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Samstag, 19. Mai 2012

Walterchens Mondfahrt

Warnung:


Einleitung:
Es ist grad einsam für Star-Trek-Fans in der unmittelbaren Umgebung Potsdams und Berlins, denn Teile unserer Truppe, aber auch andere Abenteurer aus der Hauptstadt haben sich, Fußballanimositäten zum Trotz, auf den Weg in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf gemacht, um dort einige ihrer Leinwandhelden live zu erleben.
Einem der anwesenden Darsteller soll mit dieser dazwischen geschobenen Rezension gehuldigt werden - denn vielleicht spricht der Angesprochene ja gerade über dieses Stück Science-Fiction-Geschichte...

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Story: Der Astronaut Jason 'Einstein' Grant (Walter Koenig) und sein Partner Ray 'Penetrator' Tanner finden im All ein fremdes Raumschiff, eine menschliche Leiche und irgend etwas, das entfernt einem Football ähnelt, treibend im Raum. Arglos bergen sie den Toten und das fremdartige Objekt, um es bei der NASA einem Abgesandten des US-Präsidenten zu präsentieren.
Im Labor entschlüpft jedoch ein kleiner Roboter unbemerkt dem vermeintlichen Sportutensil, der sich sogleich anschickt, die Inneneinrichtung des Gebäudes massiv umzugestalten. Nur mit massivem Waffeneinsatz und persönlichem Heldentum Grants kann der extraterrestrische Blechmann schließlich gestoppt werden.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, folgt nun eine Raummission zum Erdtrabanten, denn dort wird der Ursprung dieses kybernetischen Übels ausgemacht. Grant und Tanner landen also auf dem Mond, um den konkurrierenden Sowjets (!) zuvorzukommen. Doch wie sich schon bald herausstellt, haben die mechanischen Kreaturen auf diesen Besuch schon lange gewartet...

Lobenswerte Aspekte:

The final 
Frontier. 
The Space Shuttle Camelot journies 
Into the void, 
Braving the dark depth of the universe. 

Wer hat jetzt nicht ein kleines bisschen an Star Trek gedacht?
Zumal die Absätze exakt den Kunstpausen entsprechen, mit denen Walter Koenig gleich nach dem Vorspann seinen Schauspielerkollegen William Shatner persifliert. Dabei blieb diese kleine Anspielung keineswegs die einzige, die bereits in den ersten Minuten eine gehörige Breitseite in Richtung etablierter Science--Fiction-Filme schießt: Zum einen erinnert die musikalische Untermalung stark an 'Odyssee im Weltraum', während zum anderen das rotierende Shuttle an die Einleitung an Star Wars IV 'Eine neue Hoffnung' denken lässt.

Understatement kann man Regie-Debütant Robert Dyke, der zuvor lediglich für die 'Visual Effects' etwa für 'Tanz der Teufel II' verantwortlich war, ganz sicher nicht vorwerfen.

So wundert es auch nicht weiter, dass die Hauptdarsteller des Streifens zwar nicht die ganz großen, klanghaften Namen tragen, aber dennoch auch nicht gänzlich unbekannt sind.
Der 'Star' in 'Moontrap' (im Deutschen mit dem hirnrissigen Untertitel 'Gefangen in Raum und Zeit' gestraft) ist fraglos Walter Koenig, der die heroische Hauptrolle übernahm und unter Beweis stellen konnte, was sich später bei Babylon 5 in aller Deutlichkeit abzeichnete:
Koenig ist ein guter Schauspieler.
Ohne russischen Akzent porträtierte er überzeugend den NASA-Astronauten Grant, ballert mit Maschinenpistolen, knutscht wild mit nackten Mondfrauen herum und rettet die Erde vor der Invasion ersatzteilhungriger Cyborgs und erinnert ein klein wenig an William Shatner zu dessen Hochzeiten.
Mit dem Regisseur Robert Dyke verbindet Koenig allerdings noch etwas. Als Koenig das Script für 'InAlienable' verfasste, war es wiederum Dyke, der für die filmische Umsetzung hauptverantwortlich war.
Auch der Co-Star verfügt entsprechende Verbindungspunkte zum Regisseur, denn es gelang den Verantwortlichen, niemand geringeres als 'Tanz der Teufel'-Hauptdarsteller Bruce Campbell zu gewinnen. Sicherlich hat die Sterbe- und Wiederauferstehungsszene seines Charakters und gemeinsame Vergangenheit den Horror- und Splatter-Meister für diese Rolle geradezu prädestiniert.


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Rate, wer zum Essen kommt...


Koenig und Campbell bilden jedenfalls ein ungewöhnliches Duo, das, auch wenn die Figurenbeziehung hölzern bleibt, schon für sich allein das Ansehen von 'Moontrap' rechtfertigt, denn die Mischung aus Science-Fiction und Horrorelementen bietet beiden Ikonen ihrer Genres eine hervorragende Bühne.


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Zwei sehenswerte Ikonen in der Konserve


Doch nicht nur das. Koenig gelingt es, noch in einem weiteren Punkt mit Shatner gleichzuziehen.
So wie der Kanadier dereinst seiner Gattin Marcy Lafferty eine Rolle im ersten Star-Trek-Kinofilm und vielen anderen seiner Filme ermöglichte, sorgte auch Koenig für seine Frau Judy Levitt.
Sie spielte nicht nur in Star Trek IV 'Zurück in die Gegenwart', Star Trek VI 'Das unentdeckte Land' und Star Trek 'Treffen der Generationen' kleinere Rollen, sondern auch in 'Babylon 5', 'InAlienable' und eben 'Moontrap'.

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Wer sich übrigens nicht unbedingt ein antikes Video, eine DVD oder eine illegale Raubkopie beschaffen will, um die Geschichte dieses Machwerks zu erleben, kann sich auch dem online verfügbaren Comic zuwenden, das sehr detailgetreu die filmische Vorlage wiedergibt.

Kritikwürdige Aspekte:
Von wegen großes Kino!
'Moontrap' ist trotz seines poetischen (englischen) Titels, seinen bekannten Gesichtern und netten Idee ein B-Movie, der, irgendwo in Detroit statt Hollywood gedreht, klaren finanziellen Beschränkungen unterworfen war.
Das merkt man dem Film auch an.
Die Robo-Aliens spotteten bereits damals gängigen Sehgewohnheiten und was dem Film an sehenswerter Computertricktechnik fehlte, versuchte man pauschal mit großen Brüsten aufzuwiegen.

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Wir sind die arme Mondverwandtschaft der Borg...

Auch das Drehbuch war mitnichten erste Liga. Die Dialoge sind primitiv, die Beziehungen der Figuren untereinander arg künstlich gestaltet und so ganz frisch ist der Plot ebenfalls nicht.
So verwundert es kaum, dass schnell Parallelen zu 'Aliens' (1979), 'Predator' (1987) oder 'Terminator' (1984) gezogen werden. Doch andererseits ist das in etwa so, als würde man die TNG-Folge 'Die Iconia-Sonden' mit Stargate, die TOS-Episode 'Griff in die Geschichte' mit 'Der letzte Countdown' oder Deep Space Nine mit Babylon 5 vergleichen. Die einzelnen Ergebnisse unterscheiden sich trotz einiger Parallelen im Grundaufbau letztendlich doch so stark voneinander, dass man bestenfalls von einem 'gängigen Sujet innerhalb der Science Fiction' sprechen kann. Wenn überhaupt muss man dem 1999 in die Kinos gestarteten Film 'Virus - Schiff ohne Wiederkehr' vorwerfen, sich arg offensichtlich bei 'Moontrap' bedient zu haben. Doch wenn 'Virus' eines zeigt, dann den Umstand, dass eine hochkarätigere Besetzung (Jamie Lee Curtis, Donald Sutherland, William Baldwin) und hochwertige CGIs im Vergleich noch immer von einer mit Herzblut gestalteten Low-Budget-Produktion geschlagen werden können, denn einen gewissen Charme versprühen die Roboter, die wie Action-Figuren durch die erschreckend erdähnliche Mondlandschaft schreiten, irgendwie schon. Ein klein wenig stellt sich beim Ansehen das Gefühl ein, das man heutzutage auch bei TOS hat: Man lernt die gut gemeinte Idee dahinter zu schätzen.



Der Trailer des Grauens zum Film des Grauens
 
Darüber hinaus gibt es natürlich auch hanebüchenen Unsinn zu vermelden. Neben horrenden Storylöchern (Warum hält der erste Roboter auf der Erde dem Dauerfeuer so lange stand? Warum haben die beiden Sex, obwohl sie wissen, dass draußen Roboter nach ihren Leben trachten? Warum haben sich die Roboter überhaupt auf dem Mond niedergelassen, wenn sie Menschennachschub benötigen?) sind es die kleinen inhaltlichen Fehler, die ziemlich nerven. Zwar wurde einigermaßen darauf geachtet, dass im luftleeren Weltall keine Geräusche zu hören sind, doch was nützt das, wenn man ein Hitech-Zelt zeigt, dass sich auf der Oberfläche des kalten (und ebenso luftleeren) Mondes von selbst mit Sauerstoff auffüllt?

Fazit: Der Film hat deutliche Schwächen und ebenso deutliche Stärken.
Für einen B-Movie mit beschränktem Budget ist er jedenfalls außergewöhnlich gut, auch wenn filmische Vorbilder wie 'Odyssee im Weltraum', 'Star Trek' und 'Star Wars' nicht nur nicht die selbe Liga sind, sondern nicht einmal der selbe Sport.
Unterhaltsam und kurzweilig ist das Ergebnis aber allemal, vor allem wenn man bedenkt dass sich der Film beim Deutschlandstart immerhin mit Filmen wie 'Die Besucher', 'Cyborg', 'Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft', 'Zurück indie Zukunft II' oder Star Trek V 'Am Rande des Universums' messen lassen musste.

Denkwürdiges Zitat:

"My Ass!"
Ray Tanner, kurz vor seinem Tod

Bewertung:

Billiger, aber besser als Star Trek V.

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Schlussworte:
Irgendwie gönnt man Walter Koenig einfach, in einem denkwürdigen Film mitgespielt zu haben. Dass der natürlich nicht frei von Fehlern ist, versteht sich von selbst, aber eigentlich ist es, dass eine geplante Fortsetzung mit dem Titel 'Moontrap II: Into the Red Planet' nie verwirklicht wurde. Potential hätte eine solche Reihe jedenfalls gehabt - wie Stargate es vormachte. Und wenn ich die Wahl zwischen diesen beiden Optionen gehabt hätte, so wäre sie deutlich ausgefallen...

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Chekov nutzt das romantische Mondlicht schamlos aus

Weiterführende Leseliste.

LeVar Burton: The Supernatural
DeForest Kelley: Night of the Lepus
Walter Koenig: Moontrap
Colm Meaney: Parked
Colm Meaney: The Damned United 
Nichelle Nichols: The Supernatural
Leonard Nimoy: Die Körperfresser kommen
Leonard Nimoy: Zombies of the Stratosphere
William Shatner: Mörderspinnen
Marina Sirtis: Blind Date
Marina Sirtis: The Wicked Lady