Montag, 16. Mai 2016

Turons FedCon-Logbuch, Teil III: Sonntag, der 15. Mai 2016

 Dieses ist des Logbuchs dritter Teil. Der erste lässt sich hier finden, der zweite hingegen an dieser Stelle.
 



08.00Uhr.
Miri steht scheinbar leichtfüßig trotz der 'durchzechten' Nacht auf, während ich mich nach nur fünfeinhalb Stunden Schlaf einfach umdrehe und versuche, auf schonende Art langsam wachzudösen.

08.24Uhr. Soweit zu meinem genialen Plan. Natürlich bin ich noch einmal so richtig eingeschlafen und quäle mich mehr schlecht als recht hoch, als es an der Tür klopft. K'olbasa und Rok haben sich aus Versehen aus ihrem Hotelzimmer ausgesperrt. Doch statt den Vormittag in ein komplettes Chaos münden zu lassen (am Wochenende arbeitet in diesem einsamen Sparkassen-Trainingslager niemand), genügt scheinbar ein simpler Anruf, um die Situation zu klären und eine neue Karte aus dem Automaten im Erdgeschoss zu ziehen. So brechen die drei bereits wenige Minuten später gemeinsam mit dem Auto zum Maritim auf, während ich noch immer herumtrödele und gelobe zügig nachzukommen. Im Gegensatz zu Miri oder K'olbasa habe ich keinerlei Ambitionen, einem Fotoshoot oder einer Autogrammstunde beizuwohnen. Stattdessen freue ich mich auf Hubert Zitt, der zu meiner großen Freude gestern ankündigte, heute erst um 11Uhr mit seinem Vortrag zu beginnen.

09.15Uhr. Nach dem Duschen, dem Vernetzen des Artikels des Vorabends und dem Packen aller Sachen breche auch ich auf, um zum Con-Gelände zu gelangen. Bei strömendem Regen halte ich vergeblich die Augen nach einem geöffneten Bäcker offen. Mit knurrendem Magen gelange ich ins Maritim und wandere zunächst einsam in den Menschenmassen herum. Ein weiterer Plan scheitert, als ich erfahren muss, dass der Start der Prometheus-Romanreihe noch nicht eingeläutet ist und ich mir daher auch kein entsprechendes Buch für eine zeitnahe Rezension kaufen brauche. Auch der mir mittlerweile in- und auswendig vertraute Merchandise-Bereich bietet keinerlei zwingenden Grund zum Erwerb weiterer Fan-Utensilien und so zeichnet sich bereits jetzt ab, dass ich weniger Geld ausgeben werde, als ursprünglich eingeplant. Daher lade ich K'olbasa, der mir gerade über den Weg läuft (aufgrund seiner hohen Nummer war es ihm nahegelegt worden, später zur Autogrammstunde wiederzukommen) auf ein koffeinhaltigen Heißgetränk ein.


10.02Uhr. Wir heimsen noch einen Tele-5-Beutel ein, bevor wir aufgrund K'olbasas Wunsch nach einem laktosefreien Cappuccino (!) im Restaurant des Hotels landen. Dort sehen wir nicht nur ein Elton-John-Double, sondern unterhalten uns fernab vom Convention-Rummel über Gott, Katzen und die Welt.

10.42Uhr. Während wir draußen herumtrödeln, hält uns Miri tapfer Plätze im Beethoven-Saal frei, in dem die Zitt-Vorlesung zum fünfzigsten Jubiläum der "Raumpatrouille Orion" stattfinden wird. Ich quäle mich in den völlig überfüllten, viel zu kleinen Raum, in dem verdammt viele Leute auf Stühlen, dem Boden oder in der Eingangstür stehen.


11Uhr. Hubert Zitt beginnt mit seinem Referat, dass er in ähnlicher Form bereits vor einigen Jahren auf der FedCon hielt. Auch Miri und mir kommt der Inhalt vertraut vor und wir fragen uns, ob wir den Vortrag bereits im Rahmen der Star-Trek-Ausstellung in Potsdam-Babelsberg gehört haben.
Ausgerechnet Miri, die sich so heldenhaft für unsere Sitzplätze eingesetzt hat, muss zur Autogrammstunde aufbrechen, als ein Mann durch die erste reihe läuft, der ein Schild trägt, auf dem vermerkt ist, dass mittlerweile auch die höheren Nummern zum Einlass in den Signier-Bereich gestattet ist.
Spätestens nach diesem Vorfall scheint Zitt etwas aus dem Konzept zu geraten: Zuerst finden Fans Fehler in seinen Folien ("Ihr seid aber auch Klugscheißer...") und dann nennt er den Captain-Blaubär-Sprecher Wolfgang Völz mehrfach 'Robert' ("Tschuldigung; als ich heute Nacht das letzte Mal auf die Uhr geschaut habe, war es halb fünf.").
Doch der erfahrene Lehrbeauftragte findet rasch wieder zu alter Stärke, überspielt geschickt die marginalen Fehler und unterhält sein Publikum auf gewohnt lockere Art und Weise. So etabliert er, dass die Startsequenz des Schiffes durchaus plausibel ist, dass die Orion nur siebzehn Monate gebraucht hätte, um vom Delta-Quadranten zurück zur Erde zu gelangen und gibt den Zuhörern anhand von Versionsunterschieden Französisch-Nachhilfeunterricht.
Unter großem Applaus beendet er seine wie gewohnt unterhaltsamen Ausführungen. Als sich dann Dirk Bartholomä anschickt, sein Panel zu halten, verlasse ich dann aber doch den Saal um wieder mit den anderen Außenteam-Mitgliedern in Kontakt zu kommen.


12.09Uhr. Nachdem ich eine Weile vom Strom der Menschenwogen durch die engen Gänge gespült werde, gelingt es mir wider erwarten just dort, wo die Wucht der Fanfluten nachlässt, K'olbasa und Andrea wiederzutreffen. Wir stürzen uns gemeinsam in den steten Fluss aus Con-Besuchern, fotografieren die vielen verkleideten Fans, die auf einen Sieg beim Costume Contest am Ende des heutigen Abends hoffen. Wir versuchen außerdem erfolglos,neue Uniforminsignien für seinen TOS-Movie-Uniform ausfindig zu machen. Immer wieder glauben wir, im Gewühl aus Menschen, Außerirdischen und Stargästen Rok mit seiner roten TNG-Uniform zu entdecken.


Als wir aber des Herumlaufens müde werden und auch das Knurren des Magens kaum mehr länger ignorieren können, suchen wir auf dem Freigelände nach Versorgungsmöglichkeiten und treffen erst dort überraschenderweise Miri und Rok wieder, zu denen zuvor jegliche Kommunikation abgebrochen war (in den Stahlbetonwänden des Hotelbaus ist der Handy-Empfang wie bei einem Subraum-Dämpfungsfeld äußerst eingeschränkt).
Während wir unsere Boulette (in diesem Teil der Republik gemeinhin als "Frikadelle" bezeichnet) verspeisen, erzählt Miri, dass ihr eine kleine Überraschung für die daheimgebliebene Lwaxana (vielen Dank für Deinen heimatlichen Gruß!) in die Hände gefallen ist. Wir einigen uns darauf, dass Marina Sirtis' Panel ein würdiger Abschluss für unser diesjähriges FedCon-Abenteuer wäre und vereinbaren, uns dazu um halb zwei vor den Toren des Hauptsaals wiederzutreffen.
Auf Anregung Roks versuche ich die 'Night Shift' in den Modell-Ausstellungsräumen abzupassen, bei denen das Licht ausgeschaltet wird, um die beleuchteten Modelle besser in Szene zu setzen. Leider ist weder meine Kamera ausreichend in der Lage, bei den herrschenden Lichtverhältnissen ansprechende Fotos zu machen, noch erlaubt der völlig überlaufene Raum es, an den einzelnen Modellen innezuhalten, um ungestört zu fotografieren. Nach einigen Ellbogenkontakten werfe ich jedenfalls die Flinte ins Korn und verlasse den Raum in Richtung Hauptsaaleingang.


13.08Uhr. So stehe ich schon bald zusammen mit den anderen in der Schlange vor dem Saal, wo wir bereits damit beginnen, etwas wehmütig unsere Erlebnisseberichte der letzten Tage auszutauschen. Unser gemeinsames Schwelgen wird plötzlich vom aggressiven Werben eines Klingonen für die Vorführung einer klingonischen Hochzeitsinszenierung unterbrochen.




13.35Uhr. Die Pforten öffnen sich und zusammen mit anderen erobern wir die oberen Ränge des Saales. So sitzen wir ein letztes Mal gemeinsam auf den harten Stühlen des Maritim-Hotels und beraten Veröffentlichungs-Pläne für ein "Such-den-Rok"-Buch, in dem der Leser/ Bildbetrachter auf einer überlaufenen Convention einen rot-uniformierten Taschenträger mit Smartphone in der Hand finden muss.


14Uhr. Chase Masterson kündigt ganz in weiß Marina Sirtis an. Der alte Con-Hase holt zu einem überaus unterhaltsamen Rundumschlag, der zwar den meisten Zuhörern hinlänglich bekannt war, aber durch aus: Sie erzählt vom Eurovision Song Contest, ihren Mann, ihr Tottenham-Hotspur-Tattoo, ihren Mann, englischen Fußball, Bayern Münchens Dominanz, ihren Mann, Tottenham, wie sie einmal einen Fan schlug, ihr Alter, Donald Trump, ihren Mann, Gargoyles, Schauspielerei, ihre Bosheit, Cockney, Maria Callas, Doctor Whos Hauptrollensexismus, David Tennants Angst vor ihr, 'Sir' Old Baldy, ihre Haare, ihre Kostüme, die Prominenz David Hasselhoffs in Deutschland, Star-Trek-Busenhalter, Technobabbel, den Wandel ihrer Rolle, Fluchen, Twittern, Foodpics, Alkohol, Crush, den Gegensatz zwischen ihrer Person und der Rolle der Deanna Troi, schlechte Erfahrungen mit Flughafen-Sicherheitspersonal und natürlich ihren Mann, als die Zeit verflogen und das Panel auch plötzlich schon zu Ende ist.
Doch dem Publikum ist sie eventuell weniger für markige Aussprüche wie "Oh, Shitfuckballs!", "When Troi got drunk she became Marina!" oder "I'm horrible." sympathisch, sondern viel eher für ihren Einsatz für die vor der Tür wartender Fans. Sie stiefelt spontan zum Eingang und veranlasst allen FedCon-Sicherheitsmaßnahmen zum Trotz, dass jeder draußen Wartende umgehend eingelassen wird. Das Publikum, selbst oft genug Leidtragender der teilweise sehr rigiden Bestimmungen, spendet jedenfalls Szenenapplaus. Am Ende bestimmt sie selbst das Ende ihres Panels und kehrte während Chase Mastersons Paneleinstieg auch noch einmal zurück, um den uninteressierten herausströmenden Massen unrespektvolles Verhalten vorzuwerfen (ohne dabei anzuecken). "Die ist eine echte Rampensau!" bemerkt K'olbasa zungeschnalzend und vor allem nicht ganz zu Unrecht.



15.11Uhr. Der traurige Moment der Wahrheit ist gekommen: Wir müssen los. Ein letztes Mal quetschen wir uns den viel zu engen Hauptgaqng hinunter, ein letztes mal besuchen wir die stark frequentieren (aber dennoch sauberen) Toiletten und ein letztes Mal warten wir noch einmal auf K'olbasa, bevor wir den Haupteingang des Maritim-Hotels zum Ausgang aus dem Convention-Wochenende umfunktionieren.

15.26Uhr. Wir brechen wieder in die alte Heimat auf. Noch 568km bis ins eigene Bett! Ein wenig Wehmut mischt sich aber dann doch, als wir ein letztes Mal auf das Maritim-Hotel blicken, bevor wir auf die Autobahn auffahren.

16.12Uhr. Kleine Tankpause. Der Himmel weint, weil wir nicht länger bleiben konnten. Erschöpfung macht sich in der Gemeinschaft breit jund sowohl Miri als auch Rok schließen immer öfter und für immer längere Zeitabstände ihre Augen.

17.27Uhr. Da die anderen schlafen entdeckt ausgerechnet unser Fahrer K'olbasa einen Kunstflieger am regnerischen Pfingsthimmel, der einen Immelmann nach dem anderen fliegt und sich durch das Panoramadach gut beobachten lässt. Wir hoffen inständig, dass er uns die kommenden Kilometer Strecke nicht auf den Kopf fällt. 

17.50Uhr. Ich für meinen Teil habe die Zeit im Auto dazu genutzt, meinen Block-Eintrag vorzuschreiben und bin soweit fertig. Unserer Gemeinschaft fällt auf, dass es allmählich an der Zeit wäre, etwas zu essen und einen Kaffee zu trinken.


18.17Uhr. Wir nehmen unseren traditionellen After-Con-Burger bei einer dieser seelenlosen Fastfood-Ketten ein. Miri fällt dabei erst beim Bestellen auf, dass sie noch immer ihre vulkanischen Spitzohren trägt, doch zu unserer allgemeinen Enttäuschung verzieht der Verkäufer keinerlei Miene.

18.45Uhr. K'olbasa läutet die erste Bilanzrunde ein. Der Tenor ist dabei recht eindeutig: Der FedCon und ihrem Personal wird eine gesteigerte Professionalität, Freundlichkeit und Effizienz zugeschrieben.
Mit drei zu eins Stimmen war die Begegnung mit George Takei noch vor der mit Vic Mignogna (Miri) der Höhepunkt für die meisten von uns.
Allerdings haben wir auch vereinzelt Kritik zu vermelden. So wurde die Informationspolitik bemängelt, denn wenn Angaben über Verschiebungen, Absagen oder Planänderungen nur über eine ausschließlich für iPhone-Besitzer zugängliche FedCon-App ausgegeben werden, kann man sich an einer Hand ausrechnen, dass dies in einem Hotel mit so massiven Stahlbetonwänden die Fans kaum erreichen wird. Wo sind die guten alten Touch-Monitore geblieben (der beklebte Zettel am Merchandise-Bereich war nämlich definitv kein angemessener Ersatz)?
Auch der rauere Umgangston mit den - zugegebenerweise manchmal etwas schwierigen - Fans seitens der Stars (von Beltran, Sirtis, Shatner bis zu Farrell) wurde zum Thema, wobei dies auch dem Umstand zuzurechnen ist, dass sich beide Parteien nunmehr ausgiebig kennen und nunmehr die selben Fragen wieder und wieder gestellt hören müssen. Ein ungesunder Trott in Kombination mit den Hürden der deutschen Sprache scheint eingekehrt zu sein, der alle Seiten ein wenig frustriert. Vielleicht wird es jetzt doch Zeit für neue Stars (z.B. einer kommenden TV-Serie), neue Gesichter und neue Anekdoten, die nie ein Mensch zuvor gehört hat..


20.05Uhr. Wir passieren bereits wieder die frühere innerdeutsche Grenze und freuen uns, in einer Zeit zu leben, in der Deutschland nicht mehr vom Eisernen Vorhang dominiert wird, Berlin die gemeinsame Bundeshauptstadt ist und die A2 so mittlerweile verhältnismäßig problemfrei zu passieren ist.
Wir unterhalten uns auch schon über die nächsten Möglichkeiten, auf eine Convention zu gehen. Weil wir gerade Hannover passiert haben, fällt uns die dortige Comic Con ein. Oder die in Berlin. Oder die in Stuttgart, wo immerhin Nathan Fillion zugegen sein wird. K'olbasa, der auf der Rückfahrt von der FedCon das Steuer seines Wagens innehat, wirft allerdings ob unserer allgemeinen Begeisterung ein, dass er nicht wegen eines Schauspielers irgendwo hinfahren wollen würde.
Öhm, ja...

21.37Uhr. Potsdam Hauptbahnhof! Wir sind wieder in den heimatlichen Gefilden angelangt und auch wenn wir die FedCon irgendwie vermissen, ist es doch schön, noch einen freien Tag vor uns zu haben, bevor uns die harte Realität des Arbeitslebens einholt. Dennoch hatten wir alle drei eindrucksvolle und ereignisreiche Tage, die wir nicht mehr missen möchten.

Sonntag, 15. Mai 2016

FedCon-Tröster für Daheimgebliebene - Mit dem Star Trek TAG gemeinsam in Erinnerungen schwelgen

Hallo an alle,
da ich leider nicht zu der diesjährigen - offensichtlich ziemlich genialen - FedCon nach Bonn mitfahren konnte, dachte ich mir, ich mache für alle Daheimgebliebenen mal den Star Trek-TAG in Videoform. Zum Erinnern und Mitdiskutieren quasi! Fühlt euch also herzlich eingeladen, meine Antworten anzufechten und eure eigenen zu teilen. Ich bin gespannt!



LLAP!

Turons FedCon-Logbuch, Teil II: Samstag, der 14. Mai 2016

Dies ist der Geschichte zweiter Teil. Den ersten kann man hier finden.

08:03Uhr. Nach knapp fünfeinhalb Stunden unruhigen Schlafes wache ich auf, springe unter die Dusche und vernetze den Bericht des Vorabends in den unendlichen Weiten des Internets. Kaum halb fertig, klopft auch schon der Rok an der Tür und erinnert uns daran, dass wir uns bereits zehn vor neun vor dem Hotel treffen wollten - schließlich liegt ein ereignisreicher Tag vor uns.


09.17Uhr. Wir nehmen unser Frühstück in einer Bäckerei namens Zimmermann's (nur echt mit dem Deppenapostroph) ein und erfreuen uns an den Eingeborenen, die brav in der Schlange stehen, nur um Brötchen käuflich erwerben zu können. Die vor uns liegenden Ereignisse scheinen ihren Schatten vorauszuwerfen.

09.33Uhr. Wir fahren mit der Straßenbahn in Richtung Maritim-Hotel. Vor allem unsere im TOS-Gewand bekleidete Berlinerin Miri zieht die Blicke der eingeborenen Ex-Hauptstädter auf sich. Doch auch andere FedCon-Gänger in noch ungleich kürzeren Outfits kreuzen unseren Weg. Im Eingangsbereich stolpern wir auch schon über die Schlange für die Anmeldung der nächsten FedCon, unter denen einige sogar allein mit Bademantel bekleidet anstehen. K'olbasa zeigt sich mit ihnen besonders durch das Tragen von Flipflops solidarisch.


09.59Uhr. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Selbst der MC Chase Masterson (in einem Redshirt-Kleid) hat kaum geschlafen und räumt die Bühne für den Lokalmatadoren und Frühaufsteher Hubert Zitt, der fünfzig Jahre Star Trek Revue passieren lässt. Er klärt essentielle Fragen wie "Welchen Stiefel zieht sich Kirk nach dem Sechs zuerst an?" oder "Sind Klingonisch-Kenntnisse in Gewerkschaftskreisen ratsam?". Spätestens beim tosenden Applaus (der sich hinter dem für die Star-Gäste nicht zu verstecken braucht) bemerkt man, dass Zitt inzwischen zum unabdingbaren FedCon-Inventar gehört.
Gerüchte machen die Runde, dass der Bruce-Greenwood-Ersatz Alice Eve wegen eines Trauerfalls ihre Teilnahme abgesagt hat. Desweiteren sollen zum Auftritt George Takeis die Tore zum Hauptsaal verschlossen werden. Während sich letztere Behauptung als haltlos erweist, wird erstere nach einer Ansage Chase Mastersons zur traurigen Gewissheit.


11Uhr. Ein keineswegs schlanker Mann neben uns fragt lauter als geplant zu Chase Mastersons Outfit "Ist die schwanger oder ist das Kleid etwas ungünstig?", Äußerlichkeiten sind egal, meine ich, ihre Arbeit ist jedenfalls absolut solide.
Dann der Moment, auf den die meisten im Saal so sehnsüchtig gewartet haben: Die Internet-Ikone George Takei betritt die Bühne und beschreibt die Diversität bei TOS mit dem Slogan "The starship Enterprise is a starship Earth." Er erzählt von seinem Trinkkumpanen James Doohan, der allen irischen Wurzeln zum Trotz die Basis-Qualifikation für seine Rolle als Scotty nach eigener Aussage durch den extensiven Konsum von Scotch erworben haben soll. Nach einem ausgiebigen (aber durchaus unterhaltsamen) Monolog öffnet er sich den Fragestellern, wobei von Anfang an klar zu sein scheint, dass ein guter Teil von ihnen aufgrund der fortschreitenden Zeit heute keine Gelegenheit mehr haben wird, seinen Wissensdurst zu stillen. Und so plaudert Takei über "Heroes" (der einzigen Rolle in seiner Schauspielerkarriere, in der er extensiv japanisch reden durfte), sein Engagement in John Waynes "Green Barets" oder seinen Hang zu körperlicher Ertüchtigung. Es fallen einige wenige Spitzen gegen Shatner, die so ziemlich jeder Zuhörer im Raum mühelos als solche erkennen kann (etwa durch die Bemerkung, er habe alle Star Trek Schauspieler zu seiner Hochzeit eingeladen). Er bezeichnet Deutschland als "hotbed of [the] Star Trek fandom", spricht über sein Engagement für die LGBT-Gemeinde sieht sich und seine Arbeit durchaus in der Tradition Gene Roddenberrys, auch wenn ihm dessen Vorbild einige andere Lehren hat ziehen lassen. Durchaus respektvoll spricht er hingegen von der Person Donald Trump und distanziert sie beinahe von dessen schillernden Wahlkampf-Äußerungen. Zweifel an seiner politischen Ausrichtung lässt er dabei allerdings kaum aufkommen, wie man an seinem Abschlussstatement "I will be a proud American when she will be the president of the United States." deutlich ablesen kann.
Bei seinem Abschied kommt es erneut zu Standing Ovations für den Mann, der seinen Fans immerhin verspricht, den Altersrekord seiner Großmutter (stolze 104 Jahre) brechen zu wollen.


12.10Uhr. Das Alice-Eve-Panel entfällt ersatzlos und wir verlassen mit einer Menge neugewonnener Freizeit den Hauptsaal in Richtung Merchandise-Bereich, wo ich nur ein Shirt für mich, aber immerhin zwei für meine Frau käuflich erwerbe. Miri sucht vergeblich nach qualitativ hochwertigen bajoranischen Ohrringen oder einem Nexus-Shirt, das nicht wie ein Zirkuszelt ausfällt. Das Laufen durch die einzelnen Bereiche wird aber durch die wahren Menschenmassen erschwert, die sich durch die viel zu engen Gänge wälzen. Zum Glück hält sich die Sonne zurück, so dass wir nur vereinzelt den Körperausdünstungen anderer ausgesetzt werden.

12.36Uhr. Wir stehen für das Takei-Fotoshooting an, während K'olbasa immer wieder aus der Reihe ausbricht, um sich mit grünen Frauen oder anderen spannenden Kostümtragern fotografieren zu lassen. Wir kommen in unserer Schlange erstaunlich zügig voran, nur um an dessen Ende in eine weitere, ungleich größere Schlange geführt zu werden. Uns fällt - nachdem wir uns immer wieder nach unserem vierten Außenteammitglied umsehen - auf, dass viele Träger der roten TNG-Uniform Rok äußerlich ähneln: Oft sind sie männlich, schlank, kurzhaarig und tragen eine Brille.
Als wir dann viel später tatsächlich wieder auf Rok treffen, fällt uns auf, dass unser TNG-Uniformträger-Vergleich schon allein daran scheitert, dass unser Teammitglied heute seine Brille im Hotel gelassen hat.


13.32Uhr. Und plötzlich sind wir auch schon fertig, weil alles in den letzten fünf Minuten viel schneller ablief als wir uns hätten vorstellen können: Bezahlung (möglichst passend), Erhalt einer Karte, Abnahme von Rucksäcken oder Taschen und dann wird man auch schon vor den geduldigen George Takei geschoben, der jeden einzelnen Gast mit einem freundlichen Lächeln begrüßt. Doch ehe man angemessen zurücklächeln kann, wird man auch schon zur Fotoausgabestelle geschoben, erhält Gepäck und Foto und findet sich auf einem der vielen überfüllte Gänge wieder.


Wir fotografieren viele der toll verkleideten Fans und loben immer wieder, dass dies die erste FedCon seit langem ist, in der wieder Star Trek zum Mittelpunkt des allgemeinen Treibens geworden ist.


14.06Uhr. Nachdem Miri sich mit einer alten Freundin getroffen hat und Rok aus dem Robin-Curtis-Panel zurückgekehrt ist, bricht unsere Gemeinschaft zusammen ins benachbarte Friesdorf auf, um dort etwas abseits der Bon-Marken-verseuchten Hotel-Hallen zu essen. Doch der kleine griechische Steh-Imbiss (den wir aus Solidarität zu Marina Sirtis als Nahrungslieferanten ausgesucht haben) und die fortschreitende Zeit lässt Miri und Rok fluchtartig zum Maritim zurückkehren, während K'olbasa und ich weniger Berührungsängste mit der Kultur der Eingeborenen zeigen und in einem Anflug von spontaner Völkerverständigung danach sogar noch ein Eiscafé aufsuchen, um koffeinhaltige Getränke zu uns zu nehmen.


15.44Uhr. Wir kommen am Auto an, wo wir unsere gerade erworbenen Kölsch-Vorräte ("Wenn Du auf Fellabia bist, verhalte Dich wie ein Fellabianer", Phlox) verstauen und uns kurz darauf wieder ins Getümmel stürzen, um mit einer größtmöglichen Foto-Ausbeute nach Hause zurückkehren zu können. Wir treffen eine Menge alter Bekannter aus der echten Hauptstadt wie Marcus, Vivien, Jens, Julia, Logan, Andrea, Sirella und Q. Ich erwerbe William Shatners Buch "Leonard - My Fifty-Year Friendship with a Remarkable Man" und werde sogar auf meinen sträflich inaktiven Bücherblog angesprochen.


16.56Uhr. Zur Entspannung nach so viel Entspannung zündet sich K'olbasa seine traditionelle FedCon-Zigarre im Außenbereich an und wir stoßen gemeinsam mit Kölsch (warum gibt es eigentlich kein Bonnsch?) an. Doch dann wird der Gelegenheitsraucher plötzlich von vorbeiflanierenden Uniformträgern darauf aufmerksam gemacht, dass just in diesem Moment der Star-Trek-Kostüm-Weltrekordversuch beginnen würde.
Und so verschwindet er - die brennende Zigarre zurücklassend - hinter der großen Glasfassade, nur um um Punkt 17.01Uhr als zweiter Konstümträger aus der gleichen Tür wieder herauszukommen. Ich für meinen Teil bleibe sitzen und genieße das Spektakel, das sich vor meinen körperlichen Auge entspinnt.
Der Vorplatz füllt sich mehr und mehr und der grenzenlose Jubel suggeriert, dass der Rekordversuch geglückt sei. Anderen Informationen zufolge soll dies allerdings nicht gelungen sein und selbst der Hausrekord des Vorjahres um gut dreihundert Personen verpasst wurde.




17.45Uhr. Wir schlendern weiter auf dem Gelände herum und finden uns schließlich im Hauptsaal ein, wo die tapfere Miri Plätze für uns gesichert hat, von denen wir das Geschehen auf der Hauptbühne gut verfolgen können.
Schon bald taucht Chase Masterson wieder auf (dieses Mal in einer Art Star-Trek-Pyjama) und läutet den Panel-Abend mit dem ersten Stargast ein: Robert Beltran.


18.00Uhr. Im Vergleich zu seinem letzten FedCon-Auftritt fällt nicht nur auf, dass er sich sein Haupthaar wieder dunkel gefärbt hat, sondern auch, dass ihm ein Schalk im Nacken sitzt. Sein überaus unterhaltsames Panel schwankt zwischen bösartigem Humor, Anekdoten, Spitzen gegen unverständliche Publikumsfragen und Persiflagen auf seine Voyager-Kollegen. Zwischendurch ließ er dabei auch immer wieder konstruktive Kritik an der Serie und ihrer Produktionsbedingungen anklingen.
So antwortet schelmisch er auf die Frage einer der vielen vorrangig weiblichen Fragestellerinnen, wie er sich das Endstadium der Serie vorgestellt habe mit "I was hoping that at the beginning of the seventh season Janeway would die." um etwa auf die etwas überhasteten Entwicklungen innerhalb der letzten sieben Folgen und die mangelnden Möglichkeiten seines Charakters hinzuweisen. Ferner berichtet er darüber, wie man mit Pferden umgehen sollte, wie er von weiblichen Fans gestalkt wurde und dass es jeden Morgen etwa zwanzig Minuten dauerte, seine Maske anzulegen. Denkwürdigstes Bonmot dieses Panels war aber ohne Frage sein Satz "When it comes to Seven of Nine, you don't want a quickie."
Nun ja.
Da können wir uns wohl alle nur anschließen.
Oder?


18.53Uhr. Chase Masterson kündigt den nächsten großen Gast an: tänzelnd gelangt Walter Koenig unter tosendem Applaus und Musik aus Voyager (!) auf die Bühne. Doch dieser überraschende Akt der Agilität und Spontaneität war keinesfalls ein geeigneter Indikator für das nun folgende Panel. Etwas zäh berichtete der Altstar mit brüchiger Stimme von den Schwierigkeiten und Annehmlichkeiten seiner wohl prägendsten Rolle ("It was not very challenging to do Star Trek."), wobei er einige Male den roten Faden verlor, Tempo einbüßte oder schlichtweg vergaß, ins Mikrofon zu sprechen. Als ob es dadurch nicht schon schwierig genug gewesen wäre, dem Inhalt zu folgen, begannen auf den Rängen auch noch Ordner, die Eintrittskarten zu kontrollieren, um sich vor dem Panel William Shatners der Tageskarten-Besitzer zu entledigen. Dazu werden die Eingänge hermetisch abgeriegelt und sowohl Rok als auch Miri kommen nur ins Innere des Saals, weil K'olbasa sich live bei den Türstehern für die Rückkehr der beiden einsetzt. 
Inhaltlich kreist Koenig derweil um unterhaltsame Fanbegegnungen, seine Sympathie für Anton Yelchin und seinen russischen Akzent, dessen Klangmuster er von seinem bereits damals verstorbenen Vater übernommen hatte.
Als das Panel sich dem Ende entgegenneigt mischt sich die Erleichterung mit Wehmut, dass dies eventuell einer der letzten Auftritte des TOS-Darstellers gewesen sein könnte. Dem zum Trotz oder vielleicht auch gerade deswegen wird er mit Standing Ovations verabschiedet.


19.54Uhr. Chase Masterson kündigt (nun in blauem oder schwarzem Glitter-Kleid) den Höhepunkt des Abends an: William Shatner. Obgleich fünf Jahre älter, präsentiert sich Shatner ungleich agiler als Koenig und liefert eine Show ab, die in ihrer Anlage stark an eine Boston-Legal-Episode erinnert: Man weiß nie so recht, ob er seinem Publikum hier einen eigentlich witzig gemeinten Wortbeitrag vorspielt, oder ob man gerade einen echten Einblick in seine Persönlichkeit erhält.


Sein Panel läuft vor zitierwürdigen Bemerkungen nahezu über. So betont er den Weltstadtcharakter Berlins vor Bonn ("What is the capital? Berlin?! Finally! Something that makes sense!"), weiß was er mit Chris Pine machen würde ("I would shoot him."), stellt klar warum TOS in Frankreich weniger erfolgreich ist ("The french don't know what they're doing!") und bestimmt ohne nachdenken zu müssen zielsicher den Grund für den Erfolg des Franchises an allen anderen Orten ("I am the reason why!"). Er erzählt von seinem Motoradprojekt, rührt die Werbetrommel für "Chaos on the Bridge" und wünscht sich, dass "Rocket Man" niemals aufgezeichnet worden wäre.



21Uhr. Nachdem auch Shatner seine eigenen Standing Ovations abgeholt hat, Chase Masterson eine zehnminütige Pause angesagt und K'olbasa die Gunst der Stunde nutzt, um auf der unteren Ebene seine Fotos zu schießen tritt als krönender Abschluss die Jadzia-Dax-Darstellerin Terry Farrell auf und gibt bereitwillig Auskunft über ihren Familienstand (geschieden), ihre aktuellen Lieblingsserien ("Orange is the New Black" und "Sense8"), ihren Ex-Mann (ein Arsch), ihr Haustier (ein Hund) und wer in ihren Augen der Hauptverantwortliche für ihren Ausstieg aus DS9 war (Rick Berman).
Immer noch ist sich erstaunlich schüchtern, aber keineswegs verlegen um schlagfertige Antworten auf merkwürdige Publikumsfragen ("I'm not gonna give klingon sex to your husband!"). Als sie jedenfalls nach der Abmoderation durch Chase Masterson von der Bühne tänzelt, ist ein ganzer Saal verzückt von einer beeindruckenden Frau.


22.14Uhr. Nach einem letzten gemeinsamen Stopp am Auto bleiben K'olbasa, Miri und Rok bei der Party, während ich mich auf den Weg zurück ins Hotel mache, um meinen zweiten Logbucheintrag fertigschreiben zu können.


01.35Uhr. Ich bin fertig mit dem Schreiben. Meine Augen lassen sich kaum mehr offen halten und nachdem mir Miri heute bereits unter die Nase gerieben hat, dass sie in meinem gestrigen Bericht mindestens zwei Fehler gefunden hätte, bin ich mir sicher, dass ich diesen Schnitt noch höher setzen kann. Trotz des unabstreibbaren Spaßes den wir hier alle haben, freue ich mich doch insgeheim, dass morgen schon der letzte Teil dieses Logbuches folgt.