Ich denke, dass der zerstörte Mond definitiv eine Anspielung auf Praxis ist, abba egal, wie man es dreht - um 2260 ist es noch ein bisschen zu früh dafür.
      Deiner Anmerkung zu Militärmützen stimme ich sogar zu. Mein Problem daran ist und bleibt jedoch, dass dass zusammen mit dem Farbton eine militärische Assoziation entsteht, die ich bedenklich finde. Vielleicht bin ich dahingehend einfach nur stur oder ein Kind einer anderen Generation: Diese Kopfbedeckungstradition halte ich für viel zu antiquiert für das 23. Jahrhundert...

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  6. Ich schließe mich an - danke für die Review, deren Aussage ich im großen und ganzen teile...
    Ich komme gerade aus dem Film, nachdem ich ihn zuvor in der deutschen Synchronisation geschaut habe (lasst es bleiben!) ... auf Englisch wirken viele Szenen weit weniger lächerlich... Aber das nur am Rande...
    Weshalb ich mit den Film eigentlich ein zweites Mal angesehen habe: Beim ersten Mal dachte ich ich hätte etwas nicht ganz mitbekommen und ich wollte dem Film eine zweite Chance geben - denn streckenweise und nicht zuletzt durch Cumberbatch, fand ich "Into Darkness" richtig gut....
    Beim zweiten Schauen jedoch, musste ich feststellen, das ich alles richtig mitbekommen und es tatsächlich viele Dinge gibt die keinen Sinn machen...
    Diese sind hier auch bereits genannt worden ... warum Kahn lebend fangen (was ja bereits schon einmal zu sehr "tollen" Ergebnissen geführt hat), wenn man einfach einen der 72 Augments hätte als Blutspender zum Aderlass hätte herbeiziehen können?!
    Und noch viel mehr... Kahn hat also für Marcus gearbeitet, weil dieser ihn mit dem Tod seiner Crew erpresst hat... ok, soweit... Aber: Kahn hat es irgendwie geschafft seine Crew auf 72 Torpedos zu verteilen ... alleine... vermutlich in 5 Monaten harter Arbeit in einem verlassenen Hangar... naja....
    Aber selbst wenn man Kahn das zugestehen mag... warum macht dieser sich denn die Arbeit und versteckt seine ganze Crew, wenn er sie doch genauso gut gleich hätte aufwecken können?!
    Klar das er ausflippt und nicht will das die Torpedos abgefeuert werden, aber er hätte sich viel "Stress" ersparen und gleich die Vengeance kapern können...

    Das führt mich dann auch zu einem weiteren Punkt... wenn man schon Teile der Story von Star Trek 2 kopiert... dann hätte man auch gleich zumindest versuchen können eine ähnlich epische Konfrontation wie die zwischen der Enterprise und der Reliant zu inszenieren ... Leider ist aber die "Lösung" dieses Konflikts eher fade und vorhersehbar ausgefallen und ich muss Kahns "überlegenen genetischen Intellekt" leider einen kurzzeitigen Ausfall unterstellen, wenn dieser nicht hätte zumindest in Erwägung ziehen können, das wenn er Torpedos, also Waffen, von der Enterprise auf sein Schiff beamt, man diese Waffen auch ihrem Zweck entsprechend einsetzen könnte... ;)

    Naja...
    ansonsten war der Film ok und ich bin mit dem Ende eigentlich in so fern zuversichtlich, das wir mit der 5-year-mission evtl. Neues und mit dem wieder ins Eisfach verfrachteten Kahn u.U. noch eine Revange zu erwarten haben ... Ich mochte den Darsteller schon in Sherlock ... Seine Leistung in Into Darkness war einfach super!

    Viele Grüße
    Werner

    P.S.
    Warum hat sich die Enterprise nochmal unter Wasser versteckt, anstatt im Orbit auf die Rückkehr des/der Shuttle zu warten? Und warum eigentlich nicht direkt beamen?! :-P

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    1. Hallo Werner,

      also ich finde es ja total toll, dass Du Deine Einschätzungen zuerst bei uns veröffentlichst, denn ich hab schon vorher ab und zu bei Dir vorbeigeschaut, um zu sehen, was Du vom neuen Streifen hältst.

      Ich muss Dir auch darin recht geben, dass er auf Englisch besser wirkt, als in der deutschen Synchro. Auch wenn Cumberbatch eine gute Stimme hat, ist das Original um Längen besser und wirkt optisch nicht ständig so, als würde er Kaugummi kauen, während er spricht.

      Die Logiklöcher siehst Du genauso wie ich, obgleich ich noch ein weiteres hinzufügen möchte: Man kann Personen von der Erde nach Qo'noS beamen, aber nicht aus einem Vulkan, einem Torpedo oder einem Müllfrachter (wenn sie sich bewegen)? Ein wenig unglaubwürdig, wie ich finde...

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    2. In einem Vulkan kann es immerhin elektromagnetische Störfelder aufgrund des Magmas geben...

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  7. Ich wollte auch eigentlich nicht schreiben, hab mich heute aber doch dazu durchgerungen :o)
    http://www.startrekorigins.de/2013/05/12/star-trek-into-darkness-leider-nicht-besser-als-alles/

    Das mit dem Transporter ... japp ... das kommt mit auf die Liste...
    Ich finde wir sollten mal eine Story für STXIII niederschreiben und dann auf nach Hollywood! ;)

    VG
    Werner

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  8. Lieber Turon, eine sehr schöne Rezension hast du da geschrieben, der ich mich auch inhaltlich in den meisten Punkten anschließen kann.

    Die Plotlöcher waren wirklich ärgerlich, ebenso, dass auf den "Science"-Aspekt der Science-Fiction oft einfach gepfiffen wurde.
    Zu Star Trek gehört nuneinmal, dass man sich clevere Gedanken um eine physikalisch plausiblen Lösung macht. Ansonsten hat man Star Wars, was ich im Gegensatz zu einigen anderen auf dieser Plattform durchaus auch zu schätzen weiß. ;-).

    Einzig in Punkto Optik & Sound muss ich dir leider völlig widersprechen. Ich habe mich über die realistische Darstellung der Erde und der Raumschiffe (besonders des Maschinenraums) sehr gefreut. Endlich eine Optik, die eine Brücke schlug zwischen unserer Gegenwart und der nahen Zukunft. Denn seien wir ähnlich: so lange ist 2259 nicht mehr hin! Auch das Aussehen der Uniformen fand' ich in dieser Hinsicht sehr gelungen. Überhaupt waren Settings und Kostüme eine echte Augenweide, das kann ich nicht häufig genug betonen. Allein dafür lohnt sich der Kinobesuch schon!

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    1. @ V'Nai: in der Episode "Brieffreude" scheint so etwas problemlos zu funktionieren, obwohl sich die Transportertechnologie laut LaForge (zu Scotty übrigens) nicht allzu sehr veränder haben soll.

      @ Werner: Gute Idee! Ich bin mir sicher dass wir, ein Schulkind oder eine Horde Schimpansen mit Zugang zu einer Schreibmaschine eine ebenso schlüssige Story schreiben könnten. Wenn Du also bereit bist, Tatjana zurückzulassen und mit mir ins professionelle Autorengeschäft L.A.s einzusteigen, soll es so sein!
      Deine Rezension hat mir sehr gut gefallen. Unbedingte Leseempfehlung!

      @ Ensign: Ich denke, dass alles, was wir heute daran neu, modern und 'spacig' finden, wird in spätestens fünfzehn Jahren so antiquiert, abstoßend und hässlich wirken, dass wir uns dessen schämen werden. Selbst TOS hat das Design späterer Dekaden geprägt (z.B. bei Handys) - den Abrams-Filmen traue ich dies nicht eine Sekunde zu (schließlich zeigen sie bei Lichte betrachtet nur aufgemotztes Jetzt-Zeit-Zeuchs). Dafür allein schon ins Kino zu gehen, halte ich jedenfalls für eine überdenkenswerte Empfehlung.
      Abba das ist ja das Schöne daran: Schon Rok sah in seiner Rezension ( http://star-trek-tafelrunde.blogspot.de/2013/05/star-trek-into-darkness-rezension-laute.html ) vieles anders als ich und ich bin der letzte, der für sich beansprucht, die alleinige Interpretationshoheit innezuhaben. Vielleicht fehlt mir für Design-Fragen einfach die Expertise (so etwas macht normalerweise Kalami für mich).

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  9. Hi Turon,
    Schöne Kritik, der ich mich in weiten Teilen anschliesse. Mit Ausnahme von zwei Punkten:
    1) Cumberbatch als Khan. Nach allem Hype, der im Vorfeld um den Kerl gemacht, war ich ehrlich gesagt enttäuscht. Der Mann ist ohne Zweifel ein großartiger Schauspieler und gibt einen markanten Bösewicht ab - aber er ist kein Khan! Ganz abgesehen davon, dass er optisch überhaupt nicht passt, fehlt ihm das Feuer und der Fanatismus dieses großen TOS-Schurken. Cumberbatch wirkt in weiten Teilen zu kühl und fast vulkanisch - um dann plötzlich (wie du so schön sagst) zu heulen wie ein Schlosshund. Ich bezweifle auch stark, dass sich Ricardo Montalbans Khan von Admiral Marcus zum Werkzeug hätte machen lassen.

    Was Khan hier an Temperament fehlt, hat offenbar alles Spock abbekommen. Ja Spock - in ST 11 noch einer der glaubhaftesten Charaktere, mutiert zum Schläger und Racheengel, der Khan am Ende sogar den Schädel zerquetscht. Spock, Spock, Spock ... Dein Kholinar-Meister wird graue Haare kriegen. :(

    2) Die Optik. Ich fand sie eigentlich sehr gelungen, zumal man von der Erde des 23. Jh. bisher nicht viel gesehen hat. Das Design det Gebäude und das svhwebende Auto z. B. haben schon SF-Feeling reingebracht. Pferdekutschen kamen erst im 24. Jh. ;).
    Die Uniformen, ok, ich hätte mehr an NVA gedacht. Auf jeden Fall sahen sie zu militärisch aus.

    Was die Logiklöcher angeht: Da passt leider eine ganze Klingonenflotte durch. Ich bin in meiner Review gar nicht auf alles eingegangen, sonst hätte ich 10 Seiten geschrieben. Aber das Transwarp-Beamen hätte ich wenigsten erwähnen können - shame on me ;).


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  10. Mein Fazit:
    Ein schöner SciFi-Actionfilm, der gut zu unterhalten weiß. Allerdings stößt mir Abrams' offensichtliche Anbiederung an die heutige, DSDS-“gestählte“ Teenie-Generation ein bisschen sauer auf. Diverse Handreichungen an die alten Fans kann man auch so verstehen, dass diese Fans auch zahlende Kunden sind, die man nicht verlieren möchte (ich weiß, ich bin ne Zynikerin ;)).
    Leider hat es der Film nicht geschafft, mich mit dem neuen Abrams-Trek auszusöhnen. Spaß macht er trotzdem, ich gebe 6 von 10 Punkten :).

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  11. Hab grad beschlossen, dem Input von so eifrigen Kommentatoren wie Ensign, Lairis, V'nai, Yorek, Mr. Werns & Gaya nachzugeben und mit den Film noch einmal anzusehen. In zweieinhalb Stunden, UCI-Potsdam. Wer Lust hat mitzukommen, kann sich in ein Kostüm werfen und kommt wie ich kostenfrei in die Vorstellung...

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  12. Ich kann leider nicht, bin heute und morgen auf Weiterbildung in KWH. Aber ich geh am Mittwoch noch mal mit meiner Mom ins Kino, vielleicht gefällt mir det Film beim zweiten Mal besser.

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  13. So, nun hab ich ihn mir auch mal angesehen.
    Schöne Review, Turon. Und ich gebe Dir recht, dass ich den Titel Into Darkness ein wenig unpassend fand. Die Gesellschaft der Föderation und der Sternenflotte steht ja im Prinzip genauso fest da wie vor den Geschehnissen des Films.

    Zusätzliche Anmerkungen meinerseits:

    Das Make-Up war seltsam, irgendwie waren die meisten Personen auf blutleer weiß geschminkt. Warum? Star Trek Into Breaking Dawn?

    Die erste Geschichte auf Nibiru (oje, mußte man ausgerechnet diesen Planetennamen wählen) wirkte auf mich inhaltlich wie eine Mischung aus "Der Gott der Mintakaner" und "Die oberste Direktive". Kurz gesagt: Alles schonmal dagewesen.

    Mich haben die Uniformen nicht an die Wehrmacht, die NVA oder die britischen Truppen erinnert, sondern an die der Soldaten auf dem Todesstern aus "Krieg der Sterne" (also Episode IV).

    Kurz bevor, der Familienvater das Attentat ausführt, sieht man einen Joystick auf der Konsole. ;-D

    Synthehol scheint es in dieser Zeitebene (noch?) nicht zu geben.

    Sowohl Spock als auch Wesley Crusher (in der Original-Timeline) sollten mal zur U.S.S. Bradbury. Beide Vorzeige-Nerds sind dort aber niemals angekommen.

    Die Dringlichkeitssitzung nach dem Attentat erinnert sehr an jene in "Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben".

    Khan nimmt in den Aufnahmen nach dem Attentat eine Tasche an sich. Was war da drin?

    Captain Pike stirbt auch für mein Gefühl zu früh, auch wenn ich Turons Punkt sehe, dass er für die Fortführung der Handlung sterben mußte. Aber vielleicht sehen wir ihn ja auf Talos IV wieder oder so.

    Schön, dass hier die Sektion 31 erwähnt wird, die ja lt. Sloan schon seit der Gründung der Sternenflotte existiert, also lange vor der Zerstörung der Kelvin.

    Die Darstellung des Warp-Flugs gefällt mir.

    Die Klingonen sehen scheiße aus. Ohne ihre Shredder-Helme sehen sie aus wie diese persischen Gesandten aus "300", die Leonidas dann in den Brunnen tritt.

    Kam es mir nur so vor oder rief einer der Klingonen während des Kampfes "taH pagh taHbe'"?

    Abrams bleibt sich treu, so erscheinen einige von Hurleys Zahlen, allen voran die 23. Die Menosky-47 kam dagegen nicht vor, glaube ich.

    Neu-Vulkan: Naja! Aber der Auftritt des ursprünglichen Spock war in meinen Augen eh ziemlich sinnfrei.
    Was veranlasst Spock eigentlich zu glauben, der Nimoy-Spock wäre schonmal auf Khan getroffen?

    Was genau macht das Khan-Blut mit den Lebewesen? Haben wir jetzt einen unbesiegbaren Tribble mit überlegenem Intellekt erschaffen?

    @ Yorek
    Wenn Praxis da schon zerstört ist, müßte dann nicht die klingonische Zivilisation am dahinsiechen sein? Aber vielleicht ist das ja der Grund für Turons Beobachtung, dass die Klingonen sich seltsam indifferent verhalten und auch kaum Verstärkung kommt. Die kämpfen eh ums nackte Überleben.
    Andererseits erklärt sich dann aber nicht, warum Admiral Marcus solch eine Gefahr in den Klingonen sieht.

    Und zu "Wir brauchen Khan lebend." Vielleicht wollte man nicht das Risiko eingehen, noch so einen weiteren Augment zu reanimieren. Was hätte der dann noch für Schaden anrichten können? (OK, ich gebe zu, das ist ein ziemlich schwaches Argument.)

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    1. Was mir noch einfällt:
      Ich finde es moralisch absolut nicht in Ordnung, dass Spock mit einem Sterbenden einfach mal eben so eine Bewußtseinsverschmelzung eingeht.
      Abgesehen davon, dass ja wohl gerade der Tod einer der intimsten Momente eines Menschen ist (Revue passieren des Lebens im Zeitraffer z.B.) hätte er wohl wenigstens eine Erlaubnis von Pike erfragen müssen!
      Mich jedenfalls hat diese Szene sehr irritiert.

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    2. Hallo Don;

      Vielleicht sollten wir Dir Schreibrechte gewähren! Schließlich reichen Deine Kommentare für einen eigenen Beitrag. Zu ein paar Sachen will ich aber doch noch einmal kurz Stellung nehmen.

      1. Zu Nibiru: Die Anspielung auf Planet X fand ich eigentlich recht witzig, zumal das ja nix mit dem eigentlichen Inhalt zu tun hatte. So liest sich das, als hätte irgend ein Fernerkundler am Hubble-Teleskop Langeweile und Humor gehabt.

      2. Zu den Uniformen: Mich haben auch die Uniformen bei Star Wars stets an Wehrmachts- oder zumindest Reichspolizei-Uniformen erinnert. Insofern fand ich jetzt nicht unbedingt, dass Deine Interpretation da so sehr von meiner abweicht.

      3. Zum Synthehol: Bedenkt man, wie erbost Scotty in "Besuch von der alten Enterprise" auf den Ausschank von Synthehol reagiert, muss man den Machern dieses Mal zugestehen, alles richtig gemacht zu haben. Schließlich stammte Scotty aus dem 23. Jahrhundert und kann der technischen Neuerung aus dem 24. Jahrhundert nichts abgewinnen.

      Beim Rest stimme ich Dir vorbehaltslos zu. Zwar wird auch im Roman zum Film (von mir hier rezensiert: http://trekromane.blogspot.de/2013/06/star-trek-into-darkness.html ) eine recht gute Erklärung für die Verwendung Khans geliefert, doch im Film wirkt das einfach nur fragwürdig. Ebenso fragwürdig wie Spocks unerlaubte Gedankenverschmelzung. Das erinnert in der Tat ein wenig an die ENT-Episode "Fusion".

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    3. Hallo.
      Danke für das Angebot. :) Aber ich weiß nicht wieso, doch irgendwie liegt mir das Schreiben von Artikeln nicht so richtig. Hatte ich bei anderen Blogs auch schon. Ich fühle mich wohler beim Reagieren als beim Agieren. Klingt seltsam, ich weiß.

      btw:
      Oh Mist, ich sehe gerade, die Lange Nacht der Wissenschaften ist ja jetzt am Sonnabend. =O Ich habe da Notdienst. Schade, Euern Vortrag hätte ich doch so gerne gehört. Könntet Ihr das nicht vielleicht mit ner Videokamera aufnehmen?

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